Die Zeiten ändern sich. War New Model Army die Band, die mir vor rund 20 Jahren Pogo ins Bewusstsein und gegen meine Schienbeine trat, schätze ich heute in erster Linie an Justin Sullivan den introvertierten Geschichtenerzähler.Da schon vor Erscheinen seines phantastischen Soloalbums aufgenommen, ist „Tales Of The Road“ nur ein Song von „Navigating By The Stars“. Mir ist ein bisschen schleierhaft, warum das Album unter „Justin Sullivan And Friends“ erscheint, da die beiden mitgenommenen Freunde Dean White und Michael Dean fest zur aktuellen New Model Army Besetzung gehören und auch das Programm vornehmlich mit NMA-Songs bestritten wird.
WeiterlesenKategorie: Musik
The Mooney Suzuki: Alive & Amplified
Alle guten Dinge sind drei, sagt man doch so. Im Falle von The Mooney Suzuki und ihrem dritten Werk „Alive & Amplified“ trifft diese These auch zu.Erinnern wir uns: 1997 in NYC gegründet, der Bandname basiert übrigens auf den Nachnamen zweier Can-Mitglieder, veröffentlicht man drei Jahre später das Debüt „People Get Ready“ auf dem Label Estrus. Danach erfolgt die Grundsteinlegung für den glorreichen Aufstieg der Mooneys. In Detroit nistet sich das Quartett mit Jim Diamond (u.a. The White Stripes, The Dirtbombs) im Studio ein, veröffentlicht 2001 „Electric Sweat“ und landet zwei Jahre später mit dem Re-Release der Platte über den Giganten Sony auch in den Regalen von WOM & Co. Mit „Alive & Amplified“ bleiben die New Yorker hingegen sich und ihrem Stil treu, präzisieren lediglich ihren Sound und knüpfen dort an, wo sie vor drei Jahren aufgehört hatten.
WeiterlesenStatic-X: Beneath, Between, Beyond
Herrlich. Auf dem Cover ihres ersten Raritäten- und Sammleralbums steht Frontmann Wayne Static in Adiletten, umgeben von seiner bitterböse und wütend dreinschauenden Truppe, vor einem schmucken Cadillac. Static ist ein ungewöhnlicher Kauz, der seine Haare gern zu Berge trägt und eine Vorliebe für alberne Kinnbärte hegt.
WeiterlesenBlackfield: Blackfield
Dass Steven Wilsons zweiter Vorname „Atmosphäre“ ist, wissen all die, die Porcupine Tree schätzen und sich an seiner Produzententätigkeit bei z.B. Opeth’s „Damnation“ erfreuen. Blackfield ist ein neues Projekt gemeinsam mit dem israelischen Musiker Aviv Geffen, das weder vertrackt noch besonders rockig daherkommt, aber selbstverständlich auch atmosphärische Momente bereithält.
Die oft beschriebene Nähe zu Pink Floyd tritt aufgrund der ruhigen Stücke deutlich zu Tage, außer, dass sich die Songs in normalen Längen und Strukturen bewegen und auf den progressiven Ansatz von Porcupine Tree verzichten. Ein bisschen unklar bleibt, wie stark der kreative Input von Aviv Geffen ist. Auch ohne sein Werk zu kennen, entdeckt man auf „Blackfield“ nichts, was Steven Wilson von seiner Vision entfernt.
Blackfield
Blackfield
Snapper Music/SPV
VÖ: 23.8.2004
The Secret Machines: Now Here Is Nowhere
Glam-, Fuzz-, und Kraut-Rockanleihen paaren sich mit einer Portion Psychedelic, treffen auf jede Menge Pathos und vermischen sich auf „Now Here Is Nowhere“ zu einer wahrhaft bombastisch und gleichwohl progressiven Rock-Platte, welche heutzutage ihres Gleichen sucht.
WeiterlesenMPS Jazzreworks
Keine Angst: Selbst wer in Bezug auf Jazz nicht unbedingt firm ist, könnte an den Remixen der legendären Originale aus dem Hause MPS großen Gefallen finden. Die Originale, die ausnahmslos von Größen der Jazz-Szene stammen, wurden von nicht minder angesehenen Elektro-Musikern beziehungsweise -Bands überarbeitet.
WeiterlesenThe Hidden Hand: Mother Teacher Destroyer
Es ist fast nicht zu glauben und irgendwie würde es nicht wundern, wenn ihr an unserer Glaubwürdigkeit zweifeln würdet. Aber es ist, wie es ist: „Mother Teacher Destroyer“ stellt einige der letzten Alben, die Scott „Wino“ Weinrich gemacht hat, bei weitem in den Schatten. Man kann in diesem Zusammenhang wirklich nicht mehr von Doom sprechen. Hier und da klingt das vielleicht noch nach alten Balladen von Black Sabbath zu Zeiten ihres einzig wahren Sängers Ozzy Osbourne. Das war aber auch schon alles.
