Ein ruhiger Morgen in den Redaktionsräumen von Hinternet. Fräulein Katja wiegt den Kronprinzen, Nachwuchskraft Jochen König büffelt für den Jagdschein, Kollege Bernd Kochanowski grübelt über seiner neuen Doktorarbeit, „Bakterienkrimis im Wandel der Zeiten“. Dass sich Fräulein Anobella die Fußnägel lackiert, ist inzwischen zum festen Anblick eines jeden beginnenden Arbeitstages geworden und wird nur noch von dpr, dem Fahnenträger des guten Anstands, bemängelt. Was aber ist mit dem Chef los? Walter tigert durch die Räumlichkeiten, dann bleibt er am Redaktionstisch stehen und flucht in die Runde: „Und welchen Krimi schenke ich meinem Onkel Erwin zu Weihnachten? Hä?“
WeiterlesenDas Treffen von Schwerte
( „Zur Ästhetik der Kriminalliteratur“ – so lautete der Titel einer Tagung, die vom 31. Oktober–1. November 2006 im Haus Villigst bei Schwerte über die Bühne ging. Unser Gesellschaftsreporter Joachim Feldmann hat sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen und erstattet nun exklusiv Bericht (bevor er sich wieder seinem anderen Steckenpferd, der verdienstvollen Zeitschrift →„Am Erker“ widmet.)
WeiterlesenNorbert Horst: Blutskizzen
Leichensache – Todesmuster – Blutskizzen. Schon die Titel der Kriminalromane Norbert Horsts weisen den Weg; vom Konkreten über das Abstrakte hin zum Vorläufigen. Es ist der umgekehrte Weg, auf dem Ermittler gemeinhin vorwärts schreiten, Ermittler, die Polizisten oder Schriftsteller sein können oder, wie im Falle Norbert Horsts, beides Blutskizzen. Konstantin Kirchenberg und KollegInnen werden mit einem Serienmörder konfrontiert, der ältere Männer tötet und nackt in Müllcontainern entsorgt. Die Ermittlungen laufen an, erste Muster kristallisieren sich aus dem Faktengemenge, frühere unaufgeklärte Morde passen ins Raster und recht bald schon gerät ein Tatverdächtiger ins Visier der Beamten. Er, jetzt biederer Buchhalter, Familienvater und Mitglied einer christlichen Sekte, ist schon einmal wegen des Mordes an einem älteren Mann verurteilt worden, und die Indizien, dass er weiterhin tötet, verdichten sich bis zur Gewissheit.
WeiterlesenHope Of The States: Left

Zu den bekanntesten Britpop-Bands zählten Hope Of The States nie. Dabei haben sie einige ganz überragende Songs geschrieben: etwa „Sing It Out“ vom aktuellen Album „Left“. Ein treibender, hypnotischer Britpop-Song.
WeiterlesenMaximilian Hecker: I’ll Be A Virgin…
Der Berliner Sänger und Multiinstrumentalist Maximilian Hecker bleibt seiner bisherigen Linie treu. Auch Album Nummer vier wird von wunderschöner Melancholie beherrscht.
WeiterlesenHatebreed: Supremacy
Der Bandname, zu deutsch: Hassbrut, ist weiterhin Programm. Hasserfüllte, wütende Songs sind auch auf „Supremacy“, dem fünften Album der New Yorker Hardcore-Band, bestimmend.
Nur gelegentlich wird das Tempo gedrosselt. Und dennoch verlieren die Songs nichts an ihrer Brutalität. Dass Dauer-Brüller James Jasta noch nicht seine Stimme verloren hat, ist mehr als erstaunlich.
(7 Fritten)
Hatebreed: Supremacy
Roadrunner/Universal
VÖ: 25.8.2006
Wickerts Bücher
befasst sich morgen mit Krimis (Wickert:Jetzt wirds spannend!); genauer mit Friedrich Ani, Anne Chaplet und Henry Hübchen. Und das zur grandiosen Sendezeit von 23. Uhr 15 in der ARD.
