Sophie Auster: Sophie Auster

Singende Models oder Schauspielerinnen sind bei Kritikern ungefähr so beliebt, wie Partyluder oder Kinder berühmter Eltern. Manchmal (aber nur manchmal) würde man gerne einige kritische Anmerkungen platzieren, die über objektive Kritik ein bisschen hinausgehen. Hat bei Julie Delpy nicht geklappt, bei Carla Bruni sowieso nicht und bei Sophie Auster wird das auch nicht funktionieren.

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Fernando Molica: Krieg in Mirandão

Wer oder was bestimmt eigentlich darüber, wie Kriminalliteratur auszusehen, zu funktionieren hat? Genre-Theoretiker? Kritiker? Über ästhetische und poetologische Fragen räsonnierende AutorInnen? Das lesende Publikum? Ja, sicher, die machen das. Die schwadronieren, experimentieren oder transportieren einfach die ewigen Gesetze von Spannung und Dramaturgie durch die Zeitläufte. Aber eine Instanz, die gewichtigste, haben wir vergessen: die Verhältnisse.

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Gutes und Schlechtes

Es hält sich ja meistens die Waage: Das Zeug, das einen motiviert und das Zeug, das einen demotiviert. So bleibt man irgendwie im Zustand des Mal-so-mal-so ausbalanciert, die Kollerader, wie sie manchmal bedrohlich anschwillt, schwillt gleich wieder ab. Also was ist gerade gut, was gerade schlecht? Eine kleine Zusammenfassung.

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Jacques Berndorf: Eifel-Kreuz

Die Eifelkrimis des Michael Preute alias Jacques Berndorf befinden sich längst jenseits der Kritik. Ein Verriss wird ihm kaum Leser abspenstig machen, ein enthusiastisches Lob kaum neue zuführen. Berndorfs Romane sind – nein, nicht Kult (inzwischen ist ja fast alles Kult), sie sind Rituale, Gottesdienste, deren Ordnung sich seit dem ersten Auftauchen des Pfeifenfetischisten Siggi Baumeister keine Spur verändert hat. Man kann das nur konstatieren; aber kritisieren?

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Wiedergelesen: Patricia Highsmiths Ripley´s Game

Ich habe lange gebraucht, bis ich Patricia Highsmith lesen konnte. Erst schaute ich ein Jahrzehnt lang auf ihre Bücher runter, weil ich sie zu kalt und zu blass fand. Dann schaute ich ein weiteres Jahrzehnt auf ihre Ripleybücher runter, weil ich sie zu kalt und zu blass fand. Jetzt also – noch mal Kommando zurück – gefallen mir auch die Ripleybücher. Ich habe keine Ahnung, was ich gegen sie hatte. Sie sind typisch Highsmith und haben die gleiche Grundthese: Das Böse ist in uns, nicht außer uns. Das macht sie spannend. Ihre Helden sind immer Schwächlinge, mehr oder minder sympathisch. Keiner bei Highsmith hat sich im Griff, keiner produziert coole Sprüche; und alle sind irgendwie gefühlsarm.

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Richard Laymon: Die Insel

Eine Gruppe Schiffbrüchiger strandet auf einer einsamen Insel, wird im weiteren Verlauf dezimiert, während die Überlebenden herauszufinden versuchen, was Ihnen widerfährt und wie sie den Kampf gegen einen unbekannten Gegner aufnehmen und gewinnen können. Klingt klassisch? Hört sich nach Abenteuer, Thrill und Südsee(alp)träumen an? Könnte sein – ist es aber nicht.

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Alan Furst: The Polish Officer

OK, geplant war es nicht, und das aktuelle Buch des Autors ist es auch nicht, aber solange wir auf die Taschenbuchausgabe von Alan Fursts „The Foreign Correspondent“ warten, erlauben wir uns einen Hinweis auf sein 1995 erschienenes „The Polish Officer“. Auch wenn Furst einer der wenigen Autoren ist, dessen neueren (seit 2000 erschienenen) Bücher recht zeitnah übersetzt vorliegen, steht zu erwarten, dass dieses Buch nur dann noch in deutscher Übersetzung erscheint, wenn die Verkaufszahlen der aktuelleren Bücher hoch genug sind (was immer das bedeuten mag).

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Wenn Männer leiden

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(Auch wir haben jetzt endlich unseren Serienhelden. Kommissar Wickius: erfahren, helle, vor allem aber: belesen. Er kennt die Verbrechens- und Kriminalliteratur der letzten ca. 2500 Jahre in- und auswendig, er löst jeden Fall, indem er das literarische Muster dafür sucht. Und Sie? Wissen auch Sie, welche klassischen Fälle den hier in loser Folge geschilderten Mordtaten zu Grunde liegen? Dann nichts wie ran an die Kommentarfunktion!)

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Deutsche Krimis 2006 – erste Annäherung

Wenn die Blätter zu fallen beginnen, wollen die Blätter des neuen Krimijahrbuchs vollgeschrieben werden. Das ist unser Schicksal, und ein besonders heimtückisches hat mich auch dieses Jahr dazu erkoren, den deutschen Krimi des Jahres 2006 zu bilanzieren. Nun, das Jahr ist noch nicht vorbei; gut so. Denn, ehrlich, ein erstes Fazit fiele einigermaßen ernüchternd aus. Ganz so erfreulich wie im letzten Jahr ist es diesmal nicht. Aber auch keine Katastrophe.

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Nobelpreis für Orhan Pamuk

Aber die Diskussion, ob mit Pamuk ein Kriminalautor den Nobelpreis bekommen hat, die führen wir hier nicht. Das machen jetzt die Edelfedern der Edelzeitungen. Schön aber, dass nicht auch hier ein US-Amerikaner zugeschlagen hat. Die sollen Naturwissenschaften machen. Und ob George Bush nicht vielleicht doch den Friedensnobelpreis bekommt? Also: „Schnee“ lesen.

Yasmina Khadra: Die Algier-Romane

Manchmal ist ein Mord nur der Lockvogel, um Leser von Kriminalromanen in die Abgründe der stillen und großen Verbrechen zu stürzen. Nehmen wir die Energiemafia. Dass in diesem Winter möglicherweise viele Wohnungen unbeheizt bleiben werden, hat etwas mit Börsenspekulation und Monopolmissbrauch zu tun. Oder die munter weiter praktizierte Arbeitslosenhatz. Das schreiende Unrecht hüllt sich in Gesetzeskonformität und bleibt doch schreiendes Unrecht. Zwei Themen – ein Problem: Wie es dem Krimileser schmackhaft machen? Durch Morde vielleicht? Ein Börsenspekulant treibt bäuchlings im Main, ein „Sozialpolitiker“ hängt am First seines Ferienhäuschens. Damit kriegt man Krimileser. In Algerien hat man so etwas nicht nötig.

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Heimgezahlt

Eine neue Erwerbung in der →„Criminalbibliothek des 19. Jahrhunderts“: Adolf Bäuerles „Zahlheim“ von 1856, vielleicht der erste auch so genannte „Criminal-Roman“ (bis uns ein früheres Werk bekannt wird). Bäuerle war Österreicher, Wiener – aber nix da mit Schmäh und Gemütlichkeit. Der Demokrat Bäuerle teilte das Schicksal seines deutschen Kollegen Temme und musste ins Zürcher Exil, wo er wenige Monate später starb. Ham’s ihm heimgezahlt, die Wiener Oberen.

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