Olivier Descosse: In der Höhle des Kraken

Am Ende schaut der Held mit feuchten Augen auf seine Königin, seine Stadt, Marseille. Der Leser nimmt das perplex zur Kenntnis, denn eine solch tragende Rolle hat die Stadt vorher nicht gespielt. Statt dessen herrschte das Gehetze eines weltumspannenden Abenteuerromans vor, und eher wenig der urbane Thriller, womöglich noch tout noir. Nix da. Von Marseille geht’s nach Paris, zurück nach Marseille, auf Tauchgang ins polynesische Tureia Atoll, zum Showdon zurück auf die Insel Porquerolles vor den Gestaden Marseilles, wo alles mit einer angeschwemmten Leiche begann. Habe ich eine Station vergessen? Bestimmt…

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Nichts als Ärger

… hat man mit diesen Kriminaldichterinnen. Da schätzt du pi mal Daumen: Jo, 24 Seiten, das reicht, und dann erkennst du, mitten in der Arbeit: Nee, das reicht nicht. Soeben Seite 20 geschrieben und immer noch bei „Sterntaucher“, der Nummer 2 von vieren. Außerdem: Ungewöhnliche Bücher erfordern ungewöhnliche Maßnahmen. Vier Zeichnungen von Diplomkünstler Wünsch, alles klar. Jetzt aber auch noch die Notwendigkeit, auf zwei Ebenen zu schreiben. Die zweite für Exkursionen ins Grundsätzliche, Asides, Abschweifungen…

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Die Debütantin

Die Presse-Infos des Eichborn Verlags, die von Zeit zu Zeit in meinem Postfach landen, sind zumeist erfreulicher Natur. „Aschemenschen“ von Ulrich Schmid wurde mir so ans Herz gelegt, auch Jan Costin Wagners „Schattentage“, ein Spiel mit den Möglichkeiten des Krimis. Gestern jedoch brachte mich schon die Betreffzeile der neuesten Eichborn-Post schwer ins Grübeln: „Regula Venskes literarisches Debüt ‚Marthes Vision'“. Regula Venske? Den Namen kenn ich doch…

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Die Arbeit der nächsten Wochen

…wird mich fast erschlagen. Erstens: Ich habe hier quasi „das Ganze“. Chef Walter liegt noch erschöpft im Wochenbett, die dynastische Hinternet-Erbfolge ist mit Prinz Vincent jetzt immerhin gesichert. Das noch schüttere Haupthaar des zukünftigen Hinternet-Magnaten erinnert an Zidane und man weiß schon jetzt: Wer dereinst seine Mamma beleidigen wird, geht schweren Zeiten entgegen. Der Knabe wurde Fräulein Katja zur artgerechten Aufzucht übergeben.

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Frl. Katjas Nähkästchen, Folge 30

Frl. Katja ist schwanger

Nein, ich tue nichts für die Rente. Oder: doch. Aber anders, als viele denken. Ich zahle nämlich in die Rentenkasse ein. Ob mein dicker Bauch beziehungsweise sein Bewohner später einzahlt, ist noch völlig offen. Dafür müsste er erst mal einen Job kriegen. Aber das scheint für viele Menschen ausgemachte Sache. Denn der Standardspruch, den man als Schwangere heute hört, ist eben: „Toll, Du tust was für die Rente.“ Gähn. Die demographische Panikmache fordert ein erstes Opfer, nämlich mich. Ich kann es nicht mehr hören!

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Wortspielhölle: 14 juillet

An die Italiener

Schon geht es hin zur Guillotine,
polierter Stahl, entblößtes Haupt.
Das Volk steht gaffend, froh erwartungsvoller Mine,
die Spannung wird emporgeschraubt.

(Trommelwirbel…)

Und „schack schirack“ mit präsidialem Klang,
(Fanfaren!)
der Kopf ist ab, da drüben geht es lang.

Revolutionslied, erstmals 1794

Folge 2: Das ultimative Verbrechen

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Kurz vor dem Offenbarungseid? Mehr Krimis gelesen als Georges Simenon geschrieben hat? Stets bereit, die Tinte aus der Feder sprudeln zu lassen, bevor die Ideen aus dem Hirn fontänen? Mit einem Wort: Skrupellos genug, ein(e) deutsche(r) Kriminalschaffende(r) zu werden? Nun denn, wohlan. In unserer neuen kleinen Sommerreihe erklären wir dir, wie du es schaffst, ein Erfolgskrimiautor zu werden und nach 300 Seiten die ersten Millionen an die Pforte deiner Sparkasse klopfen zu hören. Wir geben dir die ultimativen Ratschläge, wie du wenigstens vier Millionen Krimileser erreichst. Das ist wissenschaftlich bewiesen! Und wie du somit, bei einem durchschnittlichen Honorar von zwei Euro pro Buch (gebunden, Schutzumschlag) 8 Millionen Euro vor Steuern einsacken kannst. Denn vier Millionen mal 2 macht acht Millionen. Das ist mathematisch bewiesen! Heute: Welches Verbrechen wählen wir für unseren Topseller?

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Head Automatica: Popaganda

Plopp, plopp, plopp… – trieb man früher den ein oder anderen Delinquenten tröpfchenweise in den Wahnsinn, versuchen das Head Automatica mit zwei Konsonanten weniger. Mit Pop, Pop, Pop penetrieren sie des Hörers Ohr auf unbekümmerte Art und Weise. Sänger Daryl Palumbo, sonst Schreihals bei Glassjaw, wechselt auch für den zweiten Streich seines Sideprojects Head Automatica das Genre.

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