Live: Whitesnake/The Tracelords

Karlsruhe, Europahalle, 4.9.2004.

Da war er wieder: The Last of the Famous International Playboys.

Kann man David Coverdale irgendetwas übel nehmen? Dass er Whitesnake immer wieder aufleben lässt und wohl bis an sein Lebensende fortführen wird? Dass er seit fast 20 Jahren aus einem Repertoire von vielleicht 18 Songs schöpft? Dass er seit 30 Jahren dieselbe Hosengröße hat und ihm auch heute die Hemden, die genauso eng sind wie damals, passen? Dass er den Mikrofonständer immer noch wie in alten Zeiten durch die Luft schleudert und es wohl keinen anderen Mikrofonständerschleuderer gibt, der das Teil ähnlich schamlos als Phallus-Symbol missbraucht? Dass auf seinen ausgewaschenen Blue Jeans die Rolling-Stones-Zunge prangt? Direkt, aber auch wirklich direkt links neben dem Schritt?

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213: The Hard Way

Ein Traum ist wahr geworden: Drei G-Funk-Ikonen haben sich zusammengetan und ein Album der obersten Güteklasse aufgenommen. „The Hard Way“ vereint die Talente von Pornoliebhaber und -produzent sowie Gelegenheits-Comedyshow-Host Snoop Dogg, seinem Namensvetter Nate Dogg und Schmuser Warren G. Die Beats schweben; die virtuell aufziehenden Nebelschwaden zeugen von vielen verrauchten Joints.

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Willie Dunn: Son of the sun

Ein Kanadier schottischer und Micmac-indianischer Abstammung, der als Songwriter seit dreißig Jahren aktiv und hier kaum bekannt ist: das ist Willie Dunn. Seine Songs vermischen Country, Folk und indianische Tradition mit einer gewissen Öko-Romantik, indianischer Historie und englischen Literaturklassikern.Beeindruckt hatte mich der Titelsong, dessen traurig-sehnsüchtige, fast verzweifelte Stimmung fast als einziger Song die Assoziation zu Leonard Cohen zulässt. Bei den meisten anderen Songs fühlte ich mich vor allem an Hank Williams erinnert.

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Ferris MC: Ferris MC

Das ging aber schnell. Irgendwie hatten wir die „Audiobiographie“ noch sehr gut im Ohr, schon kommt das nächste Album des sympathischen Hamburger MCs. Auf dem bereits erwähnten Vorgänger von „Ferris MC“ präsentierte sich der Rapper als Einzelkämpfer und hatte keinerlei Kollabos gemacht. Bei diesem Album hat er sich einige altbekannte Gäste ins Studio eingeladen und mit ihnen 14 Songs (inklusive Bonustrack) erschaffen, die weit mehr sind als HipHop.

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Von Spar – Die uneingeschränkte Freiheit…

„Die uneingeschränkte Freiheit der privaten Initiative“, so lautet der Titel in seiner vollen Gänze. Von Spar, das sind drei Menschen von Oliver Twist und Urlaub In Polen, die in Köln zusammengefunden haben – auf menschlicher, freundschaftlicher und musikalischer Ebene. Eine kluge Idee von L’Age D’Or, sich die Dienste des Trios zu sichern. Liegt der erste Song „Slow Down For A Fast Trip“ hinter einem (klingt sehr nach Mediengruppe Telekommader und Konsorten), offenbart sich ein spannendes, witziges Querbeet-Album, das einen blitzkriegmäßig überrumpelt und für lange Zeit nicht loslässt.

Der erste Eindruck, die Band wolle zu viel und agiere verkrampft und sei zu prätentiös, der verfliegt spätestens, wenn man das Album in voller Lautstärke und mit voller Konzentration gehört hat. Wenn kurz The Knacks „My Sharona“ zitiert („Schockwellen Auf’s Parkett“) oder bei Blumfeld eine Piano-Abfolge geklaut wird („Ist das noch populär?“), muss man schmunzeln. Und vor dem langsamen Schluss-Part in „Bunsenwahrheiten“ („Schön, dass ihr dabei seid / Wirklich schön“) ziehe ich den imaginären Hut.

Hier wird deutscher Now Wave in Perfektion vorgeführt. Zurecht waren sie gerade auf dem Klapp-Titelbild der „Spex“. Wenn nicht da, wo denn dann bitte?

