Saga: House of Cards

Diese Stakkato-Läufe auf der Gitarre – knarrzig und ölig zugleich, flächige Synthie-Untermalung, monumentale Hardrock-Riffs, dramatische Songs und hysterischer Gesang: unverkennbar Saga. Im 22. Jahr spielen die Kanadier (wieder) in Originalbesetzung – und im Originalsound, 80er-Jahre pur! Hochmelodisch, wuchtig und tänzelnd in einem, rocken die aktuellen Saga, und das anachronistische Gewand ihrer Musik ist das einzige, was man an „House of Cards“ kritisieren könnte. Aber warum? Modisch war das Quintett noch nie, eher solide – warum sollte es 2001 damit anfangen?

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Live: Sonny Vincent

Saarbrücken/Hellmut , 12.2.2001
Trier/Ex-Haus, 15.2.2001
Backnang/JUZ, 23.2.2001

Wie man wahrscheinlich schon an der Zahl der Konzerte erahnen kann, wird hier von Objektivität (wenn es überhaupt so was gibt) nicht die Rede sein. Den Sonny kenne ich ein bisschen aus gemeinsamen Tagen in Minneapolis und ich bin immer noch ein überzeugter Fan. Mit zahllosen Bands ist er schon 25 Jahre lang dabei, Punkrock-Krach (früher mit New-Wave-Pop Lieder gemischt) zu machen, und er ist sich die ganze Zeit treu geblieben.

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Musikbücher VII

Zu den erschütterndsten Erfahrungen meiner verblühenden Pubertät gehörte die Erkenntnis, daß ansonsten intelligente Menschen imstande waren, Dummbeutelmusik zu lieben, während personifizierte Dummbeutel durchaus einen akzeptablen Musikgeschmack haben konnten. Diese tiefere Einsicht in die Abgründe des Menschseins erschütterte meine Weltanschauung, nach der Musik generell in sogenannte Hirnmusik und ebenfalls sogenannte Hosenmusik einzuteilen war. Erstere lieferte Futter für die Gedanken und ging nur bisweilen voll in die Hose, wenn z.B. The Taste „What’s Going On“ fragten und immer für einen veritablen Orgasmus gut waren. Hosenmusik indes diente zur Befriedigung niederster Instinkte wie „glücklich sein wollen“, „schunkeln können“ und „mal kurz mit der Kleinen da drüben auf der Toilette eine heiße Nummer schieben“. Ins Hirn fraß sich diese Musik nur selten, nämlich höchstens dann, wenn dort noch die Überreste dessen dahinvegetierten, was wir Liebhaber von Hirnmusik ein kritisches und waches Bewußtsein nannten.

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Vienna Scientists III

In „Lost In Music“ zur Gattung „Trip Hop und Down Beat“ bezeugte ein gewisser Richard Dorfmeister, dass Wien die loooongsooomste Staaadt in der gonzen Welt sei. Wenn man sich die Sampler – Reihe Vienna Scientists bis zu dem dritten Teil anhört, dann wird dieser Eindruck bestätigt.
Auf der nun vorliegenden Veröffentlichung, die mit dem Untertitel „A mighty good feeling“ versehen ist, wird der bekannte Stil aufgelockert, und zwar durch eine handvoll Up-tempo-Stücke, die meist jazziger Natur sind. Für die Fraktion, die nur Chill-out will, ist der Nu Jazz-Fusion-Anstrich im Latingewand wohl viel zu häääktisch! Ich persönlich finde, dass eine Compilation mehr braucht als Gedaddel auf hohem Niveau („Tosca“).

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Muschihaus Volume Two

Ein so bescheuerter Name für einen House-Sampler, inklusive Cover und Bedienungsanleitung, sprich Promozettel, habe ich schon lange nicht mehr in den Händen gehalten. Wie alt ist eigentlich die Promofrau, wenn sie glaubt durch ein ständiges „phett und phonky“-Geschreibsel, diejenigen, die sie bemustert, überzeugen zu können. Die Sprache der Kids ist dann doch nicht sooo platt und die Menschen, denen Waschzettel samt CD in die Wohnung flattert, meistens weniger kiddy, ey Alde, is nich persönlich gemeint!

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Anywhen: The Opiates

Von einer Platte zu sagen, sie eigne sich hervorragend zum Mittagsschlaf, klingt, zugegebenermaßen, nicht nach einem Kompliment. Ist aber eins – meine letzte große Mittagsschlaf-Platte war „A Deeper Kind Of Slumber“ von Tiamat. Wer da nicht bis zum Intro des vierten Songs eingedöst ist, war auch nicht wirklich müde. In wachem Zustand freue ich mich an den großartigen Songs und der genialen Umsetzung.

