Es beginnt à la genre: In einem Park wird die Leiche eines jungen Mannes entdeckt, erwürgt, erkennbar ein jugendlicher Stricher. Die Polizei nimmt die Ermittlungen auf. Doch was dann folgt, widersetzt sich unseren Vorstellungen von „Krimi“. Kein Wunder. Denn Karl Friedrich von Lindens Roman „Die Süßen“ ist ein Krimi von 1909…
WeiterlesenVolksbloggen -8-

So. Wieder mal Mittwoch. Der Chefblogger hat zwar seine Tarifverhandlungen erfolgreich beendet (er forderte 300% – der Chefredakteur drohte mit 300% Abzug – geeinigt hat man also in der Mitte bei 0%), nutzt aber den Tag für anderweitige Aktivitäten (der Whirlpool wird gerade mit neuen Praktikantinnen frisch gefüllt). Du, liebe Leserin, lieber Leser, bist wieder am Zug. Denn du hast weder Whirlpool noch Praktikantinnen. Also los. Meckern! Loben! Vorschlagen! Oder nur einfach schreiben: Huhu, ich bin da! Ja, wär doch mal was. Wem nichts einfällt, der meldet sich einfach per Kommentarfunktion zum Dienst. Mal sehen, wer hier alles kostenlos mitliest.
Jason Goodwin: The Janissary Tree
„The Janissary Tree“ ist der diesjährige Edgar-Gewinner und damit der jüngste Vertreter einer herausragenden Reihe von Büchern. Das Buch ist einer der Edgar-Gewinner, die bei den großen US-amerikanischen Krimipreisen sonst nicht weiter in Erscheinung traten. Die Frage ist, ob das was bedeuten mag. Wir werden sehen.
Die Geschichte, die das Buch erzählt, spielt im Jahre 1836 in Istanbul. Das osmanische Reich nimmt nicht recht Anteil an der europäischen Moderne und fällt gegenüber den anderen Mächten zurück. Das gilt natürlich auch für das Militär und seine Erfolge. Die Janitscharen, die einst schlagkräftige Elitetruppe des Sultans, war in die Jahre gekommen und hatte sich als degenerierter Staat im Staat etabliert, der die Herrschenden fest im Griff hatte. So kam es, dass der gegenwärtige Sultan sie vor zehn Jahren blutig beseitigte.
An ihrer Stelle ist nun die Neue Garde getreten, die durch europäische Ausbilder auf einen modernen militärischen Standard gehoben werden soll – wenn auch, wie ja jeder weiß, das osmanische Reich nicht mehr zu retten war und letztendlich in der Folge des 1. Weltkrieg unterging.
Vier junge Offiziere der Neue Garde sind verschwunden und einer nach dem anderen tauchen ihre Leichnamen schrecklich verstümmelt wieder auf. In wenigen Tagen steht die große Inspektion der Neue Garde durch den Sultan an, da kann der kommandierende General sich keine Unruhe erlauben. Er beauftragt Yashim der Sache auf den Grund zu gehen und die Drahtzieher zu identifizieren. Mit Yashim hat es nun eine besondere Bewandtnis, denn er ist Eunuch, hat das Vertrauen des Sultans und dessen Mutter, und so kommt es, dass er zeitgleich in den Palast gerufen wird, weil eine junge Kurtisane aus dem Harem ermordet worden ist und der Mutter des Sultans Schmuck abhanden gekommen.
Viel zu tun also für Yashim. So macht er sich denn auf, durchstreift pittoreske Szenerien der Stadt, sucht Spuren der Janitscharen und stöbert im Harem nach dem Mörder und den Diamanten.
