So. Weil ich den morgigen Freitag für ein kreatives verlängertes Klausurwochenende nutzen möchte, hier schon der Freitagsbeitrag: Hat wer Lust auf eine neue Runde Krimistammtisch? Ihr wisst schon: Einige nette Menschen (mindestens drei solltens schon sein) rezensieren einen Krimi, die Ergebnisse gibt es dann ungeschnitten bei wtd. Jeder kann mitmachen. Über die Lese- und Schreibfrist werden wir uns sicher einig, bliebe nur der Titel, den es diesmal in die kritische Mangel zu treiben hat. „Die Zelle“ von Charles den Tex könnte ich mir vorstellen, auch Ryu Murakamis „Piercing“. Oder doch „Trimmels letzter Fall“ von Friedhelm Werremeier? Als Revisiting einer legendären Figur der Deutschkrimigeschichte? – Aber macht ruhig andere Vorschläge, wir werden uns schon einigen. Auch wer nicht mitkritisieren möchte, kann uns ein Werk ans Herz legen. Also: Kommentarfunktion nutzen oder einfach den Stammtischverwalter →anmailen. Bitte nicht twittern.
Kategorie: Watching the detectives
Uta-Maria Heim: Das Rattenprinzip / Wespennest
Bücher, die einem als Fortsetzungen vorangegangener Bücher angedroht werden, weil sie ohne die nicht zu verstehen seien, mag ich nicht. Grundsätzlich. Ohne Ausnahme. Uta-Maria Heims „Wespennest“ ist die Fortsetzung von „Das Rattenprinzip“ (1991), das der Autorin den Deutschen Krimipreis 1992 beschert hat. „Wespennest“ brilliert als eigenständiges Werk. Um es aber in Vollendung zu „verstehen“, lese man „Das Rattenprinzip“. Vorher, nachher, ganz egal. Soviel zu meinen Grundsätzen.
WeiterlesenAus, Schluss
Ich tu mir das nicht mehr an. Seit Wochen hinterrücks auf die Fresse gezwitschert zu kriegen, Zeuge zu werden, wie ein Kollege, der von seiner Rezensionsarbeit leben muss, in die Nähe der Bestechlichkeit gerückt wird, dann zu erleben, wie man einen Autor als schwulenfeindlich brandmarkt und das Ganze auch noch „Krimikritik“ nennt.
WeiterlesenNeuer Krimipreis! Das Trösterlein!
AutorInnen haben es nicht leicht. Sobald ihr Roman das Licht der Öffentlichkeit erblickt hat, kann er nach Belieben und ungünstigstenfalls ohne kritische Kompetenz zerpflückt werden. Nun, das gehört zum Beruf, damit muss man leben. Manchmal aber kommt es für AutorInnen knüppeldick und sie werden schlichtweg denunziert.
WeiterlesenGlorreiche Sieben 2009, erste Lieferung
So, die ersten zwei Monate des neuen Jahres sind vorüber. Und wir haben tatsächlich sieben Titel für eine aktuelle Liste der „Glorreichen Sieben 2009“. Hier ist sie, in alphabetischer Ordnung:
WeiterlesenTwittern Sie schon?
Nö. Sollte ich? Obwohl – der soziale Druck wächst, sich an einem „sozialen Netzwerk“ zu beteiligen. Schon die Bezeichnung „sozial“ ist Druck genug; dabei würde es doch reichen, Twittern und Facebooken als das zu bezeichnen, was es letztendlich ist: schnöde Werbung respektive der verzweifelte Versuch, auch jemand zu sein im weltweiten Netz. Nichts dagegen einzuwenden. Schriftsteller, Verlage, Redaktionen müssen sich ihre Kundschaft suchen, wer früher zwischen Wiege und Bahre allein via Geburts- und Todesanzeige in die Zeitung kam, drängt in den Zeiten des Digitalen vehement in die Öffentlichkeit.
Nur, noch einmal: Warum sollte ich plötzlich anfangen zu twittern? Was könnte ich in 150 Zeichen mitteilen? „Habe gestern damit begonnen, bunte Bauklötze zu scheißen“ mag eine bemerkenswerte Neuigkeit sein, bei der die sogenannten „follower“ (allein dafür sollte man ihnen nicht followen) aufhorchen. In echt? Yep.
