Noch Fragen?

Man muss, sagt der Verleger, die KrimileserInnen über die Schiene des Basisdemokratischen erreichen. Wenigstens das gute Gefühl, nicht nur zu konsumieren, sondern interaktiv an der Entstehung eines Meilensteines der deutschen Kriminalsekundärliteratur mitgearbeitet zu haben, das sollte man ihnen schon geben. Dann kaufen sie nämlich auch. Und, schließt der Verleger, nur darum geht es im Biz. Also.

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Titus Keller: Aussortiert

„Aussortiert“: reichlich wirr, glanzlos, wenn auch halbwegs routiniert in Sprache gehauen, das Personal beliebig, das Ende ärgerlich, die Spannung nicht auffindbar. Punkt. Damit könnte es sein Bewenden haben. Wäre nicht der Autor ein „Literat“, der den Geheimniskrämer spielt, aber eigentlich nichts zu verkaufen hat.

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Christopher Hjort: Strange Brew

Der norwegische Rockhistoriker hat wieder zugeschlagen. Nach seinem superben, 2000 erschienenen Handbuch zu Jeff Becks Karriere „Jeff’s Book: A Chronology of Jeff Beck’s Career, 1965-1980: From the Yardbirds to Jazz-Rock’ legt er nun mit einer weiteren Chronik nach. Dieses Mal widmet er sich dem „British Blues Boom“, der zwar mit Alexis Korner und John Mayall schon Anfang der 1960er Jahre startete, aber seine Blütezeit zwischen 1965 und 1970 hatte. Auf diesen Zeitraum konzentriert sich denn auch Hjorts opulenter, mit vielen Fotos und Faksimiles ausgestatteter Band.

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Karl Lagerfeld: Les Musiques Que J’Aime

Tolerance Records also. Da sind wir ja schon beim Thema. Man mag sich diesen extrem dünnen Modezar eigentlich gar nicht anschauen, wie er da breitbeinig und ernstem Blick auf dem Cover abgebildet ist – so als wolle er gleich den Colt ziehen und jeden Ungläubigen über den Haufen schießen. Dass ausgerechnet er jetzt eine CD zusammengestellt hat, das können sicherlich nicht viele gut heißen oder tolerieren.

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Crime School – das Partywissen -1-

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Was ist das eigentlich, Krimi? Wo kommt er her, wie hat er sich entwickelt, was sollte ich wissen, wenn mich jemand danach fragt? Die zweite Staffel der „Crime School“ möchte das Wissen vermitteln, das Sie zum Mittelpunkt jeder Intellektuellenparty macht, wenn die Stimmung feuchtfröhlich ist und die Sitten so enthemmt sind, dass man auf „das Kulturelle“ zu sprechen kommt. Partywissen. Aber nicht nur. Was wir hier in loser Folge erörtern, dient auch als Grundlage einer papiernen „Crime School“, die im nächsten Jahr erscheinen soll. Didaktisch aufbereitet, tiefergehend. Wer unseren Internetkurs besucht, wird sich das nötige Basiswissen erarbeiten können, um dann mit Hilfe des Buches darauf aufzubauen. Beginnen wir mit einer sehr leidigen Frage: Was war eigentlich der erste deutsche Krimi? Gab es das überhaupt vor Friedrich Glauser? Krimis? Ein Überblick, der nicht alles erklären kann, aber einen Rahmen um die disparaten Dinge legt.

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Crime School – die Zeit ist reif

Tatsächlich; manchmal sind LeserInnen doch zu etwas gut. Seit Jahr und Tag liegt mir der Verleger in den Ohren, doch endlich mal mit „Was ist Krimi?“ rüberzukommen, aber ich murkse und murkse und nichts gefällt mir. Da, gestern, rebellieren die LeserInnen: WIR WOLLEN DIE GUTE ALTE CRIME SCHOOL zurück! Also noch mal reinschnuppern. Und siehe: DAS ist es! SO könnte mans machen! Krimigrundwissen als Schulstoff, Geschichtliches und Thematisches und Formales zur Kriminalliteratur häppchenweise querbeet, unterhaltsam und dennoch bildungsbürgerlich relevant!

