Szenen einer Ehe (2)

Verheiratet zu sein macht mir nach nunmehr drei Wochen Ehe weiterhin Spaß und bereitet mir tatsächlich große Freude. Einerseits ist die Last sehr groß. Man weiß, man hat seinen Partner fürs Leben (hoffentlich) gefunden. Nun liegt es an einem selbst – an der Kompromissbereitschaft, der Anpassungsfähigkeit, dem Verständnis – die Beziehung nicht zu vernachlässigen. Andererseits gibt einem das amtlich beglaubigte Papier eine vorher nicht gekannte Rückendeckung, sozusagen ein feinmaschiges Netz unter dem Salto Mortale Beziehung, einen Airbag für die Achterbahnfahrt namens Leben.

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The Walkabouts: Train leaves at eight

Wenn The Walkabouts mal etwas Zeit brauchen weil die Stücke für ein neues Album noch nicht beisammen sind und gerade keine Tournee und kein neues Chris & Carla-Projekt ansteht, dann produzieren sie gerne ein „Zwischendurch-Album“. Vor sieben Jahren hieß das „Satisfied Mind“, brachte ihnen viel Kritikerlob ein und versammelte diverse Coverversionen angelsächsischer Musiker. Das neue Überbrückungs-Werk heißt „Train Leaves At Eight“ und ist wieder eine Sammlung von Fremdkompositionen, nur dass sich die Walkabouts diesmal auf Songschreiber vom europäischen Festland beschränken

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Station Rose: Au ciel

Station Rose machen´s einem nicht leicht. Mit „Elektro-Pop“ ist die Musik des Wiener Duos zwar kategorisiert, im Grunde ist aber noch gar nichts gesagt. Vor allem, weil die stilistische Bandbreite der beiden jeden Rahmen sprengt. Von der strengen Reduktion bis hin zum verspieltem, überbordenden Kitsch findet sich auf „Au ciel“ einfach alles. Trip Hop, Drum&Bass, anarchistische Klangkunst, karge, labyrinthische Space-Trips mit verfremdeten Frauenstimmen… Stets mit Groove und Beats, aber auch mit kitzeligen Geräuschen, Sirenen oder sperrigem Noise, selten mit weichem Moog. Und so schnell, wie sich auftauchte, ist die spirrelige Melodie-Linie über den scheppernden Bässen auch schon wieder weg.

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Lane-Marriott: The Legendary Majik Mijits

Hat schon was von Tragik an sich, wenn sich zwei ehemalige Rockstars nach vielen Jahren als Loser wieder treffen. Beide bildeten in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre unter dem Dach der SMALL FACES eines der britischen Songwriter-Duos, neben Lennon/McCartney oder Jagger/Richards, gingen dann mit den FACES bzw. HUMBLE PIE eigene Wege, fanden kurz wieder zusammen (SMALL FACES-Reunion 1976), um dann im Streit auseinander zu gehen.

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Phat World (7)

Was soll ich sagen: Wieder zu spät. Daher ab jetzt keine Versprechungen mehr. ‚Tschuldigung dennoch. Nun aber zu Big L, Busta Rhymes, The Creators, Dilated Peoples, Drama, Eve, Lil‘ Kim, Gunshot, J-Shin, Jurassic 5, The Pharcyde, Trick Daddy, Trina, den beiden Samplern Ryde Or Die Vol. II und 2001: Rhyme Odyssey sowie Absolute Beginner, Das Bo, 5 Sterne Deluxe, MC Rene, Plattenpapzt, Sékou The Ambassador, Spax und Texta.

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Peaches: The Teaches Of Peaches

Sie will, dass wir an ihren Nippeln nuckeln und uns mit einem guten Fick aller Schmerzen entledigen („Fuck The Pain Away“). Und ficken wollen sie wohl alle („Set It Off“). Ja, meine Damen und Herren, sie haben richtig gelesen. Mit Hilfe der Roland MC 505 Groovebox hat Peaches alias Merill Nisker, kanadische Staatsbürgerin wohnhaft in Berlin, ihre eigenen Stücke komponiert, die nun den Weg auf ihr Debüt „The Teaches Of Peaches“ gefunden haben. Entdeckt wurden sie von der Kitty-Yo-Mannschaft in einem Stripclub als sie gerade dabei war, sich auf der Bühne zu entblättern. Das hinterließ bleibenden Eindruck bei Patrick Wagner & Co.

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Spock’s Beard: V

Es ist immer das Selbe: Kaum veröffentlichen Spock’s Beard ein neues Album, betonen alle Journalisten dieser Welt gebetsmühlenartig die Klasse dieser Band. Jetzt ist es mal wieder so weit – kniet nieder vor den Prog-Göttern. Wer sich nicht sicher war, wie das Quintett „Day For Night“ noch toppen wollte, bekommt mit „V“ die Antwort: Komplex, ideenreich melodisch und wirklich progressiv ohne ausgelatschten Tonfolgen hinterherzuhecheln.

