Mit „Eighth“ überraschen uns EDD, sie veröffentlichen eine neue Platte, mit der keiner mehr rechnen konnte. Eher hätte man eine Randnotiz in einer Musikzeitschrift erwartet, die lautet : „Amerikanische Underground Kultband Eleventh Dream Day hat sich aufgelöst“. Die letzte Platte (Ursa major – 1994) lief nicht übermäßig gut, Konzerte der letzten Deutschlandtournee wurden abgesagt und Mitglieder der Band sind auch in anderen Formationen aktiv. So ist Bassist Dough McCombs bei Tortoise an den Saiten und Universalgenie (Produzent und Mitmusiker) John McEntire ist eh überall (Tortoise, Sea and the cake, Gastr Del Sol) tätig. Mit diesen Bands ist z. Zt sicherlich eine bessere Mark zu machen, deswegen überrascht eine neue EDD-Platte und eine geplante Deutschland-Tournee schon.
WeiterlesenInterview: Stella
„Glaubst Du, wir meinen das nicht ernst?“

„Stella“ sind zwar nicht mehr jung, dafür aber trotzdem neu. Sie kommen aus der Hamburger Schule, haben aber mit ihren Kollegen nicht viel gemeinsam. Ihre Lieblingsbeschäftigung ist streiten und auf elegante Art und Weise politische Utopien unters Volk zu bringen.
Das Debut nennt sich ==>„Extralife“: Ein elegantes Stück Musik zwischen Rock, Pop und Wave, das es in sich hat. Hinternet-Mitarbeiter Martin Schrüfer sprach mit den Stellas Elena Lange und Thies Mynther.
WeiterlesenInterview: Laika
Erneuerer der abendländischen Popkultur

„Silver Apples On The Moon“ – so hieß eine der eigenständigsten Platten die im Jahre 1994 auf dem Musikmarkt erschienen sind, und trotzdem waren die Reaktionen seitens der Medien bescheiden. ‚Too Pure‘, eine Art englisches Avantgarde-Label, auf dem zwar schon viele kleine Meisterwerke veröffentlicht wurden, das aber im Allgemeinen als eine Art Insider-Nische für spinnerte Künstler betrachtet wird, saß mit Laikas Erstlingswerk mal wieder zwischen allen Stühlen. Lediglich PJ Harvey, die ihr Debut bei selbiger Plattenfirma veröffentlichte, schaffte den Sprung zum Major-Act. Andere hervorragende Bands, wie Stereolab, Mouse On Mars oder auch Moonshake bleiben den Insidern vorbehalten.
WeiterlesenFred Konkret (2)
Musik mit Klassenbewußtsein
Von Ikonen und Teutonen im Zeitalter 10 nach Techno

Es sind nun ungefähr zehn bis elf Jahre vergangen, seit House und Techno in Deutschland Fuß faßten, die ersten DJ-Plattenläden wie Pilze aus dem Boden schossen und man in den regulären Läden Chicago- und Detroit – Compilations kaufen konnte. In der Zwischenzeit hat Techno (als übergeordneter Spartenbegriff zu verstehen) die traditionelle Rock und Popsparte eingeholt und befindet sich auf der Überholspur. Es ist viel passiert in dieser Dekade der elektronisch erzeugten Klangwelt. Mittlerweile sind Kraftwerk, die heute zu den Elektropionieren zählen, zu Ikonen avanciert, Acid war Anfang der Neunziger Jahre nicht nur ein Synonym für LSD sondern der populärste Clubsound, und die neueste Entwicklung Drum’n’Bass wird zum Rettungsanker für alternde Rockhelden wie zum Beispiel David Bowie. Darüber hinaus sind die tonangebenden Bands diejenigen, die sich der Verquickung von Technosounds und althergebrachten Rockismen bedienen, namentlich The Prodigy, The Chemical Brothers oder Underworld.
WeiterlesenBen Becker: Und lautlos fliegt der Kopf weg

„Und lautlos fliegt der Kopf weg“ ist die erste CD des Schauspielers Ben Becker. Der Bruder der Chanteuse und ebenfalls Schauspielerin Meret Becker („Noctambule“) begann vor einem Jahr, eigene Lyrik vorzutragen. Musikalische Unterstützung fand er dabei in Ulrik Spies und Jaki Engelken, die bereits für verschiedene Film- und Theaterprojekte die Musik beisteuerten. Der ungewöhnliche Titel ist gleichzeitig Programm: „Das Wort ‚lautlos‘ hat etwas Weiches, der Rest hört sich sehr brutal an. Erst wenn Gegensätze aufeinanderprallen passiert was“.