Das alles ist schön erzählt, mit einem Auge für die Stadt, damals die größte der Welt, und einem Gespür für Dramatik. Viele der nötigen historischen Informationen werden scheinbar wie nebenbei gegeben. Yashim gerät in Gefahr, muss Zeichen deuten und aufspüren und sich Informationen ertrotzen, ganz wie in einem zeitgenössischen Krimi. Und doch, wenn auch auf hohem Niveau, das Buch enttäuscht. Denn es ist, wie es in einem Blurb auf dem Umschlag heißt „The perfect escapist mystery“. Dazu trägt auch der Erzählstil bei, der immer entspannt, sich mehr für den Clubsessel als für den Dreck der Straße eignet: Möglicherweise der perfekte Loungekrimi, aber kaum der beste der im Jahre 2006 publizierten Krimis in den USA.
Jason Goodwin: The Janissary Tree.
Faber and Faber 2007. 352 Seiten. 10,00 €
(Deutsch: Die Weisheit des Eunuchen. Piper 2006. 361 Seiten. 14 €)
The Killers: Sawdust (The Rarities)
Es ist ja schon fast eine Hygienefrage, ob man es gut finden kann, dass Lou Reed mit The Killers einen Song aufgenommen hat. Wer sich aber von dieser ‚Das geht ja gar nicht‘-Attitüde nicht beeindrucken lässt, entdeckt einen großartigen Song, der wahrscheinlich zum Tiefsten gehört, was die junge Band aus Las Vegas bisher produziert hat. „Sawdust“ ist eine B-Seiten- und Raritätensammlung, die neben der erwähnten Single „Tranquilize“ noch drei weitere unveröffentlichte Titel enthält und ansonsten The Killers von einer dreckigeren und unfertigeren Seite zeigt als zuletzt auf „Sam’s Town“ (2006).
WeiterlesenSittengeschichte

Von einem lobenswerten und höchst überfälligen Projekt ist zu berichten. Ab Januar 2008 wird Frank Göhre bei der →Edition Köln eine „kriminelle Sittengeschichte Deutschlands in zehn Bänden“ herausgeben. Dahinter verbirgt sich nun kein Kraftakt in soziologischer Theorie, sondern schlicht die Wiederauflage von zehn exemplarischen Kriminalromanen aus dem Zeitraum 1957 – 1993.
WeiterlesenJustin Currie: What Is Love For
„Can You Do Me Good“ (2002), das letzte Album von Del Amitri, war so mau, dass man kaum den Willen aufbringen konnte, die an sich großartige schottische Band zu vermissen. Deren Sänger Justin Currie ist jetzt wieder da und hat sich mit der schon so oft besungenen Liebe nicht gerade ein Nischenthema ausgesucht. Aber wenn er mit seiner unnachahmlichen Stimme Sätze wie „Once I get my heart back in my hand, I’ll squeeze out every drop of love I can“ singt, dann geht das unmittelbar ans Herz.
WeiterlesenMinor Majority: Candy Store
Platten von Minor Majority sind wie die ausgebeulte Lieblingshose und der verknubbelte Pulli für einen gemütlichen Couch-Mittag. Wenn es dann überraschend klingelt, bekommt man den desolaten Zustand nicht schnell genug ausgebügelt und murmelt etwas von >…wollte mich gerade umziehen…< Auch wenn man weiß, dass coole Platten anders aussehen, haben uns die Norweger um Pål Angelskår mit vier wunderbar kuscheligen Studioalben belohnt, die allesamt runtergehen wie eine heiße Tasse Ovomaltine.
