Oslo sichten, Oslo sehen

asimov_sonne.jpeg In Isaac Asimovs Science-Fiction-Krimi „Die nackte Sonne“ verschlägt es den Protagonisten zur Aufklärung eines Mordfalles auf den fernen Planeten Solaria. Nur 20.000 Menschen, Nachkommen früher Auswanderer von der Erde, „Spacer“ genannt, leben dort, weitab voneinander auf riesigen Anwesen, von Heerscharen willfähriger Roboter versorgt und von der Angst besessen, einander zu begegnen, sich leibhaftig SEHEN zu müssen. Ihre sozialen Bedürfnisse befriedigen sie durch SICHTEN, dreidimensionale Projektionen, die die Illusion eines direkten Kontaktes garantieren, im Grunde aber nichts anderes sind als Fern-Sehen. Man ist da und doch weit weg. Der Ekel vor der Unmittelbarkeit des Sehens, die schaurige Vorstellung, verbrauchte Atemluft eines anderen menschlichen Wesens in die eigenen Lungen zu saugen, ist nicht angeboren, dieser Ekel wird anerzogen. Einzige Ausnahme: Ehepartner, doch auch hier nur unter Qualen, aus Gründen der Fortpflanzung indes unumgänglich. Andererseits haben Solarier bei aller verqueren Sexualität kein Problem damit, beim Sichten nackt zu sein, wie unser Protagonist gleich zu Beginn seines Aufenthalts peinlichst berührt erfahren muss.

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Dass ein Autor nicht weiß, wohin ihn sein Weg führt, wenn er einen Krimi beginnt, nun ja, so neu ist das nicht. Aber die meisten haben einen PLAN, wenigstens die Ahnung eines Plots, eine Plastiktüte voller Ideen, beim großen Discounter Kriminalliteratur in den Einkaufswagen geworfen, und dann gehen sie daran, sich daraus ihr eigenes Süppchen zu kochen. Und irgendwann wird alles anders, das Ding entwickelt EIGENDYNAMIK und das ist entweder gut oder schlecht, aber wurscht, it’s Krimi.

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Das liest man gerne

Was Neues von der Rezensionsfront zu „Pixity – Stadt der Unsichtbaren“? Ja, klar. Keine Printmedien, keine Edelfedern, also nix von Leuten, die vom Internet normalerweise nur wissen, dass es früher Internat hieß und die Lehrer leider keine Fakes waren, sondern aus Fleisch und blutleer. Dafür ein bunter Strauß BloggerInnen, die sich alles in allem erfreulich positiv zu meinem letzten Werklein artikulieren. Lesen wir doch mal kurz rein…
pixitycover.jpgDer Mann, den →das Leben ohne Radiergummi gezeichnet hat, unterstellt dem Autor fieserweise, er habe sein Buch mit einer Art Suchtmittel präpariert, denn: „Man kann nicht anders, als es zu lesen.“ Zieht aber sogleich die einzig logische Schlussfolgerung: „Den ersten Roman des Autors habe ich mir jetzt auch gleich bestellt.“ (Hinweis und weitere zarte Kaufempfehlung: Es ist bereits der zweite Roman) Hat ihm doch gefallen, dass „dieses Buch mich mehr und mehr in den Bann gezogen hat, dass es immer verwobener und verrückter und interessanter und irritierender wurde, dass es einem Angst macht.“ Schön finde ich es, endlich einmal NICHT für meine langen Sätze gescholten zu werden: „Zwar gibt es oft wundervoll lange Sätze, jedoch geht der Inhalt nie verloren, was viele andere Autoren leider nicht von sich behaupten können.“

