Alligatorersatz 280507

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Der Alligator urlaubt – und die wtd-Leserschaft spielt den Alligator. Wer immer auf Neuigkeiten aus der Krimiwelt stößt, schicke den Link bitte hierhin, wir präsentieren dann im Laufe des Tages die Zusammenfassung dessen, was sich so im digitalen Blätterwald getan hat. Den Anfang macht standesgemäß Chef Walter persönlich, dem wir zwei schöne Hinweise verdanken. Merci, Chef Walter! Und dann hätten wir noch etwas…

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„… möchte ich den Namen Wickius

in der heutigen Abteilungsbesprechung nicht hören! Ich bitte Sie alle, sich dran zu halten.“ Polizeioberrat Fritz Kammerer sah warnend in die Runde.
„Klar, Chef!“ kam es im Chor. „Keine Erwähnung von Wickius! Versprochen!“
Der Polizeioberrat rieb sich die Hände. „Also, was haben wir?“
„Die beiden Kleinkriminellen aus der Beilsteinallee sind in die JVA überstellt worden …“

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Soziales Netzwerk

Der →Alligator macht wieder einmal Urlaub. Irgendwie müssen die Profite, die ihm seine Autorensklaven eingebracht haben, ja verprasst werden. Bisher haben wir von wtd die Urlaubsvertretung übernommen, aber diesmal klappt das nur, wenn alle mithelfen, denn der Blogger kann sich die Zeit auch nicht aus den Rippen schneiden. Also: Wem beim Durchforsten des Webs kriminews-relevante Artikel auffallen, der melde sie bitte bei dem da. Der wird sie dann bündeln und veröffentlichen.

Kapitel II

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Was bisher geschah: Nicht viel. Wickius, der bekannte Krimikenner und Exkommissar, inzwischen zum Krimiblogger heruntergekommen, lebt in platonischer Wohngemeinschaft mit der Polizistin Anna Beller, Mitglied der Mordkommission, die das Platonische leider nicht sehr genau nimmt und daher Wickius an die Wäsche will, die sie schließlich auch wäscht, denn natürlich hat sie den Gestrandeten nur bei sich aufgenommen, um von seinen enormen Kenntnissen der Kriminalliteratur zu profitieren. Mitten in einer sehr verfänglichen Situation (die Beller steht nackt vor Wickius, an dem sich gewisse Muskeln selbständig zu machen drohen) klingt das Bellersche Handy. Ein neuer Mordfall. Und ein besonderer: Der berüchtigte Krimiblogger „Der Unfehlbare“ ist gemeuchelt worden, die Beller muss sofort zum Tatort. Wickius wartet auf ihre Rückkehr, er ist verdammt müde, aber er will nicht einschlafen. (Lesen Sie →hier das vollständige, literarisch prima gelungene 1. Kapitel und →hier den Beginn der ebenso geheimen wie reichlich frechen wie literarisch bedenklichen Aufzeichnungen der Anna Beller.)

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Krimiwelt-Bestenliste Juni 2007

Ein Grieche auf Platz 1: Petros Markaris, „Der Großaktionär“, hochgeschossen von Rang 7, eine kleine Überraschung. Neu auf der 2: Michael Collins, „Schlafende Engel“. Hm. Muss man mal lesen. Matti Rönkä hält Bronze, schön so, Rainer Gross die deutsche Fahne im Wind, weiterhin Platz 8 für „Grafeneck“, das KEIN „Tannöd“-Klon ist, es sei noch einmal gesagt. Ebenfalls auf 8: Stieg Larssons „Verdammnis“, wenig überraschend, auch JurorInnen sind nur Menschen. In alle Ruhe studiere man die Liste → hier.

Pieke porträtiert

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„Delikte am Menschen“ haben ihn 43 Jahre lang beschäftigt, Gerd Hasse, Leiter einer Berliner Mordkommission. Noch nicht ganz so lange leistet Pieke Biermann Dienste am Menschen, u.a. in ihrer Radioserie „Menschen – Orte – Kriminalität“, diesmal also mit Herrn Hasse, wie immer im RBBinfoRADIO 93,1, am 26. Mai 2007 um 11:45 Uhr, wird um 16:45 und in der folgenden Nacht um 0:45 und 5:45 Uhr wiederholt und ist auch als Podcast und im Internet unter www.inforadio.de, Suchfunktion: “Recht und Ordnung” abrufbar. Klicken Sie einfach der Pieke im Radio aufs Näschen.

