Wenn Jagger zum Mikro greift, Richards und Wood ihre Gitarren schrubben und Watts stoisch den Takt angibt, dann erst ist alles ganz vertraut, dann können rüstige Senioren sich zurücklehnen und erleichtert sein, daß es in einer Welt voller Laptops, Tamagotchis und Maggi Fix Produkten noch etwas gibt, woran man sich festhalten kann
Marlon Wilhelm auf SR2 Kulturradio über die neue Rolling Stones-CD „Bridges to Babylon“
Timo Wuerz/Niki Kopp: XCT 2
Was ist das für ein Gefühl, als einzige zu wissen, daß ein Stadion nicht nur mit 25.000 hippen Kids vollgestopft ist, die sich ein Megakonzert anhören wollen, sondern auch mit munter tickernden Sprengsätzen, die ihrer digitalen Fernzündung freudig entgegensehen? Ein Scheißgefühl, vor allem wenn man glaubt, noch eine verschwindend geringe Chance zu haben, die Sache aufzuhalten.
Mit diesem Attentat versucht ein Erzschurke Corky, ein Powergirly wie es im Comic steht, zu erpressen, um ihr die Information über ein Waffenlager zu entlocken, das sie vor Jahren entdeckt hat. Angesichts der Tatsache, daß im jungen 21. Jahrhundert kein Mensch mehr Waffen besitzt, stellt diese Information eine ähnliche Bedrohung dar wie die Sprengungdes Stadions. Sonnige Alternativen tun sich da auf, und ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt.
Niki Kopp und Timo Wuerz legen sich auch mit dem zweiten und letzten Band von XCT wieder mächtig ins Zeug. Statt sich orwellschen Visionen zu verschreiben projizieren sie die gegenwärtige Jugendszene in die nahe Zukunft. Statt auf SF-Versatzstücke wie den Cyberspace zurückzugreifen entwerfen sie ein dekadentes Szenario, das alle Elemente der Gegenwart von der Netzkultur übers Pillenschlucken und Technocult verarbeitet und sich aus der Masse der zukunftsnahen Comics heraushebt, die derzeit wie Pilze aus dem Boden schießen. Dieser Eindruck wird nicht zuletzt durch das für Comics ungewöhnliche Artwork unterstrichen: Montagen, harte szenische Schnitte, halt alles, was das MTV-geschulte Auge so liebt. XCT liest sich wie im Endorphinrausch.
Timo Wuerz/Niki Kopp
XCT - band zwei
Carlsen Verlag 16,90 DM
ISBN 3-551-72892-5
Martin Frei: Gregor Ka im 21. Jahrhundert
Ein wiedervereinigtes Deutschland hätte auch anders aussehen können. Wirtschaftskonzerne hätten die Macht übernehmen können und ein Schattenkabinett hätte den demokratischen Schein nach außenhin gewahrt. Für Zucht und Ordnung hätte eine Volkspolizei gesorgt und statt einer innerdeutschen Mauer wären die Grenzen zum Ausland dichtgemacht worden.
Ein solches Szenario hat Martin Frei entworfen und – wen überraschts – in der (zu) nahen Zukunft, im Jahr 2005 angesiedelt.
WeiterlesenE.L.Doctorow – Billy Bathgate
Jede Zeit bringt ihre eigenen Idole hervor. In der trostlosen Bronx zur Zeit der Depression orientiert sich die Jugend an ganz speziellen Vorbildern. Eines davon ist Dutch Schultz, respektierter Boss eines florierenden Verbrechenunternehmens. Wie viele seiner gleichaltrigen Kumpanen träumt auch Billy Bathgate von dem aufregenden Leben eines Gangsters, nicht nur weil es ach so aufregend erscheint. Wohlorganisiertes Verbrechen ist schlicht und ergreifend ein verlockender Weg, den Dreck der Hinterhöfe hinter sich zu lassen.