Ganz kurz: Domingo Villar, Wasserblaue Augen
Außergewöhnlich: die Todesart. Einem Mann wird Formaldehyd in den Penis injiziert, sehr schmerzhaft und im Ergebnis nicht hübsch anzuschauen. Nicht alltäglich: Der Protagonist arbeitet nach Dienstschluss als „Radiopolizist“, der sich den Fragen der Hörerschaft stellt. Spleenig: Der Assistent des Protagonisten ist ein ziemlicher Choleriker.
WeiterlesenBierschaum?
Bevor ich gleich zu ner Beerdigung abdüse, das noch: →„Berlin kriminell“ über „Menschenfreude“:
„Fazit: Getaucht in frischen Bierschaum, garniert mit einer stattlichen Portion munteren Zynismus‘. Wo das Obskure zum Normalen wird, freut ein Krimi, der das Damoklesschwert launig in Stellung bringt. Realitätsnaher Krimi von saarländischer Grausamkeit.“
So, und jetzt in die schwarzen Klamotten.
Don’t look back
Ich habe mich dagegen gesträubt. Jeden Werktag um 17 Uhr 40, als eine Hand zur Fernbedienung greifen wollte, die ihr dann die andere, vernünftigere im letzten Moment entwand. Typischer Fall von gespaltener Persönlichkeit. Wem zu verdanken? ARTE.
WeiterlesenKrimikritik goes blogging
Jetzt ist auch die geschätzte Kollegin Ingeborg Sperl vom Wiener „Standard“ unter die BloggerInnen gegangen. Seit dem 6. Februar beschenkt sie uns auf →„krimiblog.at“ mit kürzeren Rezensionen aktueller Kriminalliteratur. Und das freut einen doch, wenn mehr und mehr „PrintjournalistInnen“ das Bloggen mitsamt aktivierter Kommentarfunktion entdecken. Seien wir gespannt, wer der oder die nächste ist. Das Netz knüpft sich dichter und dichter, der Marktführer muss sich was einfallen lassen…
Krimisamstag goes Europolar
Der Krimisamstag im Titel-Magazin ist nicht aufzuhalten. Jetzt kooperiert man mit →„Europolar“ und ist somit multilingual und europaweit vernetzt. Zur Einstimmung stellt uns Kerstin Schoof →eine französische Krimibibliothek vor. Und dann wird rezensiert, was das Zeug hält.
WeiterlesenDie politisch korrekten Krimi-12
Während sich die Kollegen →Bernd K. und →Thomas K. in England einschneien lassen, um quasi isoliert von den Niederungen des Daseins selbstversunken in der Faszination Krimi zu schwelgen, während sie dabei politisch völlig unkorrekt (kaum Frauen, kaum deutschsprachige AutorInnen – Feme, was zögerst du?!) zu Werke gehen, wandelt wtd auf anderen, löblicheren Wegen.
WeiterlesenQiu Xiaolong: Blut und rote Seide
Jetzt ist, wie vieles andere aus dem Westen, auch der Serienmörder in China angekommen. Und zwar mit allen bekannten Schikanen, makabere Leicheninszenierungen inklusive. So weit, so langweilig. Qiu Xiaolong macht aus den bekannten Mustern jedoch ein höchst gelungenes Stück Kriminalliteratur, dessen Objekt des Interesses China selbst ist.
WeiterlesenKrimis interpretieren
Man renne nicht gleich schreiend davon, wenn ich behaupte, Franz Kafka habe mit seinem Roman „Das Schloß“ auch für eine Sternstunde der Kriminalliteratur gesorgt. Nein, nein, wir werden ihn schon nicht vereinnahmen. Aber was passiert dort eigentlich? Ein Landvermesser namens K. wird auf ein Schloss befohlen und weiß bis zum Ende nicht, was er dort soll, und die Leser wissen es ebenfalls nicht. Der Rest ist Interpretation.
