Ui! Weihnachten!

Blick auf den Kalender: oho! Der letzte Blogtag vor Weihnachten! Also: Genießt die wtd-freie Zeit bis zum 27., macht es euch gemütlich, relaxt, lest gute Krimis! Paar Tipps noch?

Mit dem grippegeplagten Kollegen Noller habe ich gerade den Überblick „Internationale Krimis“ beendet, 23 Bücher in 20000 Zeichen. Noller, der Womanizer von Köln, empfiehlt drei Werke von Autorinnen: PJ Tracys (mei, sieht die Tochter gut aus! ) „Memento“, Reggie Nadelsons „Rote Wasser“ und natürlich Hannelore Cayres „Der Lumpenadvokat“, dessen Protagonist Noller an seine Scheidungsanwältin erinnert. Meine Wenigkeit legt euch diese drei Highlights des Jahres ans Herz: „Die sechste Laterne“ von Pablo de Santis, die Neuveröffentlichung von Robert Littells „Zufallscode“ und natürlich „Driver“ von James Sallis, dessen Held mich wiederum an meinen Fahrlehrer erinnert.

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Erik Larson: Marconis magische Maschine

Wahrscheinlich wäre der „Fall Crippen“ bei aller Bizarrheit heute längst vergessen, hätte ihn nicht ein Detail in die zweifelhafte Ruhmeshalle der großen Verbrechen befördert. Ein von seiner Ehefrau geknechteter, dazu mit einer jungen Geliebten gesegneter Mann greift zum letzten Mittel. Er tötet seine Frau, beint sie aus, häutet sie, vergräbt die Innereien und entsorgt den Rest auf bis heute mysteriöse Weise. Bizarr, sagte ich doch. Dann flüchtet er – die Polizei ist ihm nicht einmal wirklich auf den Fersen – mit der Geliebten, die als Junge verkleidet ist, nach Rotterdam. Die beiden besteigen dort ein Schiff, die SS Montrose, nach Kanada, wo sie in Sicherheit sein und ein neues Leben beginnen werden. Alles geht gut…

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Pieke und der Schmerz

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TILIDIN? Nie gehört. Gut, dass es Pieke Biermann und ihre Kriminalreportagen gibt. Dort erfährt man etwas über den TILIDIN-CHIC und, keine Sorge, Pieke ist jetzt nicht in der Modeberichterstattung tätig, sondern immer noch mitten im kriminellen Alltag. Also am Freitag, 21. Dezember 2007 um 10:27 und 13:27 im RBB-Inforadio 93,1 (Wiederholungen Sonntag 13:45 und 18:45 und Montagnacht 04:45) und am Sonnabend, 22. Dezember 2007, im TAGESSPIEGEL. Und wer nicht warten kann, klicke aufs Radio.

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Volksbloggen -11-

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Bald ist Weihnachten. Schenkt mir was und volksbloggt, bis der Christbaum wackelt. Über alles Mögliche, bloß nicht über den Weihnachtsmann. Zum Beispiel etwas über die neue Eventkrimikultur. Zuerst wird Sebastian Fitzeks neues Buch mit einer geheimnisvollen Schnitzeljagd promotet, jetzt auch der pseudonyme Schreiber des „Fünften Flugzeugs“, „ein deutscher Autor“. Was für Nasen in den PR-Abteilungen mancher Verlage sitzen, möcht ich lieber nicht wissen. Aber kann mir ja wurscht sein, ich les beide Bücher nicht.

Joseph Finder: Killer Instinct

„Killer Instinct“ ist ein weiterer der „Corporate Thrillers“, mit denen Josef Finder in den USA zur Zeit viel Erfolg hat. Es sind Bücher, die im gehobenen bis hohen Management von großen Firmen spielen und in denen die Helden mit genau den Gemeinheiten konfrontieren werden, von denen wir alle glauben, dass ihre realen Vorbilder mit ihnen tagtäglich zu tun haben. Darüber hinaus geraten sie aber in Situationen, die sie ganz anders bedrohen. Die, wie man so sagt, den ganzen Mann fordern.