WeiterlesenDie Aeronauten – Schuldigung
Neben den beiden Hits „Schuldigung“ und „Countrymusik“ vom 97er Album „Jetzt Musik“ sind 4 weitere Tracks (2 aus dem 95er Album „Gegen Alles“, einer aus der Maxi-CD „Bettina“, einer aus dem Album „1:72“) auf der Maxi. Man erhält hier also einen günstigen Einblick in das Schaffen der Band. Schön sind vor allem die Bläser bei den beiden Hits und früher oder später fängt man sowieso an sich für Countrymusik zu interessieren! (6-Track-Maxi, Laufzeit 19:40)
Dragon Ball 1 – Das Geheimnis der Drachenkugeln
Kulturredaktionen sind für gewöhnlich schnell zu schockieren. Kaum sind hundert Jahre vergangen, fordern irgendwelche modernistischen Wirrköpfe auch schon eine Anpassung der Rechtschreibung an die gegebenen Verhältnisse, ohne zu ahnen, daß sie damit alles tun, um die abendländische Kultur vom Rand der Scheibe zu schubsen. Und als ob das noch nicht genug wäre, bringt der Carlsen-Verlag jetzt den ersten naturbelassenen Manga im orignal japanischen Layout auf den deutschen Markt. Geradeso als ob sich ein Manga nicht vollständig eindeutschen ließe. Akira Toriyamas „Dragon Ball“ kommt im Taschenbuchformat daher und wird von hinten nach vorn und von rechts nach links gelesen. Marketing-Gag eines Comic-Verlags, um ein eher mäßiges Manga zu verkaufen oder das i-Tüpfelchen auf einem erstklassigen Manga-Genuß?
WeiterlesenCartoon der Woche 40/97

In memoriam Roy Lichtenstein: „Der Wahnsinn geht weiter.„
Morrissey – Maladjusted
Der Exzentriker, Lyriker und Popmusiker Morrissey zeigt sich mal wieder von seiner besten, das heißt leidvollsten Seite. „Maladjusted“, unangepaßt, entfremdet – der Titel ist Programm. Morrissey aus dem grauen Manchester bringt es auf seinem sechsten regulären Sololongplayer fertig – wie immer in seinen guten Momenten – Pathos mit Leidenschaft, Zynismus mit Humor und Intelligenz mit Unterhaltung zu verknüpfen. Sei es die mit Ironie hoch drei gewürzte Geschichte eines scharfen Fensterputzers („Roy’s Keen“), sei es ein gefällig-abgründiges Seele/Leib-Drama (die Single-Auskopplung „Alma Matters“) – der homoerotisch-asketisch-neurotische Morrissey findet diesmal fast immer die richtigen Ausgänge aus seinen Wahnvorstellungen.
WeiterlesenKaleef: 53rd State of Mind
„Golden Brown“ beschert den Stranglers 1982 ein wohlverdientes Stück vom Big-business-Kuchen. Eine grossartige Band tut das Unerwartete und bringt einen verträumten Popsong mit subtil-ironischem Text heraus. Die Stranglers werden zum Hausnamen für unzählige Dumpfbacken-DJs, die ansonsten lieber Stock-Aitken-Waterman-Zeugs in Serie abnudeln.
Als Kaleef 15 Jahre später ihre Version von „Golden Brown“ auf den Markt bringen, gibt es keine Überraschungen. Die Recycle-Welle war und ist in vollem Gange, und Leichenfledderei wurde schon weitaus intelligenter betrieben. „You’re talking nonsense“, die Anfangszeile der Kaleef-Version, trifft die Sache ziemlich gut. Einen weiteren pseudo-motivierten Rap über böse Drogen und fiese Dealer, wer braucht das?
WeiterlesenLuna: ihop
Unnötiger Kauf weil zu gut! Unverständlich? Wer sich die Maxi kauft muß die Platte („Pup Tent“) danach sowieso haben, weil Luna schlichtweg phantastisch sind (vgl. Album Kritik). Da aber die 3-Track-Maxi zwei Titel enthält, die auf dem Album drauf sind, kauft man sich die Maxi nur wegen eines Titels (wie gesagt das Album kauft ihr danach sowieso)! Wie auch immer, ein gutes Werk tut ihr auf jeden Fall.
