Vier neue Stücke der Schweizer, die jedermann für Hamburger hält. Im Vergleich zum Vorgängeralbum „Gegen alles“ wirken die neuen Songs seltsam behäbig. Die Bläsersätze haben sie immer noch dabei, aber so erfrischend anders und eigenständig wie früher ist ihre Musik nicht mehr.
WeiterlesenBikini Kill: Reject All American

Nachdem die Tank Girl-Mania abgeflacht ist, das journalistische und populistische Ausschlachten des neuen/alten Girl-Images als ein ins Feldschreiten gegen jegliche Männerdominanz nahezu aufgehört hat zu existieren, sind nun ebenfalls die Rrrriot Grrrls in den Hintergrund des feministischen Kampfes getreten und lassen Alice Schwarzer im Regen stehen.
Weiterlesen„High Fidelity“-Leseprobe
Der Song, bei dem ich weinen muß, hat mich nie zuvor zum Weinen gebracht. Ehrlich gesagt, mußte ich bei dem Song, bei dem ich jetzt weinen muß, normalerweise kotzen. (…) Der Song, bei dem ich weinen muß, ist Marie LaSalles Version von Peter Framptons <Baby, I Love Your Way>. Man stelle sich vor, mit Barry und Dick in seinem Lemonheads-T-shirt zusammenzustehen, eine Coverversion eines Peter-Frampton-Stücks zu hören und loszuflennen! Peter Frampton! <Show Me The Way>! Diese Miniplifrisur! Dieses dämliche Tütendings, in das er immer geblasen hat, um diesen Donald-Duck-Sound mit der Gitarre hinzukriegen! (…) Ich akzeptiere durchaus, daß ich dringenden Bedarf an Symptomen habe, die mir begreifen helfen, wie traumatisch die jüngsten Ereignisse für mich waren, aber müssen es derart extreme Symptome sein? Hätte Gott sich nicht mit einer kleinen Abscheulichkeit begnügen können, einem Diana-Ross-Hit oder einer Elton-John-Komposition etwa?„
Anmerkung des Rezensenten:
Das „dämliche Tütendings“ heißt „Talkbox“. Man steckt eine dünne Metallröhre in den Mund und singt die Melodie, die man gleichzeitig auf der Gitarre spielt. War eine Zeitlang wirklich Mode, ist aber nicht gut für die Zähne, abgesehen von dem metallischen Geschmack, den man anschließend so schnell nicht mehr los wird. Den m.E. gelungensten Talkbox-Einsatz hört man in „Haitian Divorce“ von Steely Dan (LP „The Royal Scam“).
Im übrigen ist es so, daß Rob eine wesentliche Tatsache verschweigt: Es geschah nämlich bei uns Besitzern des einzig guten Geschmacks tatsächlich auch, daß wir uns bisweilen schwer vergriffen. Also z.B. Genesis- oder Yes-Fans waren. Und man konnte Peter Frampton durchaus ein paar Wochen mögen.
Boksch: Ocker 1-8
Die meisten Scheiben lösen Stimmungen und Gefühle aus. Oder erinnern Dich an etwas.
Ocker 1-8 erinnert an schlechte Träume in denen Neandertaler Heavy Metal Gitarre spielen.
Nick Hornby: High Fidelity
Das ist meine Top 5 der „Romane, um die ich einen großen Bogen mache“:
- Romane, in denen Frauen Männer verlassen;
- Romane, in denen verlassene Männer ihren Frauen nachweinen;
- Romane, in denen es verlassenen Männern nicht gelingt, neue Frauen zu finden;
- Romane, in denen sich verlassene Männer an all die Frauen erinnern, die sie einmal verlassen haben, oder von denen sie verlassen worden sind;
- Romane, die damit enden, daß Frauen zu den Männern zurückkehren, die sie am Romananfang verlassen haben.
Jawbox: Jawbox
Smooth
Wurden die ersten Alben von JAWBOX hoch gelobt, ließen die Verkaufszahlen doch noch Wünsche offen. Das neue Album setzt ihre musikalische Richtung konsequent fort und wirkt aber schon beim ersten Hören sehr gefällig. Dies liegt sowohl an der eingängigen Stimme von Robbins, als auch am gepflegten Einsatz von Akustik-Gitarre, Saxophon und Hammond Orgel. Auch der HiddenTrack Cornflake Girl (Tori Amos) die leichte Mainstream Verschiebung.
