Laura Lippman: Charm City

Mit ihren Kriminalromanen um die Privatermittlerin Tess Monaghan zählt die Amerikanerin Laura Lippman nun schon seit geraumer Zeit zu den Lieferantinnen solider Spannungsware. Perfekte, globaltaugliche Mischungen aus privaten Irrungen und kriminellen Wirrungen, im überschaubaren Milieu Baltimores lokalisiert, einer Stadt, die sich selbst „Charm City“ nennt, aber natürlich en détail so charmant nicht ist.
Eine amerikanische Mittelstadt, sportliche Provinz. Da trifft es sich gut, dass der reiche Geschäftsmann Gerard „Wink“ Wynkowski eine komplette Basketballmannschaft kaufen und für Baltimore in die Profiliga schicken will. Großes Tamtam, doch, wir ahnen es schon, so schnörkellos geht die Sache nicht über die Bühne.

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Die Bescholtenen

Schon im 19. Jahrhundert war das Saarland ein Hort gehobener Kriminalunterhaltung. Beweis: Der in Saarlouis geborene Eugen Hermann von Dedenroth, der auch unter dem originellen Pseudonym „Ernst Pitawall“ veröffentlichte. „Die Bescholtenen“ (1880) sind eine erste Kostprobe seines kriminalliterarischen Schaffens. Natürlich als pdf, natürlich kostenlos, natürlich bei den →alten Krimis.

Das Kriminalerbe

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Krimifreunde wissen es: Der Mensch ist ein sterbliches Wesen. Wen nicht einer der zahllosen Serienmörder vom schönen Erdboden senst, der gibt unprosaisch den Löffel ab, sehr zu Nutzen und Frommen der lachenden Erben. Zurück nämlich bleibt: das Materielle. Bargeld, Bankkonten, Immobilien und, vielleicht, eine wertvolle Bibliothek. Da winkt der Krimifreund resigniert ab: Was büchermäßig von ihm bleiben wird, ist halt nur Altpapier, schnell gelesen, schnell vergessen, für die Nachfolgenden von allenfalls historischem Wert. Aber das muss nicht so sein.

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Emailnot

Folgend beschriebener Notzustand hat sich nach Intervention aus der Chefetage erledigt:

Irgend etwas stimmt nicht mit unserem Mailaccount. Wer mich momentan unter der bekannten Emailadresse erreichen will, hat kein Glück, ich kann die Nachrichten leider nicht abrufen. Ausweichmöglichkeit: chef@alte-krimis.de – bis auf Widerruf.

Es darf wieder normal hierher gemailt werden – bis auf Widerruf…

Die andere Meinung

Es ist schon angeklungen und lässt sich nicht länger verheimlichen: Tobias Gohlis‘ Beurteilung von Friedrich Anis „Idylle der Hyänen“ weicht von der meinigen in so ziemlich allen Punkten ab. Das ist nicht schlimm, das ist kein Drama, das ist Literatur, das ist spannend. Auch für den Leser, der die Meinung von Tobias Gohlis →hier erfahren kann.

Temme 1860

Unermüdlich fronen die Leibeigenen in den Scan-Bergwerken der alten Krimis. Herr Temme ist ein dankbares Objekt, hat er doch an die 150 Romane und Erzählungen veröffentlicht. Vier dieser Erzählungen, sämtlich der „Gartenlaube“ des Jahrgangs 1860 entnommen, können nun im PDF-Format bei den →alten Krimis besichtigt werden. Und die Scanner glühen weiter…

Anne Argula: Homicide My Own

(Dieses ist die dritte Besprechung eines der diesjährigen Kandidaten für den Edgar, Kategorie „Bestes Taschenbuch“.)

Mit dieser Art von Krimis haben sie nicht gerechnet, die Herrschaften des Detection Clubs , die einst Regeln für „ehrliche“ Detektivromane festlegten: Krimis die mit Nebenwelten, Seelenrecycling, dem Übersinnlichen buhlen. Es scheint auch schwer vorstellbar, wie etwas das die Regeln unserer Welt außer Kraft setzt, mit den strengen Regeln eines Krimis vereinbar sein soll. Aber es geht, wenn der Autor seine fiktive Welt ernst nimmt und gleichzeitig deren Grenzen zu den Krimiregeln konsequent beachtet. Duane Swierczynskis gelungener Erstling „Secret Dead Men “ ist so ein Beispiel, und befriedigende Ergebnisse liefern auch die Bücher John Burdetts („Bangkok 8 Men“). Das von Darryl Ponicsan unter dem Pseudonym Anne Argula verfasste Buch, mit dem so eigenartigen Titel „Homicide My Own”, können wir ab jetzt ebenfalls hinzuzählen.
Eigentlich ein Routinejob, den Quinn, die Ich-Erzählerin und Odd, ihr Partner zu erledigen haben: Die beiden Polizisten sollen einen erwachsenen Mann überstellen, der mit einem 14jährigen Mädchen eine sexuelle Beziehung gehabt haben soll. Sechs Stunden brauchen sie, um zu einem Indianerreservat auf einer kleinen abgeschiedenen Insel an der Grenze zu Kanada zu kommen, wo der Mann festgehalten wird.

