Anouk: Graduated Fool

Lange hat es gedauert, bis Frau Teeuwe mit einem neuen Album über den Deich geschwappt kam. Dabei herausgekommen ist „nur“ ein ganz gewöhnliches Rockalbum. Wer ein aufwändig produziertes Werk erwartet hat, bekommt mit „Graduated Fool“ das puristische Gegenteil: Gesang, zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug. Schluss, aus. Soweit das Booklet nichts verschweigt oder meine Ohren mich nicht betrogen haben, hört man kein anderes Instrument oder Samples irgendeiner Art.

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Saga: Marathon

Saga, Asia und Journey waren für mich immer Bands, die durch sagenhaft kitschige Comic-Cover aufgefallen sind und die mein Freund Udo rauf und runter gedudelt hat. Ermattet durch seine Penetranz ist es ihm irgendwann gelungen, mich für Journey zu erwärmen, mir für Saga Respekt abzuringen und Asia verdränge ich bis heute. Insofern hat „Marathon“ für mich eher etwas drolliges, weil es mich ziemlich wundert, dass es eine Band schafft, über Jahre dermaßen an ihrem Sound festzuhalten.

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GUZ: Geheime Weltregierung

GUZ – das stand früher mal für einfache, kluge und äußerst originelle Popmusik. Low-Fi-Pop, eher schräg als schmeichelnd. Aber trotzdem eingängig, ja fast naiv. Das ganze als eine Art bilaterale Beziehung zwischen Hamburg und der Schweiz. Besser gesagt: Schaffhausen, wo GUZ alias Olifr Maurmann herkam. Irgendwie war er mit seiner Band Aeronauten in die „Hamburger Schule“ hineingeraten, wo sie die irrsten Späße von allen trieben. Mit Texten, die so antiintellektuell waren, wie es nur ging. Und mit viel Understatement vorgetragen wurden.

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David Olney: Border Crossing

Seine Songs treffen mitten ins Herz. Das weiß z. B. Emmylou Harris. Olney ist ein begnadeter Geschichtenerzähler, geadelt durch Townes VanZandts Aussage, neben „Mozart, Lightnin‘ Hopkins und Bob Dylan“ zu dessen Lieblingskomponisten zu zählen! Den Singer/Songwriter mit der kernigen Stimme kennen leider nur wenige, und dieses vorzügliche Album aus dem Jahre 1992 galt quasi als „verschollen“. Jetzt liegt es endlich, ergänzt durch zwei Live-Aufnahmen, wieder vor.

(8 Fritten)

David Olney: Border Crossing
(CoraZong/CMM)

Eloy: Timeless Passages

Art Rock deutscher Prägung hat unter anderem einen Namen: Eloy. Das ist die Band deren Cover stets Phantasiewelten zur Schau stellen. Auf zwei CDs wird die Entwicklung der Band noch einmal rekonstruiert. 22 Songs, darunter eine bis dato unveröffentlichte Live-Version von „Poseidon’s Creation“ und einem Remix von „Illuminations“. Also: Anschnallen, wenn es auf die Reise durch die Traumwelten von Bandleader Frank Bornemann geht.

(7 Fritten)

Eloy: Timeless Passages - The Very Best Of Eloy
(Harvest/EMI)

Studio Braun: Fear Of A Gag Planet

Die Jerky Boys machten den Anfang. Ein paar verrückte New Yorker, die in den Neunzigern Firmen wie Privatleute mit gefakten Anrufen nervten, die Gespräche auf Band mitschnitten und auf CD veröffentlichten. Was im multikulturellen New York funktionieren kann, das sollte auch in Hamburg, dem deutschen Tor zur Welt, möglich sein. So kam es, dass Heinz Strunk, Hans Fuchs und Bims Brohm mit Telefonbuch, Kassettenrekorder, Telefon und viel Unsinn im Kopf bewaffnet ihre neue Mission in Angriff nahmen.

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Midnight Choir: Waiting For The Bricks To Fall

Norwegen rockt! Nein, nicht Turbonegro und Konsorten, sondern inzwischen auch die Leisetreter. Nachdem Madrugada auf ihrem aktuellen Album schon ordentlich losscheppern, haben sich auch Midnight Choir einen großen Schritt von ihrem symphonischen Klang entfernt. Sollen doch die Isländer elegische Popsongs machen, Midnight Choir haben dieses Feld kampflos geräumt und sind auf ihrem fünften Album deutlich in die härtere Ecke gerückt. „Hart“ nicht im Sinne von wilden Gitarren, sondern „hart“ im Sinne von mystisch und düster.

