Um künftig allen Scharmützeln innerhalb der ideologieverseuchten „Blogosphäre“ aus dem Wege zu gehen, firmiert „Watching the detectives“ von nun an nicht mehr als „Blog“, sondern: „Dynamischer Internetauftritt mit kriminalliterarischem Inhalt“, kurz DIKI. Es wird also nicht gebloggt, sondern „gedikt“, der Blogger ist ein „Diker“, der sich mit Gleichgesinnten in der (noch) erfreulich ideologiefreien „DIKISPHÄRE“ tummelt. Ich bitte dies zur Kenntnis zu nehmen. Und es heißt natürlich DER DIKI und nicht DAS DIKI!
Kategorie: Watching the detectives
Lena Blaudez: Farbfilter
Ada Simon ist wieder unterwegs. In Afrika, in Mecklenburg, dessen Himmel so weit ist wie der afrikanische, und wo man sich auf einer Tagung um Tropenhölzer sorgt. Aber da hat die Fotografin Simon ihre Geschichten schon zu erzählen, unter Mecklenburgs Himmel, wo sich schließlich alles entscheidet, was in Afrika begonnen und sich zugespitzt hat.
WeiterlesenMensch, Alfred!

Hättste doch nicht machen sollen…Schickt mir der Bursche tatsächlich nicht nur die broschierte Ausgabe des von Axel Bußmer herausgegebenen → Block-Sammelbandes, sondern auch noch die gediegen gebundene und mit einem Schutzumschlag veredelte. Darf ich doch nicht rezensieren, Herr Miersch! Bin doch befangen! Gleich doppelt! Was sollen denn meine Leser denken!? Andererseits: Erstes Anlesen…ja, ja, doch, doch…nein, darf ich nicht! Gehört sich nicht! Rezensentenmoral! Andererseits: Ich kann einfach kein Buch unbesprochen lassen. Das ist inzwischen wie eine Sucht…Wie soll ich mich nur entscheiden? Warum stürzt du mich in diesen Gewissenskonflikt, gewissenloser Verleger Alfred Miersch?
Gesetzgeber

Gesetze regeln das Zusammenleben und sind, weil es sie gibt, Zeugnisse menschlicher Unvollkommenheit. Was aber regeln Gesetze, die zum Schreiben von Kriminalliteratur erlassen werden? Und welche Unzulänglichkeit bezeugen sie?
WeiterlesenGeorge P. Pelecanos: Shame the devil
Die Bücher der späten 90er Jahre von George P. Pelecanos sind in den USA als „washington quartet“ bekannt. „Nach dem starken Echo erscheint die Washington-Trilogie nun als Kassette im literarischen Hauptprogramm“, schreibt dagegen der Dumont Verlag zu einer → Neuauflage der Bücher „Das große Umlegen“, „King Suckerman“ und „Eine süße Ewigkeit“ in einem Sammelschuber. Und auch die deutsprachige Kritik spricht von einer Trilogie. Nun muss man natürlich auch bei viel gutem Willen zugeben, dass die Begriffe Trilogie und „quartet“ sich nicht zur Deckung bringen lassen. „Tell the truth and shame the devil“: Die haben da einfach ein Buch weggelassen.
WeiterlesenImmer schlimmer
Es wird immer schlimmer mit dem Kollegen Menke vom Krimiblog. Erst hält er dem ahnungslosen David Peace ein Mikro vor die Nase und nötigt ihn zum → Interview. Dann dient sich ihm die notorische Komplizin Anobella als (wahrscheinlich leichtbekleidetes) „Bunny“ an, um künftigen Opfern „Tee zu servieren“ (Kommentar 12 zum Interview) .
WeiterlesenNachtgedanken -2-
Das mit den Definitionen ist so eine Sache. Zu behaupten, „noir“ sei 1929 entstanden, ist das eine (siehe → hier ); daraus zu schließen, „noir“ habe seit 1929 genau diese und jene Charakteristika, würde jedoch bedeuten, Literatur nicht als lebendiges, sich ständig veränderndes Wesen wahrzunehmen. Und davor wollen wir uns hüten. Nein, alles hat sich entwickelt, alles entwickelt sich, geht vor und zurück; Kriminalromane, die nach Schablonen entstehen, sind allenfalls harmlose Unterhaltung, Autoren, die neben sich „Gesetzbücher“ stapeln wie sonst nur Juristen, wären besser Juristen geworden. Und selbst denen genügt das gedruckte Wort selten allein.
WeiterlesenSeghers‘ law
Ein Gesetz ist das, was auf einer massiven Steintafel steht, bei der man erst dann, wenn man sie wütend auf die Erde schleudert, merkt, dass sie aus Ton ist. Und ist die Tafel erst einmal kaputt, das Gesetz obsolet, kommt auch flugs das nächste und das nächste und bis in alle Ewigkeit. Das gilt auch für den Kriminalroman. All das müsste einmal erschöpfend dokumentiert werden, und jetzt tut es einer. Jan Seghers.