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Wilco: Blue Sky

Jeff Tweedy hat es seiner Band und den Zuhörern nie leicht gemacht. Mit „Yankee Hotel Foxtrot“ (2002) und „A Ghost Is Born“ (2004) hat er Wilco bis an die Grenzen getrieben, um mit dem famosen Livealbum „Kicking Television — Live In Chicago“ (2005) das Bild einer tight rockenden Band zu zelebrieren. Selbst wenn er trocken singt „I survived, that’s good enough for now…“ ist „Blue Sky“ so viel mehr als das nackte Überleben.

Wilco bedienen sich in all ihren Schaffensphasen und wollen scheinbar nichts mehr beweisen. Außer vielleicht, dass Tweedy immer noch zu den besten Songwritern überhaupt zählt. „Blue Sky“ ist durch und durch traditionell und strahlt eine hippieske Grundstimmung aus, die sich an manchen Stellen auch in den Songs niederschlägt: In „Impossible Germany“ duellieren sich die Gitarren, während andere Songs gegen Ende die Revolution proben. Ansonsten gediegenes Handwerk, das — sollten Menschen in hundert Jahren unsere Kultur analysieren — bestimmt niemand dem immer noch neuen Jahrtausend zuordnen würde. Kurz: Zeitlos!

Wilco: Blue Sky
Nonesuch/Warner
www.wilcoworld.net
VÖ: 11.11.2007

Clyde W. Ford: The Long Mile

„The Long Mile“ von Clyde W. Ford sei gewissermaßen, so war (→ anderenorts ) zu lesen, ein Watts-Aufstand im Kleinen, die Darstellung des Zorns der Afroamerikaner auf die weißen Hüter von Recht und Ordnung … Ich bin mir da nicht so sicher. Es fängt schon mit dem Hinweis auf dem Cover an, dass „The Long Mile“ Teil der „Shango-Mysteries“ ist … und tatsächlich ist „The Long Mile“ ein mit dem Shango-Mythos aufgeladenes Buch.

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Etwas kurzfristig: Tote haben keine Lobby

Ein Elektriker hat seine vier Ehefrauen umgebracht und keiner hat was gemerkt. Dokumentation auf >>>3sat um 20.15 Uhr.

Der zweiteilige Film von Manfred Uhlig geht der Frage nach, ob es den perfekten Mord gibt. 1.200 bis 2.400 Fälle werden jedes Jahr nicht aufgeklärt, jeder zweite Mord in Deutschland bleibe unentdeckt. Die Gründe: Arbeitsüberlastung, Desinteresse und Geldmangel bei Polizei/Staatsanwaltschaften. Außerdem koste eine Obduktion 500 Euro und Hausärzte – Totenschein! – seien in der Regel nicht dafür ausgebildet, Mordspuren wie Würgemale, Strommarken und Vergiftungserscheinungen zu erkennen.

Den zweiten Teil von „Tote haben keine Lobby“ zeigt 3sat am Montag, den 21. Mai um 20.15 Uhr.

Simulation von Echtheit

Natürlich ist Cicero ein überragender Sänger; sein Stück lag, was Arrangement und Vortrag anging, weit über dem Durchschnitt. Aber Swing ist eigentlich eine popmusikalische Antiquität, für die man historisch empfänglich sein muss. Für Westeuropa ist der Glenn-Miller-Sound der des Aufbruchs, der Liberalität, für Osteuropa erst einmal kurios. „Frauen regier’n die Welt“ ist ein ironischer Titel; Cicero macht Wirtschaftswunder-Pop für die Wir-sind-wieder-wer-Deutschen. Hierzulande scheinen sich Frauen dieses gespaltene Bewusstsein leisten zu können, einen Sänger anzuhimmeln, der ihnen mit Augenzwinkern versichert, dass er auf Emanzipation so wenig Lust hat wie ein Kind aufs Zähneputzen.

Daniel Haas im Spiegel: ↑ Heulsusen regier’n die Welt

Pieke kapert

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Pieke „Jahresschwerpunkt“ Biermann steht nicht unter Artenschutz. Sie wird wohl manchmal von Produktpiraten nachgemacht, aber so schlecht, dass man gerne beim Original bleibt. Zum Beispiel, wenn eine neue Krimireportage ins Haus kommt. „Gekapert vom Zoll“ heißt es am am Sonnabend, 12. Mai 2007 in DER TAGESSPIEGEL und im RBB-Inforadio 93,1 um 11:45 Uhr (*Wiederholungen um 19:45 und in der folgenden Nacht um 0:45 und 05:45 auch als Podcast und im Internet unter www.inforadio.de, Suchfunktion: “Recht und Ordnung”).

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