Carmen Mc Callum – Mare Tranquillitatis

Terror im Meer der Stille
Carmen Mc Callum, von der IRA in angewandtem Terrorismus ausgebildet, setzt ihre Kenntnisse lukrativ ein und betreibt ein Ein-Frau-Unterehmen für Sabotage, Spionage und Menschenraub. Mitte des 21. Jahrhunderts scheint dieses Geschäft recht einträglich zu sein. Nur mit ihrem letzten Auftrag hat sie sich ein Ei ins Nest gelegt: Für ungenannte Finsterlinge entführt sie Naoko Sonoda, einen weiblichen Häftling aus dem Eisknast, der dort seit 15 Jahren tiefgefroren vor sich hin gegammelt hat wie ein Fischstäbchen mit überschrittenem Verfallsdatum. Obwohl es sich bei ihr um eine scheinbar bedeutungslose Dealerin handelt, sind so ziemlich alle irdischen Sicherheitsorgane und die Yakuza hinter den beiden her. Mit einigen Helfern gelingt ihnen die Flucht auf den Mond.

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You Am I: Hourly, Daily

Es gibt einen Haufen guter Bandnamen. YOU AM I gehört sicher nicht dazu, das klingt sowohl auf englisch, als auch in deutsch (Du bist Ich) ziemlich scheiße. Normalerweise haben die Australier doch immer Stil. YOU AM I sind ein Trio und kommen aus Australien, klingen aber nicht so und sind dort allerdings schon groß, so ging das aktuelle Album „Hourly, Daily“ auf Platz 1 der Aussie-Albumcharts. Nicht umsonst erscheint das Album bei Warner Bros. und ist eine clever gemachte Produktion.

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Supersuckers: Must’ve Been High

Im Beipackzettel des Labels SubPop zur neuen CD der Supersuckers heißt es:
„Ob es Dich interessiert oder nicht. Die Supersuckers machen was sie wollen. Ohne Dich zu fragen, haben sie ihr neues Album Must’ve Been High genannt. Und ohne mit Dir Rücksprache zu halten, haben sie daraus ein astreines Country Album gemacht. Die Supersuckers wären nicht die Supersuckers, wäre dieses Album nicht supercool geworden. Sie haben Must’ve Been High so eingespielt, wie man ein echtes Country – Album einspielen muß. Nach einem Tag voller harter Arbeit haben sie sich abends zusammengefunden und alles gegeben. Das klang schon mal nicht schlecht. Dann haben sie sich professionelle Outlaw-Musiker gemietet, um ihre Fehler zu kaschieren..“

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Yo La Tengo: I can hear the heart beating as one

Nach der B-Seiten Veröffentlichung („it smells like a B-Side“) „Genius and Love = Yo La Tengo“ gibt es nun das reguläre Album der alten Tante Yo La Tengo. Das Werk ist ganz poetisch mit „I can hear the heart beating as one“ betitelt. Der Cosmos von Yo La Tengo ist begrenzt, Veränderungen spielen sich nur im marginalen Bereich ab, unerwartete Dinge gehören nicht zu den bevorzugten Lebensgefühlen. Nukleus der seit 1984 bestehenden Band ist das Ehepaar Georgia Hubley (Drums, Voc) / Ira Kaplan (G, Voc), ergänzt um den etwas fülligen James McNew am Bass, der nach wechselnden Besetzungen so etwas, wie ein festes Bandmitglied zu sein scheint, was auch seine wachsendes Bedeutung bei den Songs erklären könnte. Das Idyll wird durch Produzent Roger Moutenot ergänzt, der nun auch schon seit Jahren dieses Job macht. Bei Yo La Tengo ist alles etwas langsamer und gemütlicher, man könnte anders aber auch sagen, sie sind in ihrem seelischen Gleichgewicht. Na ja, sie machen ja auch keine twenty-something-Musik sondern eher thirty-and-more.

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William Gibson – Idoru

William Gibson, laut Spiegel, „wohl der einzige Science-Fiction-Autor der Welt, dessen Werke eine unmittelbare Wirkung auf die Gegenwart haben“. William Gibson, der mit seiner Neuromancer-Trilogie den Begriff des „Cyberspace“ kreierte, hat jetzt mit IDORU seinen neuen Roman abgeliefert, sehnsüchtig erwartet von einer treuen Leserschar, sicherlich aber auch von den Verlegern – zwecks Säckelfüllen. Wie sonst ist das geradezu parallele Erscheinen in den USA und in Deutschland zu erklären – beim Plattwalzen von Mia Farrows Seelenleben, John Hewitts Liebesleben, etc gang und gäbe, bei einem SF-Roman bisher wohl nicht für möglich gehalten.

