Rage: From The Cradle To The Stage

Ja, auf den Metal-Bühnen dieser Welt kann man so richtig posen und nach Effekten haschen.. Die ehemaligen Ruhrpottrocker Rage spielen dieses Spielchen seit 20 Jahren mit und belohnen jetzt zum Jubiläum die Fans mit zeitgleich erscheinender Doppel-DVD und Doppel-CD.Ruhrpott war gestern, Staatengemisch ist heute. Peavy Wagner, Victor Smolski und Mike Terrana kommen aus drei verschiedenen Ländern, und aus der Distanz betrachtet war der Split von den restlichen Bandmitgliedern das beste, was Peavy Wagner passieren konnte.

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Marillion: Marbles On The Road

Auf der Bühne sind Marillion eine Macht. Nach einigen Livealben gibt’s den Beweis jetzt auch zum Gucken. „Marbles On The Road“ ist die erste DVD der Band und umfasst im Wesentlichen die komplette Liveumsetzung des vergangenen Studioalbums „Marbles“. Aufgenommen im Astoria in London strahlen die Highlights des Albums wie „The Invisible Man“ oder „Neverland“ in noch hellerem Glanz, aber selbst schwächere Songs werden von Intensität und Dynamik getragen. Fast selbstredend, dass „Marbles On The Road“ höchsten technischen Anforderungen genügt und durch gute Kameraführung (insgesamt 15 Kameras) und druckvollen Sound (wahlweise auch als 5.1-Surround) glänzt. Hier liegt vielleicht der einzige Schwachpunkt der CD: Der Livesound klingt so perfekt, dass man sich an manchen Stellen etwas distanziert vom Geschehen fühlt.

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Woven Hand – Consider The Birds

Man kommt an David Eugene Edwards nicht vorbei ohne das Wort ‚Atmosphäre‘ in den Raum zu schmeißen. Er klimpert ein bisschen auf der Klaviatur der Seele und schickt dich mit wenigen Tönen von der Erlösung zur ewigen Verdammnis.Der Opener „Sparrow Falls“ führt in melodischen Treibsand, bei anderen Stücken, wie dem bedrohlichen „Off The Cuff“, ist der Untergang schneller besiegelt. Textlich kreist David Eugene Edwards diesmal mehr um die Erlösung als um die Verdammnis, klingt aber wie jemand, der Erlösung verdammt nötig hat.

„Consider The Birds“ ist ein so großartiges Album, dass man sich ernsthaft fragen muss, wie Sixteen Horsepower das toppen wollen.


Woven Hand
Consider The Birds
Glitterhouse/Indigo
VÖ: 20.9.2004
Link: http://www.16horsepower.com/wovenhand/

King’s X: Live All Over The Place

Als Freund des texanischen Groove-Trios kann man sich über zu wenige Veröffentlichungen nicht beschweren, aber das Beste haben sich King’s X mehr als 15 Jahre aufgespart. Nach zehn Studioalben und unzähligen Sideprojects ist „Live All Over The Place“ tatsächlich das erste Livealbum der Band. Wer die Drei jemals on stage gesehen hat, hat auch schon den ein oder anderen andächtigen Kniefall hinter sich und kann sich dieses Erlebnis jetzt endlich ins CD-Regal stellen. Leider lässt die Aufnahmequalität ein bisschen zu wünschen übrig, aber das Livefeeling wird gut transportiert.

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Lyn Leon: Glass Lounge

„Glass Lounge“ besticht in erster Linie durch eine glasklare Produktion, in zweiter Linie durch großartige Songs. Carolyn Leonhart, die Vokalistin der Band, vereint Pop und Jazz auf geschickte Weise und wird detailverliebt umspült von den eidgenössischen Soundtüftlern Stephan Diethelm und Matthias Eser. Man kann und will sich nicht festlegen, ob der Pop- oder der Jazz-Anteil auf „Glass Lounge“ überwiegt; fest steht nur, Lyn Leon spielen in der absoluten Oberklasse.

(8 Fritten)

Lyn Leon: Glass Lounge
SPV

Alpha Safari: Commercial Suicide

Entombed + Misery Loves Company = Indierock. Dass diese Rechnung aufgeht, hätte ich nicht gedacht. Hinter Alpha Safari verbergen sich mit Ulf Cederlund (Entombed) und Patrick Wirén (Misery Loves Company) zwei bekannte Namen, die mit ihren Hauptbands um einiges wilder am Start sind. Hier frönen sie einer guten Mischung aus Post-Rock, Indie und Alternative und jubeln 12 coole Songs unters Volk.

(7 Fritten)

Alpha Safari: Commercial Suicide
Threeman

Cocún: Zoë In Exile

Mhm, ein schöner Albumtitel konkurriert mit einem kitschigen Cover und einem Sänger, bei dem sich der optische Vergleich zu Ville Valo geradezu aufdrängt. Um dieses Kontrastprogramm fortzusetzen, erinnert die Musik des Berliner Quintetts am ehesten an Mainstreamrockbands wie Matchbox Twenty oder im schlimmsten Fall auch Nickelback. Jetzt die Überraschung: Cocún kriegen die Kurve trotzdem.

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Culture Club: 20 Year Anniversary DVD

Ich habe schwer geschmunzelt, als ich die Culture Club DVD aus dem Postkasten gezogen habe. Nach einem augenzwinkernden Auftakt kann man sich aber recht schnell davon verabschieden, dass sich Culture Club bei ihrem Jubiläumskonzert zum nostalgischen Kasper machen. Alle Hits sind drauf, Boy George ist gut bei Stimme und entgegen der Vermutung demontiert sich die Band nicht selbst. Dafür Respekt und den Nostalgiedaumen nach oben.

(6 Fritten)

Culture Club: 
20 Year Anniversary DVD - Live At The Royal Albert Hall
ABC/SPV

Three.Minute.Poetry: We’re Gonna Need A Bigger Boat

Ich glaube, so groß muss das Boot gar nicht werden. Three.Minute.Poetry sind nach ihrem guten Vorgängerwerk „Slowly Learning That Love Is Okay“ ziemlich ins Emo-Mittelfeld abgerutscht. Gefällig und nett, laut und leise, nach wie vor sympathisch, aber es gibt dickere Fische im Emo-Teich, sodass Three.Minute.Poetry wahrscheinlich selten auf den Teller kommen.

(5 Fritten)

Three.Minute.Poetry: We're Gonna Need A Bigger Boat
Eat The Beat/Sony

Lawn: Backspace

Wer Anneke van Giersbergen (The Gathering) als Duettpartnerin für einen Song gewinnen kann, der hat es schon fast geschafft. Die einprägsame Stimme von Anneke macht die erste Single „Fix“ definitiv zum Glanzlicht. Ansonsten kann die niederländische Combo Lawn nicht durchgängig diese Qualität halten. Die Post-Rock-Marschrichtung stimmt, aber den meisten Songs fehlt es an Tiefe, um langfristig hängen zu bleiben. Anspieltipps: Das rockende „Frontseat“ und das atmosphärisch gelungene „Polaroid“.

(6 Fritten)

Lawn: Backspace
Supermodern/Indigo