Cassius, das sind Philippe Zdar – seines Zeichens ein Teil von Motorbass – und Hubert „Boombass“ Blanc Francard, Studioproduzent und Betreiber des Boombass-Studios. Zusammen haben sie seit 1991 alle Alben von MC Solar produziert. Im Frühjahr 1994 erschien auf MoWax eine äußerst housige Funkplatte mit allem, was die heutige House/Deep House Fraktion Frankreichs an Einflüssen zur Technokultur beigetragen hat. Nur wenig später kamen Remixe von solch illustren Epigonen der Detroiter Szene wie Carl Craig und dem aus dem angrenzenden kanadischen Windsor stammenden Ritchie Hawtin, im Jetzt bereits die Grand-Seigneurs ihrer Produzentengilde. 1996 folgte auf Zdars Seite die immer noch veritabelste und eigenständigste Houseplatte aller Zeiten: „Pansoul“ von Motorbass ist ein Meilenstein an Deepness. Die zarten und tiefen Fragmente dieser Musik sind stets mit einem funkigen aber unaufdringlichen Bass umsäumt. Aufgrund einer schlechten bis keiner Promotion ging dieses Meisterwerk unter.Genauso erging es der Single „Foxxy Lady“ von „L´homme qui valait trois milliards“ auf „Cassius“, dessen Inhaber Hubert Blanc Francard auch gleichzeitig Produzent war.
WeiterlesenKategorie: Musik
Timbaland: Tim’s Bio:
Hey, yo, Timbaland is da man. Was Puff Daddy kann, kann er schon lange. Und wahrscheinlich wohl besser. Timbaland kommt auch ohne biedere Samples aus und produziert gern und viel. Seinen ganz eigenen Stil hat er auch und sogar ein Label (‚Z-Man/Blackground Records‘). Wer kennt sie nicht diese sonderbaren Aha-Laute und die alles beherrschenden abgehackten, wummernden bassigen Beats, die Alben wie Missy „Misdemeanor“ Elliotts Überraschungshit „Supa Dupa Fly“, Aaliyahs „One In A Million“ und Ginuwines „The Bachelor“ schmücken.
WeiterlesenMartyn Joseph: Tangled Souls
Es gibt wenige Künstler, die so häufig auf einem anderen Label erscheinen wie Martyn Joseph. Daher ist es schwierig zu verfolgen, wieviele Alben er seit 1983 eigentlich veröffentlicht hat; so langsam müßte er aber in den zweistelligen Bereich kommen.
WeiterlesenKing’s X: Tape Head
1998 war ein ergiebiges Jahr für King’s X-Fans. Im Sommer erschien das geniale Solo-Album von Ty Tabor („Moonflower Lane“), bald danach unter seiner Mitwirkung das All-Star-Projekt „Platypus“ mit Mitgliedern von Dream Theater und jetzt liegt das neue Werk von King’s X vor. „Tape Head“ ist ihr siebtes Album, aber das erste auf dem Label Metal Blade. Auch zum ersten Mal haben Ty Tabor und King’s X ein Album im Alleingang produziert. Das Ergebnis kann sich hören lassen: Der erste Titel „Groove Machine“ trägt seinen Namen zurecht und die elf folgenden Titel untermauern – wieder einmal – die Ausnahmestellung von King’s X (Randbemerkung: Es gibt noch einen dreizehnten, nicht ganz so ernst gemeinten Live-Track, aber den hört sich wahrscheinlich niemand zweimal an !).
WeiterlesenJim O´Rourke: Eureka
Hoppala, nicht gerade eine Platte, die ich in einem Magazin wie d!zko 2000, welches hauptsächlich Techno, Disco und Hip-Hop featured, erwartet hätte vorzufinden. Die technischen Elemente dienen dem Ex-Gastr Del Sol-Mitglied lediglich als Untermahlung seiner American-Songwriter Tradition. Daß er damit umgehen kann, hat er schon früher als Produzent von Stereolab bewiesen. Spartanisch und mit viel Akustikgitarren-Gezupfe wirken diese Stücke wie aus einer anderen Zeit. Gute Songs bleiben halt immer aktuell.
WeiterlesenBangbang: Je t´aime Je t´aime
Air – die Zweite. Stilistisch geht Bangbang den Pfad weiter, den die Abräumer der Polls im vorherigen Jahr beschritten. Ätherische Analog-Synthies, ultraweiche Gesänge (u.a. von Jay-Jay Johanson) und trippige Beats machen das Chanson anno 99 aus. Die Titel – halb englisch, halb französisch – lassen Bangbang, seines Zeichens Leader dieses gleichnamigen Projektes, wie einen Bastard aus Morcheeba und Dimitri from Paris dort zurück, wo erstere sich zu sehr dem „Big Calm“ hingeben und der zweitgenannte auf zuviel Zuckerwatte setzt.
