Jake Lamar: Rendezvous Eighteenth

Leser der Marseille-Trilogie von Jean-Claude Izzo hatte der Zorn und die Wut, die sich in den Krawallen der unterprivilegierten Einwanderer in den französischen Banlieues letztes Jahr artikulierten, nur wenig überrascht. Rickie Jenks aus Jack Lamars Buch „Rendezvous Eighteenth“, jedoch, seit Jahren in Paris lebender Afroamerikaner, hatte nie Rassismus in Paris erlebt. Was wohl daran läge, so meint seine afro-marokkanische Freundin, dass sein Gang, sein Auftreten und sein Akzent ihn als US-Amerikaner identifizieren und diese seien halt, im Gegensatz zu den afrikanischen Brüdern, auch schwarz noch hoch willkommen.

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Kurt Krömer: Na, Du Alte Kackbratze!

Allein für zwei Wörter muss man Kurt Krömer dankbar sein: ‚Kackbratze‘ und ‚Pummelfee‘ gehören in jeden Wortschatz und können gleichermaßen als Schimpfwort und Kosename eingesetzt werden. Seit Jahren im Humoruntergrund aktiv, trat Krömer in den vergangenen Monaten aus dem Schatten seiner „Kurt Krömer Show“ auf RBB. Der Duft der medialen Übersättigung weht zwar schon zu uns rüber, aber noch kann man für Neuköllns bekanntesten Sohn die Lanze brechen.

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Reliefpfeiler

Ach, ZDF! In deiner wahnsinnig aufregenden Spielshow „Sudoku“ stellt man doch tatsächlich die Frage

Was ist kein Anagramm?
a) Anna
b) Rentner
c) Lagerregal
d) Sudokus


Und der österreichische Charmebolzen Christian Clerici („Ich dachte, Sudoku sei ein Reisgericht“) erläutert für die Ungebildeteren noch, dass ein Anagramm ein Wort sei, das von vorne wie hinten gelesen gleich ist.

Anagramm mit Palindrom verwechselt? Muß dir nicht peinlich sein, ZDF. Hat ja eh keiner gesehen.

Ein dicker Hund

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(Ex-Kommissar Wickius, nach einer Intrige denk- und kommentarfauler Blogleser seines Amtes enthoben und in den vorzeitigen Ruhestand geschickt, kennt die Verbrechens- und Kriminalliteratur der letzten ca. 2500 Jahre in- und auswendig, er löst jeden Fall, indem er das literarische Muster dafür sucht. Und Sie? Wissen auch Sie, welche klassischen Fälle den hier in loser Folge geschilderten Mordtaten zu Grunde liegen? Dann nichts wie ran an die Kommentarfunktion! Für alle Unbelesenen gibt es die Auflösung immer ein paar Tage nach der Veröffentlichung der Geschichte.)

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KrimiWelt-Bestenliste November 2006

So, so. Paulus Hochgatterer steht mit „Die Süße des Lebens“ auf dem Spitzenplatz der aktuellen Bestenliste. Kleine Überraschung. Vor Robert Littell und John Le Carré, einem der drei Neueinsteiger. Die beiden anderen rangieren am Ende der Liste: Norbert Horst mit „Blutskizzen“ und Michael Connelly mit „Vergessene Stimmen“. Was nun keine Überraschung ist, sondern eher der erste Schritt zu sonnigeren Plätzen. Aber das, liebe Leser, schaut ihr euch besser selber an. →Hier.

Depeche Mode: Touring The Angel

Sondererwähnung für Martin L. Gore: Nicht nur, dass er bei dem zur Pianoballade umgestrickten „Shake The Disease“ die Leadvocals übernimmt, er schafft es auch, mehr als eine halbe Stunde sein Hühnermützchen aufzubehalten. Ich komme kaum bis zur S-Bahn und da fängt mein Kopf schon zu jucken an, während sich Martin Gore von der Lightshow und der Hitze des Konzerts völlig unbeeindruckt zeigt.

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Krimitheater

Ausnahmsweise mal was von den weltbedeutenden Brettern in der →Criminalbibliothek des 19. Jahrhunderts, Abteilung frühes zwanzigstes: Ferdinand Bonn, Schauspieler, Theaterdirektor, Stückeschreiber hat 1906 den guten alten „Sherlock Holmes“ auf die Bühne gebracht. Ein putziges Stück ohne Dr. Watson, dafür mit einem Klavierlehrer als staunendem Helfer. Übrigens ein Reclam-Heftchen. Das Böse agiert, Holmes agiert zurück – und weiß, wie im Original, alles besser.