WeiterlesenEin Streich
Aus einem alten Krimi:
Weiterlesen»Ja, ja, die Streiche, die Streiche!« – rief Herr Scheuermann aus. »Die strikes« – verbesserte Herr Hähnchen – »ein englisches Wort. – Meinen Sie, daß ich mir dieselben gefallen lassen würde?« – »Aber was wollen Sie machen?« – fragte Herr Scheuermann. »Hier muß man vorbauen, Verehrtester!« – sagte der Eisenwerkbesitzer. – »Und ich rathe Ihnen dringend, in ähnlicher Weise zu verfahren, obwohl Sie als Öconom so glücklich sind, mit dem in der That scheußlichen Proletariate der Fabrikarbeiter nicht in Berührung zu kommen.«
»Nun, nun« – meinte der Landwirth – »Knechte undTaglöhner sind auch Schlingel.«
»Aber kein solches Gesindel, wie die Fabrikbrut« – versetzte scharf Herr Hähnchen. »Man muß die gärende Masse mit Gewalt niederhalten, man muß den Lästermäulern das rechte Gebiß anlegen.«
Pieke und keine Kollateralschäden

Zum „Internationalen Tag gegen Gewalt an Frauen“ am Sonntag hat Pieke Biermann ein passendes Thema für ihre Kriminalreportage herausgesucht: häusliche Gewalt. Hören kann man das – Achtung, Terminänderung! – jetzt schon am Freitag, 23. November 2007 im RBB-Inforadio 93,1 um 10:27 und 13:27 Uhr, die Wiederholungen gibt es am Sonntag um 13:45 und 18:45 Uhr und Montagnacht um 04:45 Uhr. Leser des „Tagesspiegels“ kommen am Sonnabend, 24.Oktober 2007 in den Genuss der „Wo bleiben die Kinder?“ betitelten Reportage. Und Podcaster wissen schon, dass sie aufs Radio klicken müssen.
WeiterlesenStephan Pörtner – Köbi Santiago
Ja, der Köbi. Mit der Schweiz hat er abgeschlossen, in Spanien, in Santiago de Compostela, lebt es sich behaglicher. Geld steht ihm – woher eigentlich? – reichlich zur Verfügung und die Vergangenheit liegt weit hinter den sieben Bergen. Da passiert es. Köbi trifft einen Freund aus alten, stürmischeren Tagen in den Achtzigern, als „Züri brennt“ wörtlich zu nehmen war. Aber der Freund ist doch seit Jahren tot, oder? Ermordet…
Der Einstieg in Stephan Pörtners Roman ist klassisch. Ein Totgeglaubter lebt, er will seine Tochter in der Schweiz besuchen, die Tochter ahnt nichts von ihrem Glück, Köbi soll vermitteln. Dann ist der Wiederauferstandene zum zweiten Mal tot, diesmal endgültig, und Köbi, der in einem früheren Leben als Privatdetektiv gearbeitet hat, macht sich auf die Suche nach Täter und Tathintergründen.
WeiterlesenMark Olson – The Salvation Blues
Sätze wie ‚Er muss sich nichts mehr beweisen‘ sind häufig nur die euphemistische Umschreibung von wohlklingender Stagnation. Bei Mark Olson liegt der Fall anders. Zum einen muss er sich wirklich nichts mehr beweisen und zum anderen macht er mit „The Salvation Blues“ nicht das, was er immer gemacht hat, sondern er kehrt zu etwas zurück.
WeiterlesenStephan Pörtner: Köbi Santiago
Ja, der Köbi. Mit der Schweiz hat er abgeschlossen, in Spanien, in Santiago de Compostela, lebt es sich behaglicher. Geld steht ihm – woher eigentlich? – reichlich zur Verfügung und die Vergangenheit liegt weit hinter den sieben Bergen. Da passiert es. Köbi trifft einen Freund aus alten, stürmischeren Tagen in den Achtzigern, als „Züri brennt“ wörtlich zu nehmen war. Aber der Freund ist doch seit Jahren tot, oder? Ermordet…
WeiterlesenVolksbloggen -7-

Und wieder ist Mittwoch! Der Tag, an dem der Chefblogger seine LeserInnen arbeiten lässt! Was so nicht in seinem Arbeitsvertrag steht! Aber freut euch: Zum Jahresende läuft dieser Vertrag aus und ob ihn die Geschäftsführung verlängert, das hängt von Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, ab! Kommentieren Sie die bisherige Arbeit des Bloggerkollektivs! Haben Sie Anregungen? Wünsche? Vermissen Sie etwas? Geht Ihnen etwas gehörig auf die Nerven? Haben Sie eine/n (billige!) WunschkandidatIn für die Nachfolge? – Tun Sie sich keinen Zwang an! Und bedenken Sie bitte: Jede negative Kritik am Chefblogger spart Hinternet bares Geld (der Bursche fordert 300% Lohnerhöhung…)!
