Rea-lies-muss

Ach, nein, Kommando zurück: Pieke Biermanns Real-Reportagen MENSCHEN-ORTE-KRIMINALITÄT kann man ja gar nicht lesen, nur hören. Alle vier Wochen sonnabends im RBBinfoRADIO 93,1. Aktuell am 16.September 2006 um 11:45 Uhr, Wiederholungen um 19:45 und in der folgenden Nacht um 00:45 und 05:45, damit man Gelegenheit hat, sie aufzuzeichnen, abzuschreiben und als Liesmuss real auswendig zu lernen. Diesmal erzählt Dr.Behnaz Memari, Unfallchirurgin aus der wahren Idylle der Hyänen.

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Juhu!

Jetzt hab ich’s schriftlich: Meine brotberufliche Tätigkeit endet „definitiv“ zum 30.9.2006, wegen „fehlender Projekte und Fördergelder“. Heißt: Aus meinem berufsbegleitenden Krimibloggen wird ein vollzeitlich ehrenamtliches, nicht einmal mit einem Euro die Stunde honoriertes Krimibloggen. Das hebt doch.

Friedrich Ani: Idylle der Hyänen. Teil zwei

[Und es geht weiter. Nach →Teil eins nun die Fortsetzung der Rezension von Friedrich Anis „Idylle der Hyänen“]

In Ordnung. Wir wiegen uns noch immer in der trügerischen Illusion, hinter alledem stünde ein souveräner Schöpfer, ein Autor=Gott gewissermaßen, der sowohl die Ansicht, Romane müssten Geschichten erzählen, negiert als auch dem Genre, das ihn über Jahre gut genährt hat, ein Armutszeugnis ausstellt.

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Wie ich einmal einen Saal zum Kochen brachte

Reist ein Saarländer in die Pfalz, kann er was erzählen. So wie der gute Markus Walther von →saarkrimi.de, den eine Lesung des Krimiautors Bernd Franzinger bis nach Kaiserslautern trieb, Heimat des schlechten Fußballs und der gespuckten Mundart. Tja, und siehe da: Herr Franzinger liest Hinternet – und heizt auf meine Kosten die Stimmung an.

„Kaum hatte ich mir in den hinteren Sitzreihen noch einen Platz ergattert, startete Bernd Franzinger mit seiner Lesung. Während ich jetzt erwartet hatte, dass er gleich aus seinem neuen Buch vortragen würde, begann er jedoch über die Kritik zu seinen vorangegangenen Büchern zu sprechen. Als Beispiel hatte er eine Rezension von Dieter Paul Rudolph aus dem Hinternet zu seinem Buch Dinotod gewählt, die er nun genüsslich in allen Einzelheiten vortrug. Die „freundliche“ Beschreibung der Pfälzer heizte die Stimmung Stück für Stück, Zeile für Zeile an. Gegen Ende der Rezension kochte der Saal. Während ich mich langsam fragte, ob man mich etwa als Saarländer erkennen könne, glättete Franzinger jedoch die Wogen, indem er erklärte, dass er sich ob derartiger Kritik nun darin bestätigt sehe, dass er bisher in jedem seiner Bücher einen Seitenhieb auf die Saarländer untergebracht hätte.“

Sollten auch Sie zufälligerweise in der Pfalz gastieren und einen Saal zum Kochen bringen müssen: →hier ist das Spezialrezept aus der Musterküche von Hinternet.

Gut gebrüllt, Gustav

Wer mag, wenn er eine Woche Bild intensiv gelesen hat, noch vorbehaltlos Chefredakteur Kai Diekmann, Verlagschef Mathias Döpfner und Verlegerin Friede Springer begegnen? Dass diese Personen geachtete Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft bleiben können, das ist das eigentlich unfassbare Skandalon, das Henschels Buch wieder ans Licht hebt.

Gustav Seibt in seiner Rezension von Gerhard Henschels neuem Buch „Gossenreport. Betriebsgeheimnisse der Bild-Zeitung“ in der heutigen Ausgabe der Süddeutschen: →Die Sozialisierung des Schnüffelns.