WeiterlesenDie Schienenmenschen: Angriff der Weißen Garde
Was Chauvel und Simon mit dem ersten Band ihrer Reihe DIE SCHIENENMENSCHEN gelang, verdiente mehr als nur einen Achtungserfolg. Der Meinung waren jedenfalls Publikum und Fachleute beim Comic-Salon in Erlangen. Entsprechend riß man sich auch um die beiden als sich die Gelegenheit bot, Alben, T-Shirts und Was-weiß-ich-alles signieren zu lassen.
Der zweite Band ANGRIFF DER WEISSEN GARDE setzt die Geschichte von Wolf Pearce fort, der ursprünglich als Undercover-Agent in die Jaguar-Gang, einer Bande von schwarzen Schienenpiraten, eingeschleust, von seiner Dienststelle geopfert und enttarnt wurde.
Wider Erwarten hat Pearce das Gemetzel und sogar seine eigene Hinrichtung überlebt. Iki Dread, der Chefmechaniker hat ihn gerettet und bringt ihn zu den Söhnen Judas, einer anderen schwarzen Schienen-Gang, die von Schwester-Mutter Matty angeführt wird. Aber auch dort, als Schwarzer unter Schwarzen, wird Pearce als Eindringling gesehen und auch die Söhne Judas sollen vernichtet werden. Dazu ersinnt Pearce` Ex-Chef eine teuflische Intriege: Er spannt eine Horde von durchgeknallten WASPs für seine Interessen ein, bewaffnet sie und hetzt sie hinter den Söhnen Judas her. . .
Was vordergründig wie ein harter Actioncomic daherkommt, ist hintergründig betrachtet auch einer – aber darüberhinaus auch noch viel mehr. David Chauvel, der Szenarist, beweist einmal mehr, daß auch große Themen in kleinen Bildchen an Intensität gewinnen können und Fred Simons Zeichenstil könnte in die Annalen eingehen als die Ligne-Claire der Neunziger. Unbedingt zu empfehlen.
David Chauvel/Fred Simon
DIE SCHIENENMENSCHEN
Bd. 2 - Angriff der Weißen Garde Carlsen Comics
16,90 DM
ISBN 3-551-72242-0
Valerian und Veronique: Im Bann von Ultralum
Wer träumt nicht davon, zwanzig Jahre die aufregendsten Abenteuer zu erleben und immer noch keine Zipperlein zu haben, sondern volles Haar und eine Figur, an der die Schwerkraft keine Wirkung zeigt. Valerian und Veronique, die Agenten des Raum-Zeit-Service, haben sie. Seit sie 1967 der Feder von Jean-Claude Mézières entsprungen sind, haben sie fünfzehn Abenteuer in den Weiten des Weltraums bestanden und das sechzehnte steht ihnen jetzt bevor:
WeiterlesenTrans-Am: Surrender to the night

„Surrender to the night“ ist ein Album-Titel, den man meiner Meinung nach nur wählt, wenn man a) das Mainstream-Hard-and-Heavy-Ghetto noch nie verlassen hat oder b) zeigen möchte, daß man Humor hat. Eine ganz bestimmte Sorte Humor, die eigentlich gar nicht so lustig ist. Wenn dann auf dem Cover auch noch ein Sonnenuntergang zu sehen ist, der ein bißchen zu romantisch für unsere postmoderne Zeit daherkommt, dann ist klar: Bei Trans Am sind wir im Land der intellektuellen Spitzfindigkeiten gelandet.
Leider gilt diese Bestandsaufnahme nicht nur für das Layout des Albums, sondern auch für die Musik. Um das mal klarzustellen: Ich habe nichts gegen Intellektualität – allerdings stelle ich mir darunter etwas anderes vor als akademisches Bildungsbürgertum. Aber genau diesen Eindruck vermitteln die Drei von Trans Am über weite Strecken der Platte: Hier basteln und pfriemeln sich 23jährige ein Album zusammen, das experimentell und anders sein soll und das dennoch sehr bemüht und blutleer klingt.
