
Schweizer Kolumne (2)
Wenn die Leute im Konzert klatschen
Musikproduzent Ry Cooder, Wiederentdecker der kubanischen Altstars vom „Buena Vista Social Club“ hat es schon selbst gesagt: Die Musik der „Supergrossväter“ von der Zuckerinsel locke vor allem die weisse Mittelklasse an, die Jugend in den lateinamerikanischen Ländern könne damit nicht viel anfangen. Cooder störte das ein bisschen, und er hoffte, mit dem Nachfolge-Album von Ibrahim Ferrer ein grösseres und gemischteres Publikum zu finden. Der „Social Club“ ist seit drei Jahren Lieblingstonspur für unzählige Bar-Abende, am liebsten unter freiem Himmel, und der Schmelz in der Stimme des fünfundsiebzigjährigen Ibrahim Ferrer ist kaum zu überbieten. Ihre Songs beschwören wie der Rauch einer feinen Zigarre Bilder herauf aus alten Filmen, in denen die Welt noch einigermassen in Ordnung, das heisst romantisch und leidenschaftlich war.
WeiterlesenSampler: Progression Sessions.
Die Progression Sessions gehen in die nächste Runde. Wieder einmal ist es LTJ Bukem, der zu einem wie immer begeisternden Drum’n’Bass-Vergnügen einlädt. Alle zehn feilgebotenen Tracks auf dieser Compilation sind unreleased und werden auf zukünftigen 12-Inches aus dem Hause ‚Good Looking‘ zu finden sein.
WeiterlesenWeen: Paintin‘ The Town Brown.
Ween sind eine absolute Ausnahmeerscheinung am Rockfirmament. Egal, was die Band plant und in die Tat umsetzt, man kann ihr nichts übel nehmen. Die Gebrüder Ween haben Narrenfreiheit. Angefangen hatte alles 1992 mit „Pure Guava“. Diesem folgten „The Pod“ und das exzellente „Chocolate And Cheese“, das nicht nur wegen seines Covers für Aufsehen sorgte. 1996 legten sie dann ihr Country-Album „12 Golden Country Greats“ nach – ein sehr unterhaltsames Stück Musik, allerdings entgegen seinem Titel nur schlappe 10 Songs lang. Ja, so sind die Ween-Brüder: unberechenbar.
WeiterlesenTricky with DJ Muggs and Grease: Juxtapose
Tricky alias Adrian Thaw hat sein emotionales Tief überwunden, das er uns noch auf „Angels With Dirty Faces“ vermittelte. Zwar ist seine langjährige Mitarbeiterin Martina Topley-Bird ausgeschieden, dafür ist sein britischer Kollege Grease als MC eingesprungen. Zur weiteren Unterstützung holte sich der Meister mit der Kettenraucherstimme den Cypress Hill-Recken DJ Muggs und Neuentdeckung Kioka, die in den Stücken „Hot Like Sauna“ und „She Said“ zu hören ist, ins Boot. Insgesamt ein Team, das einen soliden Eindruck hinterlässt. Besonders Grease entpuppt sich als wahrer Rhyme King.
WeiterlesenTindersticks: Simple Pleasure
Liebe Plattenfirma, da hast Du ins in diesem Sommer endlich mal wieder ein reguläres und mit neuen Kompositionen bestücktes Album der Tindersticks beschert. Das finden wir natürlich ganz toll. „Can We Start Again?“ fragt gleich der Opener. Möchten Tindersticks etwa wieder von vorne anfangen? Sollen wir all ihre bisherigen Veröffentlichungen vergessen und all unsere Wißbegierde auf „Simple Pleasure“ bündeln?