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Live: Senor Coconut

Stadtgarten Köln, 19.8.2000

Kraftwerk goes Latin

Senor Coconut y su conjunto gelang es mit dem Album „El baile aleman“ die Geschmäcker unterschiedlicher Gruppierungen zu vereinen. Kraftwerkfans, Popfans, Latin- und Elektrofans sind sich ausnahmsweise einig – so könnte die Zukunft elektronischer Musik aussehen. Uwe Schmidt (aka Atom Heart, Lassique Bendthaus, Senor Coconut) sampelte in monatelanger Kleinstarbeit Bruchstücke seiner Latin-Schallplatten und rekonstruierte daraus seine eigenen Versionen von Kraftwerk-Songs. Kraftwerk, die Band, die den typisch deutschen Ruf des kühl und verbeamtet sein repräsentiert, erscheint in warmem süd-amerikanischem Flair – und hat etwas ungewohnt menschliches. Das einzig menschliche bei der Produktion des Albums war die Stimme des chilenischen Sänger Agenis Brito; der Rest kam ausschließlich aus dem Sampler.

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Glassjaw: Everything You Ever Wanted To Know About Silence

In den Special Thanks von Sänger Daryl Palumbo steht der symptomatische Satz „Fuck everyone who looked for the hook“. Da gibt es bei Glassjaw nicht viel zu gucken. Das Album erinnert an eine Kneipenschlägerei, bei der es dazu gehört, sich unvermittelt in den Arm zu nehmen, die Jacke abzuklopfen, um dann ebenso überraschend dem Anderen wieder eins auf die Zwölf zu geben. Fernab jeden Wohlklangs prügelt das Quintett seine Song heraus, um dann sehr überraschend und flüssig in melodische Parts zu wechseln. Die sind aber im Regelfall sehr kurz.

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Interview: Sasha

Sasha ist ein Phänomen. Ein Bravo-Liebling, der auch bei „Zimmer frei“ oder Harald Schmidt einen guten (und vor allem: intelligenten) Eindruck macht. Ein Teeniestar, dessen Musik ganz ohne uffza-uffza-uffza-Rhythmen auskommt. Grund genug für unsere Fachfrau für Charts-Fragen, mit Sasha ein Telefongespräch über das Wesen des Pop, Brusthaare und singende Schauspieler zu führen.

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Brazilectro – Latin flavoured Club Tunes

Dass eine Compilation mit dem Titel „Brazilectro“ versucht, auf einen fahrenden Zug aufzuspringen, ist klar. Doch die Idee, einem brasilianischem DJ die Auswahl zu überlassen, klingt nach Authentizität, nach Kompetenz und rotem Faden. Was tun aber, wenn der Mann nur laue Lüftchen zusammenträgt, die lustig durcheinandergewirbelt auf zwei CDs gezogen werden und den Hörer mehr verwirren als weiterbringen? Ein Konzept gibt es auf diesem Sampler nicht, der schwammige Untertitel „Latin flavoured Club Tunes“ hätte es eigentlich schon vermuten lassen können…

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Szenen einer Ehe (1)

Früher hatte ich eine Freundin. Damit ist seit ein paar Tagen Schluss. Nein, nicht mit ihr, sondern mit dem Status des Freundinnenhabens. Ein kurzes Ja mitten im Post-Junggesellenabschiedsfeierrausches genügte und: aus der Traum. Nie mehr Freundinnen, nie mehr Beziehungen. Statt dessen: Verheiratetsein und Ehe-Alltag. Manch einem soll beim Erklingen des Wortes Ehe ein eisiger Schauer über den Rücken laufen. Ich hingegen hatte kaum Zeit in den Stunden vor dieser weitreichenden Sekunde des Ja-Sagens über Sinn oder Unsinn nachzudenken – geschweige denn nachher: Händeschütteln, Küsschen hier, Küsschen da, Feiern, Wohnung putzen (Stroh im Bett und dieser miesen Scherze nachts um vier), Flittertage (ganze drei an der Zahl), Ämterochsentour, links liegengebliebene Arbeiten erledigen etc.

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Sonic Youth: NYC Ghosts & Flowers

Sonic Youth live zu begutachten ist nicht unbedingt ein Ereignis dem man mit großer Vorfreude entgegenblicken muss. Thurston Moore, Kim Gordon, Lee Ronaldo und Steve Shelley können sich ohne weiteres in Trance spielen und damit in improvisierten Versatzstücken ihrer Songs verlieren und das Publikum auf eine Geduldsprobe stellen. Sie übertreiben es öfters gerne. Liest man sich dann die Liner Notes ihres neuen Albums „NYC Ghosts & Flowers“ durch und stolpert über den Namen Jim O’Rourke, der für den Job des Produzenten engagiert wurde, kann unsereins Böses erahnen. Sollten sich Sonic Youth dem Chicagoer Avantgardisten gnadenlos ausgeliefert haben? Jein.

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Terry Radigan: Terry Radigan

Mit dem ersten Lied „My Love Is Real“ scheint das Genre schon sicher: Terry Radigan ist ein „Nashville Girl“. Dieser Eindruck kann sich noch mühsam bis zum dritten Lied halten, um dann Song für Song widerlegt zu werden. Ihr Wurzeln sind zwar hörbar im Folk und Country, aber durch einfallsreiche Arrangements und überraschende Sounds erweitert die Multiinstrumentalistin ihr Spektrum beachtlich.

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