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Die Scheibenwelt von A-Z

Den Menschen, die noch nie etwas von Pratchett´s Scheibenwelt gehört oder gelesen haben, sei vorausgeschickt: Terry Pratchett ist der, der wo Bücher schreibt, die auch die Leute lesen, die wo sonst keine Bücher lesen. Aber Spaß beiseite, denjenigen die noch keine Scheibenwelt-Romane gelesen haben, ist nichts entgangen, außer Lachkrämpfen, entlarvenden Darstellungen der menschlichen Natur und Gesellschaft, Nachdenkliches und Amüsantes über den Charakter von Gevatter Tod. Sie haben also nichts geringeres verpaßt außer das, was allgemein als Lesevergnügen bezeichnet wird. Zugeben sie werden seltener das Mittagessen verpaßt haben und über kein Schlafdefizit klagen, aber jetzt mal ehrlich: Wer braucht das schon?

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Sven Böttcher – Wal im Netz

Die Zukunft ist einfach nicht mehr das, was sie einmal war, bevor William Gibson den Cyberspace erfunden hat. In naher Zukunft hängt alles am Netz, Stadtwerke, Post, Pornokanal, einfach alles. Und, wer das Netz kontrolliert, sitzt am Drücker.

Das muß auch Inspector Victor Sherman feststellen, als irgendwann im nächsten Jahrhundert in seiner Dienststelle die Meldung eintrudelt, daß ein Irrer namens Moby Dick in totsichere Systeme eingebrochen ist. Der Spaß hört auf, als Moby Dick seine virtuellen Muskeln spielen läßt und die Wasserversorgung der Stadt lahmlegt.

Der dicke Meeressäuger erweist sich als übermächtiger Gegner für Sherman und seine Crew. Jede Spur endet in einer Sackgasse. Es gibt Ärger mit fliegenden Pizzadrohnen, brutalen Kindergangs und religiösen Massenmördern. Als ob das noch nicht genug wäre will Shermans Freundin auch noch Sex. So richtig körperlich wie früher und nicht virtuell. Es sieht zunächst also gar nicht rosig aus. Doch Shermans neuer Mitarbeiter, der computerbegeisterte Scapegood, bringt virtuelles Licht ins Dunkel und die Verfolgung beginnt. . .

Sven Böttcher, vielen bekannt als Übersetzer von Douglas Adams, schickt mit „Wal im Netz“ bereits zum dritten Mal Inspector Sherman auf Verbrecherjagd. Die Stärke des Romans liegt eindeutig darin, daß man jetzt schon nachlesen kann, wie sich das Neunzigerjahre-Revival im nächsten Jahrhundert anlassen wird: mit lustigen Gerichten wie „Serbische Schlachtplatte“ und „Geschnetzeltes Gorazde“.

Sven Böttcher
Wal im Netz
Goldmann
ISBN 3442435218

Martha Grimes – Freier Eintritt

Der 15jährige Sammy lebt mit seiner Familie in einem schicken New Yorker Appartement. Sein Vater ist erfolgreicher Banker, und seine Mutter verbringt ihre Zeit vorzugsweise vor dem Spiegel – wenn sie nicht gerade auf Beutezügen durch teure Boutiquen ist.

Eines Tages hört Sammy seine Eltern in der Küche über „Die Toten“ reden. Für ihn steht fest, daß es sich um die gleichnamige James Joyce-Geschichte handeln muß oder deren Verfilmung durch John Houston. Erst als ihm eine Reihe zerknitterter Photos in die Hände fällt, dämmert es ihm: „Die Toten“ sind nichts anderes als „The Dead“ – so die liebevolle Abkürzung der Hippie-Band „Grateful Dead“! Und es scheint so, als wären seine Eltern ihre größten Fans gewesen.

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Cailleteau/Bajram: Cryozone – Böses Erwachen

Das Weltall. Unendliche Weiten. Sternzeit 31.12.2059.

Seit zehn Jahren ist die „UNSS Neil Alden Armstrong“ mit 10 000 konservierten Passagieren unterwegs, die sich außerhalb des Sonnensystems ansiedeln wollen. Für die Besatzung des Schiffs ist dies der eintönigste Job schlechthin, bis es an Bord zu einer Katastrophe kommt. Das Energiesystem wird sabotiert und die Siedler müssen aus ihrem künstlichen Tiefschlaf gerissen werden, ohne die notwendige Warm-Up Phase. Dadurch werden sie größtenteils zu Zombies gegen die sich die Besatzung zur Wehr setzen muß.

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Jupiter Coyote: Ghost Dance

Da muß ich jetzt im Trüben fischen, da leider auf die Schnelle kein Bandinfo aufzutreiben war. Es handelt sich wohl um Mitt-Dreißiger Amerikaner, die immer noch ihrem Hobby frönen. Ansonsten haben wohl alle ihren eigenen Gitarrenladen (Hallo, Tocotronic!) oder sind schlimmstenfalls Studiomusiker in Nashville. Na ja, immerhin haben sie es geschafft, 12 für meinen Geschmack überlange Songs (im Schnitt etwa 5 Minuten) aufzunehmen. Was mir wiederum Schwierigkeiten bereitete, das Album am Stück anzuhören. Könnte natürlich auch an meinem permanenten Schlafdefizit liegen, aber ich tippe eher auf zu glatte Produktion in Kombination mit zu platten Ideen.