Anobella
*seppelt leider zur Sendezeit durch die Pfalz
Box Codax: Only An Orchard Away
Man sollte meinen, Nick McCarthy sei mit seiner Band Franz Ferdinand vollkommen ausgelastet. Doch der Gitarrist fand die Zeit, um mit seinem Freund Alexander Ragnew seine Liebe für 80er Jahre-Electro in Songs umzuwandeln. Leider.
Dies hier ist naiver Electro/Indie-Irrsinn ohne viel Tiefgang, den man getrost überhören kann.
(3 Fritten)
Box Codax: Only An Orchard Away
Gomma/Groove Attack
VÖ: 29.9.2006
The Pipettes: We Are The Pipettes
„We are The Pippetes, the prettiest girls you’ve ever met“, heißt es gleich zu Beginn. The Pipettes haben nicht nur Charme, sondern auch Humor.
Seit einigen Wochen werden sie schon als das nächste Hype-Thema gehandelt. Nicht ganz unbegründet. Die drei Ladies aus Brighton bezaubern mit ihrem amüsanten (nicht lächerlichen!) 60er Jahre-Surf/Trash-Sound. Live werden sie übrigens von Electric Soft Parade- und Brakes-Musikern unterstützt.
(8 Fritten)
The Pipettes: We Are The Pipettes
Memphis Industries/Rough Trade
Thomas Maeder: Die unglaublichen Verbrechen des Dr. Petiot
Wären „Die unglaublichen Verbrechen des Dr. Petiot“ das Produkt einer Autorenphantasie, man würde das Buch mit spitzen Fingern anfassen – um es in den nächsten Papierkorb zu expedieren. Nichts ist eindeutig. Hat Dr. Petiot im von den Deutschen besetzten Paris der vierziger Jahre 20, 60 oder über 100 Menschen vom Leben in den Tod befördert? Wie hat er das überhaupt angestellt? Wer war Mitwisser? Warum verhalten sich Polizei und sonstige Staatsgewalt derart tölpelhaft? Warum widersprechen sich Zeugen so offensichtlich und ändern ihre Meinung so häufig und unbegründet? Ist ein Prozess, gegen den die Grotesken des „Königlich-Bayrischen Amtsgerichts“ wie Bilder aus dem Leben wirken, tatsächlich in der nüchternen Wirklichkeit vorstellbar?
WeiterlesenSekundärliteratur: Stefan Harbort, Das Serienmörder-Prinzip
Stefan Harbort, stellvertretender Leiter eines Kriminalkommissariats beim Polizeipräsidium Düsseldorf, hat sich über 15 Jahre lang mit Serienmördern beschäftigt. Er hat sie getroffen, Briefe gewechselt und seine Erfahrungen/Erkenntnisse in einem Buch mit dem Titel Das Serienmörder-Prinzip zusammengefasst. Es beruht auf über 50 Interviews. Unter anderem beschreibt er den Fall eines amerikanischen GI`s, der bis fünf Minuten vor seiner ersten Tat nicht wusste, was auf ihn zukommt. Er sagte: „Die meisten Menschen wissen nicht, wozu sie fähig sind.“
WeiterlesenDa möchte man nicht mehr weiterlesen
„Patricia Highsmith wurde oft unter dem Label „Krimiautorin“ abgetan. Ihre literarischen Qualitäten wurden dabei oft übersehen.“
Und liest dann halt doch noch ein bisschen.
WeiterlesenVerweht
So geht das. Da schreibt einer einen Krimi, der „Verwehte Spuren“ heißt, veröffentlicht ihn 1891 und jetzt, da der Text als PDF in der →„Criminalbibliothek des 19. Jahrhunderts“ erscheint, sind auch die Spuren des Autors Paul Henkes verweht. Aber der Text bleibt.