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Die Eindeutscher

„Übersetzer achten lernen“, fordert „Krimileser“ und Kollege →Bernd. Heißt nicht zuletzt: Bezahlt sie endlich besser! Die uns die Schätze der literarischen Welt ins Deutsche übertragen, vegetieren, wie Bernd richtig kommentiert, „am Ende der Nahrungskette“, zumeist einträchtig vereint mit den Autorinnen und Autoren, so diese nicht zufällig zur exklusiven Gruppe der Bestverkäufer zählen. Aber wäre damit das Problem gelöst?

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Keine Zeit heute

Das heißt natürlich: gestern. Großer Berg Arbeit. Mit dem Kollegen Noller zusammen die Jahresübersichten fürs KJB 2008 machen. Der Bursche bockt, mag keine Noirs, kommt also noch Überzeugungsarbeit hinzu. Dann die säumigen BeiträgerInnen auf Trab bringen. Eigenen Beitrag schreiben, Gedanken übers Layout, sollen Bildchen rein? Wie dick wirds eigentlich dieses Mal? — Und da soll ich auch noch bloggen? Nee. Am Montag wieder. Ma guckn.

Jean-Patrick Manchette, Jean-Pierre Bastide: Laßt die Kadaver bräunen!

Ganz kurz: „Laßt die Kadaver bräunen“ ist ein gefundenes Fressen für alle Freunde geradlinigen Handlungsreisens, ständig wechselnder dramatischer Situationen und fröhlichen Dahinmordens. Ein Krimi, den man „nicht mehr aus der Hand legen kann“ und bei 190 schnellen Seiten auch nicht aus der Hand legen muss. Wer also seine 12,80 € in ein paar Stunden Genuss ohne Reue und Nachwehen investieren möchte: bitteschön. Wer sich noch einen Mehrwert verspricht: auch den gibts.

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Volksbloggen -10-

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Ja, regt sich denn hier keiner mehr auf außer mir? „Ambitionierte Anti-Kriminalromane … benutzen die Strukturen und Konventionen des Thrillers nur als Gerüst … die literarische Tradition des Kriminalromans …“ Zu finden →hier, aber nein, dazu äußere ich mich nicht, heute schon gar nicht, heute hab ich meinen Ruhetag, da sind die LeserInnen dran und können sich aufregen, über dies und das und ganz was anderes. Oder loben, empfehlen, ein bisschen rumspinnen. Wie stets am Mittwoch, wenn das Volk bockt. Äh: bloggt.

Schluss jetzt!

„Die Lage ist ernst, aber hoffnungslos.“ Wann immer Chef Walter eine Redaktionssitzung mit diesen Worten beginnt, wissen wir, was die Stunde geschlagen hat: Scheffe hat mal wieder eine Idee.
„Entgegen der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung“, doziert der oberste aller Redakteure, „hat HINTERNET, die Spannungstankstelle am Rande des Mainstreams, sein Geschäftsvolumen lediglich um mickrige 0,3 % steigern können. – Wo ist eigentlich Fräulein Anobella?“

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Jubel, Trubel, KJB

Auch in diesem Jahr ist passiert, was schon in den Jahren davor passiert ist. Die Planung des Krimijahrbuchs 2008 wird jetzt, in der heißen Phase, fast täglich über den Haufen geworfen. Zugesagte Beiträge fallen (aus akzeptierten Gründen) aus, neue werden avisiert. Aus „wahrscheinlich nicht“ wird „kommt!“, aus „kommt garantiert“ ein „Sorry“. Der folgende Dingestand kann also nur ein höchst vorläufiger sein…

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Joe Gores: Hammett

Joe Gores’ „Hammett“, der Krimi über einen Klassiker des Genres, ist seit seinem Erscheinen 1975 selbst zum Klassiker dieses Genres geworden und die Neuauflage in der metro-Reihe des Unionsverlages entsprechend löblich. Denn hierzulande wurde der Roman öffentlich vor allem als Grundlage eines Films von Wim Wenders wahrgenommen, über dessen chaotisch-desolate Genese Wenders wiederum einen Film („Der Stand der Dinge“) gedreht hat. Das ist, wohl ohne Absicht, putzig, denn „Hammett“ selbst ist – unter anderem – ein Krimi über Krimis.

