Morcheeba – Dive Deep

„Who Can You Trust“ (1996) und „Big Calm“ (1998) gehören zu den Vorzeigealben des Genres TripHop. Den Soundtüftlern Paul und Ross Godfrey gelang mit Hilfe von Stimme und Ausstrahlung ihrer damaligen Frontfrau Skye Edwards, den Bristoler Massive Attack-Sound etwas weicher zu gestalten und ihn von Album zu Album immer mehr mit der Catchyness zu versehen, die auch den Musikchefs der Popwellen dieser Welt die Entscheidung für die Singleauskopplungen der Londoner leichter machte.

Weiterlesen

Joe Ely & Joel Guzman: Live Cactus!

Der „Grand Seigneur“ des Texas-Rock ist produktiv wie nie, haut momentan praktisch eine CD nach der anderen heraus, wobei er natürlich auch auf umfangreiche Archivbestände zurückgreifen kann.
Dass Ely besonders live zur Hochform auflaufen kann, belegt auch das in jüngerer Zeit (genauere Angaben fehlen) im „Cactus Cafe“ von Austin mitgeschnittene Konzert. Quasi auf Augenhöhe mit dabei ist sein langjähriger Sideman (Los Super Seven) Joel Guzman am Akkordeon.

Weiterlesen

Foals: Antidotes

Auch wenn es in den letzten Wochen etwas leise um das Dance-Rock-Genre geworden ist, das uns im letzten Jahr noch die genialen Klaxons beschert hatte, tot ist der Dance-Rock noch nicht. Der neueste Beweis: das Quintett Foals aus Oxford. Sie gehören zu der Progressiv-Fraktion der Dance-Rocker. Mit Bläsern, abenteuerlichen Breaks, Samples und dem obligatorischen Händeklatschen haben sie ihre quirligen Songs versetzt, um jeden Anflug von Langeweile gleich im Keim zu ersticken.

Weiterlesen

Blood Red Shoes: Box Of Secrets

Gott sei Dank haben Blood Red Shoes für uns ihre Schatzkiste geöffnet und uns in ihr stöbern lassen. Diese birgt nämlich viele Überraschungen in Form wunderschöner, nur auf den ersten Blick sperriger Lieder. Wegen ihrer Konstellation (eine Frau und ein Mann) stehen Blood Red Shoes in einer Reihe mit The White Stripes und The Kills. Musikalisch verbindet sie auf jeden Fall auch die Vorliebe für karg instrumentierte Rock-Songs.

Weiterlesen

Paramount Styles: Failure American Style

Girls Against Boys (GVSB), der eine oder andere wird diese fantastische New Yorker Noise Rock-Band noch kennen, gibt es tatsächlich noch. Sie hatte gerade noch einige Konzerte in Europa gegeben (u.a. in Spanien und Griechenland). Das letzte Studioalbum stammt allerdings aus dem Jahr 2002. Ihr Frontmann Scott McCloud hat gerade das Debütalbum seines neuen Projekts Paramount Styles veröffentlicht.

Weiterlesen

Ian McLagan: Never Say Never

Ian McLagan & The Bump Band – Never Say Never (2008, CDr) - Discogs

Wer will es der in Texas lebenden Londoner Keyboarder-Legende verdenken, dass ihr neues Album nicht nur in puncto lyrics eher melancholisch, ja fast traurig ausfällt. Ian „Mac“ McLagan hatte sich verständlicherweise im vergangenen Jahr auch etwas aus der Musikszene zurückgezogen. Es galt den schmerzlichen Verlust seiner Frau Kim zu verarbeiten, die Anfang August 2006 bei einem Autounfall im Travis County ums Leben gekommen war.

Weiterlesen

Live: Portishead

Köln, Palladium, 6.4.2008

Die Zeitmessung in der Popmusik ist gemeinhin eine andere. Elf Jahre kein neues Studioalbum zu veröffentlichen, da ist das Karriereende eigentlich schon vollzogen. Nicht so im Fall von Portishead. Ende des Monats wird deren drittes Album, schlicht „Third“ betitelt, erscheinen. Der Vorgänger „Portishead“ erblickte 1997 das Licht der Welt. Diese unendlich lange erschienene Pause war der Karriere des Trios aus Bristol erstaunlicherweise nicht abträglich. Am Sonntag gewährte die Band im ausverkauften Kölner Palladium erste Einblicke in das neue Werk.

Weiterlesen

A Fine Frenzy – One Cell In The Sea

Das Debütalbum von A Fine Frenzy ist eine gute Gelegenheit, um die Namen einiger zu wenig beachteter Künstlerinnen in die Runde zu schmeißen. „One Cell In The Sea“ ist der gut verdauliche Querschnitt aus Over The Rhine, Terami Hirsh und Kristin Hoffmann und präsentiert mit Alison Sudol eine Pianistin und Sängerin, die so viel Potenzial mitbringt, dass man ihr zutraut, sich langfristig durchzusetzen.

Weiterlesen

K.D. Lang – Watershed

Obwohl K.D. Lang erst 46 ist, geht es einem schon ähnlich wie bei Joni Mitchell: Nach jahrelanger Funkstille freut man sich geradezu ekstatisch über ein neues Album und ist eigentlich schon zufrieden, wenn es die Damen annähernd so gut machen, wie man es von ihnen gewohnt ist. K.D. Lang brilliert wie eh und je mit ihrer Stimme, die fein zwischen Intimität und distanzierter Arroganz balanciert.