Neal Stephenson: Diamond Age – Die Grenzwelt
Neben William Gibson gehört Neal Stephenson zu den innovativsten Science Fiction Autoren der letzten Jahre. Wie es scheint, setzt Stephenson bei jedem seiner Romane einen Schwerpunkt auf ein Thema, das ihm als Berufsvisionär auf den Nägeln brennt. In SNOW CRASH, seinem letzten Roman drehte es sich vor allem um Viren und künstliches Leben. In DIAMOND AGE, seinem neuen Buch, geht es diesmal um ein anderes populäres Thema das selbsternannte Zukunftsforscher beschäftigt: Nanotechnik. Daneben bleibt Stephenson allerdings auch seinem Lieblingsthema treu: globale Verschwörungen. Aus diesen beiden Themen entwickelt er die Geschichte eines interaktiven Buches, das brisantes Wissen enthält und die Weltordnung ernsthaft gefährdet, wenn es in falsche Hände gerät.
WeiterlesenGerd Gerken/Michael Konitzer – Trends 2015
Die Zukunft ist ja nicht unbedingt nur das Arbeitsgebiet von Science Fiction Autoren, sondern auch von Marktforschern und Trendscouts. Zwei von ihnen, Gerd Gerken und Michael Konitzer, haben sich dazu hinreißen lassen, ihre Erkenntnissen und Prognosen dem schnöden Volk in Buchform nahezubringen, einem Medium, dem sie in ihrem eigenen Werk auf Seite 84 keine Chance mehr einräumen. Sei’s drum.
Was die beiden Zukunftsprofis in TRENDS 2015 bieten liest sich so wie der Abschlußbericht aus dem Muppet-Labor wo die Zukunft von morgen schon heute gemacht wird.
Peter Kuper/Franz Kafka – Gibs Auf!
Club der toten Dichter, Teil 714
Wie hat der Literaturwissenschaftler Patrick O´Neill mal so schön zu Kafka Übertragungen ins Französische gemeint: „Mein Kafka ist nicht dein Kafka.“ Damit hat er den Nagel auf den Kopf getroffen.
Jeder, der sich mit Kafka beschäftigt, macht sich seinen Kafka selbst. Die seriöse Literaturwissenschaft hat ihren Kafka, der vor allem ‚kafkaesk‘ ist, die jüngeren Intellektuellen haben einen Kafka, der eine Vorliebe für Bodybuilding (damals noch Körperkultur genannt) hatte, gern Motorrad fuhr und begeisterter Jahrmarktgänger war und für viele amerikanische Leser, aber auch deutsche, ist Kafka erstmal ein kleiner, knöchriger Schriftsteller aus dem alten Prag, der phantastisch schrieb, aber irgendwie doch depressiv und paranoid war.
WeiterlesenLucky Luke (Bd 70): Am Klondike
In einem seiner letzten Western spielte John Wayne die Rolle eines gestandenen Headhunters, der sich auf seine alten Tage noch einmal aufmachen muß, seinen gekidnappten Neffen aus der Hand übler Schurken zu befreien. Überall wo er auftaucht erntet er ungläubiges Staunen darüber, daß er als totgeglaubte Legende quicklebendig schießt, prügelt, säuft und all das macht, was ein rechter Westernheld so machen muß. Entsprechend lautete auch der gehauchte letzte Satz des im Sterben begriffenen Oberschurken: „Blake? Scheiße, ich dachte sie wären schon lange tot.“
WeiterlesenDavid Lapham: Stray Bullets
Zwei Typen, der ältere fett und unflätig, der jüngere scheinbar etwas wirr im Kopf, fahren mit einem Amischlitten Größe XXL durch die Nacht. An einer unbelebten Stelle halten sie an. Der junge steigt aus, öffnet den Kofferraum und schleppt eine eingewickelte Leiche in den Wald. Ein Cop auf Streife sieht den Wagen am Straßenrand und will den Fahrer kontrollieren. Kurz darauf ist er das zweite Opfer. Und er ist nicht das letzte, denn das Killerpärchen, das eigentlich nur eine Frauenleiche loswerden will, stolpert ungewollt aber zielsicher von einer Scheiße in die nächste – und immer gibt es Tote. STRAY BULLETS der Titel dieser Reihe sagt es bereits.
WeiterlesenLaika: Sounds Of The Satellites
Eines der innovativsten Labels mit einem weiteren innovativen Act meldet sich zurück. Was sich anhört wie die kühle Feststellung eines gelangweilten Rezensenten, ist vielmehr ein Stoßseufzer mit dem imaginären Anschluß „Gottseidank“! Auf einem Major hätten Laika ernsthafte Chancen (zumindest in England) den Sprung ins Big Business zu schaffen. War der Vorgänger „Silver Apples On The Moon“ ein Stück ungebremste Experimentierfreude bringen Laika ihre Geräuschvielfalt bei „Sounds Of The Satellites“ in eine etwas homogenere Form, was den Gesamteindruck als ein Fließendes Etwas erscheinen läßt.