WeiterlesenBad, bad, bad
Die Krise ist bei den Bürgern angekommen. Aber auch bei den Käufern und Lesern von Kriminalromanen? Wtd möchte es genau wissen und befragt Herrn Professor Max Deutele, den Geschäftsführer der Gesellschaft für Krimikonsumforschung in Gießen, einem sogenannten Spinn-out der Gesellschaft für allgemeine Literaturkonsumforschung, ebenfalls in Gießen.
WeiterlesenNordkorea? Nein, danke!
Auch wenn heute Karneval ist und das Fässchen Ur-Pils schon wieder leer: Wtd prangert unverdrossen an! Heute: die in letzter Zeit rezessionsartig wuchernde Pieke-Biermann-Verehrung. Kollege →Bernds Eloge macht die Tonne jetzt voll: Wie die Dame in letzter Zeit gelobt wird, das grenzt schon an Personenkult! Zugegeben: SO SCHLECHT IST DIE GAR NICHT! Aber rechtfertigt das alles? Neulich bei Peek(!) und Cloppenburg hat sie ihre neue Lederjacke mit einem Autogramm bezahlt! Das sind nordkoreanische Verhältnisse! Und mir ham’se vorgestern die EC-Karte eingezogen, die Schweine…
Der Karnevalskiller. Aus den Abgründen eines alten Kriminalisten
Sein ganzes Leben lang hatte der alte Kommissar gegen das Verbrechen gekämpft. Jugendlichen Schwarzfahrern begegnete er grundsätzlich mit entsicherter Pistole – man konnte ja nie wissen. Verkehrssünder, Ehrenmörder, Ladendiebe, Besitzer notorisch in Sandkästen urinierender Hunde: Der alte Kommissar hasste sie alle. Einen aber liebte er wie sonst nur noch sich selbst und wünschte sich, er werde ihn niemals dingfest machen müssen.
WeiterlesenPieke auf CD

Na, schau an. Da shoppe ich wie jeden Samstag fröhlich durchs Netz – ein Söngchen hier, ein Paar Wollsocken da – und lande, weiß der Teufel wie, im Shop von Rundfunk Berlin Brandenburg. Und finde was? Eine →CD mit acht klassischen Kriminalreportagen von Pieke Biermann! Ganz frisch! 70 Minuten O-Ton für 7,95, dafür kriegste sonst nix Anständiges im Internet! Also, im Vertrauen jetzt, geflüstert: Kau-fän! Lauter, mit Karnevalstusch: KAUFEN! Sonst gibts am Montag keinen Anti-Faschings-Kurzkrimi!
Samstag mit Krimi, ohne Fasching
Na, Gott sei Dank. Seriöse Ratschläge warten auch an diesem Samstag beim Titel-Magazin. Frau Dr. Lehmann erzählt uns, wie man einen →Gastank sprengt (Herr Putin weiß das längst); Frau Manske rätselt, ob Oliver Maria Schmitts →„Der beste Roman aller Zeiten“ überhaupt Kriminalliteratur ist und wenn ja, warum nicht, also doch; Herr Barsch hält Qiu Xiaolongs →„Blut und rote Seide“ für einen hervorragenden Krimi – meine Rede; Frau Mende findet →„Nachtmarkt“ von Angela Savage nicht so toll; und für Frau Mainka pilchert →„Jagd auf Frankie“ von Kevin Lewis so dahin. Das heutige →Krimigedicht stammt von Carl von Linné und ist keins. Ach ja: Und Herr Rudolph, der seit Jahresbeginn die LeserInnen seines Blogs mit obskuren Theorien zu Edgar Poe nervt, →langweilt damit jetzt auch die LeserInnen beim Titel-Magazin.
Tracy Gilpin: Stunde der Buße
Kriminalliteratur aus Ländern, die sich – wirtschaftlich oder politisch oder beides – im Wandel befinden: das ist per se spannend. Denken wir an Kuba, überhaupt an Lateinamerika, an China, an Südafrika… Während sich sonstwo Krimi als fügsamer Transporteur konsumabler Spannung und Klitzekleindämonen selbst genügen mag, geht dort, wo Werte neu definiert werden müssen, die kriminalliterarische Post ab. Sollte man meinen. Geht aber leider auch anders.
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