Church of Confidence: Livin On Crime

Eine Berliner Band, die mit ihrem englischsprachigen Punk überzeugt. Der ärmellose-T-Shirts-und-Tattoo-Look erinnert an Social Distortion, ein Vergleich, der auch auf die Musik passt. Besonders „Said it All“ hat ähnliches Hitpotential wie Social Distortions „Ball and Chain“, und die einfachen aber effektiven Gitarren-Soli von Uli Reiße sind im Stil von SD-Frontman Mike Ness. Produktionstechnisch ist „Livin on Crime“ ziemlich glatt und professionell, also ohne Dreck und mit nach vorne gemischtem Gesang.

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Blur: Blur

Mit diesem Album verabschiedeten sich Blur vom ‚Britpop‘. Damon Albarn verkündete, daß ‚Britpop‘ tot sei und Graham Coxon durfte seine Gitarre wieder etwas lauter sprechen lassen. So kam es zu „Song#2“, der – äh – sehr amerikanisch klingt. Überhaupt war Amerika nicht mehr der Feind (Oasis auch nicht, die spielten schon längst in der R.E.M.-Liga), nein, man fand Pavement entzückend und Beck schien auch ein dufter Typ zu sein.

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Sand Rubies: Return Of The Living Dead

Das süddeutsche Label „Blue Rose“ hat sich in den vergangenen Jahren zum Garant für erstklassige Gitarrenbands und Singer/Songwriter entwickelt. Eines ihrer erfolgreichsten Pferde im Stall ist sicherlich der Amerikaner Rich Hopkins. Zur Freude seiner Fans hat er nun seine alte Band Sand Rubies (bis 1991 hießen sie Sidewinders) wieder aufleben lassen. Das neue Werk „Return Of The Living Dead“ ist seit dem Band-Split 1993 ein unerwartetes Lebenszeichen in Originalbesetzung.

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Blur: Leisure

Mit ihrem Debüt versuchten Blur auf den Rave-Zug aufzuspringen, was allerdings – zumindest stilistisch – ein wenig mißlang: Raving Madchester war eine Sache von ‚Northern-Boys‘, wie zum Beispiel den Stone Roses. Blur dagegen trugen ihre Songs mit einem aufgesetzten Londoner Akzent vor und erinnerten durch ihre Gitarrensounds manchmal sogar eher an das damals Grunge-orientierte Amerika.

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Interview: Plaid

Konkret vs. Abstrakt – 1:0 für Plaid

Bei einem Bandinfo, das die Eigenschaften des zu beschreibenden „Produkts“ so diffus hält, wie jenes von Plaid, denkt man entweder an Nichtigkeit oder eigene Liga. Bei einem Label wie es Warp vormacht, kann man sich blind darauf verlassen, daß der gefeaturte Act letzter Kategorie angehört. Kennt man sich ein wenig mit experimenteller, elektronischer Musik aus, weiß man schon längst welche bedeutende Künstler hinter diesem Sheffielder Pionierlabel stehen. Die populärsten Auswüchse lesen sich wie das „Who is who“ der elektronischen Intelligenzia: Autechre, LFO, Aphex Twin oder auch der durchgeknallte Finne Jimi Tenor haben den Initiatoren Rob Mitchell und Steve Beckett längst zu etwas Kleingeld verholfen. (Wer einen vollen Überblick über das Warp – Programm haben möchte, sollte sich die Collection „wap 100“ anhören.) Auch Plaid gehören – vielleicht sogar mehr als die hier aufgezählten Knöpfedreher – zu der Gattung Underground mit starker Verbindung zum Pop-Biz. Das Vorgängerprojekt Black Dog genoß schon in den frühen neunziger Jahren Kultstatus. Man umgab sich mit allerlei Mystik, gab Interviews ausschließlich via Internet, Photos der einzelnen Mitglieder suchte man vergeblich, und die Musik selbst war alles andere als leicht verdauliche Kost.

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Missy Misdemeanor Elliott: Da Real World

„The Rain“ und „Sock It 2 Me“ waren nur zwei der vielen großartigen und wegblasenden Tracks ihres Debüts „Supa Dupa Fly“. Berühmt aber wurde sie vor allem wegen ihres innovativen Rap-Styles, der ihr den Spitznamen „Hee Ha-Girl“ einbrachte. Zu Timbalands vertrackten, abgehackten Beats zauberte sie ihre Lyrics in ungewohnter Art und Weise aus dem Ärmel – ganz so wie ihr Kollege Busta Rhymes – und mischte nicht nur Rap mit viel Soul, sondern würzte ihre Performance mit Ahas, Has, Stöhnen und Tschicki-tschickis.

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Scritti Politti: Anomie & Bonhomie

Menschen, deren Ohren in den 80ern schon richtig verwöhnt wurden, jauchzen laut auf bei der Nachricht: „Neues Album von Scritti Politti“! Immerhin war die englische Band um Green Garthside bekannt für exquisiten Pop mit intelligenten, gar intellektuellen Texten – eben das, was man gern „sophisticated“ nennt, besonders wenn es sich, wie schon der Bandname (ein Gramsci-Text) andeutet, um politisch linksorientierte Akteure handelt.

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Tocotronic: K.O.O.K.