WeiterlesenGunsmith Cats: Verfolgungsjagd
Die Welt ist hart, brutal und schlecht, aber wir sind die Guten!“ So könnte das Motto der knackigen Waffennärrinnen Rally Vincent und May Hopkins lauten. Und da die Welt, im besonderen die amerikanische Welt und ganz besonders die amerikanische Welt von Chicago, böse und gemein ist und von üblen Strolchen nur so wimmelt, sind die GUNSMITH CATS laufend gefordert.
Als Prämienjäger verfolgen sie Straftäter, ballern wild in der Gegend herum, veranstalten heiße Verfolgungsjagden und tragen scharfe Unterwäsche. Auch im dritten Band geht wieder einiges zu Bruch oder fliegt ganz ungehalten in die Luft als die beiden Mädels mit Gray, einem alten Fiesling, konfrontiert werden. Der hat bei der letzten Begegnung mit den beiden bereits seine rechte Hand eingebüßt und sinnt auf Rache. Kurzentschlossen entführt er die liebe May. Ihre Freundin Rally hat indes einige Abenteuer zu bestehen, bis May aus der Klaue dieses Rüpels befreit ist und sich zum Schluß alles wie selbstverständlich in ein paar Explosionswölkchen auflöst.
Kenchi Sonoda
GUNSMITH CATS - Verfolgungsjagd
Feest Comics 16,80 DM
ISBN 3-89343-578-6
Adventures in Stereo – Adventures in Stereo
Die „Roaring Sixties“ sind wieder da! Das dachte ich jedenfalls während der ersten Takte der „Adventures in Stereo“-CD: Beat-versetzter Harmonie-Pop, der einen augenblicklich auf die Insel der Pilzköpfe beamt, und Easy Listening, der aus dem Fahrstuhl raus auf die Straße geht, natürlich auf die Carnaby Street. Was Jim Beattie – dem männlichen Part des Duos – wohl nie passieren könnte, denn der Schotte hat das ganze Album („selftitled“ oder namenlos?) in seiner Wohnung eingespielt.
WeiterlesenPigeonhead: The Full Sentence
Wer hätte zur Blütezeit Sub Pops, das heißt Anfang der Neunziger Jahre, gedacht, daß auf diesem Label irgendwann einmal eine Modern-Soul-Band erscheinen würde, verbinden auch heute noch viele die in Seattle ansäßige Plattenfirma mit Grunge.
WeiterlesenPavement: Brighten The Corners

Pavement sind nun endgültig in die Songwriter-Ecke abgerückt, und wenn auch ab und zu die bekannten schrägen Elemente aufblitzen, dann erlebt der Fan alter Pavement – Klassiker schon die Höhepunkte auf ‚Brighten The Corners‘. Sicherlich besitzt diese Platte auch drei bis vier schöne Melodien, aber ehrlich gesagt kann ich mich dem Eindruck nicht erwehren, daß sich Steve Malkmus und seine Mitstreiter diesmal vielleicht ein bißchen zu lange ausgeruht haben, bevor es zu den Aufnahmen dieser neuen LP kam. Bis auf ‚Stereo‘ (Die erste Auskopplung) und ‚Embassy Row‘ hat ‚Brighten The Corners‘ weder die Kraft noch irgendeinen Moment, der mich aufhorchen läßt. Die gesamte Spielzeit über plätschert die folky Musik vor sich hin und dabei verbraten Pavement all das, was sich in der Zeit ihres Bestehens an langsamen Nummern so angesammelt hat.
WeiterlesenBabylon 5: Der Preis des Friedens
Nachdem im April ´96 der erste Band der Comic-Reihe BABYLON 5 erschienen ist, liegt nun das nachfolgende Album vor. Der Konflikt zwischen den Erdlingen und den Minbari strebt seinem Höhepunkt entgegen, nachdem Sinclair, ehemaliger Commander von BABYLON 5, in seiner neuen Funktion als Botschafter nach Minbar gereist ist. Kaum angekommen gerät er in den Verdacht, ein Attentäter zu sein: In seinem Gepäck wird ein Lageplan und ein Plasma Auflösungsgewehr gefunden. Alles spricht dafür, daß er das Oberhaupt der Minbari töten wollte, um den jungen Frieden zwischen den beiden Völkern zu zerstören. Der Hinweis zu seiner Ergreifung kam jedoch aus den eigenen Reihen, von der Raumstation BABYLON 5. Nur: Sinclair ist unschuldig. Er ist das Opfer einer undurchsichtigen Verschwörung geworden.
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