Pieke greift in die Tasche

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… aber entwendet nichts, sondern lässt etwas darin zurück. Eine Reportage zum „Multi-Kulti-Delikt“ Taschendiebstahl nämlich. Am Freitag, 18. Januar 2008 im RBB-Inforadio 93,1 um 10:27 und 13:27 Uhr (für Wiederholungstäter auch am Sonntag 13:45 und 18:45 und Montagnacht 04:45 Uhr) und / oder und am Sonnabend, 19. Januar 2008 in DER TAGESSPIEGEL (möglicherweise unter einem anderen Titel). Und was passiert, wenn ich oben auf die Grafik klicke? —

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Ann Cleeves: Raven Black

Die Shetlandinseln sind eine nördlich von Schottland in der Nordsee gelegene Inselgruppe. Klima und Landschaft sind nicht extrem, aber recht rau. Ann Cleeves Buch „Raven Black“ spielt auf der Hauptinsel, am Rande der Hauptstadt Lerwick. Eine junge Frau, eine Schülerin noch, wird erdrosselt aufgefunden. Für die lokale Bevölkerung scheint auch der Schuldige ausgemacht: Magnus Tait. Schließlich stand er auch in Verdacht, vor elf Jahren die junge Catriona Bruce umgebracht zu haben. Die Polizei allerdings, die lokale wie die hinzugezogene vom schottischen Festland, will es sich so einfach nicht machen.

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Liebes Fernsehen!

Neulich hast du in deiner Dauersendereihe „Tagesschau“ einen Kurzkrimi gezeigt. Zwei Jugendliche greifen hinterrücks einen Rentner an, schlagen ihn zu Boden, treten ihn und machen sich dann aus dem Staub. Später werden sie aber gefasst, ein Türke und ein Grieche. So weit, so üblich.

Ich weiß natürlich, dass solche Filmchen Produkte der Fiktion sind und, wie es so schön heißt, „die Wirklichkeit nicht eins zu eins abbilden“ können. Das ist so, als würde ich einen Film zeigen, in dem ein Alevit seine Tochter ein wenig zu lieb hat oder ein paar Bodenseefischer schlimme Finger sind. Soll vorkommen, sogar von Katholiken, die der Sodomie ergeben sind und von Unternehmensberatern, die ihre Kunden bescheißen, hat man schon gehört, käme aber nie auf die Idee, jetzt alle Katholiken und alle Unternehmensberater… du verstehst? Schön.

Ich hatte also den Film (hieß er nicht „Jagdszenen aus der Münchner U-Bahn“?) schon fast vergessen – wozu ich sagen muss, er hat mir auch nicht so gut gefallen; kannst du nicht mal einen Film drehen, in dem ein Halbdutzend jugendlicher Neonazis ein kleines türkisches Mädchen quälen? Solls gegeben haben, aber leider waren keine Kameras dabei – also ich hatte das schon fast vergessen, so wie ich alles irgendwann vergesse, was du so in deiner Tagesschau anbietest: den unrasierten Pfälzer z.B., der immer von „Mindestlohn“ redet oder den Chefliberalen, der „mehr unternehmerische Freiheit“ fordert und „weniger Staat“, aber selbstverständlich nichts dagegen hat, wenn der Staat für die unternehmerische Freiheit, Hungerlöhne zu zahlen, in die Bresche springen muss: Fiktion, sag ich nur, das sind irgendwelche Schauspieler, denen geht das alles am Arsch vorbei, weiß man doch.

Aber kaum hatte ich besagtes Filmchen schon fast vergessen, da ist folgendes passiert: Ein Herr Koch aus Hessen – wohl ein etwas schlichtes Gemüt, wenn ich mal so sagen darf – hat den Film aus der Münchner U-Bahn für DIE WIRKLICHKEIT gehalten. Er hat nicht gesagt: Okay, der Film zeigt uns zwei Jugendliche, die einen Rentner zusammenhauen, und das hats immer schon gegeben, ist nicht schön und muss bestraft werden, nein, der Herr Koch aus Hessen hat sich gedacht: Ui! Ausländische Jugendliche hauen deutsche Rentner zusammen! Und nichts passiert! Die werden kaum bestraft und nicht ausgewiesen und gar nichts, wahrscheinlich kriegen die noch eine Prämie von der Rentenversicherungsanstalt.