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Max Cabanes/Sylvie Brasquet: Flirts

Zeit des Heranwachsens

Etwas beschäftigte mich sehr: „Hatte Bruce Lee jemals einen flotten Dreier erlebt?“ Diesem Gedanken hängt die junge Pascale im Kino hinterher, bis sie mit der Bemerkung ihres Begleiters „Wir sind nicht hier, um den Film zu sehen“ wieder in die Realität zurückgeholt wird. Für Pascale ist dieser Spruch nichts Ungewöhnliches. Alle wollen von ihr nur das eine; na ja, sie will es ja auch – irgendwie. Aber das ist alles nicht ganz einfach in der Pubertät mit dem anderen Geschlecht, vor allem nicht, wenn man wie sie aus einem stockkonservativen Elternhaus stammt.

Max Cabanes hat zusammen mit seiner Frau Sylvie Brasquet, von der das Szenario stammt, ein wunderschönes Album gezeichnet, das die Zeit des Heranwachsens aus der Perspektive eines jungen Mädchens schildert. Gleichzeitig räumen die beiden mit dem verbreiteten Klischee auf, in den Siebzigern sei das Leben lockerer, unkomplizierter gewesen. Konflikte mit den Eltern, Lehrern und dem anderen Geschlecht finden immer statt – unbeschwert wirkt die Zeit des Heranwachsens oft erst, wenn man sie hinter sich hat.

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Swell: Too Many Days Without Thinking

Raum
Um ihr viertes Album aufzunehmen, haben Swell das Haus mit der Nr. 41 in San Francisco verlassen. Bei Swell wohl eine sehr bewußte Entscheidung, denn keine andere Band stellte den Aufnahmeort so in den Vordergrund. Der Raum wurde als natürlicher Resonanzkörper verstanden, der den eigenen Sound der Band schuf. Als Zuhörer konnte man sich der Musik von Swell sehr nahe fühlen. Man befand sich im gleichen Raum. Dieser Eindruck wurde durch die Aufnahmen mit einem Mikrofon, welches die Band einfach aus dem Fenster hing noch verstärkt. Ein Bus hielt vor der Tür, Leute stiegen aus und redeten, Autos fuhren vorbei und Swell begann zu spielen. Ich stellte mir vor in einer Ecke zu sitzen und zuzuhören.

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Eläkeläiset: In Humppa we trust – live

Tja lieber Leser, bei dem Bandnamen ahnt man es schon. Wieder einmal hat sich eine CD aus dem hohen Norden Europas in meinen CD-Player verirrt. Finnischer Humor in Musikform. Bildlich gesprochen: Man nehme einen Haufen wenig oder merkwürdig (Bärte, Cowboyhüte, etc.) gekleidete Finnen, stelle sie auf eine Bühne und lausche ihrere Interpretation moderner Pop- und Rockmusik. Eigentlich spielen sie nur Polka und singen Humppa. Andererseits sind es Songs von Queen, Oasis, Billy Idol, The Cure, The Cranberries, Jim Morrison und anderen. Schon die Auswahl der Musik zeigt daß die Jungs vor wenig zurückschrecken.

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Giuseppe Culicchia – Knapp daneben

Walter ist 21, hat sein Abitur in der Tasche und keine Ahnung, was er in der italienischen Gesellschaft verloren hat. Sicher ist nur, daß er weder den Militärdienst ableisten möchte, noch ein Lohnsklave bei Fiat werden will. Also verweigert er erst mal und schreibt sich in der Wartezeit an der Uni für ein paar Philosophiekurse ein. Zuhause geht ihm sein Vater auf die Nerven. Ständig von dumpfen Gameshows zugedröhnt schnautzt der Walter an, endlich etwas aus seinem Leben zu machen, beispielweise eine Karriere bei Fiat.

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Fred Konkret (1)

Nichts Neues von der Insel-Na und?!

Mangelnder Einfallsreichtum und Eigenbrödlertum- so wird die Musikkultur Großbritanniens in der deutschen Musikpresse oftmals stigmatisiert und kritisiert. Ist diese Art Allergie deutscher Rezensenten auf den englischen Musikmarkt die Folge amerikanischer Indoktrinierung während der Besatzungszeit? Ist dieses sich Wehren gegen den Einfluß der Popkultur schlechthin ein Unverständnis für eine Tradition weil man in Deutschland selbst keine große Pop-Tradition vorzuweisen hat? Fred Scholl geht dem Phänomen auf den Grund.

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