WeiterlesenDie Besten der Besten
Nun ist es raus: Die besten zehn Krimis des Jahres 2005 according to the critics. Der KrimiWelt Bestenliste natürlich. Erster Eindruck: Aber ja doch. Das hat was. Kann man so stehen lassen. Mehr Informationen wie üblich bei →Arte (kommen sicher gleich…). Und hier die Liste.
1 David Peace: 1974 (Liebeskind)
2 Leonardo Padura: Das Meer der Illusionen (Metro im Unionsverlag)
3 Fred Vargas: Der vierzehnte Stein (Aufbau)
4 Arne Dahl: Tiefer Schmerz (Piper)
5 Ian Rankin: So soll er sterben (Manhattan)
6 Elisabeth Herrmann: Das Kindermädchen (Rotbuch)
7 Heinrich Steinfest: Der Umfang der Hölle (Piper)
8 P.J. Tracy: Der Köder (Rowohlt)
9 Leonardo Padura: Das Labyrinth der Masken (Metro im Unionsverlag)
9 Reggie Nadelson: Russische Verwandte (Piper)
Robert Lynn: Tochterherz

[Schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn man eine deftige Sexszene liest und einem dabei ein butterbrotkauender Pennäler gegenübersitzt. Aber so ist nun mal das Lesen im Zug: War of the Worlds]
WeiterlesenDie lachenden Detektive
Lustig geht es manchmal zu beim Krimiblog von Hinternet. Ein Kasten Bier auf dem Tisch, Chef Walter wirft ein Stück Konfetti in die Luft und befiehlt „Stimmung!“. Die herausragendsten Ergebnisse solcher Orgien der Lustigkeit findet man nun hier aufgelistet. Ab sofort auch als permanenten Link in der rechten Leiste der Krimilinks von „watching the detectives“.
WeiterlesenRücks raus, Alfred
Endlich erschienen ist der von Axel Bußmer herausgegebene → Sammelband zu Laurence Block. Dass jemand namens Block in einem Krimiblog besprochen werden muss, versteht sich von selbst. Gespanntes Warten auf das Rezensionsexemplar.
Lektoren
Unter dem Titel „Diener zweier Herren? Verlagslektoren und ihre Arbeit“ lief vorgestern eine → Sendung beim Deutschlandradio über Arbeit und Wesen, Glanz und Elend der Lektoren. Darin auch O-Töne von Pieke Biermann und Thomas Wörtche. Manuskript kann als Papier oder Audiodatei heruntergeladen werden. Interessant. Wenn Sie immer schon einmal wissen wollten, welcher Herausgeber einen Lektor verprügelt hat. Mich überrascht das nicht… (Danke an Frau Anobella für diesen Hinweis!)
Mailingliste
Ach ja, der Vollständigkeit halber: Ich stelle gerade eine Mailingliste für alte-krimis.de zusammen. Alle, die da draufstehen, erhalten in unregelmäßigen Abständen Informationen über den neuesten Stand des Projekts, die Planungen, dazu Leseproben und andere Annehmlichkeiten. Alles völ-lig un-ver-bind-lich. Wer drauf möchte, schicke eine kurze (oder lange) Mail an mich.
Anne Chaplet: Sauberer Abgang
Versetzt ein Buch den Leser in einen Schwebezustand, ist das sehr schön. Eigentlich. Man springt in den Text und bekommt von ihm Flügel verliehen. Auch Anne Chaplets „Sauberer Abgang“ lässt den Leser schweben. Über dem Buch. Er will rein. Er schafft es nicht. Und stürzt schließlich ab.
WeiterlesenGlauser 2006
Die Nominierungen zum Glauser 2006 in den einzelnen Kategorien stehen fest. Tun wir dem Kollegen Menke mal was Gutes und verlinken für die Details auf seinen wie immer vorbildlichen → Eintrag.
Politisch unbequem?
Soeben erreicht mich eine Mail von → Horst Eckert, die ein weiteres Kapitel im Buch „Wie Horst Eckert die Bundesrepublik Deutschland politisch destabilisiert“ aufschlägt. Es ist ein Witz. Hier der Wortlaut.