Superbilk: Superbilk
Superbilk sind momentan wohl die heißesten Anwärter auf das nächste angesagte Ding aus Deutschland, zumindest kann man das den Reaktionen der Presse entnehmen.
Selten ist mir die Beurteilung einer Platte so leicht gefallen wie beim Debüt der vier Düsseldorfer. Im Überblick: Musik und Produktion klasse, Texte und Gesang nervig.
The Pride: Lipstick Traces
Blue Rose, das Label, das uns schon einige Perlen amerikanischer Songwriter-Kunst beschert hat, bringt uns jetzt eine Band aus der Schweiz. Schaffhausen, um genau zu sein.
War bei Shell der Sound ein echtes Manko, hatten The Pride den richtigen Mann an den Reglern. Hier kracht´s an allen Ecken und Enden. Ich rede hier nicht von Lärm! Der Sound wirkt lärmig und erweitert die Spannungsbögen des Songwritings um mindestens drei Bewußtseinsebenen (vielleicht auch vier).
Yoko Ono: Rising mixes
Yoko Ono legt nach! Überraschte sie im März mit neuem Album, das sie mit der Band ihres Sohnes eingespielt hatte, mit durchaus ZEITGEMÄSSEM Sound, der sich in keine Kategorie einteilen ließ, schiebt sie nun ein Remix-Album (auch durchaus ZEITGEMÄSS) auf dem sich die Creme de la creme des amerikanischen ALTERNATIV-Overgrounds die Regler in die Hand gedrückt hat.
WeiterlesenOST: Kids
Schon etwas älter, aber da der Film hier in unseren Landen noch keine Beachtung fand, soll die dazugehörende Musik nicht das gleiche Schicksal erleiden. Mit dem Inhalt des Streifens will ich mich nicht befassen, da dieser eher mittelmäßig, der Soundtrack dagegen erstklassig ist.
WeiterlesenSampler: Stereo-Cocktail

Du kennst die Situation: Die Grillparty läuft ganz nett, jeder steht rum‘ mit ’ner Wurst oder einem Schwenker, aber es wird keine Fete über die die Leute nächste Woche noch reden. Jetzt kommt Dein Moment: Leg Stereo-Cocktail ein. Plötzlich und völlig unbewußt beginnen Deine Gäste mit dem Fuß zu wippen, egal ob autonom oder christlich-demokratisch.
WeiterlesenShell: Out ofTune
Und wieder eine Band aus dem Weilheim-Umfeld. Obwohl eigentlich „nur“ die Schwester von Mark Kowarsch (Speedniggs, Sharon Stoned, Locust Fudge) am Start ist, bemüht sich die Plattenfirma doch sehr um gepflegtes Namedropping. Man liest Namen wie Christopher Uhe, Schneider, Markus Acher und sogar Evan Dando. Musikerkollegen, die ausnahmslos von den Homerecording-Tapes von Shell derart begeistert waren, daß dabei doch glatt ein Plattenvertrag herausgesprungen ist. (Hört! Hört!).
WeiterlesenThe Secret Goldfish: Aqua-Pet … you make me
Very british, indeed. Genau gesagt: schottisch. Aus Glasgow kommen The Secret Goldfish und pünktlich zur Fußball-EM auf der Rindfleisch-Insel veröffentlichen sie ein Debüt-Album, das so unverschämt unverblümt an die britische Musik der späten Achtziger anknüpft, daß dir der Ball verspringt.
Und da sind sie plötzlich wieder, all die vertrauten Namen aus diesen Zusammenhängen: Vergleiche mit den Buzzcocks, mit Orange Juice, mit Jesus and Mary Chain, der New Musical Express ist begeistert und John Peel hat auch mal wieder eingeladen.
WeiterlesenThe Shines: Last Gospel
Und noch eine Blue Rose-Veröffentlichung. Diesmal keine Schweizer, sondern wieder richtige Amerikaner. Und das hört man auch, denn gleich im zweiten Stück offenbaren sie ihre Rock´n´Billy- und Cow-Punk-Einflüße. Hier wird gerockt!