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t.A.T.u.: 200 KM/H in the Wrong Lane

Ich schäme mich nicht dafür, dass ich die Bildzeitung lese; ich schäme mich, dass ich ohne Bild manche Ereignisse gar nicht mitbekommen würde. Neulich an einem Donnerstag schlug ich die Zeitung auf und las von zwei russischen Teenie-Lesben, die zur Zeit die europäischen Charts stürmen. Wie Homer Simpson blätterte ich weiter zum täglichen Bericht über die jüngste Leverkusen-Krise, um einige Sekunden später nochmals zurück zu blättern: Zwei russische Teenie-Lesben? Gibt es eine alte Bekannte von mir bei der Plattenfirma, der ich irgendwann meine Fantasien anvertraut habe? Ich spreche gar nicht von sexuellen Fantasien – ich meine den Traum, in dem ich Malcom McLaren bin und die Welt mit skandalöser Popmusik dominiere. Man braucht ja bekanntlich nur eine gute Idee. Und t.A.T.u. ist eine sehr gute Idee.

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Die Top Ten vom 24.2.2003

  1. Jay-Z feat. Beyonce Knowles “´03 Bonnie & Clyde”

Auch so´n Beispiel für eine hübsche HipHopper-Ballade. Vielleicht resultierend aus einem Wiedergutmachungsbedürfnis für den nervigen HipHop, mit dem sie die Welt normalerweise beschallen. Das würde auch die schönen Balladen der Metaller erklären. Aber dann müsste Arnold Schönberg eigentlich die schönsten Balladen von allen gemacht haben. Oder Heino.

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Chartskritik 24.2.2003

Viel, viel Schmalz in dieser Woche. Frühlingsgefühle, missverstanden… Zum Beispiel bei John Mayer. Ein dicklicher all-american boy, der aussehen will wie Bryan Adams, aber eigentlich eine optisch sehr gut kaschierte Ein-Mann-Boygroup ist. Musikalisch ist es eine Mischung aus Richard Marx und John Cougar-Mellencamp. Und sehr gutmenschig gehalten. Leider. Dabei ist der Typ höchstens 17. Uah. Momentan Platz 67 mit „You´re body is a wonderland“. Da springt einen der “My melodie”-Geruch schon beim Lesen an…

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Woven Hand: Blush Music

David Eugene Edwards wirkt ja generell nicht wie jemand, der gerne viele Worte macht. Auch auf „Blush Music“ ringt er sich jedes gesungene Wort förmlich ab und die meisten der zehn Titel offenbaren in mehrminütigen Klangmalereien häufig nur in der Mitte, dass sie die Bezeichnung Lied zu Recht tragen. „Animalitos (Ain’t No Sunshine)“ wächst hier auf eine mehr als 14 Minütige Version an, wobei aber die Essenz nicht länger ist als auf dem Woven Hand Debüt. Umrahmt wird das Ganze von Klängen, Ächzen und Geräuschen, die einem recht schnell klar machen, dass die Sonne weiter nicht sein kann.

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Christian Kjellvander: Songs From A Two-Room Chapel

Erst haut Kristofer Åström zwei Alben binnen zwölf Monaten raus, und jetzt lugt schon der nächste melancholische Schwede aus dem Hause V2 um die Ecke. Die Vorzeichen sind ähnlich: Auch Christian Kjellvander hat eine Hauptband (Loosegoats), gibt aber genauso gern den verzweifelten Singer/Songwriter. Auch wenn die Parallele zu Kristofer Åström überdeutlich ist, klingen seine Songs insgesamt offener und weniger depressiv, worunter aber die Tiefe keinesfalls leidet.

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Mammuth: Shine

Wer grundsätzlich etwas mit Bands wie P.O.D. oder Blindside anfangen kann, sollte in „Shine“ reinhören. Das Debüt der fünf Schweden startet amtlich und klingt für dieses ausgelutschte Genre erstaunlich frisch. Aber nach drei Nummern geht auch bei Mammuth die Luft raus und es bleibt ein nettes Album, das sich in sich selbst wiederholt.

(5 Fritten)

Mammuth: Shine
(Talking Music /Asaph)