Michael Connelly: Vergessene Stimmen

Es gibt diese Krimis: Sie sind nicht „subjektiv“ erzählt, sondern präsentieren ihre Geschichte distanziert; so distanziert, dass man die Stimme des Autors zwischen denen seiner Personen und manchmal auch über ihnen zu hören glaubt. Halbdokumentarisch könnte man das nennen, analog zur klassischen „Dragnet“-Serie und ihrem deutschen Pendant „Stahlnetz“. Die Taktik ist durchsichtig. Authentizität soll suggeriert werden, beinahe aktenmäßiges Ausbreiten der Geschehnisse, Wahrhaftigkeit eben oder doch wenigstens ihr banaler Ableger, „die Wahrheit“. Michael Connellys „Vergessene Stimmen“ ist so ein Versuch, und er gelingt.

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Sebastian Fitzek: Die Therapie

(Unser Rezensenten-Auszubildender Jochen König steckt noch voller Enthusiasmus. Er bevorzugt das kritische method acting, das Sich-Hineinversetzen in einen Text, bis er ihn vollständig durchdrungen und verinnerlicht hat. Beispiel: Sebastian Fitzeks Psychothriller „Die Therapie“. Wir konnten den jungen wilden König nicht davon abbringen, sich bezwecks Milieustudie für zwei Wochen in eine psychiatrische Klinik zu begeben. Heute, drei Monate später, ist er immer noch drin, es könne noch etwas dauern, schreibt er uns und schickt seine Rezension, die wir an dieser Stelle abdrucken. Wir hoffen, Herrn König zur Weihnachtsfeier 2007 wieder wohlauf in unserer Mitte begrüßen zu können.)
„Psychoanalyse ist jene Geisteskrankheit, für deren Therapie sie sich hält“, spottete Karl Kraus schon 1913. „Die Therapie“ liest sich wie ein Beleg dieses Zitates.

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Akte in Aspiek

„Wenn die Biermann“, drohte neulich ein Freund, „nicht bald mit einem neuen Krimi rüber kommt, lege ich sie zu den Akten!“ Ich erschrak. Nein, nein, besänftigte ich den Erzürnten, Pieke Biermann schreibe ja bereits an einem Thriller über die Berliner Krimikritikerszene. „Mysteriöse Morde, grassierende Schreib- und Leseschwäche und eine Selbsthilfegruppe Anonyme Donna-Leon-Leser. Das wird was.“ – Ich gestehe:

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Don Winslow: The power of the dog

Mexikanische Drogenbosse, die Lieferungen ihrer Waren nach America im großen Maßstab organisieren, ein Mitarbeiter der amerikanischen Drogenpolizei von der Obsession getrieben, eben jenen Drogenbosse das Handwerk zu legen, eine kalifornische Edelnutte, welche die Liebe ihres Lebens verliert, New Yorker Mafia Mitglieder und die Geheimen Dienste Amerikas mit ihren (un)heimlichen Missionen in Mittelamerika.

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Ben Folds: Supersunnyspeedgraphic, The LP

Ben Folds Junkies dürfen sich jetzt ausgiebig ärgern, dass sie in den vergangenen Jahren seine EPs aus dem Netz gezogen haben. „Supersunnyspeedgraphic, The LP“ fasst einen Teil der Songs der drei (fast) gleichnamigen Only-Internet-EPs zusammen und ergänzt sie mit launigen Coverversionen wie „Bitches Ain’t Shit“ von Dr. Dre (wir verzichten an dieser Stelle auf Pieptöne oder züchtige Platzhalter).

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Gus Black: Autumn Days – Official Bootleg

Ist das schön! Gus Black hat fünf Songs seines vergangenen Albums „Autumn Days“ (2005) mit fünf Coverversionen gemischt und präsentiert einen gänzlich reduzierten Ausflug in seine musikalische Welt.
Lag auf der Studioversion von „Autumn Days“ meterdick die Watte drauf, konzentrieren sich die zehn Tracks von „Autumn Days Official Bootleg“ im wesentlichen auf Gitarre, Klavier und Streicher.

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