KrimiWelt-Bestenliste – pro und contra. So lautete der Arbeitstitel eines für das neue Krimijahrbuch geplanten Beitrags, in dem sich Tobias Gohlis, Initiator der Liste, und N.N. über Sinn und Unsinn des Projektes austauschen sollten. Den Beitrag aber wird es nicht geben; zwei potentielle Contra-Autoren haben, aus durchaus nachvollziehbaren Gründen, abgesagt. Und selbst die Rolle des teuflischen Advokaten zu übernehmen, dazu bin ich nicht der richtige Mann. Ich mag die Liste nämlich. Aber.
WeiterlesenJess Walter: Citizen Vince
Zwei Bürgerrechte sind es, so Vince Camden in Jess Walters Buch „Citizen Vince“, auf die verurteilte Straftäter in den USA verzichten müssen. Das Recht eine Waffe erwerben und tragen zu dürfen und das Recht zu wählen. Als er eine Woche vor der US-Präsidentenwahl 1980 die erste Wahlkarte seinen Lebens erhält, geht durch den 36 jährigen ein Ruck … vielleicht, so ahnt er in diesem Moment, hat er doch eine Chance, in der bürgerlichen Gesellschaft anzukommen.
WeiterlesenEin Toter mit vielen Gesichtern
(Kommissar Wickius kennt die Verbrechens- und Kriminalliteratur der letzten ca. 2500 Jahre in- und auswendig, er löst jeden Fall, indem er das literarische Muster dafür sucht. Und Sie? Wissen auch Sie, welche klassischen Fälle den hier in loser Folge geschilderten Mordtaten zu Grunde liegen? Dann nichts wie ran an die Kommentarfunktion! Für alle Unbelesenen gibt es die Auflösung immer ein paar Tage nach der Veröffentlichung der Geschichte.)
WeiterlesenAn Pierlé & White Velvet
Wow, was für ein freches Album. Mit kessem Blick pfeift An Pierlé auf dem Back-Cover-Foto durch die Finger und wildert sich genussvoll durch allerlei Spielarten. Von trotzig bis lasziv setzt die Belgierin ihre Stimme ein und schüttelt scheinbar mühelos ein durchweg gelungenes Album aus dem Ärmel.
WeiterlesenTrail Of Dead: So Divided
Faszinierend – Trail Of Dead werden mit jedem Album ein bisschen ruhiger und gesitteter, aber keinesfalls schlechter. „So Divided“ ist mit so viel Popappeal gesegnet, dass man sich als direkten Vergleich das vorletzte Album „Source Tags And Codes“ (2002) einfahren muss, um zu begreifen, welchen Weg diese Band schon hinter sich hat.
WeiterlesenLoreena McKennitt: An Ancient Muse
Lange Pause, lange Reise, aber alles wie immer. Loreena McKennitts neues Album „An Ancient Muse“ ist ein musikalischer Streifzug durch die Geschichte und die Wiegen der Zivilisation und neben den lesenswerten Linernotes ein erneuter Beweis für die musikalische Qualität der kanadischen Songwriterin. Aber bei allem Können — es bewegt sich nicht wirklich was.
WeiterlesenLloyd Cole: Antidepressant
„Causing A Commotion“….wer Lloyd Cole immer noch mit den 1980ern in Verbindung bringt, springt zu kurz. Leider hat sich immer noch nicht rumgesprochen, dass der ehemalige Kopf von Lloyd Cole & The Commotions inzwischen wunderbar ruhige Singer/Songwriter-Alben veröffentlicht, die zwischen Dirk Darmstädter und Julian Dawson liegen.
WeiterlesenStieg Trenter: Eine Puppe für Samarkand

(Weihnachten naht. Und mit ihm die Frage: Welche Krimis schenke ich meinen Liebsten? Jeder weiß: Das kann ins Auge gehen und langjährige Freundschaften abrupt beenden. Doch keine Angst: Hinternet hilft. Die Krimiredaktion hat einige aktuelle Spitzenprodukte der Spannungsindustrie unter die Lupe genommen und ihnen den jeweiligen Idealtypus Leser (hier „Geschenkempfänger“ genannt) zugeordnet. Jetzt kann nichts mehr schiefgehen.)
WeiterlesenUmfang mal Piekwadrat
Die Biermann, einfach nicht zu berechnen. Jüngst erst mit dem „Schwerpunkt“ des Krimijahrbuchs 2007 geehrt (eine Auszeichnung, gegen den der Glauser aussieht wie ein angeknabbertes Lebkuchenmännlein), prescht sie dennoch weiter ruhelos nach vorn, alle vier Wochen sonnabends begutachtet sie MENSCHEN-ORTE-KRIMINALITÄT im RBBinfoRADIO 93,1, am 9. Dezember 2006 um 11:45 Uhr ist es wieder soweit – wann schläft diese Frau eigentlich? Etwa bei den Wiederholungen um 19:45 und in der folgenden Nacht um 00:45 und 05:45? Unwahrscheinlich. PieBie schläft nie. PieBie dehnt sich weiter aus wie ein nimmersattes Universum. Jetzt auch zu hören in der neuen Folge, die sich mit Seyran Ates, Migrantin, Juristin, Pionierin gegen Gewalt beschäftigt.