WeiterlesenModest Mouse: The Lonesome Crowded West
Die Zukunft der Rockmusik scheint in den Händen von Sebadoh, Built To Spill und Modest Mouse zu liegen. So prophezeien es je nach Deutung der Rezensionen und der Interviews die Kollegen der Printmedien. Das aktuelle Werk von Built To Spill konnte mich nicht überzeugen, das von Sebadoh zuerst auch nicht, ein voreiliges Urteil, das ich später schnell revidieren mußte.
WeiterlesenNeurosis: Times Of Grace
NEUROSIS sind und bleiben (vielleicht) für alle Ewigkeit eine meiner absoluten Favoriten im Bereich „harte Musik“. Ihren die Seelen reinwaschenden, produktiven Szenarien zu lauschen ist für mich immer und immer wieder ein Erlebnis der ganz besonderen Art. Vor allem wenn ich mal nicht die Sonne in mein Herz gelassen habe und lieber schmolle und den Rest der Welt hasse, dann lege ich gerne eine Platte besagter Band auf. Und mit dieser Vorgehensweise bin ich nicht ganz allein, denn meines Wissens nach erfreuen sich NEUROSIS ständig wachsender Beliebtheit. Das kommt nicht von ungefähr. Ihre Alben und ihre Auftritte versprechen höchste Qualität. Von den alles andere als oberflächlichen Interviews ganz zu schweigen.
WeiterlesenCatatonia: Dead from the waist down
Im Leben eines jeden Musik-Fans kommt vermutlich einmal der Punkt, wo man das Gefühl hat, die Euphorie der Jugendzeit sei unwiderbringlich verloren. Das kann daran liegen, daß die vermeintliche Lieblings-Band nur noch lahmen Müll produziert oder allein bis dato nie-gehörte Standard-Werke aus den Sixties die Ohren noch zum Glühen bringen, während die neuen Sachen allesamt nichts mehr taugen. Dann fühlt man sich unverstanden und alt.
Live: Kiss
Münchner Olympiahalle, 19.3.1999
Ewig junger Rock ’n‘ Roll
Nein, die Zeit zurückdrehen kann auch ein Mann wie Paul Stanley nicht. Der Gitarrist von Kiss, einer der größten Rockbands aller Zeiten, lacht und tanzt dennoch. Er steht auf einer Minibühne am anderen Ende der Münchner Olympiahalle, singt und bearbeitet seine Gitarre. Der kleine Fleck Bühne, der vielleicht die Grundfläche einer Telefonzelle hat, wird eingeschlossen von etwa 12 000 Rockfans, die Stanley zujubeln. So und nicht anders sieht Rock `n‘ Roll aus – Musiker und Publikum in hautengem Kontakt, bereit, sich gegenseitig etwas zu geben. Auf der einen Seite diejenigen, für die die Musik von Kiss Lebensgefühl und jahrelanger Begleiter ist. Auf der anderen Seite vier Musiker, die nach 80 Millionen verkaufter Platten bestimmt nicht Finanznot zu einer Tour und dem ersten Studioalbum nach 20 Jahren getrieben hat. Sondern eher die Liebe zu ihren Fans.
GusGus: This Is Normal
Darauf habe ich nicht erst seit dem umwerfenden 4AD-Event auf der Popkomm gewartet, sicherlich eines DER Konzerte, das ich im Leben nie und nimmer missen möchte. Was dieses audiovisuelle Klangkollektiv an Performance darbietet, ist wohl mit einem normalen Bandformat nicht zu vergleichen. Der Sänger, von grünem Licht diabolisch angestrahlt, wirkte mit einer ungewöhnlichen, dafür umso markanteren Stimme wie aus einer anderen Dimension. Die tanzende Sängerin, oder besser gesagt, singende Tänzerin nahm mit ihrer björkhaften Manier nicht nur die Männerwelt in ihren Bann.
WeiterlesenBeangrowers: 48k
Ziggy Stardust und seine Spiders sind wieder da, und sie klingen wie Garbage in silbernen Plateaustiefeln! Aber erst mal die Fakten: die Beangrowers sind ein junges Trio aus Malta (!), zwei Jungs und ein Mädel: Alison Galea (voc, git, synth), Ian Schranz (dr, synth) und Mark Sansone (bs, synth, voice art). „48k“ ist ihr Debüt-Album. Ich geb ihm vier von fünf möglichen Punkten, denn das Rad haben sie nicht grad neu erfunden (s. Verweis auf obige Band), und wer weiß, was zudem noch auf das Konto von Produzent Gareth Jones (…) geht, ich bin da ein bißchen mißtrauisch…
WeiterlesenWilco – Summerteeth
Britannia rules auf der ´99er-Scheibe der einstigen Americana-Heroen. „Summerteeth“ ist Wilcos Beatles-Album! Verschroben und von einer erfrischenden Unbekümmertheit wie früher, aber auch sehr viel poppiger in Melodien und Arrangements. Harmonika- und Banjo-Klänge sind noch nicht zu reinen Special Effects verkommen, aber gegen die Walls of Sound, die sich gelegentlich auftürmen, kommen sie kaum noch an.
