Die gebürtige Ungarin heißt eigentlich Ildiko Basa, nennt sich jedoch Brixx, was auch leichter zu behalten ist und ihrem künstlerischen Schaffen gerechter wird. Denn keine stapelt so gut die Backsteine wie eben jene Brixx. Sie ist schon jetzt eine Ausnahmeerscheinung der deutschen HipHop-Szene, lebt sie doch seit nunmehr 18 Jahren hier (erst in Kassel, jetzt in Köln). Von all den anderen deutschen HipHoppern unterscheidet sie aber ein grundlegendes Merkmal: Sie verdient sich ihre Lorbeeren lieber in der englischen Sprache, wuchs sie doch in der Kasseler „american community“ auf. Erste Freestyle-Versuche gingen in einem G.I.-Club vonstatten. Mit ihrer Schwester gründete sie daraufhin die Band Ain’t No Joke, die später in Tibro umbenannt wurde. Kooperationen mit Bootsy Collins oder der Jazzkantine folgten. Und noch viele mehr. Der Erfolg war kaum noch aufzuhalten und wurde mit der Unterzeichnung eines Plattenvertrags bei ‚Columbia‘ gekrönt.
WeiterlesenKategorie: Musik
De-Phazz: Godsdog

Man braucht nicht unbedingt auf die üble Chartnummer „Mambo No. 5“ zurückzugreifen, um diesen Sommer seine Tanzstundenerinnerungen aufleben zu lassen. Es geht auch weniger flach – mit De-Phazz! Die erste Nummer auf dieser Nu-Bossa-Scheibe „The Mambo Craze“ ist ein Hit und läutet den folgenden Reigen von Easy Jazzy Listening Masterpieces gekonnt ein. Rhythmisch findet man von leichtem Drum and Bass-Einlagen über Downbeat immer wieder zum gemeinsamen Nenner Jazz.
WeiterlesenCaspar Brötzmann: Mute Massaker
Herr Brötzmann lief mir zum ersten Mal über den Weg als er seinerzeit mit Helmet-Kopf Page Hamilton an gemeinsamen Songs werkelte. Das weckte in mir Neugierde am Schaffen des (damals noch so betitelten) Caspar Brötzmann Massakers. Jedoch kam es nie zum Erwerb eines Tonträgers besagter Band. So dauerte es schließlich bis heute, da mir vor ein paar Tagen unser Chef die Promo-CD von „Mute Massaker“ in die Hände drückte. Au, was war ich gespannt ob der musikalischen Genüsse, die da folgen sollten.
WeiterlesenHurricane #1: Only The Strongest Will Survive
Bekannter geworden als Ihnen letztendlich recht sein dürfte, sind Hurricane#1 mit dem Titelsong als Hintergrundmusik zur Werbung für das Schmierblättchen „The Sun“, das vom Niveau dem der Bildzeitung gleichkommt. Welch ein Zynismus hinter einem Knebelvertrag mit der Industrie steckt, wird durch eine solche Anekdote klar. Das Unterschreiben der Klausel, daß die Rechte eine Stückes von Dritten (wie zum Beispiel Produzent, Management oder Verlag) zu solchen Zwecken gebraucht – in diesem Fall ist „mißbraucht“ – wird, macht klar wie beschissen die Lage für den Künstler ist, der ein bißchen über den Tellerrand seines Underground – Daseins schauen möchte.
WeiterlesenSkinny: Friday
Also, wenn diese Band mal nicht die große Feierabend-Offensive eröffnet: die Single-Auskopplung des Duos heißt „Friday“, und der komplette Longplay gar „Weekend“! Und in der Tat, ein Hauch von Saturday Night Fever weht durch Skinnys Take, der in fünf verschiedenen Versionen auf der Scheibe vertreten ist, darunter ein Mix des Big Beat-Meisters Norman Cook.
WeiterlesenMarianne Faithfull: Vagabond ways
Neues von La Faithfull, die zuletzt einen Gast-Auftritt auf Metallicas „Re-Load“ hatte und mit Alex James von Blur zusammenarbeitete. Woran man unschwer erkennt: die Frau ist ein Klassiker, eine Ikone – und schließlich seit 30 Jahren im Geschäft!