WeiterlesenHelge Schneider and the Firefuckers: Eiersalat in Rock
Der Einstieg in die aktuelle CD („Eiersalat in Rock) des Konzeptkünstlers Helge Schneider könnte nicht pointierter sein. Der Opener „We are the Firefucker“ setzt betont ein betont luftiges, intimes und dynamisches Klangbild ab. Insgesamt muß gesagt werden, daß bei allen Rezensionen des Komponisten Schneider immer wieder die klangtechnische Komponente zu kurz kommt. Die Aufnahmephilosophie von Schneider orientiert sich an dem One-To-One Verfahren, das im 26-Bit-Verfahren abgemischt wird, wodurch die Musiker besonders feinsinnig interpretiert werden. Die Wucht der Orchester-Tutti wechselt sich mit feinsinnigen Schwelltönen der Solisten und zeigt Schneider als jenen entdeckungswerten Künstler, der uns auch schon Werke wie „Dahumm“ abgeliefert hat.
WeiterlesenLimp Bizkit: Significant Other

Ich liebe diese Band seit ihrem Auftritt auf dem Dynamo Open Air vor drei Jahren. Mittags mussten sie als erste Band den Tag auf der Hauptbühne eröffnen. Als ich einen Tag zuvor in einer Broschüre las, dass DJ Lethal von House Of Pain bei den Jungs mitwirkt, war für mich klar, dass ich sie sehen musste. Und die Vorfreude wurde nicht enttäuscht. Limp Bizkit zogen ordentlich vom Leder und gingen als Sieger von der Bühne. Das sahen viele anders. Ihr Debüt ging in der Presse sowieso total unter. Niemand schien Notiz von den Kalifornier zu nehmen. Selbst bereits geführte Interviews meinerseits wurden nicht abgedruckt, da die Band zu unwichtig sei.
WeiterlesenLimp Bizkit: Significant Other
Ich liebe diese Band seit ihrem Auftritt auf dem Dynamo Open Air vor drei Jahren. Mittags mussten sie als erste Band den Tag auf der Hauptbühne eröffnen. Als ich einen Tag zuvor in einer Broschüre las, dass DJ Lethal von House Of Pain bei den Jungs mitwirkt, war für mich klar, dass ich sie sehen musste. Und die Vorfreude wurde nicht enttäuscht. Limp Bizkit zogen ordentlich vom Leder und gingen als Sieger von der Bühne. Das sahen viele anders.
WeiterlesenOrchestre National de Barbès: Poulina
Ich kann mir den kompletten Namen nicht merken, aber in Paris gibt es eine Métro-Station, die das Wort „Barbès“ im Titel trägt, und aus einen Pariser Viertel mit maghrebinischen Einanderern kommt auch das „Orchestre National de Barbès“. Es zeugt von Selbstbewußtsein und Humor, wenn sich ein Konglomerat von 12 Mann nordafrikanischer Abstammung (Marokkaner, Algerier etc.) „Nationalorchester“ nennt, und das ist schonmal eine prima Visitenkarte!
WeiterlesenLos Lobos: This Time
Wer im Sommer seinen Grill anschmeißt und mit einem Bier in der Hand auf das saftige Steak oder die goldbraun gebrannten Maiskolben wartet, der sollte zwecks perfekter Stimulans „This Time“ von Los Lobos in den Player schieben. 1973 wurde die Band von David Hidalgo, Cesar Rosas, Louis Perez und Conrad Lozano gegründet. An diesem Line-up hat sich über all die Jahre nichts geändert. Lediglich Steve Berlin ist neu hinzugekommen. Der stieß aber erst Anfang der Achtziger zur Band. Seitdem zählen die mexican americans zu den Größen im Rock’n’Roll-Business. Wer kennt nicht ihren Hit „La Bamba“, Titelsong des gleichnamigen Films? Doch „La Bamba“ ist noch lange nicht alles, was Los Lobos zu bieten haben.
Ray Wylie Hubbard: Crusades of the restless knights
Also, die Plattenfirma nennt Ray Wylie Hubbard – mit Blick auf seine verschlissenen Jeans und den „scruffy“ Bart – einen Dante Alighieri, verkleidet als Willie Nelson, wenn der seine musikalische Höllen-Tour veranstaltet. Nun, ich bin nicht gebildet genug, Dante Alighierie zu kennen, aber vielleicht hilft´s Euch ja weiter.