Robert Greer: Head Shock

Unsterblichkeit, Unverletzlichkeit, Selbstheilung. Die moderne medizinische Grundlagenforschung ist auf der Suche, die Grundsehnsüchte der Menschheit zu befriedigen. Untersuchungsobjekt sind heutzutage allerdings noch die einzelnen Zellen, aus denen unser Körper aufgebaut ist und deren Umgang mit Stress sowie die Möglichkeiten, entstandene Schäden an der genetischen Ausstattung der einzelnen Zellen zu reparieren.

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Madeleine Peyroux: Half The Perfect World

Bei vollendeter Perfektion muss man manchmal aufpassen, dass man den hohen Standard nicht als Normalität abtut. Die ersten beiden Songs von „Half The Perfect World“ haben mich fast ein bisschen enttäuscht. Mit ihren gleichermaßen routinierten wie versierten Musikern wirken „I’m All Right“ und „The Summer Wind“ beim ersten Hören nur wie eine Erfüllung der Vorgaben. Perfekt in Szene gesetzt, aber der Funke springt noch nicht über.

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Die offizielle Leseprobe

Es war ein einziges Basteln, ein Konstruieren und Verwerfen, aber jetzt wird daraus allmählich ein brauchbares Ergebnis. „Die Zeichen der Vier“ heißt meine Studie zu Astrid Paprottas Ina-Henkel-Krimis, hoffentlich noch vor Weihnachten via NordPark Verlag wohlfeil auf dem Gabentisch des Krimilesers befördert, und da man bei Geschenken schon mal leicht den Deckel öffnen und reinspitzen lassen sollte, gibt es jetzt eine Leseprobe. Nach einer notwendigen kurzen Vorbemerkung.

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Regula Venske: Mord im Lustspielhaus

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Der Beginn unserer Eisenbahnlektüre der neuen Kaliber .64 – Krimis steht unter einem schlechten Stern. Okay: der Sommer ist zurück und mit ihm das fröhliche Geschnatter luftig bekleideter junger Damen, die wahrzunehmen natürlich nichts mit Eros zu tun hat, sondern nur mit Ästhetik und schierem Ergötzen an bunten Stoffen. Nicht okay: kurzhemdsärmlig schwitzende Mittelaltermänner, die sich gegenseitig aus der BILD-Zeitung vorlesen und die Kommentare zuwerfen wie ploppende Tennisbälle: „Schumi hört auf! Weißte schon?“ „In echt? Find ich nicht gut.“ „Nee, obwohl. Und jetzt wolln’se auch noch die Tabaksteuer erhöhen!“

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Für die gebildeten Stände

Ich wende mich heute an diejenigen, denen Krimi nicht genug ist, diejenigen, die sich in Metaphern suhlen, in Weisheiten wälzen wollen, bei denen sich der Höhenrausch der Dichtung erst im Tiefsinn der Gedanken einstellt, diejenigen, die selbst einem umgefallenen Fahrrad die philosophische Zuwendung nicht versagen wollen. Kurz: All diejenigen, die notorisch nachdenken, sobald man ihnen etwas vordenkt, erhalten von mir, ganz exklusiv, nun ein Geschenk. Krimisätze für die gebildeten Stände.

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B.M. Gill: Herzchen

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Noch bevor sich psychopathische Serienmörder die Buchladenklinke in die Hand gaben, betrat ein perfider, eiskalter Killer die literarische Welt, der all die populären Auswüchse grausamer Phantasien glatt in den Schatten stellt: Zanny Moncrief, zu Beginn der Romanhandlung 6 Jahre alt, ein leicht moppeliger Engel, unberührt von jeder moralischen Anwandlung. Kleine Stiefbrüder, die ihr im Weg sind: husch, ertränkt im Gartenteich, die Stiefschwester: leider verpasst, dafür brennt ein zufälliges Opfer, kann passieren.

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