Auch wenn sie nicht wirklich singen kann, auch wenn sie immer noch nur in Balladen macht, auch wenn sie einst als Geliebte so ziemlich aller Ur-Stones bekannt wurde und sich danach vornehmlich durch Abtreibungen, Drogenexzesse und Selbstmordversuche hangelte – nein, stimmt nicht, die Frau hat daneben noch einen Sohn großgezogen und schlicht überlebt!
WeiterlesenLee Hazlewood: Farmisht, Flatulence, Origami
Vergessen wir mal George Gershwin und Cole Porter und setzen die Zeitenwende so vor fünfzig Jahren an, dann ist Lee Hazlewood sowas wie der Bach (Johann Sebastian) unter den Komponisten des 20. Jahrhunderts – nämlich ein ganz, ganz Großer, lange vor Piffern wie Mozart oder Beethoven, und auch wenn ihr Ruhm den seinigen überstrahlen mag: er war vorher, und er war größer!
WeiterlesenPlaid: Rest Proof Clockwork
Plaid, oder ‚Blaad‘ wie man es auf walisisch ausspricht, was einem Techno-Experten aus meiner Stadt sehr wichtig erscheint, veröffentlichen im Juni ihr zweites Album auf Warp. Nachdem die erste Platte „Mbuki Mvuki“ schon 1991 rauskam, aber kaum Beachtung fand., erlangten die Herren Ed Handley und Andy Turner mit ihrem Partner Ed Downie als Black Dog mehr Aufmerksamkeit, ja geradezu Kultstatus. Diese brachten mit einigen Alben der Öffentlichkeit das Sheffielder Experimental Label Warp näher und wuchsen förmlich mit ihm. Die von Black Dog ausgehende Anziehungskraft muß so groß gewesen sein, daß die Herren einige Stücke diverser Popgrößen, u.a. von Björk, remixen durften. Nachdem sich ein Jahr zuvor Black Dog, sprich Ed Downie, von seinen Mitstreitern getrennt hatte, sang die genannte isländische Diva auf der 1997 erschienen Platte von Plaid „Not For Threes“.
WeiterlesenRonnie Lane: Plonk
Das muß man den Hinterbliebenen und Freunden des im Juni 1997 verstorbenen britischen Country-Rockers schon attestieren: in puncto Geschäftstüchtigkeit und fan-freundlicher Nachlaßverwaltung sind sie nicht zu schlagen. Innerhalb von knapp zwei Jahren haben Bruder Stan & Co. mehr (eigenständige) Alben von Ronnie veröffentlicht als der (solo) zu Lebzeiten.
WeiterlesenRonnie Lane: April Fool
Mit „April Fool“ (der Titel bezieht sich auf einen autobiographischen Song – Ronnie war am 1. Apirl 1946 geboren worden) präsentiert uns das Label eine Compilation, die erstmals das gesamte Lebenswerk reflektiert: mit den drei SMALL FACES-Songs „Itchycoo Park“, „Song Of A Baker“ und „Lazy Sunday“, wobei letzterer etwas unpassend ausgewählt scheint; der war nun mal auf Steve Marriotts Mist gewachsen, den vier FACES-Stücken „Richmond“, „Ooh La La“, „You’re So Rude“ (übrigens eine Aufnahme aus dem WDR-Rockpalast von 1980 mit der RONNIE LANE BAND) und „Debris“ (alles Alternativversionen, keine FACES-Originale), aus der SLIM CHANCE-Ära „How Come“, „The Poacher“, „Give Me A Penny“, „One For The Road“ und „Harvest Home“, aus dem Soundtrack mit Ron Wood für den kanadischen Spielfilm „Mahoney’s Last Stand“ das Instrumental „Tonight’s Number“, aus dem Duo-Album „Rough Mix“ mit Pete Townshend „April Fool“, aus dem letzten Soloalbum „See Me“ die Clapton/Lane-Ballade „Barcelona“ und „Kuschty Rie“ und ganz aktuell, wenn auch unfreiwillig, das satirische „Send It To NATO“ aus den legendären „Majic Midgets“-Sessions mit Steve Marriott.
Yazoo: Upstairs At Eric’s
Das schönste Rätsel des Pop
Bis heute haben Yazoo einen riesigen Stammplatz in meinem Fan-Herzen inklusive Altar und Kerzen, aber ich rätsel bis heute, ob sie einfach nur die „perfekte Band“ waren oder eher ein Anti-Phänomen des Pop, das tolle Musik gemacht hat?!