Luna: ihop
(Beggars Banquet)
(Laufzeit 15:49)
Tocotronic: Sie wollen uns erzählen
Gerade im Rahmen von Musik mit deutschen Texten scheint mir die Zunft der Schreiber und Kritiker selten das rechte Maß an Objektivität anzulegen. Auch die Hamburger Band Tocotronic ist hier ein „Opfer“.
WeiterlesenHinternet-Radio 09/97
Montag 22. September 1997, 18.00Uhr
(Offener Kanal Saar, UKW 103,7 und 105,0)

Das Musikprogramm:
- 16 HORSEPOWER: „My narrow mind“
CD „Low Estate“ (A&M) - LAMBCHOP: „My face your ass“
CD „Thriller“ (City Slang/Efa) - RAINRAVENS: „Empty“
CD „Diamond Blur“ (Blue Rose/Rough Trade) - TIM ISFORT ORCHESTER: „Houston Sauerland“
CD „Tim Isfort Orchester“ (Moll/EfA) - PIZZICATO FIVE: „Porno 3003“
CD „Happy end of the world“ (Matador/Rough Trade) - LEE PERRY & THE UPSETTERS: „Dub revolution (pt.1)“
CD „Arkology“ (Island) - LEE PERRY: „Roast fish & cornbread“
CD „Arkology“ (Island) - ATTWENGER: „Ged wer“
CD „Song“ (Trikont/Indigo) - LOTTE OHM: „Wenn sie wirklich will (Rockers Hifi-Mix)“
MCD „Wenn sie wirklich will“ (WEA)

Moderation: Walter Mitty
Mitwirkende: Kai Martin und Ben Grimm.
Hinter-Net! Radio kommt wieder am 27. Oktober, 18.00Uhr
Chris Cacavas: Anonymous
Irgendwann in den Achtziger haben Dan Stuart und Chuck Prophet den guten Chris „Chez“ Cacavas einfach nicht mehr zu den anstehenden Aufnahmen der gemeinsamen Band Green On Red eingeladen. So hat der Keyboarder der Band gedacht, daß in allem Schlechten auch etwas Gutes steckt, sich seine schlummernden Solopläne zu Herzen genommen, die Gitarre gepackt, die Stimme geölt und eine Platte gemacht (Chris Cacavas & Junkyard Love – s/t; 1989 Heyday Records). Mit den Junkyard Love hat er dann weitere 3 Platten aufgenommen (plus zwei Return-To-Sender-Veröffentlichungen beim Mailorder Label Normal).
WeiterlesenFinley Quaye: 3.41 Sunday Shining
Soll ja tatsächlich der Onkel von Tricky sein. Egal. Der Titeltrack kommt wie die platte Version von OMC um die Ecke. Aber unausgeschlafen. Der Knaller ist allerdings die B-Seite „Mashing up Lucifer/Stone the devil“. Dub vom Feinsten. TIP!!!
Finley Quaye: 3.41 Sunday Shining
(Epic/Sony)
Massive Attack: Rising Son
Lebenszeichen von Massive. Sind sie jetzt ihrer Zeit Lichtjahre voraus oder gnadenlos zu spät. Schwer zu sagen. Begeistern kann es mich allerdings nicht. Trotz Velvet Underground-Sample (oder gerade deswegen??) Zwei Bonuspunkte für das schöne Cover.
Massive Attack: Rising Son
(Circa Rec./Virgin)
Underworld: Moaner
„Trainspotting“ – die zweite. Oder was?
Underworld + Film (Batman)=Born Slippy! Zu uninspiriert, um wirklich zu begeistern. Hoffe, die kriegen das zur nächsten Platte wieder besser hin!
Underworld: Moaner
(WEA)
Blue Stingrays: Surf’n’burn

Der Sommer ist fast rum, da kommt ein Klassiker der Sommermusik daher: Surfmusic.
Instrumental, klassisch (einschl. Vinyl-Knistern), zeitlos. Musik für einen 70er Surf- oder Skatboardfilm. Noch besser als Soundtrack für den nächsten Tarantino. Road- und Strandtauglich. Nicht zu empfehlen für den Großstadtbalkon. Das Fernweh wird unerträglich sein.
Blue Stingrays: Surf'n'burn
(Epitone)