WeiterlesenSharkey: Sharkey’s Machine
Man muss sich Sharkey’s Maschine als ein elektronisches Gerät vorstellen, das leicht zu bedienen ist und in dessen Innenleben eine Vielzahl genialer Samples und Beats darauf wartet, abgerufen und in einen seiner umwerfenden Songs eingeflickt zu werden. Dieser Sharkey sieht so etwas von gewöhnlich aus, ist auf der anderen Seite aber für eines der aufregendsten HipHop-Alben der letzten Monate verantwortlich.
WeiterlesenGibby Haynes And His Problem: Gibby Haynes And His Problem
Gibby Haynes? Den kennt man! Entweder, weil er mal sturztrunken in einem Videoclip von Ministry legendär abrupt vom Stuhl fiel. Oder als Frontmann der ebenso legendären und leider etwas ins Abseits geratenen Butthole Sufers.
Nun wandert Haynes auf Solopfaden. Zumindest teilweise, denn ganz ohne das Dazutun seiner Freunde und Kollegen ging der Entstehungsprozess dieses Albums nicht vonstatten. Dass sein Soloalbum von seiner Vergangenheit geprägt sein würde, das war abzusehen: „Charlie“ klingt wie einer dieser höllisch groovenden Doom-Industrial-Monstersongs aus der Feder von Ministry. Anderswo setzt sich der Einfluss der Butthole Surfers durch. Andererseits hat Haynes auch Neues ausprobiert: eine Ballade etwa („Stop Foolin“). Ansonsten singt er nach wie vor in einem Blecheimer sitzend und steht für schrägen bis ohrwurmartigen Indierock mit Rock’n’Roll- und Blues-Anleihen ein. Ein Tipp zum Schluss: Ganz groß ist „Redneck Sex“.
Gibby Haynes And His Problem: Gibby Haynes And His Problem
Surfdog/Sony Music
VÖ: 30.8.2004
Thomas Dybdahl: That Great October Sound
Den großartigen Sound des Oktobers, wie ihn sich der Norweger Thomas Dybdahl vorstellt, hat über weite Strecken etwas fluffiges, manchmal schon fast tuffiges.Melodie- und arrangementverliebt wie so viele Skandinavier hat er ein schönes Album zusammengezimmert, das in Schichten begreifbar wird.
WeiterlesenSons And Daughters: Love The Cup
Nach Franz Ferdinand schickt das englische Label Domino mit den vor drei Jahren gegründeten Sons And Daughters bereits die nächste (Hype-)Band aus Glasgow ins Rennen, um den Versuch zu starten, die gegenwärtige Musiklandschaft zu dominieren. Wenn auch musikalisch keine wirkliche Parallele zu dem derzeit erfolgreichsten Exportschlager Schottlands besteht, so hat Alex Kapranos, Frontmann von Franz Ferdinand, mit seiner Dauerschwärmerei für die Sons And Daughters durchaus seinen Anteil an dem Rummel um das Gespann geleistet. Konsequenterweise tourten im vergangenen Frühjahr die Söhne und Töchter im Vorprogramm Franz Ferdinands durch die Staaten. Und wo man doch gerade schon mal über den großen Teich geflogen war, bot sich für die Newcomer natürlich ein Gig bei dem legendären South By South West-Festival an. Danach verfiel dann auch Pop-Literat Greil Marcus den Schotten.
WeiterlesenMidtown: Forget What You Know
Fünfzehn Songs auf ein Album zu packen, das ist schon eine Leistung. Für Midtown war das kein Problem. Ihr Album leidet nicht an Überlänge, obwohl es mit 53 Minuten nicht wirklich schlank daherkommt. Doch wie heißt es so schön: In der (gefühlten) Kürze liegt die Würze.
WeiterlesenThe Libertines: The Libertines
Die Überraschung war dem „Spiegel“ gelungen. Für das zweite Album der von Skandalen geschüttelten Libertines zog der Kritiker mal locker die zehn aus dem Hemdsärmel, also die Höchstnote, und meinte, da wäre ihm was „Ewiges von den Libertines“ untergekommen. Ui. Hatte der gute Kollege eine andere Platte gehört, oder saß unsereins mit dem Arsch auf den Ohren? Um es kurz zu machen: Letzteres.
WeiterlesenMax Herre: Max Herre
Die traurige Nachricht zuerst: Das Thema Freundeskreis liegt derzeit auf Eis. Nicht, dass sich Max Herre, DJ Friction und Don Philippe zerstritten hätten. Momentan geht nur jeder eigene Wege. Herre hat sich beispielsweise gleich zahlreicher Aufgabenfelder angenommen.Er produzierte das Solodebüt seiner Frau Joy Denalane („Mamani) und zeichnete sich zudem als Regisseur ihrer Videos verantwortlich.