Jake Lamar: Rendezvous Eighteenth
Leser der Marseille-Trilogie von Jean-Claude Izzo hatte der Zorn und die Wut, die sich in den Krawallen der unterprivilegierten Einwanderer in den französischen Banlieues letztes Jahr artikulierten, nur wenig überrascht. Rickie Jenks aus Jack Lamars Buch „Rendezvous Eighteenth“, jedoch, seit Jahren in Paris lebender Afroamerikaner, hatte nie Rassismus in Paris erlebt. Was wohl daran läge, so meint seine afro-marokkanische Freundin, dass sein Gang, sein Auftreten und sein Akzent ihn als US-Amerikaner identifizieren und diese seien halt, im Gegensatz zu den afrikanischen Brüdern, auch schwarz noch hoch willkommen.
WeiterlesenSophia: Technology Won’t Save Us
Die Albumtitel von Sophia klingen immer ein wenig wie Statements: Erst mussten wir feststellen, dass Menschen den Jahreszeiten nicht unähnlich sind, jetzt wissen wir, dass uns die Technologie nicht retten wird. Robin Proper-Sheppard ist einfach nicht der Richtige, wenn es darum geht, der Meute ordentlich einzuheizen.
WeiterlesenKurt Krömer: Na, Du Alte Kackbratze!
Allein für zwei Wörter muss man Kurt Krömer dankbar sein: ‚Kackbratze‘ und ‚Pummelfee‘ gehören in jeden Wortschatz und können gleichermaßen als Schimpfwort und Kosename eingesetzt werden. Seit Jahren im Humoruntergrund aktiv, trat Krömer in den vergangenen Monaten aus dem Schatten seiner „Kurt Krömer Show“ auf RBB. Der Duft der medialen Übersättigung weht zwar schon zu uns rüber, aber noch kann man für Neuköllns bekanntesten Sohn die Lanze brechen.
WeiterlesenReliefpfeiler

Ach, ZDF! In deiner wahnsinnig aufregenden Spielshow „Sudoku“ stellt man doch tatsächlich die Frage
Was ist kein Anagramm?
a) Anna
b) Rentner
c) Lagerregal
d) Sudokus
Und der österreichische Charmebolzen Christian Clerici („Ich dachte, Sudoku sei ein Reisgericht“) erläutert für die Ungebildeteren noch, dass ein Anagramm ein Wort sei, das von vorne wie hinten gelesen gleich ist.
Anagramm mit Palindrom verwechselt? Muß dir nicht peinlich sein, ZDF. Hat ja eh keiner gesehen.

Ein dicker Hund
(Ex-Kommissar Wickius, nach einer Intrige denk- und kommentarfauler Blogleser seines Amtes enthoben und in den vorzeitigen Ruhestand geschickt, kennt die Verbrechens- und Kriminalliteratur der letzten ca. 2500 Jahre in- und auswendig, er löst jeden Fall, indem er das literarische Muster dafür sucht. Und Sie? Wissen auch Sie, welche klassischen Fälle den hier in loser Folge geschilderten Mordtaten zu Grunde liegen? Dann nichts wie ran an die Kommentarfunktion! Für alle Unbelesenen gibt es die Auflösung immer ein paar Tage nach der Veröffentlichung der Geschichte.)
WeiterlesenSekundärliteratur: Ingrid Noll
Vor 15 Jahren nahm die Kriminalautorin Ingrid Noll ihre Mutter, heute 105 Jahre alt, in ihrem Haus in Weinheim an der Bergstraße auf. Die Zeit-Redakteure Christoph Amend und Matthias Stolz haben sie besucht und ein Interview mit ihr geführt – ich fand das sehr spannend.
WeiterlesenKrimiWelt-Bestenliste November 2006
So, so. Paulus Hochgatterer steht mit „Die Süße des Lebens“ auf dem Spitzenplatz der aktuellen Bestenliste. Kleine Überraschung. Vor Robert Littell und John Le Carré, einem der drei Neueinsteiger. Die beiden anderen rangieren am Ende der Liste: Norbert Horst mit „Blutskizzen“ und Michael Connelly mit „Vergessene Stimmen“. Was nun keine Überraschung ist, sondern eher der erste Schritt zu sonnigeren Plätzen. Aber das, liebe Leser, schaut ihr euch besser selber an. →Hier.