Mit vorzüglichen Musikern kleidet sie ihre Songs in sophisticated Arrangements, die sich höchstens den Vorwurf gefallen lassen müssen, zu sehr am Schnürchen zu laufen. „Watershed“ ist über jeden Zweifel erhaben und an keiner Stelle antastbar, aber ein bisschen mehr Freilauf würde den Songs auf lange Sicht gut tun.

(dmm)

link: www.kdlang.com

Ton: Wie haben die Zeit sie uns zu nehmen

Die Band Ton wohnt im Grenzland neben Jupiter Jones, Schulze und Voltaire und auf der anderen Seite des Zauns leben Pur und Konsorten. Was diese Grenzlinie unüberwindbar macht ist die Unbeirrbarkeit, mit der das Trio musiziert. Hier fehlt klar erkennbar der Wille, eine Herz-Schmerz-Ballade in einer Vorabendserie von Pro7 zu platzieren. Stattdessen regiert der Wille nach gefühlvollen deutschen Texten und großen Melodien ohne als Schlagerfuzzis abgestempelt zu werden.

Weiterlesen

Tocotronic – Kapitulation – Live

Als Dirk von Lowtzow das Konzert wie ein in die Jahre gekommener Entertainer mit „Hallo Hamburg, wunderschön wieder hier zu sein und mit euch den Abend zu verbringen“ eröffnet, ertönt deutlich vernehmbar der Zwischenruf „Lüge“ aus dem Publikum. Diese Szene beschreibt recht gut die Nische aus Selbstironie und Ernsthaftigkeit, in der sich Tocotronic eingenistet haben.

Weiterlesen

Power to the people

In der Süddeutschen Zeitung (→ Miss Molly) sieht Andrian Kreye die Ehre der Cover-Version durch Cat Power und ihr neues Album „Jukebox“ gerettet. So weit, so gut, aber Kreyes Artikel (immerhin der Feuilleton-Aufmacher der Wochenendausgabe) hat mich wirklich aufgeregt. Nicht weil er die hier gerne gehörten Nouvelle Vague doof findet, sondern weil der Artikel voll ist von kleinen Unterstellungen und Ungenauigkeiten.


Ein paar Beispiele:

Weiterlesen

Favez – Bigger Mountains, Higher Flags

Vakante Posten in einer Rockband mit gleich zwei Tastenspielern zu besetzen ist mit Sicherheit eine interessante Variante. In diesem Fall führt sie dazu, dass Favez zwar weniger gitarrenlastig sind, aber fantastische Songs geschrieben haben. Die Schweizer bewahren ihre Trademarks, schaffen aber mit „Bigger Mountains, Higher Flags“ den Schritt zur Adoleszenz, der kurioserweise im Springsteen-Gestus mündet und mehr als einmal an US-Stadien denken lässt.

Aber egal, ob großartige Hymnen wie der imposante Opener „The Highways Are Deserted“ oder die düstere Ballade „The Goodbye Song“ — Favez haben wieder Druck auf den Reifen und machen Hoffnung, dass die Gentlemen diese Maschine noch einige Male anwerfen.

Link: www.favez.com

The Killers: Sawdust (The Rarities)

Es ist ja schon fast eine Hygienefrage, ob man es gut finden kann, dass Lou Reed mit The Killers einen Song aufgenommen hat. Wer sich aber von dieser ‚Das geht ja gar nicht‘-Attitüde nicht beeindrucken lässt, entdeckt einen großartigen Song, der wahrscheinlich zum Tiefsten gehört, was die junge Band aus Las Vegas bisher produziert hat. „Sawdust“ ist eine B-Seiten- und Raritätensammlung, die neben der erwähnten Single „Tranquilize“ noch drei weitere unveröffentlichte Titel enthält und ansonsten The Killers von einer dreckigeren und unfertigeren Seite zeigt als zuletzt auf „Sam’s Town“ (2006).

Weiterlesen

Justin Currie: What Is Love For

„Can You Do Me Good“ (2002), das letzte Album von Del Amitri, war so mau, dass man kaum den Willen aufbringen konnte, die an sich großartige schottische Band zu vermissen. Deren Sänger Justin Currie ist jetzt wieder da und hat sich mit der schon so oft besungenen Liebe nicht gerade ein Nischenthema ausgesucht. Aber wenn er mit seiner unnachahmlichen Stimme Sätze wie „Once I get my heart back in my hand, I’ll squeeze out every drop of love I can“ singt, dann geht das unmittelbar ans Herz.

Weiterlesen

Minor Majority: Candy Store

Platten von Minor Majority sind wie die ausgebeulte Lieblingshose und der verknubbelte Pulli für einen gemütlichen Couch-Mittag. Wenn es dann überraschend klingelt, bekommt man den desolaten Zustand nicht schnell genug ausgebügelt und murmelt etwas von >…wollte mich gerade umziehen…< Auch wenn man weiß, dass coole Platten anders aussehen, haben uns die Norweger um Pål Angelskår mit vier wunderbar kuscheligen Studioalben belohnt, die allesamt runtergehen wie eine heiße Tasse Ovomaltine.

Weiterlesen