WeiterlesenHouse of Suffering: Kampf ums Glück
Den Titel für ihr Album hätten House of Suffering treffender nicht wählen können: Die Texte handeln von Glück bzw. von dessen Abwesenheit, Musik und Gesang liefern den Kampf. Tja, wie soll man das nennen? Melodischen Verzweiflungs-Core vielleicht?
WeiterlesenBlind: Life Guard

Die Rezension dieser CD scheint eine besonders kniffelige Angelegenheit darzustellen, da keine(r) meiner Kolleg(Inn)en es wagen wollte nur eine Zeile zu schreiben- aus verständlichen Gründen: in einer überschaubaren Saarbrücker Musikgemeinde ist es nicht sehr verwunderlich, daß einige Hinter-Net!-Mitarbeiter über Umwege oder direkt mit Blind in Kontakt stehen, oder gar in der Band selbst mitwirken.
WeiterlesenI Mother Earth: Scenery and Fish
Nach DIG nun die zweite Scheibe der Kanadier. Ein äußerst gelungenes Album, bei dem I Mother Earth es schafft, die besten Bestandteile der letzten 20 Jahre Rockmusik zusammen zu bringen ohne altbacken, geschweige denn bemüht hip zu klingen. Druckvolles, treibendes Schlagzeug, mit einfallsreichen Percussioneinsätzen; Baß von wummernd bis funky; Gitarren die große Teile des möglichen Spektrums abdecken. Edwyns Stimme voll und immer auf den Punkt gebracht; manchmal träge, phlegmatisch, dann wieder aus der Tiefe aufschreiend.
WeiterlesenWieder keine Anspielstation

Warum darf mein Schwager nicht die Bundesliga kommentieren? Weil dem nichts einfällt? Sätze wie „Das ist einer, der sein Herz in beide Hände nimmt und es dann in die Schuhe rutschen läßt“ sicher nicht. Mein Schwager ist schließlich noch bei Trost
Rechtzeitig zur EM 96 veröffentlichte die Edition Tiamat eine Sammlung von Abrechnungen mit all den semantischen und grammatikalischen Verbrechen, die an uns Fußballinteressierten nahezu täglich in Radio und Fernsehen begangen werden.
WeiterlesenDie Sterne – Was hat dich bloß ruiniert?
Die Sterne beim Major- Label – Belohnung für den Klassen-Primus? Die Veröffentlichung einer Single im Standardformat (1 mal Album-, 1 mal Singlemix plus einen unveröffentlichten und einen nicht Hit-tauglichen Song) zeigt die neue Richtung der Hamburger Schule.
Sony greift nicht nach Schülern ohne Hoffnung auf die Erweiterung des Hörerkreises. Die Radio-taugliche Produktion verliert leider etwas den Charme. Käufer- und rezensorenfreundlich sind auch die Danksagungen der Musiker: Gainsbourgh, Hawkwind, und Hot Chocolate. Das spart Grübeln über musikalische Vorbilder. Leider vergaß Herr Spilker die Erwähnung Rio Reisers, der mit seinem Sprechgesang aus Ton, Steine, Scherben Zeiten über dem Werk thront.
Claes Holmström – My Generation
Soll man versuchen, auf Züge aufzuspringen, die gemächlich auf dem Weg zur Endstation sind, oder soll man nicht lieber gleich einen anderen Weg einschlagen? Philosophische Fragen, kryptischen Inhalts, die man besser nach einigen Bieren in der Kneipe klären sollte, wenn der Alkohol seine Wirkung tut und Plattitüden zu Wahrheit werden läßt. Aber nicht, wenn man ein druckfrisches Buch in Händen hält. Und doch, genau da habe ich mir diese Frage gestellt. Die Ursache allen Grübelns: Neben CLAES HOLMSTRÖM und MY GENERATION prangte auf dem Cover noch ein elliptisches Etikett mit der Information „Der Roman der europäischen Generation X“. Ein Prädikat, das einen 1996 ins Grübeln kommen läßt.
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