Dort angekommen, müssen sie warten. Der Verdächtige ist noch nicht bereit für die lange Fahrt. Während sie warten, stoßen sie auf ein Relikt des einzigen ungeklärten Verbrechens, welches auf der Insel passierte. Über 30 Jahre ist es her, dass zwei Teenager in ihrem Auto erschossen wurden. Eine eigenartige Faszination scheint dieser Fall auf Odd auszuüben. Erst von Quinn kritisch beäugt, dann von ihr unterstützt, macht er sich auf, den Fall zu lösen.

Ein eigenwilliges und gewagtes Buch, soviel sei verraten, ist das was uns „Anne Argula“ da präsentiert. Aber eines, das in meinen Augen funktioniert. Witzig ist es, aber ohne diesen brachialen „Jungmännerwitz“, der Humor-Krimis häufig dominiert, bei denen üblicherweise Blut in Strömen fließt und die mit ihren überdrehten Actionszenen und gewollt komischen Dialogen auftrumpfen. Nein, der Humor dieses Buches ist etwas hintergründiger, aber nicht weniger komisch.

Quinn zum Beispiel. Prämenopausal, von Hitzewallungen gepeinigt, hat sie es wirklich nicht leicht. Während Odd so langsam Fähigkeiten entfaltet, die seinem Namen alle Ehre machen, wird sie über die Insel getrieben, wo sie doch nur heim möchte und Ruhe will. Dabei (und deshalb funktioniert das Buch) erarbeitet sich Odd seine Ergebnisse zwar mit ungewöhnlicher Methodik, aber seine Befragung der Zeitzeugen und seine Bewertung von Indizien und Untersuchungsergebnissen ist streng regelkonform.

„Homicide My Own“ ist ein Buch, welches nicht jedem gefallen wird. Diejenigen die auf der Suche nach den großen -logien sind, wird es zu wenig angemessen und zu spielerisch erscheinen. Allen anderen jedoch ist ein originelles Vergnügen sicher.

Anne Argula: Homicide My Own. 
Pleasure Boat Studio 2005. 219 Seiten. 14,50 €
(noch keine deutsche Übersetzung)

Charles Willeford: Sperrstunde

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[Krimis out of print. Lesen kann man sie dennoch. Vorher antiquarisch erwerben. Diesmal auf besonderen Wunsch einer besonderen Autorin und wtd-Stammleserin: Charles Willefords „Sperrstunde“. Die Rezension wird übrigens Grundlage eines kleinen Kapitels in einem kleinen Buch über die besondere Autorin und wtd-Stammleserin sein. So wird bei Hinternet alles optimal und ökologisch sinnvoll wiederaufbereitet und verwertet.]

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Optimismuskampagne

Wer immer noch behauptet, in Deutschland herrschten Pessimismus und miese Laune vor, der kennt Friedbert Pflüger nicht. Der fuhr bei den Wahlen in Berlin das schlechteste Ergebnis der Nachkriegszeit für die CDU ein und erzählte danach stolz: „Die CDU hat ihr Ergebnis entgegen dem Bundestrend konsolidiert“.

Weiter so, Friedbert!
Wahltag

Napalm Death: Smear Campaign

Napalm Death sind nunmehr bei dem Dortmunder Metal-Label Century Media untergekommen. Nicht schlecht. Rechtzeitig zum 25-jährigen Bandjubiläum haben Mark „Barney“ Greenway, Mitch Harris, Shane Embury und Danny Herrera ein neues Album eingehämmert: ‚Smear Campaign‘. Das beginnt mit dem extrem düsteren und lebensverneinden Intro „Weltschmerz“ (kein Scherz!), ehe die Band in gewohnt gnadenloser wie grandioser Art und Weise alles mit dem Song „Sink Fast, Let Go“ niedermetzelt.

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Val McDermid: Das Moor des Vergessens

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Eine 200 Jahre alte Leiche im Moor, auf Südseeart tätowiert; die Legende, Fletcher Christian, Meuterer von der „Bounty“ sei in seine englische Heimat zurückgekehrt und habe sich dort dem berühmten Dichter Wordsworth offenbart, der seinerseits ein langes Gedicht daraus machte; eine Literaturwissenschaftlerin, die dieses Gedicht sucht; unheimliche Konkurrenz, die auch vor Mord nicht zurückschreckt.

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Friedrich Ani: Idylle der Hyänen. Letzter Teil

[Nach dem →ersten und dem →zweiten Teil nun der Schluss unserer längeren Betrachtung]

So. Der trügerische Moment ist vorbei. Und mit ihm die Illusion, Friedrich Ani habe in „Idylle der Hyänen“ „Genregrenzen“ bewusst übertreten. Sagen wir stattdessen die bittere Wahrheit: Friedrich Ani erweist sich in „Idylle der Hyänen“ als langweiliger, pfuschender, in höchstem Maße uninspirierter Autor von „Kriminalromanen“. Er muss, das ist meine feste Überzeugung, Kriminalromane verabscheuen und weist ihnen zum äußeren Zeichen seiner Verachtung eine Sprache zu, aus der so ziemlich alles, was Sprache zu Literatur macht, eliminiert wurde:

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