Pieke porträtiert

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„Delikte am Menschen“ haben ihn 43 Jahre lang beschäftigt, Gerd Hasse, Leiter einer Berliner Mordkommission. Noch nicht ganz so lange leistet Pieke Biermann Dienste am Menschen, u.a. in ihrer Radioserie „Menschen – Orte – Kriminalität“, diesmal also mit Herrn Hasse, wie immer im RBBinfoRADIO 93,1, am 26. Mai 2007 um 11:45 Uhr, wird um 16:45 und in der folgenden Nacht um 0:45 und 5:45 Uhr wiederholt und ist auch als Podcast und im Internet unter www.inforadio.de, Suchfunktion: “Recht und Ordnung” abrufbar. Klicken Sie einfach der Pieke im Radio aufs Näschen.

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Crime School, Belegstück

Doch, es gibt Zufälle, und der Wörtche, der Bursch, schickt mir seine Texte merkwürdigerweise EBEN NICHT vor der Veröffentlichung zum Absegnen. Also Zufall, dass in seiner heutigen Rezension von Michael Collins'“Schlafende Engel“ für den →„Freitag“ unser heutiges Crime-School-Thema um ein weiteres Belegstück bereichert wird. Die Benutzung des Genres „contre coeur“, seine schleichende „Literarisierung“, die ausgiebige und dilettantische Verwendung von Versatzstücken – das Buch so zu entlarven, gelingt nur, wenn man es dem Genre zuschlägt und mit dessen Instrumentarium seziert. Freunde der gehobenen Literatur, die dem „seriösen Dichter Collins“ ihren Weihrauch zuschwenken, werden das anders sehen und eben „den tieferen Sinn“ herausarbeiten. Sollen sie. WIR erkennen darin etwas furchtbar Triviales: die Geringschätzung der Kriminalliteratur und damit der Literatur in toto. Merci, Genre, merci TW.

Crime School – das Partywissen -2-

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Was ist denn nun eigentlich Krimi, hä? Alles was zum Genre gehört. Aber dazu gehört eben nicht alles. Den Schund klauben wir mit spitzen Fingern heraus, das „Schwerliterarische“ kippen wir nur unter Protest hinein. Sollten wir nicht tun. Denn ein Genre ist immer ein vertikales Gebilde, es reicht vom literarischen Himmel bis in die literarische Hölle – und nicht selten paaren sich Teufel und Engel in schier zauberhafter Weise…

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Uff, fertig.

Während sich gewisse Redaktionsmitglieder bereits fürs Wochenende einrichten, die neue Heftbeilage der ZEIT studieren (Frau A.), Pfeile in Harlan-Coben-Poster werfen (Jochen) oder ukrainische Zwangspraktikantinnen mit den neuesten Kunststückchen eines Flo- und Virenzirkusses zu beeindrucken versuchen (Bernd), habe ich, von Schweißbächen überströmt, endlich die zweite Folge der neuen Crime School fertiggestellt.

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Fred Vargas: Die dritte Jungfrau

Man handelt Fred Vargas als die Krimiautorin, die den Gordischen Knoten der Authentizität, der „nachvollziehbaren Logik“ mit einem Schlag aufgelöst hat – durch die Einführung eines eigenen Koordinatensystems. Seither schreibt sie Polizeiromane, in denen Polizisten agieren, wie Polizisten nirgendwo auf der Welt agieren, Kommissare kombinieren wie sonst nur Insassen von Nervenheilanstalten. „Magischer Realismus“ heißt das und bedeutet: von Wirklichkeit keine Spur. „Die Dritte Jungfrau“ ist, vielleicht mehr noch als der Vorgängerroman „Der vierzehnte Stein“, ein solches scheinbar abseits der Ratio angelegtes Werk. Verstehen wird es aber nur, wer die Wirklichkeit im Auge behält.

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Akteneinsicht

gewährt nun auch Axel „Fortsetzungskrimi“ Bussmer. Er →bloggt jetzt nämlich, nennt das Ganze „Kriminalakte“ und hat schon mal ein Porträt von Harlan Coben im Angebot. Geben wir unserem Azubi Jochen zu lesen, der sich furchtbar grämt, dass seine heutige schöne Sandford-Rezi laut „Alligatorpapieren“ (werden zur Strafe nicht verlinkt) von dpr persönlich stammen soll. Der wiederum ist sauer, weil ihm der Alligator eine Azubirezension zutraut und überlegt, die epochale „Crime School“ (gibts am Freitag wieder) bei Suhrkamp zu platzieren. Wahrscheinlich hat sich aber bis heute abend wieder alles in Wohlgefallen aufgelöst.

John Sandford: Kaltes Fieber

Das gesamte Buch hindurch versucht Lucas Davenport eine Liste mit seinen 100 liebsten Songs der „Rock-Ära“ zu erstellen. Kollegen und Personal am Rande versuchen ihm zu helfen; einem in der Psychiatrie einsitzenden Patienten fällt sogar ein eklatanter Mangel dieser Liste auf. Im Anhang wird sie endlich veröffentlicht, und ist Kennzeichen für den kompletten Roman, eigentlich sogar für die ganze Reihe um den zielstrebigen Cop Lucas Davenport: Lucas musikalischer Geschmack ist solide Hausmannskost, mit einigen Ausrutschern. Positiven wie negativen.

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Ein bisschen Luxus

ist das Schreiben eines digitalen Fortsetzungskrimis ja schon. Kann sich nicht jeder leisten. Axel Bussmer (nur gute Freunde dürfen ihn auch mit scharfem S benamsen), Krimifreunden u.a. als Mitarbeiter eines gewissen Jahrbuchs bekannt, leistet es sich einfach. Sein jetzt bei →„Berlin kriminell“ gestarteter Roman „Ein bisschen Luxus“ ist auf 28 Folgen angelegt. Ein Student ist verschwunden, det Janze spielt in Berlin, was praktisch ist, denn der Autor lebt dort, was verständlich ist, denn das Autor ist gebürtiger Pfälzer, was ein lebenslanges Trauma ist. Also mal reinlesen.

