Sparta: Austere

Jetzt es geht es los, die musikalische Post-At The Drive-In-Ära. Mars Volta haben just eine EP auf den Markt gebracht, da wollen die anderen Ex-Mitglieder der aufgelösten Emo-Heroen nicht lange auf sich warten lassen. Sparta sind Tony Hajjar (Schlagzeug), Paul Hinojos (Gitarre), Matt Miller (Bass) und Jim Ward (Gesang, Gitarre, Keyboards). Miller spielte vor Sparta bei Belknap, der Rest in eben jener sagenumwobenen Band, die von El Paso aus Rock revolutionierte und alles auf den Kopf stellte.

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Ween: Even if you don’t

Es gab mal einen Supergrass-Hit („Alright“), mit hämmerndem Piano, der klang so ähnlich wie dieser hier. Bei Gitarren würde man „stampfend“ sagen, und das trifft´s irgendwie auch. „Even if you don´t“ ist dennoch eine sehr entspannte Hymne, die sich auch auf einem End-80er-Jahre-Album von George Harrison gut gemacht hätte. Auf „Cloud Nine“ zum Beispiel. Der Sound ist scharf wie eine Rasierklinge, und die gefälliger Melodie hat ´was von Bubblegum-Teenie-Hits der späten 70er. Trotzdem gehen technische Brillianz und 3-Akkord-Appeal in anderen Takes des Ween-Longplays „White Pepper“ charmantere Kombinationen ein.

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Calexico: Service & Repair

Es geht auch ohne schmetternde Trompeten und klirrende Castagnetten: „Service & Repair“ war der Überraschungs-Track auf „Hot Rail“, dem zweiten Calexico-Longplay. Eine schlichte, fast reduzierte Folk-Ballade. Spröde und verhuscht präsentiert, mit Schrammelgitarren und abwesend genuschelten Lyrics, die fast nicht gegen die polternden und scheppernden Percussions im Hintergrund ankommen. Überstrahlt wird all dies von einer bezaubernden, poetischen Melodie und zarter Pedal Steel Guitar. Gold im Herzen, mit einer Schale aus Understatement.

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Sublime: What I Got

Die Ska-Dub-Rocker und Dauer-Haschischkonsumenten Sublime beehren uns posthum mit einer Single-CD, die seit längerem einen Werbejingle eines Handynetzbetreibers untermalt. Nun will sich jene Firma zwar mit der Unterstützung der nach dem Tod ihres Sängers aufgelösten Band brüsten, dabei hat „What I Got“ schon ein paar Jährchen auf dem Buckel. Trotzdem werden sich Sublime (jetzt: Long Beach Dub Allstars) freuen, weiterhin kräftig Tantiemen abgreifen zu können.

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Gallery: Blue

„Blue“ in der Original-Version von Eiffel 65 war schon peinlich genug. Als Melodiccore-Elektronik-Stück wird´s nicht unbedingt besser. Man sollte vielleicht nicht rausposaunen, dass diesmal Deutsche am Werk waren. Um mit grässlichem Akzent und bar jeder Inspiration einen Song zu Tode zu daddeln, der noch nie einer war.

Gallery: Blue
(Virtual Records)

Tocotronic vs. Console: Freiburg V3.0

Die Spezialität von Tocotronic besteht darin, schluffige, laute und oft irgendwie zerrende Gitarrenmusik zu machen. Für ihre Melodien würden zwei oder drei Notenlinien vollkommen ausreichen. Popmäßig simpel und hymnisch sind sie, vor allem aber apathisch. Denn Tocotronic sind die Meister des Midtempo-Rocks. Der Gesang ist klagend, monoton und meistens am Rande des Ausdruckslosen. Als Slacker wurde das Hamburger Trio mal bezeichnet, in Wahrheit aber unterwandert es den Rock durch gezieltes Understatement und gibt ihm durch seine Teilnahmslosigkeit die Leidenschaft zurück. Die Riff-Folgen haben die Einfachheit eines Status Quo-Songs und die Melancholie eines Leonard Cohen. Pathos und Charme sind ein anderes Thema, die Texte auch – eine normale Rockband sind Tocotronic jedenfalls nicht.

