Ceili Rain: No You – No Me

Gibt es Prog-Folk? Falls nicht – die amerikanische Band Ceili Rain hat sich einem Stil verschrieben, der dieser Beschreibung am nächsten kommt. Irish Folk mit orchestralen Rock-Einflüssen, der zwischen typischen Sing-A-Longs bis hin zu ausgefuchsten Balladen eine Menge zu bieten hat. Wer es gerne eingängig aber nicht abgeschmackt mag, sollte seinen Schirm in Richtung Ceili Rain aufspannen.

(7 Fritten)

Ceili Rain: No You - No Me
(Cross Driven/Provident)

The Mendoza Line: Lost In Revelry

„Lost In Revelry“ ist ein zwiespältiges Album. Wer von einer CD erwartet, dass ein durchgängiges Qualitätslevel gehalten wird, der liegt mit dem vierten Werk von The Mendoza Line falsch. Der Folk-Pop des Quintetts durchrast in 13 Titeln alle Höhen und Tiefen des Songwritings und der Arrangements. Wunderbare Stücke wie „What Ever Happened To You“ oder „The Triple Bill Of Shame“ umschmeicheln sanft die Gehörgänge, während sich mir Nummern wie „In Your Hands“ und „Mistakes Were Made“ auch nach dem X-ten Hören nicht erschließen.

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Fields Of The Nephilim: Fallen

Wer hat Angst vorm schwarzen Mann… Nach rund einem Jahrzehnt Pause sind Carl McCoy und sein Kompanion Tony Pettitt wieder zurück, um mit allen dunklen Seelen den Schmerz zu teilen. Wer die Combo in den vergangen Jahren vermisst hat, wird sich freuen. Alle anderen müssen feststellen, dass sich nicht wirklich viel verändert hat. Nett, aber nicht wirklich wichtig.

(6 Fritten)

Fields Of The Nephilim: Fallen
(Jungle Records/SPV)

Tomas Bodin: Pinup Guru

Organist bekommt Keyboard geschenkt. So kurz könnte man das Soloalbum von Tomas Bodin (Flower Kings) umschreiben. Seine Harmonien tief in Chorälen verwurzelt, ist „Pinup Guru“ ein extrem anstrengender Soloritt. Dass man als Keyboarder einer Prog-Rock-Formation auch ein ohrenfreundlicheres Album rausbringen kann, beweist dann eher Ryo Okumoto von Spock’s Beard.

(4 Fritten)

Tomas Bodin: Pinup Guru
(InsideOut/SPV)

La Sega Del Canto: Das Kekkonen

J.J. Calo, Y. Sauros und M. Hulkkit, Finnen mit Vorliebe für absonderliche Singer/Songwriter, legen ein skurriles Album vor, das mal todtraurig klingt („Berceuse“), mal zum Schmunzeln anregt („Oravanpesä“, „Onnelliset“). Mal auch nur irritierend („Kekkonen“). Selbst den Mariachi-Sound beherrschen sie. Alles mit Hilfe von Harmonium, (Akustik-)Gitarren, Blockflöte und Säge; das macht seltsame Klangbilder, wie man sie wohl nur an dunklen Abenden in Finnland erschaffen kann.

(7 Fritten)

La Sega Del Canto: Das Kekkonen
(Humppa/Tug Rec/Indigo)

Raised Fist: Dedication

Die Metalcore-Bande Raised Fist brachte just ihr drittes Album in die Plattenläden. „Dedication“ wurde erneut unter der Regie von Machine Head- und Meshuggah-Produzent Daniel Bergstrand eingespielt und klingt erwartungsgemäß kompromiss- und schnörkellos. Vielleicht etwas zu dünn produziert, aber es gilt weiterhin: Brutalität in der Musik trägt unter anderem den Namen Raised Fist.

(kfb, 6 Fritten)

Raised Fist: Dedication
(Burning Heart/Connected)

Bombshell Rocks: From Here And On

Die Streetpunker aus dem Hause Bombshell Rocks sind zurück. Richard Andersson, der auf dem Debüt „Street Art Gallery“ einen großen Teil der Musik und Texte schreiben, aber kurz nach dessen Veröffentlichung von dannen zog, ist wieder bei den wilden Recken an Bord. Mit ihm kam eine Fülle an verzückenden Melodien zurück. Mitbrüllen war früher ebenso so leicht wie es heute ist. Nachzuhören auf dem dritten Album „From Here And On „.