Das ist jetzt aber so, als würden sich die Aleviten in Deutschland darüber beklagen, dass man sie allesamt zu Inzestlern abstempelt, nur weil einer von ihnen in einem Krimi das mit der Tochter gemacht hat. Oder nein, wahrscheinlich haben sich die Aleviten gesagt: Okay, der Film ist Fiktion, aber draußen an den Bildschirmen hocken ganze Heere von hessischen Kochs und halten das für DIE WIRKLICHKEIT. Die sehen einen Film, dem eine „tatsächliche Begebenheit“ zugrunde liegt oder doch zugrunde liegen könnte und machen aus dieser Fiktion, die aus einer potentiellen Faktizität heraus geboren wurde, die Wirklichkeit schlechthin.

Klingt kompliziert, aber so ist es, und ich würde diese Aleviten (oder die Bodenseefischer) verstehen, denn tatsächlich gibt es genügend schlichte Gemüter, die so etwas denken. Die denken sogar, dass dieser unrasierte Pfälzer, weil er von Mindestlohn faselt, sich irgendwie gegen die Verarmung hierzulande stemmen will oder dass der Herr Koch wirklich so schlicht ist, dass er glaubt, dieses Filmchen da sei eine „Abbildung von Wirklichkeit eins zu eins“. Dabei – und jetzt wird’s erst richtig kompliziert – ist natürlich auch dieser geifernde Herr Koch nur Fiktion! In „Wirklichkeit“ will er der einfach wiedergewählt werden und mit einem Filmchen, in dem Neonazis eine kleine Türkin quälen, wird er nicht wiedergewählt, jedenfalls nicht in Hessen, aber vielleicht in der Türkei.

Wir haben also eine reichlich vertrackte Situation: In einer Münchner U-Bahn-Station schlagen zwei Jugendliche einen Rentner zusammen (Fakt). In einem Tagesschau-Clip werden wir Zeuge dieses Vorfalls, der jetzt natürlich fiktiv ist, weil er im Fernsehen gezeigt wird, wo man uns die Wirklichkeit des Tages „zusammenstellt“, was ja allemal fiktiv ist, also wenn nicht das, was dann? Dieses Filmchen nimmt ein Herr Koch zum Anlass, den nationalen Notstand auszurufen (zur allgemeinen Wirklichkeit hochgerechnete Fiktion von Wirklichkeit). In Wirklichkeit ist dieser empörte Herr Koch aber ein Wahlkämpfer, der ein schönes Thema gebraucht hat, also auch eine Fiktion, die mit einer anderen Fiktion, die zum Fakt erklärt wurde, aber eben doch nur Fiktion ist, weil zehn Sekunden Film natürlich die Wirklichkeit nicht eins zu eins abbilden können, wie überhaupt nichts die Wirklichkeit eins zu eins abbilden kann, also diese Fiktion, der etwas Faktisches zugrunde liegt…

Nee, das ist mir zu kompliziert. Ich möchte dich nur bitten, liebes Fernsehen, in Zukunft immer so ein Spruchband über die Bildschirme laufen zu lassen, auf dem steht: „Sie sehen gerade ein Werk der Fiktion, das die Wirklichkeit nicht eins zu eins abbilden kann.“ Technisch kannst du das doch, bei diesem „Börsenticker“ geht’s ja auch. Und das bitte 24 Stunden lang, sieben Tage die Woche. In allen Programmen. Und morgen schreibe ich an die Zeitung, damit die das auch macht.

MIST!!!

Krimipreise haben Konjunktur. Soeben wurde die Installierung des „Ripper Award“ der deutschen Feinripp-Industrie bekanntgegeben – und jetzt folgt Hinternet mit einem mächtigen Schlag in die Magengrube des guten Geschmacks. 2008 vergeben wir zum ersten Mal UNSEREN Preis: MIST (Most Inspiring Sex Thriller)!

