Pieke MOKiert sich

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Menschen – Orte – Kriminalität: MOK. So heißt die alle vier Wochen Freitags im RBBinfoRADIO 93,1 gesendete Reihe von Pieke Biermann. Am 1. Februar 2008 um 10:27 und 13:27 Uhr geht es um Gina Graichen und das LKA 125, das heißt: Es geht um kleine Eisbären und Beschützerinstinkte und warum Menschen dabei schlechte Karten haben. Die Sendung wird am Sonntag um 13:45 und 18:45 Uhr und am Montag 04:45 Uhr wiederholt, das Radio ist anklickbar.

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Volksbloggen -15-

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Eine rein hypothetische Frage zur Hebung der Kommentierfreudigkeit: Würdet ihr – und wenn ja, wieviel – für Informationen zur Kriminalliteratur im Internet auch Geld bezahlen? Wenn nicht: Wie müsste das Angebot beschaffen sein, um eure Brieftaschen doch zu öffnen? — Nein, keine Angst. Das Angebot von wtd bleibt auch weiterhin kostenfrei. Was die KollegInnen machen, weiß ich natürlich nicht… Aber würde mich mal interessieren. So wie mich natürlich alles interessiert, was das Volk hier bloggt…

Rolo Diez: Wüstenstaub

Mexiko-City. Die größte, schmutzigste und wildeste Stadt der Welt? Möglich. Auch wenn Rolo Diaz‘ Buch Wüstenstaub dort spielt, ganz so heftig kommt es nicht. Aber Diaz lässt uns jede Seite des Buches wissen, dass wir in Mexiko sind. Das Land, korrupt und prädemokratisch liefert nicht nur den Hintergrund, vor dem die Geschichte des Buches sich abspielt, sondern es ist Objekt der Gedanken von Carlos Hernandez.

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Arimasa Osawa: Der Hai von Shinjuku – Rache auf chinesisch

Ein wenig überrascht hat es mich schon. Nicht dass Kollege Wörtche das zweite Abenteuer des „Hais von Shinjuku“ lobt; aber dass der Band nun auch in der Krimiwelt-Bestenliste auftaucht, Rang 6 immerhin, das ist schon bemerkenswert und kommt unerwartet.
Die →Besprechung des Kollegen W. enthebt mich der Pflicht, hier eine ordnungsgemäße Rezension zu schreiben. Sie wäre in vielem Wiederholung. Dass mir →der erste Band einen Tick besser gefallen hat, sei erwähnt. Ein kleines Zitat vielleicht, das ziemlich unmissverständlich klar macht, worum es in „Rache auf chinesisch“ geht:

„Die Zusammenfassung des Tokyoter Morddezernats ergab folgendes Bild: 36 Tote, 7 Verletzte“

Exakt: Darum geht’s. Und darum, dass so etwas in Tokio recht selten vorkommt. (Übrigens verstehe ich nicht, warum es in der deutschen Übersetzung „Tokyo“ heißt. Portugische Detektive ermitteln ja auch nicht in „Lisboa“; nachdem man sie eingedeutscht hat) „Rache auf chinesisch“ ist ein japanischer Thriller und als solcher natürlich irgendwie „exotisch“. Aber nur zum Teil. Denn der Ausgangspunkt, jener titelgebende „Hai von Shinjuku“, ist eine perfekt globalisierte Figur des Genres, Oberkommissar Samejima, der im Vergnügungsviertel Shinjuku ermittelt, aber ein Außenseiter bei der Polizei ist. Eigentlich müsste er längst Karriere gemacht haben, doch sein Verhalten gegenüber Vorgesetzten ist typisch unjapanisch, eine Art fernöstlicher Wachtmeister Studer, dem ja damals die leidige „Bankenaffaire“ einen Strich durch die Rechnung gemacht hat.

Samejimas Freundin ist eine flippige Rocksängerin – auch eher „unjapanisch“. Es geht ziemlich zur Sache – nein, das nennen wir jetzt aber nicht ebenfalls „unjapanisch“, denn das Reizvolle an diesem Roman ist ja gerade das ineinander Verschränktsein von kulturspezifischen und globalen Mustern, von „Exotismen“, wie sie uns medial eingebläut wurden (von Harakiri bis Kamikaze, von Geisha bis Sony) und längst allgemeingültigen Automatismen, von denen der des „lonely wolf“ Samejima nur einer ist. Ein weiteres Beispiel:

In „Rache auf chinesisch“ hat sich der Killer, ein Taiwanese, als illegaler Einwanderer in die Vergnügungsszene eingeschlichen und arbeitet, auf der Suche nach dem Objekt seiner Rache, in einer Bar. Deren Geschäftsführer ist ein brutales Ekel. Er demütigt und verprügelt den Killer, der sich aber nicht wehren darf, obwohl er das spielend könnte (und irgendwann natürlich tut). In dieser Bar arbeitet auch Nami, die weibliche Heldin des Romans, eine Festlandschinesin mit japanischer Mutter. Namis Bestreben muss es sein, ihre Herkunft zu verbergen, niemand soll wissen, dass sie keine eingeborene Japanerin ist.