Dies tut aber →„Merle im Halbschlaf“: „Auch der Schreibstil ist manchmal etwas kompliziert. Sätze werden abgebrochen, Gedankengänge nicht fortgeführt. Viele Sätze sind zu verschachtelt und haben mich leider manchmal etwas durcheinander gebracht.“ Der nächste Satz hat mich irritiert: „Obwohl das Buch in Ich-Form geschrieben ist, was mir persönlich am liebsten ist, hatte ich mir mehr davon versprochen.“ Ich-Form? Da musste der Autor doch glatt noch einmal nachschauen… Dankbar indes registriert er das Fazit der Rezensentin: „Über das Ende jedoch war ich ziemlich überrascht. Ein gutes Buch, daß uns zeigt, daß die Internetwelt keine Gesichter hat und ein Haufen Lügen ist!“ Naja, vielleicht ein wenig zu hart geurteilt, nicht jede Seite im Internet lügt so gedruckt wie wtd…

Gut gefallen hat es auch dem Blogger von →aus.gelesen: „Pixity ist ein recht spannendes Szenario im Stil der düsteren Krimis früherer Jahre, der die Gefahren eines „Lebens“ in der virtuellen Realität – besonders für Kinder – thematisiert.“ Er hat indes einen Einwand: „Was mich gestört hat ist die komische Sprache, in der Rudolph seine Pixies (Besucher von Pixity) sprechen läßt.“ Information des Autors: Etwa 70% dieser komischen Sprache besteht aus Originalzitaten, der Rest wurde für die Handlung behutsam angepasst.

Erschüttert zeigt sich die „Traumweberin“: „Tanten, Onkel, Geschwister und sonst noch etwas. Diese Buchgeschichte schreibe ich zur Warnung. So befangen bin ich nachdem ich dieses Buch auch beendet hab.“ Nein, ihr wtd- und dpr-Hasser, sie warnt nicht vor dem Buch! Das hat ihr nämlich gefallen. „Ich habe es ausgelesen. Und als ich es schloss, liefen mir Tränen übers Gesicht. Ich weiss. Irgendwie blöd.“ Ach was, nicht blöd! Mehr an Emotion ist kaum möglich – und auch der Autor zeigt sich ergriffen und dankt allen RezensentInnen für Ihre Bemühungen und das kritische Wohlwollen.

Dr. Watson bloggt

Das musste man sich ja angucken. Mit der BBC-Miniserie „Sherlock“ sei praktisch das Fernsehen als Krimiaufbereitungsmaschine neu erfunden worden, so legten es die euphorischen Vorbesprechungen nahe, aber wieso, fragte man sich unwillkürlich, strahlt sie die ARD dann überhaupt aus, neckischerweise auch noch nach dem Sonntags-Tatort, für den man ja das Fernsehen nicht neu erfinden muss, sondern schleunigst bald abschaffen, wie es ebenfalls als Herzenswunsch gerade medial im Umlauf ist. Nun denn. Also die erste Folge schauen.

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Sommer der Plots

Die Wirklichkeit war schon immer der holprige Versuch eines Laienspieltheaters, die großen Romane nachzuerzählen. Murdochs Machenschaften, diese Pervertierung von Journalismus mitsamt innigster Verbandelung von Politik und Polizei und Presse und Profit, was ist das anderes als ein politischer Krimi von Dominique Manotti? Und welcher Leser der Wu/Durant-Romane von Ross Thomas wartet nicht beim Schelmenstück „Eurokrise“ auf das Erscheinen des cleveren Pärchens? Aber es kommt nicht.

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Robert B. Parker: Trügerisches Bild

parker_bild.jpgMachen wir es kurz: Parker – Spenser – letztes Abenteuer – durchwinken und zur Lektüre freigeben. Wie immer schön lakonische Dialoge, ein durchaus ernstes Thema, die bekannte und bewährte Dramaturgie aus Action und Reflexion. Etwas Wehmut: Neues wird von Parker nicht mehr kommen. Etwas Vorfreude: Pendragon wird hoffentlich die noch nicht ins Deutsche übertragenen oder seit Jahren nicht mehr lieferbaren Spenserromane nach und nach präsentieren, sich vielleicht sogar den anderen Serien Parkers widmen. Ein wenig Bauchschmerzen: die Story.

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