Gruß: das höhere Hinternet-Management
Kari Bremnes: Reise
Das einzig schlechte, das man über Kari Bremnes‘ erstes Livealbum sagen kann, ist, dass sie keine Mitschnitte von der Tour in der kleinen Besetzung veröffentlicht hat. „Reise“ umfasst 14 Aufnahmen in voller Bandbesetzung, die zum großen Teil im Januar dieses Jahres in Deutschland mitgeschnitten wurden. Aber auch in der etwas üppigeren Version transportiert „Reise“ die Strahlkraft, die von den Liveauftritten der Norwegerin ausgeht.
WeiterlesenNick Cave & Warren Ellis: The Assassination Of Jesse James
Jesse James ist durchaus eine ambivalente Figur in der Reihe meiner Kindheitsidole. Im Hollywood-Streifen mit Henry Fonda zum amerikanischen Robin Hood stilisiert, kam er ein paar Jahre später bei Lucky Luke weitaus schlechter weg. Aber es scheint ein Grundbedürfnis des Menschen zu sein, dass es immer noch den guten Outlaw gibt, der die Ganovenehre hochhält. Ohne Kenntnis, auf welche Seite sich der aktuelle Film mit Brad Pitt schlägt, wurde zumindest der Soundtrack von einem Musiker gemacht, dem man durchaus auch das Adjektiv ‚ambivalent‘ auf den Rücken malen könnte.
WeiterlesenPeter Temple: The Broken Shore
Diese Besprechung von Peter Temples „The Broken Shore“ hat eine Vorgeschichte. Dieser liegt der Versuch zugrunde, unterschiedliche Bewertungen des Buches zu verstehen. Dabei hatte ich einige Rezensionen anderer, erfahrener Leser gelesen. Mein Kopf ist also voll mit deren Gedanken. Schwierig ist es deshalb erst einmal, die eigenen Gedanken zu finden.
WeiterlesenDie Kurzen und die Langen -2-

Kurzkrimis sind kurze Geschichten, aber keine Kurzgeschichten. Das ist ihr Problem, aber auch ihre Chance.
Wir haben in der →vorigen Woche gesehen, wie sich der Krimi aus der Kriminalnovelle zum „vollwertigen Roman“ entwickelte, weil Spannungsaufbau und –auflösung an den Faktor (Lese-)Zeit gekoppelt wurden. Der Leser möchte „mitfiebern“, er möchte sich mit Personen identifizieren oder sich von ihnen abgrenzen, kurzum: Er möchte eine WELT vor sich entstehen sehen, ein in sich logisches und plastisches, sinnmachendes Zeichensystem. Dazu braucht es Raum.
WeiterlesenSabotage?
Scharen besorgter LeserInnen haben uns darauf hingewiesen, dass Kommentare zwar ordnungsgemäß abgeschickt werden können, aber nicht dort ankommen, wo sie’s eigentlich sollten, auf diesem Blog nämlich. Sie verschwinden irgendwo im Nirvana. Woran das liegt, wissen wir im Moment (15 Uhr 45) nicht, aber wir arbeiten an der Lösung des Problems. Wahrscheinlich ein Fall von Sabotage, wobei ich den Verdacht, Ludger M. aus Hamburg habe seine Hand im Spiel, empört von mir weise. Der hat doch keine Ahnung, wie man sowas macht.
Die graue Macht

…heißt der 1910 erstveröffentlichte Roman Alfred Schirokauers, den wir stolz in der →„Criminalbibliothek des 19. und frühen 20. Jahrhunderts“ präsentieren. Das sollte man lesen. Zumal es nichts kostet. Echt.
Krank im Hinternet
Irgendwo Nabokov-Fans hier? Oder Stanley Kubrick? Oder beides?
Lolita. Von Stanley Kubrick. Montag. Auf >>>Arte.
Anobella
*niest