WeiterlesenRadio 4: Stealing Of A Nation
Auf diese Platte haben wir gewartet: die perfekte Emulsion aus Dance und Punk. Ohne Klischees. Ohne Klimbim. Ohne Kinderfasching. Mit Köpfchen und dennoch aus dem Bauch raus. Da hat der Arsch Kirmes! Elegant und fast zu schlau spielen sich Radio 4 durch drei mal mehr Stücke. Da begegnet man New Wave und Britischem à la Primal Scream, wo doch der moderne Zeitgeist drinsteckt. Sie sind nicht The Killers, The Rapture oder Interpol. Sie sind Radio 4, kamen einst aus einem Emo-Grenzbereich und haben nunmehr die Grenzmauer zwischen Dance (oder doch Disco?) und Punk sperrangelweit eingerissen und ein verzückendes Album vorgelegt. Die Musik für Zappelphilippe. Bei jedem Song möchte man lauthals den Refrain mitschreien. Bei jedem Song treibt es einen aus dem Schreibtischstuhl auf die Tanzfläche inmitten fröhlich zappelnder Gleichgesinnter.
WeiterlesenRogue Wave: Out Of The Shadow
Und schon wieder veröffentlicht Sub Pop alleine in diesem Jahr ein weiteres herzerwärmendes Album, welches man als Indiepop-Liebhaber unbedingt in seinem Regal stehen haben sollte. Die Rede ist von den aus San Francisco stammenden Rogue Wave und ihrem Debüt „Out Of The Shadow“. Rogue Wave machten in den USA bereits als Vorband ihrer Labelkollegen der The Shins auf sich aufmerksam und sind ähnlich wie diese dazu im Stande, herrliche Melodien mit poppigem Charme zu schreiben, die einem immer wieder das Gefühl geben, dass alles, egal wie schlimm es auch sein mag, wieder gut werden wird.
WeiterlesenWolf Maahn – Zauberstraßen
Unglaublich, aber wahr: Wolf Maahn zappelt immer noch. Sieht man mal von seinen Bemühungen ab, modern zu klingen, ist „Zauberstraßen“ immer dann am besten, wenn er den poetischen Outlaw gibt und das macht, was er seit mehr als 20 Jahren kann – soliden Deutschrock.
(5 Fritten)
Wolf Maahn - Zauberstraßen
Motor/Universal
DJ Teebee: The Legacy
3 Jahre nach dem Erscheinen des letzten Albums „Through The Eyes Of A Scorpion“ legt der Grossmeister der norwegischen Drum’n’Bass-Szene nach mit „The Legacy“, erschienen auf dem eigenen Label namens „Subtitles“.
WeiterlesenLive: Whitesnake/The Tracelords
Karlsruhe, Europahalle, 4.9.2004.
Da war er wieder: The Last of the Famous International Playboys.
Kann man David Coverdale irgendetwas übel nehmen? Dass er Whitesnake immer wieder aufleben lässt und wohl bis an sein Lebensende fortführen wird? Dass er seit fast 20 Jahren aus einem Repertoire von vielleicht 18 Songs schöpft? Dass er seit 30 Jahren dieselbe Hosengröße hat und ihm auch heute die Hemden, die genauso eng sind wie damals, passen? Dass er den Mikrofonständer immer noch wie in alten Zeiten durch die Luft schleudert und es wohl keinen anderen Mikrofonständerschleuderer gibt, der das Teil ähnlich schamlos als Phallus-Symbol missbraucht? Dass auf seinen ausgewaschenen Blue Jeans die Rolling-Stones-Zunge prangt? Direkt, aber auch wirklich direkt links neben dem Schritt?Ich kann ihm nichts übel nehmen. David Coverdale ist ein Phänomen. Ein lebender Anachronismus, ein charmanter Seelenverkäufer des Schweinerock. Welche Retro-Bewegung ist gerade angesagt? Die 70er? Die 80er? Die 90er? Her damit, sagt Coverdale, ich kenne sie alle, ich war immer dabei.
WeiterlesenMaria Solheim: Frail
Was wären wir ohne Norwegen? Hat man noch vor 20 Jahren die ersten norwegischen Bands bestaunt, sind die Nordlichter heute von der musikalischen Landkarte nicht mehr wegzudenken. Gemeinsam mit Schweden hat kaum ein anderes Land in so kurzer Zeit so viele hochkarätige Acts hervor gebracht. Bislang ist bei dieser positiven Entwicklung kein Ende abzusehen.
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