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Matthew Pearl: Die Stunde des Raben

Man erfindet nicht ungestraft den „Krimi“ und stirbt dann auch noch unter mysteriösen Umständen. Das rächt sich in der grenzenlosen Phantasie der Nachgeborenen, die, ganz im Stil Auguste Dupins, des ersten Detektivs der Weltliteratur, so manche Theorie zusammenschustern und manchmal gar auf die Idee kommen, Romane zu schreiben. Edgar Poe als fiktive Figur. Louis Bayards „The Pale Blue Eye” zeigte jüngst den Kadetten Poe als kriminalistisch Hochbegabten, zuvor durfte Poe als Zehnjähriger in Andrew Taylors „Der Schlaf der Toten“ durchs Genre geistern. Und jetzt geht Matthew Pearl ans Eingemachte. Sein „Die Stunde des Raben“ ist nichts weniger als der Versuch, Licht ins Dunkel von Poes Ableben zu bringen.
Quentin Clark ist ein junger, aufstrebender Anwalt in Baltimore, zugleich Verehrer des Poeschen Werks.

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Volksbloggen -12-

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Auch im neuen Jahr schreitet die Demokratisierung der Krimibloggerszene wacker voran. Hier dürft ihr eure Herzen ausschütten! Und die Neugierde des Bloggers befriedigen, wenn ihr wollt. Was, so fragt er sich, wünschen sich die LeserInnen vom Krimijahrbuch? Was gefällt ihnen nicht, was gefällt ihnen sehr, was vermissen sie? Und, wenn sie es nicht kaufen, warum nicht? Kein Interesse, zu teuer, zu schlecht? Würde mich wirklich interessieren. Aber alles andere, was ihr hier im demokratischen Prozess an die Öffentlichkeit bringt, natürlich auch.

Louise Penny: Still Life

Three Pine ist ein kleiner geschaulicher Ort im Umland von Quebec, Kanada. Hier lebt man, weil man hier schon immer gelebt hat oder weil man sich zurückziehen möchte vom Lebenskampf der Großstadt. Jane Neal zum Beispiel. Sie ist im Ort geboren und hatte jahrelang in der örtlichen Schule unterrichtet, bis diese geschlossen wurde. Nun ist sie pensioniert, dilettiert als Malerin und ist Teil eines Freundeskreises von Künstlern und Kunstsinnigen.
Eines Tages wird Jane von einem Jagdpfeil getötet aufgefunden. Und während in der kleinen Ortschaft die Betroffenheit noch groß ist, rückt Chefinspektor Armand Gamache von der Surete du Quebec mit seinem Stab an und lässt sich im örtlichen Gasthaus nieder. Es entwickelt sich ein etwas eigenartiges Schauspiel. Während der Leser aufgrund der ganzen Anlage des Romanes (es handelt sich um einen Cozy) davon ausgehen dürfte, dass es sich bei dem Tod Janes um einen Mord handelt und dass der Täter im Freundeskreis zu suchen ist, scheint der gute Chefinspektor von einem Jagdunfall auszugehen und versucht den verantwortlichen Unglücksraben ausfindig zu machen.

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Cover 2008

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Schon das Cover des Krimijahrbuchs 2007 verband in schönster Weise Motive und Themen des Jahres. Auch 2008 hat Birgit Jansen die beiden Schwerpunkte des Buches prägnant und witzig verknüpft. Alte Krimis und Hörspielkrimis – man erkennts auf einen Blick. Und wie gefällt es den baldigen LeserInnen des Werkes?

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R. Scott Reiss: Black Monday

Ein weiterer schlechter Roman. Ein weiteres Buch, das man eigentlich links liegen lassen könnte, ohne ihm einen Hauch Beachtung zu schenken. Aber es wird angekündigt als „prophezeibarer Erfolg“, als neuer „Powerseller“, bekommt einen „VOX Krimi Tipp“-Aufkleber (den man eher als Warnung betrachten darf) und wird vehement beworben. Mag sein, das Ullstein den richtigen Riecher hat, eher noch, dass dieses schrottige Teil jede Werbung gebrauchen kann, um verkauft werden zu können. Sollte es aber tatsächlich ein Bestseller werden, bekäme der Begriff „Schwarzer Montag“ eine ganz neue Dimension. Was verdunkelt denn nun Reiss’ Wochenbeginn?