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Bananafishbones: Glam

Der Wille zum Ohrwurm klingt aus jeder Note. Doch trotz des lässigen Swings, trotz Schrammelgitarren und Moog bleibt „Glam“ als Popsong allzu flach. Außerdem hören sich Bananfishbones erschreckend stark nach Schülerband an. Mehr als nötig jedenfalls. Weniger Koketterie täte es auch…

Bananafishbones: Glam
(Bonanza/Polydor/Universal)

Travis: Driftwood

Mit dieser zweiteiligen Single-CD wollen uns Travis den Tag versüßen und erreichen dies natürlich auch. Zwar ist eine Doppel-Maxi besonders auf der Insel Gang und Gäbe und irgendwie doch nur dazu da, den Jungs und Mädels das Geld aus der Tasche zu locken, aber diese hier hat es in sich. Schließlich kann man von den vier sympathischen Schotten, die noch keinerlei Starallüren an den Tag legen, nie genug bekommen. Einmal ihnen verfallen, kommt man nicht mehr von ihnen los. Oder?

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Novotones: Me sunny e. p. (7″)

Ansprechende Platten-Cover sind was Feines. Zum Beispiel zwei niedliche Krakelmännchen mit ´ner Fleppe, beschienen von einer ebenso griesgrämigen Sonne. Eines der Männchen macht es kurz: „Me sunny“. Ach so. Wie gesagt, tolles Design. Aber es kommt noch besser, nämlich wenn man die Scheibe abspielt. Die ist genauso wie das Cover: ein Kleinod im fröhlichen Retro-Stil! Und alles instrumental.

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D-Age – Smalltown Boy

Bronski Beat mochte ich eigentlich nie, und die Kastraten-Stimme von Jimmy Somerville habe ich sogar regelrecht gehaßt. Darum habe ich auch erwartet, daß eine Coverversion von „Small Town Boy“, dem Riesen-Hit von Bronski Beat, zumindest um diesen Faktor besser sein muß.

Ist aber nicht so. D-Age aus Berlin ersetzen die Quietschstimme durch einen dramatischen Heuler und machen auch sonst nichts richtig. Dunkel und pathetisch, so muß er sein, der Hauptstadt-Beat. Für alle, die mal wieder richtig deprimiert werden wollen.

Photek – Ni-Ten-Ichi-Ryu

Wie haben Sie das gemacht, Herr Photek? Obwohl dieser Mann ganz offensichtlich an den Brüchen und Pausen interessiert ist und man gerade bei ihm schon lange nicht mehr von „Mustern“ reden kann, sind diese beiden neuen Stücke so zwingend tänzerisch wie die bewegendsten Jump Up-Maxis aus Bristol. Genauso aber kann sie jemand in Anspruch nehmen, der/die sich schon immer ein tiefgründiges Wissen über Rhythmik aneignen und sich eigentlich ein Buch darüber kaufen wollte. Hier erfahren Sie mehr.

More Rockers – 1,2,3 Break / Dis Ya One

Auch wenn der ein oder andere Snaredrum-Sound schon ein wenig verstaubt klingt: die neuen Breakbeats von den More Rockers aus Bristol hüpfen, sind fett produziert und erzählen von einer Leidenschaft beim Produzieren, die niemals zu einem Sich-zu-ernst-nehmen der Produzierenden führt. Deshalb eine willkommene Pause von den apokalyptischen Techstep-Sachen (für die mein Puls auch freudig schlägt). Das hier ist eben mehr so Party im älteren Sinne.

Laika – Breather

Ah, Laika, ah, Atmen. Und zwar Atmen wie bei den Fischen: die ganze Welt wie ein verführerischer Strudel reinziehen, wieder rauslassen, und das alles so schnell, daß es keiner mitkriegt. Dabei blicken Laika wie Fisch teilnahmslos in die Welt, als würde nichts weiter passieren bei diesem ungemein energetischen Treiben. Das machen sie aber extra, um sich selbst mit der Einbildung zu trügen, alles sei ganz entspannt und nicht der Rede wert. So ist Breather also eine hervorragende Selbsterklärung Laikas, und verdammt gute Musik sowieso. (Die Süddeutsche Zeitung würde nicht um die Beschreibung „…die Lunge Laikas…“ umhin kommen.)