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Crime School, Belegstück

Doch, es gibt Zufälle, und der Wörtche, der Bursch, schickt mir seine Texte merkwürdigerweise EBEN NICHT vor der Veröffentlichung zum Absegnen. Also Zufall, dass in seiner heutigen Rezension von Michael Collins'“Schlafende Engel“ für den →„Freitag“ unser heutiges Crime-School-Thema um ein weiteres Belegstück bereichert wird. Die Benutzung des Genres „contre coeur“, seine schleichende „Literarisierung“, die ausgiebige und dilettantische Verwendung von Versatzstücken – das Buch so zu entlarven, gelingt nur, wenn man es dem Genre zuschlägt und mit dessen Instrumentarium seziert. Freunde der gehobenen Literatur, die dem „seriösen Dichter Collins“ ihren Weihrauch zuschwenken, werden das anders sehen und eben „den tieferen Sinn“ herausarbeiten. Sollen sie. WIR erkennen darin etwas furchtbar Triviales: die Geringschätzung der Kriminalliteratur und damit der Literatur in toto. Merci, Genre, merci TW.

Crime School – das Partywissen -2-

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Was ist denn nun eigentlich Krimi, hä? Alles was zum Genre gehört. Aber dazu gehört eben nicht alles. Den Schund klauben wir mit spitzen Fingern heraus, das „Schwerliterarische“ kippen wir nur unter Protest hinein. Sollten wir nicht tun. Denn ein Genre ist immer ein vertikales Gebilde, es reicht vom literarischen Himmel bis in die literarische Hölle – und nicht selten paaren sich Teufel und Engel in schier zauberhafter Weise…

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Uff, fertig.

Während sich gewisse Redaktionsmitglieder bereits fürs Wochenende einrichten, die neue Heftbeilage der ZEIT studieren (Frau A.), Pfeile in Harlan-Coben-Poster werfen (Jochen) oder ukrainische Zwangspraktikantinnen mit den neuesten Kunststückchen eines Flo- und Virenzirkusses zu beeindrucken versuchen (Bernd), habe ich, von Schweißbächen überströmt, endlich die zweite Folge der neuen Crime School fertiggestellt.

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Fred Vargas: Die dritte Jungfrau

Man handelt Fred Vargas als die Krimiautorin, die den Gordischen Knoten der Authentizität, der „nachvollziehbaren Logik“ mit einem Schlag aufgelöst hat – durch die Einführung eines eigenen Koordinatensystems. Seither schreibt sie Polizeiromane, in denen Polizisten agieren, wie Polizisten nirgendwo auf der Welt agieren, Kommissare kombinieren wie sonst nur Insassen von Nervenheilanstalten. „Magischer Realismus“ heißt das und bedeutet: von Wirklichkeit keine Spur. „Die Dritte Jungfrau“ ist, vielleicht mehr noch als der Vorgängerroman „Der vierzehnte Stein“, ein solches scheinbar abseits der Ratio angelegtes Werk. Verstehen wird es aber nur, wer die Wirklichkeit im Auge behält.

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Akteneinsicht

gewährt nun auch Axel „Fortsetzungskrimi“ Bussmer. Er →bloggt jetzt nämlich, nennt das Ganze „Kriminalakte“ und hat schon mal ein Porträt von Harlan Coben im Angebot. Geben wir unserem Azubi Jochen zu lesen, der sich furchtbar grämt, dass seine heutige schöne Sandford-Rezi laut „Alligatorpapieren“ (werden zur Strafe nicht verlinkt) von dpr persönlich stammen soll. Der wiederum ist sauer, weil ihm der Alligator eine Azubirezension zutraut und überlegt, die epochale „Crime School“ (gibts am Freitag wieder) bei Suhrkamp zu platzieren. Wahrscheinlich hat sich aber bis heute abend wieder alles in Wohlgefallen aufgelöst.