An diesen beiden Personen entwickelt Osawa ein stimmiges Bild jener „Illegalen“, die im Hochindustrieland Japan ausgebeutet werden und alles Piesacken stoisch ertragen müssen, um wenigstens die kleine Errungenschaft eines Arbeitsplatzes nicht zu verlieren. Das ist nun durchaus kein besonderes japanisches Problem, leider, verweist in seinen Details aber eben doch auch auf die Tradition eines historisch herzuleitenden Argwohns gegenüber dem Fremden, auf eine Kultur der Unterwerfung, des Gehorsams, des Sich-Unsichtbar-Machens, die selbst durch die Hegemonie des Globalen nicht ausgelöscht wird, sondern vielmehr das Gesicht dieses Globalen prägt. Das ist zum einen wohlbekannt – und zum anderen sehr fremd.

Vielleicht ist dies das Besondere an den „exotischen“ Krimis: dass sie längst keine mehr sind, aber immer noch eine Verwurzelung in Traditionen durchscheinen lassen, die wir in unserem eigenen Globalisiertsein nicht mehr wahrnehmen.

Arimasa Osawa: Der Hai von Shinjuku – Rache auf chinesisch.
Cass 2007 (Original: Shinjuku Zame 2 – Doku Zaru. 1991, deutsch von Katja Busson).
321 Seiten. 19,80 €

Stöckchenspringer

Das scheint eine merkwürdige Gesetzmäßigkeit zu sein, dass nach solchen Entgleisungen wie der von DJ Tomekk ein gemeinsamer öffentlicher Wettlauf beginnt, mit dem sich möglichst viele Leute so lächerlich zu machen versuchen, dass die auslösende Dummheit dagegen fast verblasst.

Stefan Niggemeier in seinem Blog über die → Höchststrafe für DJ Tomekk

Und dann kommt, unvermeidbar wie eine Lawine – Michel Friedman.

Mein lieber Oskar!

Manchmal fragen mich die Leute: „Das mit der →Criminalbibliothek des 19. und 20. Jahrhunderts ist ja schön und gut und ehrenwert. Aber… was bringts eigentlich?“ Nun: Andere Leute auf gute Ideen bringts, den →Oskar Verlag aus München z.B., der ab Mai eine Hörbuchreihe „Criminalbibliothek der 20er Jahre“ startet, mit drei Titeln von Walther Kabel und einem von Karl Pauli, alle vier ganz zufällig im PDF-Format auf der Seite unserer geschätzten Bibliothek zu lesen. Und gerade von Walther Kabel haben wir noch ne Menge Knaller auf Halde… Kriegen wir eigentlich Belegexemplare? Oder einen Referenzlink? Wäre nett. Ach ja, das noch: In der 20ern hieß es aber schon „Kriminalbibliothek“…

Volksbloggen -14-

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Endlich! Es darf wieder volksgebloggt werden! Das gibt es nur beim Marktführer in Sachen Krimiblogs! Mit dem Ohr immer am Herz der Kundschaft! Seit fast genau drei Jahren erfüllen wir die geheimsten Krimiwünsche der LeserInnen – wenn wir sie nur kennen. Also macht sie publik! Scheut euch nicht vor Emotionen! Seid das Volk!

David Peace: Nineteen Seventy Seven

Die Lektüre ließ mich ein wenig ratlos zurück. Also habe ich getan, was ich sonst nie tue, bevor ich fertig mit dem Schreiben bin: Gelesen was andere schreiben. Hilft aber auch nicht weiter: Verunsicherung scheint vorzuherrschen. Allein Lars Schafft frönte der ungebremsten Euphorie, um, so scheint’s fast, im nächsten Werk auf den Boden der peace’schen Wirklichkeit zurückgeholt zu werden. Fast könnte man meinen, dass dpr’s kubistische anti-Kritik in der Struktur dem Wesen des Werkes Peace‘ am besten entspricht.

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Ivo Stourton: Die Nachtgänger

Ich habe fast zeitgleich „Schilf“ von Juli Zeh und Ivo Stourtons „Die Nachtgänger“ gelesen. Danach ist man bis ans Lebensende mit Metaphern ausgestattet und hat für nahezu jede Alltagsbegebenheit eine blumige Beschreibung parat. Wie immer liegt es in erster Linie am Leser selbst, wie geduldig er diese Bildersprache erträgt.

„Die Nachtgänger“ ist Ivo Stourtons Debüt und fällt nicht nur durch seine Metaphern auf. Kurz gesagt ist der Roman fast so gut wie „Die geheime Geschichte“ von Donna Tartt. Der Handlungsrahmen ist ähnlich, aber man fragt sich, wo dieses Kerlchen (*1982) die Lebensweisheit und Erfahrung geborgt hat, die durch sein erstes Buch schimmert.

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Power to the people

In der Süddeutschen Zeitung (→ Miss Molly) sieht Andrian Kreye die Ehre der Cover-Version durch Cat Power und ihr neues Album „Jukebox“ gerettet. So weit, so gut, aber Kreyes Artikel (immerhin der Feuilleton-Aufmacher der Wochenendausgabe) hat mich wirklich aufgeregt. Nicht weil er die hier gerne gehörten Nouvelle Vague doof findet, sondern weil der Artikel voll ist von kleinen Unterstellungen und Ungenauigkeiten.


Ein paar Beispiele:

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Als Bettvorleger gelandet?

Das Kriminalhörspiel zu fördern und „ins Gespräch“ zu bringen, ist per se eine gute Sache. Dass, wer eine Bude auf dem Markt hat, auch schreien muss, wusste man schon in den 50er Jahren, und die modernen Zeiten verlangen events, theatralisches, inszeniertes Schreien. So war man gespannt, als →„an diesem historischen 16. Januar“ der Radio-Tatort als Äquivalent zur TV-Reihe mit einer Produktion des Westdeutschen Rundfunks startete. Die Latte lag hoch.

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