Von Spar
Die uneingeschränkte Freiheit der privaten Initiative
L'Age D'Or/Rough Trade
VÖ: 26.7.2004

Motörhead – Inferno

Lemmy ist halt Lemmy. Spätestens nach der vierten CD in Folge weiß man nicht mehr so genau, was man schreiben soll, bietet doch auch „Inferno“ nicht wirklich irgend etwas Neues. Die Talsohle der kompletten Ideen- und Bedeutungslosigkeit haben Motörhead durchschritten und liefern seit einigen Jahren wieder ordentliche Alben ab. That’s it.

6 Fritten

Motörhead
Inferno
Steamhammer/SPV

Swosh! – The Whole Nine Yards

Nach „Spin Around“, der Vorabsingle gilt es jetzt, das Debütalbum der vielversprechenden Newcomer Swosh! genau unter die Lupe zu nehmen. So intensiv und kritisch man sich auch mit diesem Album befasst, hier Fehler oder Mängel zu entdecken, ist ein Ding der Unmöglichkeit. Jeder Song ein Kracher. Die Produktion von Guido Lucas und Kurt Ebelhäuser angemessener und besser nicht sein. Über Sänger Tino Oac noch groß Worte zu verlieren, wäre wie Eulen nach Athen zu tragen. Er zeigt seit längerem schon bei den Söhnen Mannheims, dass er sein Handwerk meisterlich beherrscht. Axel Niers, Schlagzeuger, und Enzo Miucci, Bassist, rollen souverän den groovenden Rhythmusteppich aus, auf dem sich die Gitarristen Mita Troup und Woolf Schönecker mit ihren präzisen und harten Riffs austoben.

Wenn im Zusammenhang mit „The Whole Nine Yards“ von Queens Of The Stone Age, Soundgarden, Muse, Tool oder gar Blackmail die Rede ist, dann ist das keine Spinnerei eines übereifrigen Promoters oder eines überschwänglichen Musikkritikers. Es ist schlichtweg Fakt. Parallelen zu Muse sind etwa in „Front Door“ auszumachen. Der Einfluss von Tool und Queens Of The Stone Age schimmert in dem dröhnenden „Bound“ durch. Was aber alles gar nicht heißen soll, dass Swosh! sich überall etwas abgekupfert hätten. Ihr Sound ist einzigartig. Sie haben eine eigene Nische im Alternative Rock-Bereich gefunden und sich dort hoffentlich langfristig eingenistet.


Swosh!
The Whole Nine Yards
Capitol/EMI)
VÖ: 9.8.2004

Fünf Sterne Deluxe – Wir Sind Im Haus

„Leude, Leude, Leude, ihr glaubt es nicht, es ist endlich so weit…“ So kündigen sich die Fünf Sterne Deluxe an, die nach überlanger Pause wieder zusammengefunden haben und diese mit der EP „Wir Sind Im Haus“ beenden. Die ist nur der Appetizer.Im Sommer gehen sie dann auf Festivaltournee, und im Herbst folgt das nächste Album. Trotz der Pause hat sich bei den Hamburger Jungs nix verändert. Außer, dass sie noch verrückter und experimenteller geworden sind. Ansonsten geben sie immer noch die durchgeknallten, verkifften Rapper ab, denen gerne ein Spaß über die Lippen geht. So lieben wir sie und so sind wir es von ihnen gewohnt. Die Fünf Sterne sind wieder im Haus, Hände und Arme hoch und bounct zu ihren fetten Beats. Das ist große Abendunterhaltung. Tobi Tobsen, Das Bo, Marcnesium und DJ Coolmann – ihr seid die Größten!

Fünf Sterne Deluxe - Wir Sind Im Haus
YoMama/Sony Music
VÖ: 5.7.2004

Dillinja: My Sound

Irgendwann in der Mitte des letzten Jahrzehnts offenbarte sich mir in einem Amsterdamer Hotelzimmer etwas, das ich noch nicht kannte. In dem für diese Stadt typischen Geisteszustand waren meine Reisebegleiter und ich vorbereitet auf einen gemeinsamen Musikgenuss. Der Raum füllte sich mit einer Musikrichtung, die in Deutschland zu der Zeit gerade seine Erfolgsstory beginnen sollte.

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