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Joseph Wambaugh: Hollywood Station

Zehn Jahre sind seit Joseph Wambaughs letztem Buch vergangen. Stile und Leser haben sich in der Zeit gewandelt. „Hollywood Station“ ist also eine Art Comeback … und was für eins. Hier kommt alles zusammen, was ein gutes Buch ausmacht. In zahlreichen wechselnden Perspektiven erzählt Wambaugh den Alltag des Polizeireviers in Hollywood im Jahre 2006. Da wird nicht nur die Geschichte der Aufklärung eines Verbrechens erzählt, sondern das Leben der Polizisten und Verbrecher in kurzen Episoden und Anekdoten dargestellt. „Hollywood Station“ ist dabei so schonungslos wie witzig.

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Historisches aus der Zukunft

Von der Römer- bis in die Nach-Nazizeit: Dass auch 2008 der sogenannte „historische Krimi“ boomen wird, gehört zu den narrensichersten Prognosen für das noch junge Jahr. Was ist das aber, dieses „historisch“? Eine vergangene, Geschichte gewordene Zeit, der sich Autorin / Autor aus der durch Faktenlage abgesicherten Position gnädigen Spätgeborenseins annimmt. Mit den bekannten fatalen Folgen. Eine Epoche besteht nicht nur aus dem, was die Archive davon bewahrt haben, sie verlangt eine gewisse Empathie, also die Fähigkeit der Schreiber, sich in die Gedankengänge des handelnden Personals hinein zu versetzen. Und, ganz wichtig: Das Schreiben „historischer Krimis“ ist ohne schriftstellerische Kompetenz ein von vornherein zum Scheitern verurteiltes Unterfangen. Aber das ist ein allgemeines Phänomen.

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Prognose 2008

Silvestermorgen. Die Redaktion der Online-Illustrierten Hinternet. Großer Sitzungssaal. Noch brennen hier die letzten Adventskränze, liegt angeknabbertes Gebäck auf dem geschmackvollen senffarbenen Teppichboden und Senior-Azubi Jochen zum nachweihnachtlichen Chill-Out in einer Ecke. Der Rest der Mannschaft hat sich zum Jahresendritual versammelt. Wir werfen einen Blick in die nahende Zukunft des Krimijahres 2008.

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In Katalogen geblättert

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Jahresende. Schauen wir ins nächste. Peu à peu treffen die Kataloge mit den Frühjahrsneuigkeiten hier ein, der Rezensent hat die Qual der Wahl. Werfen wir ein paar erste Blicke in den broschurnen Hochglanz.
Die Ariadne-Krimis im Argument Verlag versprechen uns ein neues Werk von Christiane Lehmann, „Pferdekuss“, „eine spannende Story um Argwohn, Schuld und Unschuld“. Avisiert wird damit der dritte Lisa-Nerz-Krimi in einer überarbeiteten Version. (März 2008)

In der sogenannten „Hostentaschenedition“ werden drei Wiederauflagen von Dagmar Scharsich („Die gefrorene Charlotte“), Sarah Dreher („Stoner McTavish“) und Katrin Kremmler („Blaubarts Handy“) angeboten. (April 2008) Und Lisa Kuppler gibt eine Schwabenanthologie heraus („A Schwob, a Mord: no emmr…“) (März 2008)

Der kleine, aber umso feinere Verlag Liebeskind kündigt den abschließenden vierten Band von David Peace’ „Krimi-Quartett“ an. „1983“ heißt das Werk (Februar 2008). Freuen tue ich mich auf Mordecai Richlers „Cocksure“, einen Roman aus den Londoner „Swinging Sixties“. Krimi? Etwas Ähnliches wohl schon. Und das Cover ist geil… (Februar 2008)

Auch grafit kommt natürlich mit einem neuen Programm für die Jahreszeit der knospenden Natur. Höhepunkt Matti Rönkäs „Bruderland“, als Hardcover für den April versprochen. Der Schweizer Ernst Solèr setzt seine Reihe um den Hauptmann Fred Staub fort, „Staub im Schnee“ heißt es diesmal und kommt im Februar. Bis zum Mai müssen wir auf Jaroslav Kutaks „Tod unter Par“ warten, einen Krimi aus dem Golfermilieu. Eine Tscheche? Sollte man mal reingucken… Mit Lucie Klassen hat grafit ein neues Fräuleinwunder an der Angel. Die Dreißigjährige debütiert mit „Der 13. Brief“, einem Krimi aus dem ja von Natur aus kriminellen Schulmilieu. Kommt ebenfalls im Mai und vielleicht hat mir bis dahin jemand erklärt, was eine „Rai-Reitlehrerin“ ist. Als solche wurde die Autorin nämlich ausgebildet.