John Sandford: Kaltes Fieber

Das gesamte Buch hindurch versucht Lucas Davenport eine Liste mit seinen 100 liebsten Songs der „Rock-Ära“ zu erstellen. Kollegen und Personal am Rande versuchen ihm zu helfen; einem in der Psychiatrie einsitzenden Patienten fällt sogar ein eklatanter Mangel dieser Liste auf. Im Anhang wird sie endlich veröffentlicht, und ist Kennzeichen für den kompletten Roman, eigentlich sogar für die ganze Reihe um den zielstrebigen Cop Lucas Davenport: Lucas musikalischer Geschmack ist solide Hausmannskost, mit einigen Ausrutschern. Positiven wie negativen.

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Ein bisschen Luxus

ist das Schreiben eines digitalen Fortsetzungskrimis ja schon. Kann sich nicht jeder leisten. Axel Bussmer (nur gute Freunde dürfen ihn auch mit scharfem S benamsen), Krimifreunden u.a. als Mitarbeiter eines gewissen Jahrbuchs bekannt, leistet es sich einfach. Sein jetzt bei →„Berlin kriminell“ gestarteter Roman „Ein bisschen Luxus“ ist auf 28 Folgen angelegt. Ein Student ist verschwunden, det Janze spielt in Berlin, was praktisch ist, denn der Autor lebt dort, was verständlich ist, denn das Autor ist gebürtiger Pfälzer, was ein lebenslanges Trauma ist. Also mal reinlesen.

Blankes Entsetzen

packt uns bei dem Gedanken, hunderte von Kriminalromanen schreiben zu müssen – und mit 47 Jahren zu sterben. Matthias Blank war so einer. Ein Vielschreiber unter zahllosen Pseudonymen, in allen Sätteln der schnell produzierten Unterhaltung stets bereit für den Ritt durchs Triviale.

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George P. Pelecanos: The Night Gardener

Der unbekannte Mörder, dessen Spitzname George P. Pelecanos’ neuem Buch „The Night Gardener“ den Titel gibt, tötete in den 80er Jahren drei dunkelhäutige Kinder durch Kopfschüsse. Die Vornamen der Kinder, die alle aus armem Elternhaus kamen, stellten Palindrome dar (Anna: „von vorne wie von hinten“) und die Leichen waren, nachdem der Täter sich an ihnen sexuell vergangen hatte, umgezogen und in einem der Stadtparks Washingtons ablegt worden. 20 Jahre herrschte Frieden, nun taucht plötzlich eine Leiche mit fast den gleichen Charakteristika auf.

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Kapitel I

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Wickius, der die Kriminalliteratur wie kein anderer kennt und jeden tatsächlichen Mordfall dank seines überragenden Krimiwissens löst, Wickius also: ist zurück! Und steckt mitten in seinem schwierigsten Fall! Es geht um Leben und Tod! Um Deutschland! Ein Verbrechen sondergleichen findet statt, jetzt, hier, während Sie das lesen! Die Zeit ist knapp und sie verrinnt unerbittlich! Wird Wickius Deutschland retten können? Lesen Sie halt selbst! Am Ende des Kapitels wird, wie es gute Wickius-Tradition ist, eine krimiliterarische Frage gestellt! Wer sie beantworten kann, wird in die Ruhmeshalle der Unsterblichen aufgenommen!

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Schöne Bescherung

Vor einer Stunde noch war ich ohne „Feuertod“, den neuen Kriminalroman einer gewissen Astrid Paprotta. Jetzt hab ich ihn doppelt. Dass ich das Werk nun 2x lesen muss, ist nicht das Problem. Wäre der erste Krimi von A.P., bei dem ich das nicht täte. Aber muss ich ihn auch 2x rezensieren? Einmal ehrlich und einmal genau andersrum? Mit solchen Problemen kämpft man als Rezensent. Davon haben die Verlage und Autorinnen natürlich keine Ahnung.