WeiterlesenPolitisch unbequem – Düsseldorfer OB verbietet Lesung von „Wege zum Ruhm“
Früher war alles besser
Ich will ja dem Herrn → Linder, der gerade das frühe 20. Kriminaljahrhundert unterm kritischen Auge hat, nicht ins Handwerk pfuschen. Aber das hier ist einfach zu schön und so wahr, als dass ich daran vorbeigehen könnte. Eine Kriminalparodie aus dem Jahr 1920 von Baron G. de S. Heinrich Lautensack, und schon der Titel ist eine Kurzgeschichte: „Leben, Taten und Meinungen (kurz zusammengefaßt) des sehr berühmten russischen Detektivs Maximow, Beamter zu besonderen Aufträgen im Ministerium des Innern zu St. Petersburg“. Allein die Vorrede war die Investition wert…
WeiterlesenJim Fusilli: Tribeca Blues
Terry Orr hat vor fünf Jahren seine Frau und ein Kind durch ein Gewaltverbrechen verloren. Er kennt den Täter: Raymond Montgomery Weisz, ein ehemaliges Wunderkind des Klaviers, zerbrochen an den Ansprüchen seiner Mutter, seit vielen Jahren durch die Strasse New Yorks wildernd, von Terry Orr als Wolfsmann bezeichnet. Terry Orr will sich rächen: Raymond Montgomery Weisz ist seine Obsession.
Terry Orr hat aber auch eine Tochter zu erziehen. Er musste lernen seine Obsession zu kontrollieren. Und er trägt schwer daran. Wenn auch über weite Strecken des Buches die Beziehung zwischen der selbstständigen Tochter und dem Vater freundlich ist, spürt der Leser, dass die Tochter gerne mehr von ihrem Vater hätte.
„Tribeca Blues“ ist das dritte Buch des italoamerikanischen Autors Jim Fusilli, und entwickelt die Geschichte Terry Orrs fort. Es ist zum einen eine Reise zurück zum Tod von Frau und Kind und eine Geschichte über das Zerplatzen einer Obsession. Plötzlich stellt sich alles ganz anders dar und am Ende wird Terry Orr versuchen, das Leben Raymond Montgomery Weisz’ zu retten. Es ist aber auch ein klassischer PI-Roman („Private Investigator“). Denn einer der beiden letzten Wünsche eines toten Freundes war, dass ein gemeinsamer Freund seine verwaiste Kneipe übernimmt und der andere Wunsch war, dass Terry Orr verhindern möge, dass seine frühere Frau selber von der Kneipe Besitz ergreift.
Diese Art von Krimi ist in den USA recht verbreitet: Gut gemacht, entwickeln sich mehrere Erzählstränge nebeneinander, um am Ende eine unauflösbare Einheit darzustellen. Dazu ein Detektiv mit einer persönlichen Konfliktsituation und schon ist es fertig, das amerikanische Krimipendant zu einem internationalen, barrique -ausgebauten Rotwein (1).
So wie beim Wein das Etikett, so dienen bei diesen Krimis die Atmosphäre, die Umgebung und die Stilistik als Möglichkeit, sich individuell in Szene zu setzen. „Tribeca Blues“ spielt hauptsächlich in einem engumschriebenen Gebiet New Yorks, in dem auch „Ground Zero“ liegt. Terry Orrs Frau war Italienerin und die Haushälterin der Familie versucht die Werte der italienischen Küche hochzuhalten. Das fügt sich zu einem Buch mit individueller Note, aber keineswegs zu einem Regionalkrimi.
Sprachlich ist dem Autor nichts vorzuwerfen. „Tribeca Blues“ ist ein von leichter Hand geschriebenes, sich furios entwickelndes Buch, dominiert von der Obsession Terry Orrs. Die Sprache ist knapp. Zur Zeichnung der glaubwürdig entwickelten Personen enthält die Story allerdings manchmal etwas viel Speck. Der Aufbau ist wohl durchdacht. Dabei schafft es Fusilli immer wieder, im rechten Moment durch eine überraschende Wendung an der Schraube zu drehen. Wenn es auch vielleicht nicht ganz die „beklemmende“ Emotionalität oder die scheinbare Ausweglosigkeit der allerersten Garde hat, so ist es ein ausgesprochen gutes Buch. Alleine: Ab und zu ermüden diese etwas uniform wirkenden Werke des gehobenen Niveaus etwas.
(1) Hierbei handelt es sich bekanntlich um Rotweine, die mitunter sehr teuer sind, qualitativ unangreifbar wirken, aber auf hohen Niveau austauschbar schmecken und ihre Wurzeln häufig nicht mehr erkennen lassen.
Jim Fusilli: Tribeca Blues.
Berkley Prime Crime 2004. 294 Seiten, z.Zt. nur gebraucht erhältlich
(keine deutsche Übersetzung)
Nachtgedanken -1-
1929 war alles vorbei. Der Kriminalroman als leichte Erschütterung der Wirklichkeitskruste, unter der das Magma des Triebhaften brodelte, der Kriminalroman, der solche Erschütterungen nutzte, um einen Spalt zum Inferno zu öffnen – und sogleich wieder zu verschließen, der Kriminalroman, der darob einen Schrecken einjagte und wieder vertrieb, die Katharsis als Schlafmittel. Vorbei.
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