Erwähnen wir noch Gabriella Wollenhaupts „Leichentuch und Lumpengeld“ (Mai), der ein „Schmöker“ ist, ein „Wer war’s“ dazu, vor dem Hintergrund des „Weberaufstands“ „fiktiv“ im „Vormärz“ spielt und als Ermittler „Polizist, junge Frau“ nennt. Nennt? Ja, genau. Bei grafit nämlich geht man neue Wege. Jedem Krimi ist ein Infokästchen zugeordnet, das „Stil“, „Ermittler“, „Spannungsführung“, „Hintergrund“, „Schauplatz“ und „Zeit“ in knappen Stichworten verrät. Damit die nette Buchhändlerin nicht überfordert ist? Oder der verwirrte Kunde zielsicher durch das Dickicht des Genres geführt wird? Keine Ahnung. Aber nett.

Die dicksten Kataloge schickt zweimal im Jahr garantiert der Deutsche Taschenbuch Verlag: Sachbuch – Literatur – Unterhaltung, Krimis findet man natürlich bei „Unterhaltung“. Diesmal etwa T.C. Boyles „Talk Talk“, vom dem laut Katalog bereits 80.000 Exemplare im Hardcover verkauft wurden. „In diesem hochdramatischen Thriller erzählt Boyle davon, wie leicht es ist, einem Menschen die Identität zu rauben und wie schwierig für den Betrogenen, zu beweisen, dass er hereingelegt worden ist.“ Klingt gut. Noch besser aber klingt das: „Verbrechen an einer Gehörlosen, die auf eine taube Justiz stößt“. Hm, ist halt Unterhaltung und erscheint im Mai.

Dass Friedrich Ani seinen „Seher“ durch ein neues Abenteuer prügelt („Wer tötet, handelt“, Mai), erwähnen wir ebenso wie John Harveys „Schlaf nicht zu lange“, den abschließenden Band der Frank-Elder-Trilogie, die gewiss preiswürdig ist, auf jeden Fall aber den Großen Preis für die hirnrissigsten Titeleindeutschungen verdient hat. Und behandelt Ani das Verbrechen an einem Blinden, der auf eine blinde Justiz stößt? Wir lassen uns überraschen. (Juni)

Eine Axt in einem Holzklotz: So martialisch kommt das Cover von Peter Oberdorfers „Kreuzigers Tod“ (Juni) daher. Überschrift: „Das haut rein“. Ein „unkonventioneller Krimi für Leser mit Sinn für das Groteske und Schräge“ und, fürwahr, die Axt sitzt ziemlich schräg im Holz. Wenn das kein gutes Zeichen ist. Dagegen wirkt die Anmoderation für Iain McDowells „Der perfekte Tod“ (Juli) geradezu geradeaus: „Der Anblick des Todes kann nicht grausiger sein…“ Das Lesen gewisser Werbepoesie schon.

Gilbert Adair: Ein stilvoller Mord in Elstree

Ja, liebe Leserschaft, das hier ist endlich mal MEHR als ein Krimi. Schon dass ich bei der Lektüre ständig diese Charleston-Klänge im Ohr hatte und mondäne Damen in engen Tanzkleidern und mit Straußenfedern an den Topfhüten sah – völlig anachronistisch, nebenbei, denn Gilbert Adairs stilvoller Mord findet im London der unmittelbaren Nachkriegszeit statt. Das Beste jedoch: Beim Lesen hätte ich ohne Mühe drei Paar Socken und einen Schal häkeln können. Okay; der Rezensent kann nicht häkeln. Aber wir verstehn uns: Hä-kel-kri-mi. So, und kommt jetzt der große Abrat? Bloß nicht lesen, diesen Schmand? Ganz im Gegenteil! Lesen!

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