WeiterlesenThe Murky World Of Barry Adamson
Mit „The Murky World Of Barry Adamson“ legt Adamson eine Werkschau der letzten 10 Jahre seines Soloschaffens vor. Der ob seines genialen Baßspiels geschätzte Brite ging nach fruchtbarer Zusammenarbeit mit Howard Devoto, Pete Shelly und Nick Cave eigene Wege, um seine assoziativen und suggestiven Musiken als Solokünstler zu realisieren. Sein Faible für Filmmusiken zeigte sich bereits in Magazine’s Coverversion von John Barry’s „Goldfinger“. Adamsons 89er Solo-Debut „Moss Side Story“ – Musik zu einem imaginären Film – machte einige Regisseure auf ihn aufmerksam.
Es folgten zwei echte Filmmusik-Alben: „Delusion“ und „Gas, Food, Lodging“, aber auch auf den Soundtracks zu David Lynch’s „Lost Highway“ und Oliver Stone’s „Natural Born Killers“ wirkt Adamson mit. Auf seinen Solo-Alben verzichtet er allerdings nach wie vor auf real existierende Bilder und überläßt es dem Hörer, in seine eigene imaginär-phantastische Welt zu entschwinden. Die Bilder spielen sich vorzugsweise im Kopf des Hörers ab, am besten in einem abgedunkelten Zimmer.
Adamsons Coverversion des klassischen Movie-Themes „The Man With The Golden Arm“ von Elmer Bernstein eröffnete bereits das 89er Album „Moss Side Story“. Fette Brass-Sounds und Hammond-Orgel vereinen sich hier zu einem insistierenden Groove, Ska-Elemente bestimmen „A Fantasy Bond Theme“. Aus allen musikalischen Bereichen stammen die Techniken, deren sich Adamson bedient, um verschiedene Stimmungen zu schaffen. Jazz, Industrial, Orchestersounds, Bigband, HipHop, R&B, Dance, Trance, Experimental, TripHop usw. usw. Mancini meets Tom Waits in der düsteren Geschichte „Jazz Devil“, „The Vibes Ain’t Nothin‘ But The Vibes“ läßt die samtige Atmosphäre fast greifbar werden, Prodigy meets Tricky in „The Snowball Effect“, „Can’t Get Loose“ hat mit seinem melodischem Gesangspart und dem samtigen Easy-Listening-Vibraphon gar Ohrwurmqualität, im Hintergrund wabert (zumindest in meinen Ohren) das Bond-Theme herum. „Mitch and Andy“, scheinbar eine bedrohliche aufwühlende Kurzgeschichte mit Gestalten aus Schwarz-Weiß-Filmen, verweist mit seinem nahezu skelettierten Sound auf Adamsons musikalische Vergangenheit bei Magazine, Birthday Party und den Bad Seeds. Der Eindruck, in ein frühes Bad-Seeds Album geraten zu sein, wiederholt sich auch in „Walk The Last Mile“, aber schließlich hat Adamson mit seinen Mute-Kollegen vier Alben eingespielt.
Wer Adamsons Alben noch nicht kennt, hat mit „The Murky World Of Barry Adamson“ einen guten Einstieg erwischt, leider aber auch ein katastrophales Booklet, das keinerlei Credits enthält.
Barry Adamson
The Murky World Of Barry Adamson
(Mute CDSumm 174/Intercord INT 484624-2)
VÖ: 3.5.1999
Troy Young Campbell: Man vs. Beast

Ich sag´s zum tausendsten Mal: Blue Rose ist immer eine klasse Adresse für klasse Musik, in der Regel akustischer Roots Rock vom Feinsten! Da paßt Troy Young Cambell hervorragend rein: ein texanisches Pfannkuchengesicht mit leiser Stimme und hauptberuflich Gitarrist und Sänger der „Loose Diamonds“. „Man vs. Beast“ ist sein erstes Solo-Album und durchweg in moderatem Tempo gehalten, aber nicht aufdringlich balladig, sondern im unschmalzigen Gänsehaut-Sound aus Folk, Blues, Rock, Country und hoher Songwriter-Kunst. Gern auch mal mit Hammond, Piano und Cello, aber niemals überladen.