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Volksbloggen -9-

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Also wie immer heute. Ihr gebt euren Senf dazu. Zu was? Liegt bei euch. Kleine unverbindliche Anregung? Folgendes: Im Krimijahrbuch 2008 gibt es einen Beitrag mit insgesamt sieben Rezensionen von aus der Jahresproduktion herausragenden Krimis. „7 für die temporäre Ewigkeit“. Was wäre eure Wahl? Welchem 2007 veröffentlichten Kriminalroman traut ihr zu, wenigstens die überschaubare Ewigkeit der nächsten Jahre unbeschadet zu überstehen? Outing, please!

P.J. Parrish: An Unquiet Grave

Es ist ein großes Gelände, auf dem die leeren Häuser verstreut liegen. Bis vor zwei Jahren war dort eine Verwahranstalt für psychisch Kranke. Jetzt sind kaum noch Menschen anwesend. Ein, zwei Schwestern, die die alten Akten aufräumen, bevor die Gebäude abgerissen und auf dem Gelände Wohnhäuser errichtet werden, und Charlie, ein ehemaliger Patient, der kein anderes Daheim kennt und immer wieder zur ehemaligen Klinik zurückgekehrt.
Louis Kincaid, mittlerweile in Florida lebender Privatdetektiv, dessen letztes Abenteuer -> hier beschrieben worden war, kehrt nach Michigan zurück, weil sein Pflegevater ihn bat, ihm zu helfen. Eine alte Freundin des Pflegevaters war in der Krankenanstalt. Nachdem sie dort verstarb, wurde sie auf dem dortigen Friedhof bestattet. Als nun der Friedhof umziehen sollte, entdeckte man statt der Gebeine Steine in ihrem Grab.

Die Beziehung des Pflegevaters zu der Frau ist mysteriös. Das Buch führt nicht nur ihn in seine Vergangenheit zurück, sondern auch Kincaid in die seine. Und natürlich geht es auch um das Krankenhaus und seine Geschichte. Im Gebäude E waren Verbrecher: Massenmörder und Serienvergewaltiger.

Die Entwicklung der Psychiatrie und ihre unglücklichen Experimente in der Vergangenheit sind ein häufigeres Thema. Bange machen gilt also nicht: Die Toleranzschwelle ist hoch. „An Unquiet Grave“ erzählt, einigermaßen unspektakulär eigentlich, aus der Krankenakte, wie eine Anstalt in Verbindung mit den Angehörigen sich anschickte, Gewalt über den Geist ihrer „Schutzbefohlenen“ zu erlangen und schafft es tatsächlich damit zu berühren.

Im Vergleich zum Vorgänger, „A Killing Rain“, ist das Buch emotionaler. Das Thema der Vergangenheit, die sie alle im Griff hat, bringt es mit sich. Ganz zwanglos ist das Krankenhaus der Kristallisationskern, an dem die Personen, seien es Angehörige, Ärzte oder eben Kincaids Pflegevater, zusammenkommen und mit ihren früheren Handlungen konfrontiert werden.

Immer wieder zeigen sie in ihren Büchern, was für hervorragende Spannungsautoren P.J. Parrish sind. In „An Unquiet Grave“ sind es insbesondere die Szenen in den leeren Räumen der Bettenhäuser oder in den Katakomben unterhalb der Gebäude. Dunkle, geheimnisvolle Gänge, in denen auch dem sonst abgeklärten Kincaid unheimlich ist, zumal er entdeckt, dass dort noch wer anderes sein muss.

Dass das Buch dieses Jahr zwei so unterschiedliche Preise wie den Thriller Award und den Shamus Award (für Privatdetektive) auf sich vereinigen konnte, zeigt auch, welche große Spannweite es besitzt. Psychiatrie, Serientäter, die Bürde der Vergangenheit: Das sind nicht unbedingt neue Themen. Aber die beiden Schwestern, die hinter dem Pseudonym P.J. Parrish stecken, laden diese Themen neu auf und stellen sie so dar, dass ein sehr guter, spannendes und lesenswerter Krimi dabei ‚rauskommt.

P.J. Parrish: An Unquiet Grave. 
Pinnacle Books 2006. 384 Seiten. 5,99 € 
(noch keine deutsche Übersetzung)