(7 Fritten)

Bombshell Rocks: From Here And On
(Burning Heart/Connected)

Peter Case: Beeline

Cover: Beeline

Peter Case ist ein ganz Guter. Seit vielen Jahren beackert er den fruchtlosen Boden der Singer/Songwriter, ist besser als viele andere in diesem Genre und bleibt trotzdem von der breiten Masse unerhört. Wenn er aber in schöner Regelmäßigkeit seine Platten veröffentlicht, kommen Kritiker aus allen Ecken gekrochen, halten die CD triumphierend in die Höhe und weisen eindrücklich darauf hin, diesem Mann doch endlich ein Ohr zu schenken. Warum? Herrgott, weil er Songs schreiben kann wie kaum ein anderer, weil Text, Musik und Vortrag bei ihm Hand in Hand gehen und es ihm noch nie gelungen ist, eine Platte wirklich an die Wand zu setzen.

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Kristofer Åström & Hidden Truck: Leaving Songs

Kristofer Åström ist einer, der mit wechselndem Lebensmut aus seinem poetischem Chaos hinter der Gitarre hervorgrinst. Zumindest vermitteln die Soloalben des Fireside Sängers dieses Gefühl. Ungeachtet der Tatsache, dass im Frühjahr dieses Jahres „Northern Blues“ erschienen ist, liegen jetzt die „Leaving Songs“ vor, die deutlich mehr sind, als kreativer Ausschuss.

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Sepultura: Under A Pale Grey Sky

Nur um Verwirrungen zu vermeiden: Unter freiem Himmel hatten Sepultura seinerzeit nicht gespielt. Es war der 16. Dezember 1996, der letzte Gig der Europatournee. Die fand in der Brixton Academy zu London ihren Abschluss. Damals war die Welt der Sepulturas noch in Ordnung – zumindest nach außen hin. Man ahnte nicht, dass sich Max mit Bruder Igor überworfen hatte. Es sollte allerdings der letzte Auftritt mit Max Cavalera gewesen sein, wie sich später herausstellen sollte.

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Saxon: Heavy Metal Thunder

Die NWOBHM-Legende Saxon hat jetzt auf einer Doppel-CD (+ fünf Live-Tracks und einem Video) ihre größten Songs in neuer Fassung nochmal eingespielt. Hardliner werden -zu Recht- mokieren, dass dadurch die Magie und die Atmosphäre verloren gehen. Für alle anderen, die die Songs nur auf irgendwelchen Mix-Tapes rumfliegen haben, durchaus eine nette Angelegenheit.

(6 Fritten)

Saxon: Heavy Metal Thunder
(Steamhammer/SPV)

Live: Alicia Keys

München, Olympiahalle. 10.10.02

Man möchte sie einfach nur anschauen, die ganze Zeit, wie verzaubert. Wie sie Klavier spielt, den Kopf in den Nacken wirft und lächelt, wie sie spricht und singt und sich auf der Bühne bewegt. Alicia Keys, grammy-überhäufter Jungstar aus der Talentschmiede von des ehemaligen Chefs der US-Plattenfirma Arista, Clive Davis. Ganze 21 Jahre alt ist sie, incredible aussehend und gesegnet mit einer gewaltigen Soulstimme, fragt ihr Publikum, das in die Olympiahalle geströmt ist, ob es mit ihr eine Party feiern will. Die Antwort versteht sich von selbst, und so fliegen Alicia Keys schon vor dem ersten Takt die Herzen ihrer Fans zu.

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Masters Of Reality: Flak’n’Flight

Wer an dicke Gitarren und fetten Wüstensound denkt, der kommt an drei Bands nicht vorbei: Queens Of The Stone Age, Masters Of Reality und Kyuss. Wer genauer hinguckt, sieht ein großes Kollektiv, in dem alle irgendwie musikalisch verwandt oder bekannt sind. Insofern ist es kein Wunder, dass Masters Of Reality-Kopf Chris Goss zusammen mit den QOTSA-Mitgliedern Josh Homme und Nick Oliveri auf Tour gegangen ist. Wenn Ausnahmesänger Mark Lanegan mal wieder Lust hat zu rocken, dann schaut er auch vorbei und veredelt die wuchtigen Kompositionen mit seinem außergewöhnlichen Organ.

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Cage: Movies For The Blind

Das Leben kann katastrophal starten: Als Sohn eines amerikanischen Militärpolizisten in Deutschland zur Welt gekommen, vom Vater im Stich gelassen und von der Mutter in eine psychiatrische Klinik gesteckt. Was für ein Horrorszenario, das Christian Palko in seiner Jugend miterleben musste. Vieles von dem, was von damals in seinem Gedächtnis hängen geblieben ist, hat der Reimakrobat auf seinem Album „Movies For The Blind“ verarbeitet.

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J Mascis & The Fog: Free So Free

Der einstige Frontmann der Indie- und Alternative Rock-Band Dinosaur Jr. kehrt mit seinem dritten Studioalbum zurück. Auf Solopfaden scheint er sich wohl zu fühlen und alle künstlerischen Freiheiten zu genießen. Das ist ihm anscheinend sehr wichtig, zieht man den Albumtitel („Free So Free“) und aktuelle Songtitel wie „Freedom“, „Set Us Free“ und „Free So Free“ in Betracht.

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