Doob Doob O´Rama

Das Beste an diesen ganzen Indien-, Asia- und Türkenshops sind doch immer noch die Ecken mit den Musik-Kassetten bzw. die schreiend-bunten, kitschigen Bildchen darauf: irgendwelche schmachtenden Schönheiten mit riesigen Plastik-Wimpern und Schmalz-Typen mit bonbonfarbenen Gewändern und mindestens drei Kilo Goldschmuck.
Auch „Doob Doob O´Rama“ erfreut schon auf dem Cover mit hemmungloser Koloristik und läßt die Rezensentin zum CD-Player eilen.

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Catatonia: Dead from the waist down


Im Leben eines jeden Musik-Fans kommt vermutlich einmal der Punkt, wo man das Gefühl hat, die Euphorie der Jugendzeit sei unwiderbringlich verloren. Das kann daran liegen, daß die vermeintliche Lieblings-Band nur noch lahmen Müll produziert oder allein bis dato nie-gehörte Standard-Werke aus den Sixties die Ohren noch zum Glühen bringen, während die neuen Sachen allesamt nichts mehr taugen. Dann fühlt man sich unverstanden und alt.

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Beangrowers: 48k

Ziggy Stardust und seine Spiders sind wieder da, und sie klingen wie Garbage in silbernen Plateaustiefeln! Aber erst mal die Fakten: die Beangrowers sind ein junges Trio aus Malta (!), zwei Jungs und ein Mädel: Alison Galea (voc, git, synth), Ian Schranz (dr, synth) und Mark Sansone (bs, synth, voice art). „48k“ ist ihr Debüt-Album. Ich geb ihm vier von fünf möglichen Punkten, denn das Rad haben sie nicht grad neu erfunden (s. Verweis auf obige Band), und wer weiß, was zudem noch auf das Konto von Produzent Gareth Jones (…) geht, ich bin da ein bißchen mißtrauisch…

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Wilco – Summerteeth

Britannia rules auf der ´99er-Scheibe der einstigen Americana-Heroen. „Summerteeth“ ist Wilcos Beatles-Album! Verschroben und von einer erfrischenden Unbekümmertheit wie früher, aber auch sehr viel poppiger in Melodien und Arrangements. Harmonika- und Banjo-Klänge sind noch nicht zu reinen Special Effects verkommen, aber gegen die Walls of Sound, die sich gelegentlich auftürmen, kommen sie kaum noch an.

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Mesh: The point at which it falls apart

…alle Eingaben bei der Genfer Menschenrechtskommission, 20 000 Protestunterschriften und die Mahnwachen von Amnesty International waren vergebens: Anfang des Monats wurden „Mesh“ wegen musikalischen Fehlverhaltens aus Bristol abgeschoben und im Morgengrauen nach Basildon ausgeflogen. Ja, so kann´s gehen, wenn man zum wiederholten Mal statt des landesüblichen Trip Hops, wie ihn die Kollegen Massive Attack und Portishead als Markenzeichen der Region etabliert haben, traditionell hämmernden und eingängigen Synthie-Pop der frühen 80er macht! Das ist wie Erdbeeren-Essen im Dezember, nämlich unökologisch, unethisch und standortschädigend!

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Equatronic: Motivation

Der Chefredakteur weiß, wie man Rezensenten lockt: „Beeinflußt von Yazoo und Depeche Mode“ sagt er, mit der CD winkend, und meint das Duo Equatronic (Oliver Thom und Dorothea Brandt) aus der Gegend ums saarländische Völklingen, einem häßlichen Industrie-Ghetto aus grauen Betonklötzen und dank des jahrzehntelangen Zechen-Ausstoßes sicherlich eine der häßlichsten Städte Deutschlands. Doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen: Völklingens Bewohner haben ein sonniges Gemüt, nennen sich „Cindy“ und suchen sich einen „Bert“, um fröhlich trällernd durch die Schlager-Welt zu ziehen.

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Lucinda Williams: Car wheels on a gravel road

Tja, was soll man dazu noch sagen – klasse Songs, tolle Stimme, superber Roots-Rock?!! Vielleicht, daß Lucinda Williams ein Meisterwerk vorgelegt hat, wie es einem nur jedes Schaltjahr mal unterkommt. Es rockt und kickasst, daß es nur so eine Freude ist. Allerdings weniger im brachialen als im klassischen Sinne: eben Roots-Rock mit dezenten Country- und Folk-Anklängen.

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Finnischer Tango. Tule Tanssimaan

Finnland liegt irgenwo zwischen Skandinavien und Rußland, stellt den amtierenden Formel 1-Weltmeister, das exzellente Eistanz-Doppel Rakkamo/Petri (der Vater von ihr ist Bürgermeister von Helsinki), den verschrobenen Regisseur Ari Kaurismäkki und die trinkfesten Elvis-Wiedergänger „Leningrad Cowboys“. Außerdem hat das Land, dessen Bewohner für ihre Wortkargheit berühmt sind, die höchste Handy-Dichte der Welt! So oder so ähnlich sieht das Bild aus, das sich der gemeine Nicht-Finne von Finnland macht.

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Willie Nelson: Teatro

Neues von Willie Nelson also, seines Zeichens Country-Legende, Late-Wolfgang-Neuss-Look-a-like und wie dieser ein ausgemachter Marijuana-Man. In welchen Dimensionen mochte er sich rumgetrieben haben, als er den Franko-Kanadier Daniel Lanois zu seinem Produzenten erkor? Wie drogengeschwängert mochte die Luft bei der Vertragsunterzeichnung gewesen sein? Nein, das ist schon fast zuviel der Polemik, denn ein musikalisches Urgestein wie Willie Nelson ist auch von noch so profilierungssüchtigen Gestalten hinterm Mischpult nicht kaputtzuproduzieren. Aber hören tut man´s halt.