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Två Fisk Och En Fläsk: Jungfruburen

Das schwedische Septett mit dem unaussprechlichen Namen (Zwei Fische und ein Fleisch) ist eigentlich eine Folklore-Band. Drei Perkussionisten, zwei Geiger, ein Gitarrist und eine Sängerin bearbeiten traditionelle schwedische Weisen. Oberflächlich betrachtet ist das mittelalterliche Musik, hat aber mit vielen vergleichbaren Bands nichts gemein. Bier-, bzw. Metselige Refrains zum munteren Mitgröhlen gibt es nicht, Två Fisk Och En Fläsk versuchen auch nicht, das Liedgut mit brachialen Stromgitarren zu modernisieren. Sehr rhythmisch und akustisch sind so zwölf Songs (davon drei Eigenkompositionen) entstanden, die mich in erster Linie durch ihren Klang überzeugen.

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Lauren Ellis: Push The River

Beim ersten Durchlauf von „Push The River“ glaubt man, die Songs irgendwo schon mal gehört zu haben. War das nicht von Melissa Etheridge? Das war Sheryl Crow, oder? Oder doch Bonnie Raitt? Aber ausser „As The Crow Flies“ (Tony Joe White) hat die Gitarristin und Sängerin alle Lieder selbst geschrieben. Es sticht zwar kein Song heraus, dafür regiert gleichbleibende Qualität.

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Rage Against The Machine: Renegades

Im Grunde ist es zu schade, dass es Rage Against The Machine in der über Jahre bekannten Form, sprich mit dem Charismatischen Sänger Zack De La Rocha in ihren Reihen, nicht mehr gibt. Auf der anderen Seite soll man aufhören bevor es mit dem Fahrstuhl im Sturzflug zurück auf den Boden geht. Was nicht heißen soll, RATM hätten je den Boden unter den Füssen verloren. Ganz im Gegenteil: Je länger sie dabei und je erfolgreicher sie waren, desto mehr haben sie sich gegen Ungerechtigkeit und Rassismus eingesetzt.

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Emir Kusturica & The No Smoking Orchestra: Unza Unza Time

Emir Kusturica? Klar doch, der vielleicht wichtigste zeitgenössische Filmemacher (Ex-) Jugoslawiens, der reihenweise internationale Preise einsammelte. Der ehemalige Rockbassist hatte sich 1986 dem damals fast schon legendären NO SMOKING ORCHESTRA (NSO) seiner Heimatstadt Sarajevo angeschlossen. Der Bürgerkrieg brachte dann aber das vorläufige Aus für die „Nichtraucher“.

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Guesh Patti: Dernières Nouvelles

Uiuiui! Das ist starker Tobak. Die Leichtigkeit und Frechheit eines „Etienne“ oder Let be must the queen“ ist völlig dahin, Frau Patti übt sich wo nicht in Pathos, großer Geste und großem (unheilsschwangerem) Gefühl da in komplizierten, jazzesken, sperrigen Stücken, die mit klugem Pop oder mit französischem Chanson so wenig zu tun haben wie Champagner aus dem Hause Taittinger mit Rotkäppchen-Sekt. Frau Patti gibt sich extravagant und hält sich dabei streckenweise anstrengendes Genöhle ab. Bisweilen lässt sie sich gar orchestral segnen, langatmig und kontrabassbetont, ohne dabei wirkliche Weihen zu erhalten.

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The Free Design: Cosmic Peekaboo

Eigentlich unglaublich: da klopft das deutsche Filigran-Pop-Label „Marina“ mal auf Verdacht bei der längst aufgelösten New Yorker Sixties-Kapelle The Free Design (1967-1973) an, ob die Herren-Damen nicht einen Song zu einem Brian Wilson-Tribute Album beisteuern wollen – und wenn die Band anschließend womöglich mal wieder ein Album einzuspielen gedächte, würde man sich bei Marina im übrigen freuen, es zu veröffentlichen. Fragen kostet schließlich nichts… et voilà! Auf „Cosmic Peekaboo“ präsentiert sich das Quartett nahezu in Originalbesetzung.

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Superpunk: Wasser Marsch

„Ich habe keinen Hass auf die Reichen, ich möchte ihnen nur etwas gleichen. Ich bin nicht böse gebor´n…“ …der Rest des Liedes handelt von erpresserischem Menschenraub aus niederen Beweggründen, aber allein in drei Zeilen drehen Superpunk verständliche Aufstiegswünsche der Unterschicht und die Gutmenschen-Schafsköpfigkeit der 68er durch den Wolf. Solcherart „Rollenpoesie“ zieht sich auch durch die übrigen Texte des Hamburger-Münchner Quintetts: festnageln lässt sich die Gruppe nicht, aber die Mischung aus Agit-Pop und purer Skurrilität ist apart (und erinnert etwas an Rocko Schamoni).

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Vanden Plas: Beyond Daylight

Bisher gingen die deutschen Vorzeige-Progger nicht so wirklich an mich ran, aber was das Quintett hier präsentiert ist allerfeinstes Futter. Härtetechnisch eher im Mittelfeld angesiedelt, überzeugen die Pfälzer in erster Linie mit erhebenden Gesangslinien. Obwohl „Beyond Daylight“ von einem gewissen Wiedererkennungswert umspült wird, hütet sich die Band davor, abgegriffene Melodien zu präsentieren.

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