WeiterlesenKristofer Åström & Hidden Truck: Go,went, gone
Nein, er ist kein Unbekannter. Kristofer ist vielleicht dem Leser als Sänger der schwedischen Band Fireside ein Begriff. Im Gegensatz zum Sound von Fireside, übt sich Åström im klassischen Songwriting mit Akkustik-Gitarre. Wie so viele seiner Musikerkollegen, muß man eigentlich sagen. Denn der Akkustik-Klampfen-Output ist seit dem großen Erfolg des Unplugged-Konzerts von Nirvana seinerzeit unvermindert hoch. Kaum ein Sänger der Grunge-Generation, der sich nicht dazu berufen fühlt sein „persönliches und reduziertes Album“ heraus zu bringen. Die Anzahl der Veröffentlichung dieser Art ist natürlich auch proportional zur Größe des Mittelmaßes unter diesen Alben. Das, in der Tat gefällige, Name-Dropping scheut sich nicht, große Namen, wie Nick Drake, Red House Painters oder Elliott Smith ins Rennen zu schicken. Leider kommt Kristofer Åström über ein „Klingt wie …“ mit seiner Platte nicht hinaus.
WeiterlesenJimi Tenor: Organism
Jimi Tenor ist der Lucky Luke der Musikbranche: der Mann, der seine Alben in so schneller Abfolge veröffentlicht, daß sein eigener Schatten nicht mitkommt! Dies ist sein viertes in nicht einmal drei Jahren, scheint mir. Er muß offensichtlich einfach nur einen Eimer drunter halten und sein kreatives Output fließen lassen. Beneidenswert.
WeiterlesenMesh: The point at which it falls apart
…alle Eingaben bei der Genfer Menschenrechtskommission, 20 000 Protestunterschriften und die Mahnwachen von Amnesty International waren vergebens: Anfang des Monats wurden „Mesh“ wegen musikalischen Fehlverhaltens aus Bristol abgeschoben und im Morgengrauen nach Basildon ausgeflogen. Ja, so kann´s gehen, wenn man zum wiederholten Mal statt des landesüblichen Trip Hops, wie ihn die Kollegen Massive Attack und Portishead als Markenzeichen der Region etabliert haben, traditionell hämmernden und eingängigen Synthie-Pop der frühen 80er macht! Das ist wie Erdbeeren-Essen im Dezember, nämlich unökologisch, unethisch und standortschädigend!
WeiterlesenPizzicato 5: Playboy & Playgirl
Nach drei auch für den westlichen Markt erhältlichen Platten kommt nach zwei Jahren und etlichen Remix-Projekten die vierte Pizzicato Five wie der Frühling über einen zu langen Winter. Irgendwelche gravierenden Auffälligkeiten zum sonstigen Ouevre gibt es keine. Gut so?
WeiterlesenPole: LP2
Ich hätte ja nicht gedacht, daß es so schnell geht. Stefan Betke legt schon einen nach. War doch seine LP1 erst vor vier Monaten an gleicher Stelle die Schönheit der Ausgabe. Muß man bei musikalischen Schnellschüssen eigentlich immer mißtrauisch sein, gibt es bei Pole keinen Grund dazu. LP2 macht genau da weiter, wo der Vorgänger aufhörte. Basierte LP1 strukturell noch auf dem Knacken eines defekten Waldorf-Filters, das mit unglaublich fetten Dub-Bässen unterlegt war, so verzichtete Stefan Betke bei den neuen Aufnahmen auf den defekten Filter.
WeiterlesenEquatronic: Motivation
Der Chefredakteur weiß, wie man Rezensenten lockt: „Beeinflußt von Yazoo und Depeche Mode“ sagt er, mit der CD winkend, und meint das Duo Equatronic (Oliver Thom und Dorothea Brandt) aus der Gegend ums saarländische Völklingen, einem häßlichen Industrie-Ghetto aus grauen Betonklötzen und dank des jahrzehntelangen Zechen-Ausstoßes sicherlich eine der häßlichsten Städte Deutschlands. Doch davon sollte man sich nicht täuschen lassen: Völklingens Bewohner haben ein sonniges Gemüt, nennen sich „Cindy“ und suchen sich einen „Bert“, um fröhlich trällernd durch die Schlager-Welt zu ziehen.
WeiterlesenThe Black Crowes: By your Side
Eigentlich hatte ich mit dem Gedanken gespielt, „By your Side“ zur Schönheit der Ausgabe zu machen. Gott sei Dank, kam dann aber noch Pole auf meinen Plattenteller. Ansonsten hätte ich mich wahrscheinlich mit schweren Anfeindungen seitens der Redaktion konfrontiert gesehen. Retro hin oder her, die Black Crowes klingen natürlich wie eine Southern Rockband aus dem Jahre 1972. Aber das machen sie verdammt gut! Und es macht verdammt viel Spaß!
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