Chuck Ragan: Los Feliz

Nachdem der Großteil von Hot Water Music seine Bestimmung in The Draft fand, versucht es der übrig gebliebene Chuck Ragan jetzt allein. Bevor das geplante Studiodebüt erscheint, veröffentlicht er mit „Los Feliz“ ein erdiges Livealbum mit zwölf Songs, energisch und kraftvoll zur akustischen Gitarre vorgetragen.

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Blankes Entsetzen

packt uns bei dem Gedanken, hunderte von Kriminalromanen schreiben zu müssen – und mit 47 Jahren zu sterben. Matthias Blank war so einer. Ein Vielschreiber unter zahllosen Pseudonymen, in allen Sätteln der schnell produzierten Unterhaltung stets bereit für den Ritt durchs Triviale.

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George P. Pelecanos: The Night Gardener

Der unbekannte Mörder, dessen Spitzname George P. Pelecanos’ neuem Buch „The Night Gardener“ den Titel gibt, tötete in den 80er Jahren drei dunkelhäutige Kinder durch Kopfschüsse. Die Vornamen der Kinder, die alle aus armem Elternhaus kamen, stellten Palindrome dar (Anna: „von vorne wie von hinten“) und die Leichen waren, nachdem der Täter sich an ihnen sexuell vergangen hatte, umgezogen und in einem der Stadtparks Washingtons ablegt worden. 20 Jahre herrschte Frieden, nun taucht plötzlich eine Leiche mit fast den gleichen Charakteristika auf.

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Sioen: A Potion

Da Belgien nicht von einer atemberaubenden Nationalmannschaft verwöhnt wird, nutzen wir die bunte Fußballsprache zur Beschreibung der Musik: Stellt euch eine Mannschaft vor, die Teamgeist mit spielerischer Raffinesse verbindet und ihre technische Überlegenheit nur so beiläufig ausspielt, dass die Gegner gar nicht genau wissen, warum sie haushoch verlieren. Dabei geschieht das ganze so wenig großkotzig, dass die Sympathiewerte mindestens auf der Höhe von Mainz 05 liegen.

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Kapitel I

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Wickius, der die Kriminalliteratur wie kein anderer kennt und jeden tatsächlichen Mordfall dank seines überragenden Krimiwissens löst, Wickius also: ist zurück! Und steckt mitten in seinem schwierigsten Fall! Es geht um Leben und Tod! Um Deutschland! Ein Verbrechen sondergleichen findet statt, jetzt, hier, während Sie das lesen! Die Zeit ist knapp und sie verrinnt unerbittlich! Wird Wickius Deutschland retten können? Lesen Sie halt selbst! Am Ende des Kapitels wird, wie es gute Wickius-Tradition ist, eine krimiliterarische Frage gestellt! Wer sie beantworten kann, wird in die Ruhmeshalle der Unsterblichen aufgenommen!

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Muff Potter: Steady Fremdkörper

Für Bands, die sich in einem klar abgesteckten musikalischen Umfeld bewegen und schon großartige Alben veröffentlicht haben, wird es mit der Zeit immer komplizierter. Nach den rauen „Bordsteinkantengeschichten“ (2000) folgte bei Muff Potter der große Schritt zu „Heute wird gewonnen, bitte“ (2003), bevor „Von Wegen“ (2005) den Status der Band nachhaltig zementierte. Unter diesen Vorzeichen ist „Steady Fremdkörper“ in den ersten Durchläufen eine milde Enttäuschung.

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Michael Weston King – The Crowning Story

So richtig auf einen “grünen Zweig’ ist der sympathische englische Singer/Songwriter mit seiner doch an sich eigenständigen und charakteristischen Musik noch nicht gekommen. Seit Anfang der 1990er Jahre ist Michael Weston King „on the road“, hat nach eigenen Angaben weltweit über 400.000 Meilen hinter sich gelegt und rund 1.400 Gigs absolviert.

Mit seiner ersten Band, den noch stark „Americana“-angehauchten GOOD SONS, war er schon häufig unterwegs, aber eben auch später als Solist und mit Duo-Partnern (z. B. Alan Cook), wobei Sessions mit prominenten Gastmusikern (Nick Cave, John Cale, Steve Earle u.v.a.) zustande kamen. Insgesamt zwölf Alben und Compilations gehen bis dato auf sein Konto, oft mit guten Kritiken versehen, aber leider auch nicht die kommerziellen Renner.

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CD-Neuheiten KW 20/2007

Stöhn! So viele neue CDs.
Unter den Preziosen dieser Woche findet sich auch eine neue Band namens Von Südenfed, die sich bei nähererem Hinsehen als Kooperation der zwei Mouse on Mars-Musiker mit The Fall-Frontmann Mark E. Smith herausstellt. Vielleicht hat Smith aber auch nur sämtliche in England in Frage kommenden Musiker schon gefeuert…

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Schöne Bescherung

Vor einer Stunde noch war ich ohne „Feuertod“, den neuen Kriminalroman einer gewissen Astrid Paprotta. Jetzt hab ich ihn doppelt. Dass ich das Werk nun 2x lesen muss, ist nicht das Problem. Wäre der erste Krimi von A.P., bei dem ich das nicht täte. Aber muss ich ihn auch 2x rezensieren? Einmal ehrlich und einmal genau andersrum? Mit solchen Problemen kämpft man als Rezensent. Davon haben die Verlage und Autorinnen natürlich keine Ahnung.