WeiterlesenWhistler: Don´t jump in front of my train
Whistler machen Gitarren-Folk-Pop in Moll mit Akustik-Gezupfe, Mundharmonika und Streichern. Daß die Texte von Selbstmordgedanken und Krisenbewältigung handeln, macht die Sache auch nicht fröhlicher. Mir fehlen echte Melodien und zündende Momente, insgesamt ist mir das rustikale Gedaddel samt Hufeklappern und säuselnder Sängerin (Kerry Shaw) zu langweilig.
WeiterlesenThe Candyskins: Feed it
The Candyskins gehören zu der Sorte von Britpoppern, die´s krachen lassen. „Feed it“ ist ein wuchtiger Ohrwurm mit lassigem Geschrammel, brachialen Stromgitarren und coolem Gesang. Noisiger Charme und rüpelhafte Arroganz – bei strikter Mainstreamtauglichkeit.
WeiterlesenVelocette: Bitterscene
„Mocca-Sahne“ würd ich sagen. Süß, aber nicht zu süß. Velocette kommen aus London, bestehen im harten Kern aus vier Mitgliedern, spielen wunderschönen, eingängigen Gitarren-Folk-Pop und baden wie immer in schwelgerischer Romantik. Mit Sarah Bleach haben sie ein glockenhelles Zuckerstück am Mikro, dazu die obligatorischen Streicher im Hintergrund und – ja, diese schrammeligen Riffs, denn Velocette-Songs sind keine Kaffeestückchen, sondern zartbittere Desserts mit melancholischem Nachgeschmack.
WeiterlesenMouse On Mars: Di st roia
Nomen est Omen. Bei der Veröffentlichungswut von Andy Toma und Jan St. Werner kommt man fast nicht mehr mit. Nach ihrem letzten „regulären“ Album „Autoditacker“ und zahllosen Releases auf anderen Labeln kommt die neue E.P. in der gleichen frikkeligen und verzerrten Art daher, als hätte es kein Gestern gegeben. Mir liegt die neuere Variante der Mäuse nicht so sehr, eher die entspannteren Momente der beiden Frühwerke „Vulvaland“ und „Iahora Tahiti“. Der Erfolg gibt ihnen allerdings recht. Zuckersüsse Melodiechen kämpfen gegen Geplukker und Gefiepse tapfer an und bahnen sich ihren Weg durch das Sounddickicht.
WeiterlesenClinic: Three EPs
Endlich wieder eine Band, die den Mut und die Inspiration hat, zu spinnen! Der Bandname muß ja irgendwo seine Berechtigung haben… Das Info spricht von giftigen Grooves und Killer-Harmonien, Großstadtparanoia, Nonsense und Chaos. Ich wollte schon schreiben, „in die Charts kommt man so vielleicht nicht, aber an eine eingeschworene Fan-Gemeinde lebenslang“, doch siehe: das Liverpooler Quartett gelangte schon unter die Top 30 der NME Singles of the week! Qualität setzt sich also doch durch?!
WeiterlesenCalvin Russell – Sam
Wer wissen will, wie sich schmieriger Rythm´n´Blues mit unterschwelligen Rock´n´Roll-Anklängen anhört, der sollte schleunigst Calvin Russell in den Player schieben. Aber was heißt hier „unterschwellig“ – das Rock´n´Roll-Element ist so subtil eingeschoben – wenn der Texaner sein Album nicht in Memphis eingespielt hätte und sich der Geschichtsträchtigkeit des Ortes vermutlich nur allzu bewußt war, würde ich sagen, „Sam“ ist schon ein Fall für Freud! Aber der Text von „Wild wild West“ belehrt mich eines besseren: Russell weiß sehr genau, wes Geistes Kind er ist:
WeiterlesenLive: Gus Gus/Underworld
Köln/Palladium, 13.5.1999
„The most sexiest band of the world. Ich würde sie alle heiraten. Hier sind Gus Gus.“ Nach dieser entzückenden Ankündigung der Viva II Moderatorin kamen sie auf die Bühne. Das bunte „Künstlerkollektiv“ aus Island präsentiert das neue Album „This is normal“; live – und in Farbe, mittels genialer Videoperformance. Das Publikum klatscht und tanzt zu den ersten Takten von „Polyesterday“. Ebenso punktgenau, wie die Bilder auf der Videoleinwand, erscheinen die beiden männlichen Sänger auf der Bühne. Aber da fehlt doch jemand?
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