Tja, wenn einer schon Ray Wylie Hubbard heißt, dann riecht es zehn Meter gegen den Wind nach rotem Sand und Southern Temperament – und richtig, Hubbard stammt aus Dallas und ist der Texas-Szene treu geblieben – bis heute.
WeiterlesenDead Moon: Destination X

Schade, schade, schade. Gern würde ich Dead Moon (ein Trio, gibt´s seit 1988, offenbar aus den USA) weiterempfehlen, denn ihr Stil gefällt mir, er liegt irgendwo zwischen Garagen-Punk und Hardrock, cruncht, rockt und klingt bisweilen so rhythm´n´bluesig wie die frühen Stones. Handwerklich stimmt alles, und auch die Songs sind knackig und eingängig.
WeiterlesenThe Beta Band: The Beta Band

Es geht Schlag auf Schlag. Nach „The Three E.P.’s“ stellt die Beta Band innerhalb weniger Wochen ihr bereits zweites Album auf dem deutschen Markt vor. Dieses Mal haben sie sich erst gar keinen Namen ausgedacht für ihre Reise quer durch ihr schier unerschöpfliches Ideenreservoir. Auf Samples und anderen elektronische Schnickschnacks hat die Band zwar nicht völlig verzichtet, dafür diese auf ein gesundes Maß beschränkt, so dass weiterhin von einem modernen Indie/Rock-Album gesprochen werden kann.
WeiterlesenBarry Adamson: The Murky World Of Barry Adamson
Mit „The Murky World Of Barry Adamson“ legt Adamson eine Werkschau der letzten 10 Jahre seines Soloschaffens vor. Der ob seines genialen Baßspiels geschätzte Brite ging nach fruchtbarer Zusammenarbeit mit Howard Devoto, Pete Shelly und Nick Cave eigene Wege, um seine assoziativen und suggestiven Musiken als Solokünstler zu realisieren. Sein Faible für Filmmusiken zeigte sich bereits in Magazine’s Coverversion von John Barry’s „Goldfinger“. Adamsons 89er Solo-Debut „Moss Side Story“ – Musik zu einem imaginären Film – machte einige Regisseure auf ihn aufmerksam. Es folgten zwei echte Filmmusik-Alben: „Delusion“ und „Gas, Food, Lodging“, aber auch auf den Soundtracks zu David Lynch’s „Lost Highway“ und Oliver Stone’s „Natural Born Killers“ wirkt Adamson mit. Auf seinen Solo-Alben verzichtet er allerdings nach wie vor auf real existierende Bilder und überläßt es dem Hörer, in seine eigene imaginär-phantastische Welt zu entschwinden. Die Bilder spielen sich vorzugsweise im Kopf des Hörers ab, am besten in einem abgedunkelten Zimmer.
WeiterlesenAavikko – Oriental Baby
Vielleicht kennt ja schon einer von euch ihr Debüt „Derek“, das vor etwa zwei Jahren in Deutschland auf den Markt kam. Ich war seinerzeit mit Steakknife auf Ochsentour, und ich kann nur eins sagen: Es gibt nichts Witzigeres als mit sieben Narren über die Autobahn zu jagen und drei jungen Narren aus Finnland beim Musizieren zuzuhören. Das ist der Brüller.
WeiterlesenPhat World (1)
Kolumnen sind besonders unter Hinternet-Mitarbeitern schwer beliebt. Insofern habe ich mir es nicht nehmen lassen, mit Phat World eine weitere in Angriff zu nehmen. Diese wird (hoffentlich) monatlich erscheinen und wird sich der nationalen wie internationalen HipHop-Musik widmen. Ich denke, es macht Sinn, sich in kondensierter Form mit diesem ausuferndem Thema zu beschäftigen. Die Besprechungen werden kurz und bündig und in einen Fließtext eingebaut sein.