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Red Snapper: Image of you

„Image of you“ ist eine düster-melancholische Ballade aus der House-Werkstatt des Trios „Red Snapper“. Anfangs noch eher Dancefloor mit Sphären-Gewaber, Blubber-Sound, klassischen Violinen- und Celloarrangements (!) und der dramatischen Schoko-Soul-Stimme von Alison David („Life Addiction“) – aber mittendrin geht der Song plötzlich über in temperamentvoll stampfenden Hip Hop und rockt. Insgesamt ein versponnenes Klang-Gewebe diverser Sound-Schichten, die rhythmisch immer wieder wechseln, wenn man grad denkt, jetzt hat man´s!

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Badly Drawn Boy: EP 3

Der Terminus „EP“ läßt es schon vermuten: dies ist eine musikalische Zwischenmahlzeit, ein Snack von einer guten Viertelstunde Laufzeit und ganzen sechs Takes. Dafür ist das stilistische Spektrum von erschreckender Vielfalt! Ein Sampler, der sich als Album tarnt (ich weiß, Sampler sind auch Alben, aber Ihr wißt, was ich meine…). Warum nicht öfter solch nette CD-Wundertütchen? Diese Scheibe gehört zu den erfrischendsten, die mir dieses Jahr untergekommen sind!!! Los gehts mit einem dumpfen elektronischen Treibhausgewächs mit hölzernen Syntie-Melos irgendwo zwischen spährigem Trance und holprigem Hip Hop, also Trip Hop, aber nicht zart-ätherisch, sondern eher mit der Brechstange und dezent-dilettantischem Charme. Hat was.

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Peter Thomas: Moonflowers & Mini-Skirts

Hilfe, Hilfe, Hilfe! Meine Jahres-CD-Top-Ten platzt jetzt schon aus allen Nähten, und immer noch erscheinen Alben, die mich zwingen, alles wieder über einen Haufen zu werfen und einen der Kandidaten unter Tränen rauszukicken! Hier hat schon ein Blick aufs Cover genügt, um zu wissen, was Sache ist, denn der Name „Peter Thomas“ ist Programm!!! Ich sag nur „Raumpatrouille“ (Raumschiff Orion), „Der Hexer“, „Der Zinker“, „Die toten Augen von London“, „Die Leiche ist bewaffnet“ und dero Edgar Wallace- und auch Jerry Cotton-Musiken mehr… 1 A-Stoff für uns Easy Listening- und Weltraum-Musik-Süchtige, James Last on Acid sozusagen! Und als sei das noch nicht genug – was muß ich im Waschzettel lesen: unter den Mitmusikern befinden sich auch der Jazzer und Ex-Vampyros-Lesbo Sigi Schwab sowie Lothar Meid von Amon Düül II, na das hört sich ja schräg an!

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hò! #1. Roady Music from Vietnam

Dies ist mit Abstand das schrägste Album, das mir seit langem untergekommen ist! Mir tanzen immer noch bunte Lichtlein vor den Augen, und ich werd wohl gleich mal beim Asiaten an der Ecke vorbeischau´n, um mir ein bißchen Basmati-Reis und diese getrockneten Pilz-Morcheln zu holen, die man erst einweichen muß, damit sie aussehen wie das Haupt-Requisit in der Anfangs-Szene von „Blue Velvet“, nur viel schwärzer.

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Cinerama: Va Va Room

Schön, daß es noch Bands gibt, die sich nicht entscheiden können, ob sie nun Rock oder Pop machen. „Cinerama“ hätte ich genau zwischen Amerika und dem Vereinigten Königreich angesiedelt, zwischen alternativem College-Rock und independent Prä-Brit-Pop, jedenfalls blitzsauber produziert. Ein Blick ins Booklet belehrt mich, daß ich sie den britischen Inseln zuzuschlagen habe, irgendwo in die Nähe von Leeds.
Cinerama sind innerhalb ihres Rock-Pops oder Pop-Rocks erstaunlich wandlungsfähig und lassen bisweilen Erinnerungen an selige Beautiful South- und Cure-Zeiten wachwerden. Wenn da nicht noch dieser knackige Rock wäre, der die nötigen Power-Bleifüße dranhängt. Und da sind sie auch wieder, die guten alten Rock-Hymnen mit euphorisch strahlenden Keyboards (scheint, als könnten sich die alten Tastenkünstler bald wieder aus ihren Löchern wagen…). Cinerama erfreuen darüberhinaus mit hübschen, eingängigen Melodien, die sie harmonisch-dramatisch äußerst intelligent umsetzen, auch mal balladesk und melodisch-bittersüß.

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Lenny Kravitz: 5

Herzlich willkommen in „Lennys Welt“. Bitte anschnallen, denn auf dem Programm steht ein Streifzug durch die schillerndsten Epochen der Popmusik, von Motown und Philly Sound bis hin zur Psychedelic-Ära und der Beatle-Mania. Soul und Funk der 60er sowie der Blaxploitation-Sound der 70er auf der schwarzen Seite, und dazu die Lennon/McCartney-Melodik und Hippie-Harmonik auf der weißen Seite – und beides absolut im „Haben“-Bereich seines musikalischen Kontos: Lenny Kravitz ist in erster Linie ein famoser Synthetiker! Daß dabei alle Einzelteile bis zu ihrem Ursprung zurückzuverfolgen sind, heißt umgekehrt nicht, daß das Ergebnis nicht originär Kravitz´scher Prägung ist. Schon Max Weber wußte: das Ganze ist immer mehr als die Summe seiner Teile!

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