WeiterlesenCarl Hiaasen: Unter die Haut
Die Überzeichnung ist ein Mittel, Handlung und Personal zu verfremden, zu verzerren, um ihren wahren Charakter unter der Maske erkennbar zu machen. Etwas überzeichnen heißt also: etwas enthüllen. Indem etwa Personen so agieren, wie sie ganz bestimmt nicht agieren, zeigt man, wie sie agieren. Die Personen werden komisch, Ereignisse spitzen sich zu, Geschichten taumeln in der Aberwitz und zerbrechen dort zur Nüchternheit. Eine sehr theoretische Sache, denkt man, ja, ohne Zweifel, denn in der Praxis gelangt die Überzeichnung zumeist nur bis zum Aberwitz, bleibt die Verzerrung Verzerrung, das Lachen darüber das Lachen darüber. Eine der großen Ausnahmen ist Carl Hiaasen.
WeiterlesenDamien Rice: 9
Gentlemen sind dieses Jahr scheinbar ‚in‘. David Fridlund hat seine eigene Platte nicht selbst eröffnet, Bert Jansch gibt großzügig das Mikro weiter und Frauenversteher Damien Rice steht da auch nicht hinten an. „9 Crimes“, der erste Song seines zweiten Albums, eröffnet mit einem herrlichen Pianosound, gefolgt von der hinreißenden Stimme Lisa Hannigan’s. Was für ein Start!
WeiterlesenRay LaMontagne: Trouble
„Trouble“ ist im positivsten Sinne eine Konsensplatte. Jeder, der auf Handgemachtes und Schmirgelstimme steht, müsste hier glücklich werden.
Weiterlesen2006: Die Besten
2006, das Krimijahr. Was war gut, was wird bleiben? Der Rezensent hat seine Arbeiten kritisch gesichtet und elf Titel ausgewählt, denen er die Stempel „unbedingt lesen!“ und „weiter so!“ ohne Zögern aufdrückt, eine Hitparade, die aber keine ist, denn die ausgesuchten Romane lassen sich in thematischen Kleingruppen zusammenfassen, was nun ein zwar unvollständiges, aber über den Listencharakter hinausgehendes Bild des kriminalliteratischen state of the art hierzulande und anderswo ergeben könnte. Und hier ist sie: die Top 11 Zwotausendsechs.
WeiterlesenDas Ende des Krimis
Okay, packen wir zusammen. Wir Schreiber, wir Blogger. Krimi adé, ein Genre wird überflüssig, wenn man dieser →Spiegel-Meldung Glauben schenken darf:
WeiterlesenJeffrey Ford: The Girl in the Glass
(Dieses ist die fünfte und letzte Besprechung eines der diesjährigen Kandidaten für den Edgar, Kategorie „Bestes Taschenbuch“.)
Weiterlesen2006: The lost novels
Das Jahr neigt sich nach vorne und liegt, kaum sind die Weihnachtsplätzchen gegessen, vollends auf der Schnauze. Die Zeit der Rückschau ist angebrochen, in der wir Rechenschaft über das vergangene Krimijahr ablegen müssen. Aufgrund unserer außergewöhnlich guten Beziehungen zu den Putzgeschwadern der deutschen Verlagshäuser ist es uns gelungen, die Manuskripte dreier Kriminalromane zu lesen, die nicht das Licht der Welt erblickten. Drei Romane von drei Heroen des Genres – schnöde von den Lektoraten für unwürdig befunden und in die Papierkörbe entsorgt. Hier sind sie.
WeiterlesenThe Magic Numbers: Those The Brokes
Eigentlich hätten die Magic Numbers nach dem Erfolg ihres Debütalbums und den darauf folgenden Tourneen eine kleine Pause verdient gehabt. Doch die Band war nicht zu bändigen. „Wir haben wirklich darüber nachgedacht, eine Pause einzulegen. Selbst unsere Plattenfirma hat uns das empfohlen. Aber wir hatten bereits wieder einen Haufen neuer Songs zusammen und konnten es kaum abwarten, wieder ins Studio zu gehen. Wir wollten uns einfach nicht monatelang auf die faule Haut legen, um dann feststellen zu müssen, dass wir eingerostet sind.“ So erklärt Romeo Stodart die damalige Situation.
WeiterlesenGunnar Steinbach: Des Schreinermeisters schönster Sarg

(Weihnachten naht. Und mit ihm die Frage: Welche Krimis schenke ich meinen Liebsten? Jeder weiß: Das kann ins Auge gehen und langjährige Freundschaften abrupt beenden. Doch keine Angst: Hinternet hilft. Die Krimiredaktion hat einige aktuelle Spitzenprodukte der Spannungsindustrie unter die Lupe genommen und ihnen den jeweiligen Idealtypus Leser (hier „Geschenkempfänger“ genannt) zugeordnet. Jetzt kann nichts mehr schiefgehen.)
WeiterlesenYusuf: An Other Cup
Man kann eigentlich fast nicht über „An Other Cup“ schreiben, ohne sich mit aktuellen religiös-politischen Problemen zu befassen. Wichtig in diesem Zusammenhang erscheint mir im Wesentlichen die Erwähnung Yusuf Islams, dass sein Nachname und der Name seiner Religion ‚Friede‘ bedeutet. In seinen durchweg spirituellen Texten zeichnet er dann auch ein Bild, das Friede, Toleranz und die Sinn-Suche ins Zentrum einer jeden Religion stellt.
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