WeiterlesenDoppelkopf: Von Abseits
Am Anfang stand das Duo Six Pack, mit dem Rapper Falk Ultermöhle und sein DJ Thyes Ruete erste Erfahrung in der Hamburger HipHop-Szene sammeln konnten. Vor zwei Jahren kam die Zäsur und Bubbles trat der Crew bei. Eine Umbenennung in Doppelkopf war die logische Folge – obwohl das mit dem Doppel gar nicht richtig ist. Da sie in Hamburg ansässig sind, müssen natürlich einige shout-outs fallen, um ihren Kollegen, die sich zum großen Teil in der Mongo Clikke zusammengeschlossen haben, Tribut zu zollen und phatte greetings zu schicken.
Einer dieser Kumpanen übernahm gleich die Rolle des Produzenten. Mario Coolman von 5 Sterne Deluxe heißt dieser und hat schon mit seinem Nebenprojekt Visit Venus und einigen Tracks der letzten Fettes Brot-Scheibe („Fettes Brot Lässt Grüssen“) bewiesen, daß er die Regler und Schieber im Griff hat. Andere ließen sich in den Container Studios blicken, um ein paar Raps beizusteuern: Dendemannn von Eins, Zwo und Sammy von Dynamite Deluxe sagen beim Battle-Track „3D“ hallo. Überblickt man die Hamburger Rap-Schule, so fristen Doppelkopf eindeutig die Außenseiterrolle, was sie vielleicht veranlaßte, ihr Album mit dem unter grammatikalischen Gesichtspunkten betrachtet falschen Ausdruck „Von Abseits“ zu betiteln.
5 Sterne Deluxe sind die Clowns, Fischmob an der Schwelle zu Rock und Elektro und natürlich mit absoluter Narrenfreiheit, Absolute Beginners sind die Helden, die mittels smarter Texte und ohrwurmverdächtigen Sounds das Hirn jedes Hörers im Nu erobern – und das mit einer Tonne Flow pro Track. Doch Doppelkopf sind weder lustig, noch verlagern sie ihr musikalisches Spektrum in fremde Gefilde. Statt dessen ist ihr musikalisches Grundgerüst düster und lässig und dürfte kaum jemanden zum wilden auf- und abhüpfen treiben. Doch genau diese Stimmung bildet das optimale Paar zu Falks Texten, die nur bedingt optimistisch sind und fast immer eine abgeschlossene Story erzählen. Falk hat definitiv nichts an Partytexten und seine Berufung nicht der Aufmunterung der Hörer geopfert. Lieber versucht er sie mit interessanten Geschichten, im Old School-Style vorgetragen, zu locken und zu fesseln. So kommen dann solche smoothen Nummern wie „Supa Stah“ (die Geschichte von Schlendrian, dem Super Star Träumer), „Balance“ (mit Bass, Flöte und sanften Gitarrenklängen eingespielt), „Starrin‘ Bubbles“ (supa trauriges und schwarzes Stück) und natürlich oben erwähntes „3D“ zustande.
Und wer hat schon einmal davon gehört, daß einer zusammenstoßende Billardkugeln gesampelt und in einen Track („MMM“) eingebettet hat? Eben!
Doppelkopf: Von Abseits
(Hongkong/EMI)
Interview: Brixx
Kleine Ungarin, ganz groß
„Ich bin ein positiver und spiritueller Mensch. Das möchte ich mittels Musik vermitteln. Ich bin kein Schwarzseher und versuche, die Situationen, die mir gestellt werden, zu meistern, und nicht alles zu hinterfragen. Manche Dinge passieren einfach aus einem bestimmten Grund“, so erklärt Brixx kurz und knapp den Titels ihres eindrucksvollen Debüts „Everything Happens For A Reason“.
Weiterlesen