Tocotronic – K.O.O.K. Es gibt zwei Dinge, die darüber hinweg täuschen könnten, wie genial Tocotronic in Wirklichkeit sind: ihr monotoner, gelangweilter Gesang und die brachialen, etwas statischen Gitarren-Riffs. Doch unter der spröden, minimalistischen Oberfläche lodert und brodelt es, denn niemand kann es auf so viele unterschiedlichen Weisen schrammeln und krachen lassen, wie das Trio aus Hamburg!

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James Last/Fettes Brot: Ruf Mich An

In der Presse wurde bereits viel geschrieben über diese sicherlich einzigartige Konstellation: alter Hase der Orchester- und Showmusik trifft auf junge HipHop-Fraktion. Selbst in der ‚Max‘ widmete man diesem Thema mehrere Seiten. Der Promo-Effekt ging jedenfalls nach vorne los. Fettes Brot sind wieder in aller Munde und liefern nebenbei zusammen mit James Last den kommenden Sommerhit ab.

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Deichkind: Kabeljau Inferno

Hamburg und HipHop und Güteklasse A und kein Ende in Sicht. Was ist nur los im hohen Norden, daß ständig 1A-Crews wie Pilze aus dem Boden schießen. Als Rezensent ist man heutzutage völlig überfordert und kommt derweil ins Rudern ob der vielen Superlative, die man in regelmäßiger Abfolge zücken muß. Deichkind sind da keine Ausnahme. Obwohl „Kabeljau Inferno“ nur eine 5-Track-Single ist, muß unser- und euereins die Band im Auge behalten.

Die Tracks „Kabeljau Inferno“, „Profession“ und „Schweiss & Tränen“ gehen direkt und geschmeidig ins Ohr. Die Gag-Nummern „Darf Das Das?“ und „Arbeitsamt“ kommen gut rüber und kitzeln die Lachmuskeln. Die Deichkinder stehen auf eingängige Disco- und Old School-HipHop-Untermalung ihrer Rhymes, was dazu führt, daß alles sehr relaxt, lässig und locker von der Hand zu gehen scheint. Smooth und cool wollen sie sein und dieses Methode geht vollends auf – ohne auch nur eine Sekunde lang aufgesetzt oder unangepaßt zu wirken. So hätten eigentlich auch Teile des zweiten Albums von Fischmob klingen können. Oder nich‘?

Deichkind: Kabeljau Inferno
(Showdown/Groove Attack)

Sven Franzisko oder Lotte Ohm: Hinter diesen Mauern

Sven Franzisko is back! Der ehemalige Bassist und Rapper der Überflieger Fischmob meldet sich nach einer kurzen künstlerischen Pause im Musikzirkus zurück. Dies geschieht in Form der Single „Hinter Diesen Mauern“ (mit Originalversion und Radio Edit versehen), einem Stück, das er zusammen mit Lotte Ohm für den Soundtrack des Computerspiels „The Dungeon Keeper“ geschrieben und aufgenommen hat.

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T.One: Somewhere out there

Hallo, wollt Ihr mir beim Packen zusehen?! Bin gleich weg, bevor dieser Scheiß hier die Charts stürmt… Wird er? Hhm, mal sehen, ist immerhin ein Anhängsel des neuen Star Wars-Blockbusters, und der dürfte so ziemlich jeden Dreck in Gold verwandeln. Hoffentlich ist der Streifen nicht so blöd wie dieses Lied. Mr. John Williams – so schon tot – dreht sich im Grab um, so schwuchtelig-schwülstig wird hier sein Original-Thema durch den Pop-Fleischwolf gedreht.

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The Chemical Brothers: Surrender

Eigentlich zählt sie jeder zu den Wegbereitern des sogenannten Big Beat. Allerdings erweist unsereins den beiden kreativen Köpfen hinter The Chemical Brothers, Ed Simons und Tom Rowlands, keinen großen Dienst. Ganz im Gegenteil – von Big Beat möchten sie anno 1999 nichts mehr wissen und stellen die Daseinsberechtigung dieses Begriffs gleich mit in Frage. Was die musikalische Entwicklung des Duos angeht, so hat es sich – wie schon verbal – von seinen Wurzeln weiter entfernt als es manch einem Big Beatler lieb sein mag. Doch ehrlich: Wer hätte ein zweites „Dig Your Own Hole“ oder eine Neuauflage von „Exit Planet Dust“ ohne Müdigkeitsanfall oder penetrant nervender Langeweile überstanden. Eben. Es war höchste Eisenbahn die Kurve zu kriegen und die Kreativität neuen Impulsen von außen auszusetzen.

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The Chemical Brothers: Surrender

Gone are the days of block rockin beats!

Ganz schön abgespeckt und im Vergleich zum Vorgänger „Dig Your Own Hole“ leichtfüssig, schaffen die Chemicals das Monster „Big Beat“, zu zähmen. Jaja….die Geister, die man rief. Eine ruhige Ambient – Platte ist „Surrender“ trotz zurückgeschraubter Rockkompatibilität nicht geworden. Der Gewinn des Awards Best Rocking Act bei den MTV Music Awards scheinen Tom Rowlands und Ed Simons nicht ganz verkraftet zu haben. Die geeignete Waffe gegen allzuviel Prolligkeit ist der verschärfte Einsatz von Vocal-Tracks, die den Breakbeat-Tüftlern auf den ersten Alben immer am besten zu Gesicht standen. So viele verschiedene Gastauftritte am Mikrophon hatten die Chemical Brothers allerdings noch nie.

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