Reginald Hill: Mord auf Widerruf

Geübte LeserInnen dieses Blogs ahnen es bereits: Aha, ein Hill. Den wird der Rezensent über den grünen Klee loben. Jawohl. Wir loben Reginald Hills „Mord auf Widerruf“ über den grünen Klee. Nicht, weil der Titel 2003 schon einmal unter dem Titel „Die dunkle Lady meint es ernst“ erschienen ist. Nicht, weil diese „dunkle Lady“ laut Personenregister „frei nach Shakespeare“ agiert. Auch nicht, weil der Rezensent vor lauter Lesevergnügen irgendwann den Kriminalfall aus den Augen verloren hat. Sondern weil Hill, indem er launig erzählt, selbst diesen Fall niemals aus den Augen verliert.

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Schlechter Krimi Wirklichkeit

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Müsste man die Wirklichkeit, wenn sie ein Buch wäre, auf dem „Kriminalroman“ steht, nicht schleunigst und verärgert aus der Hand legen? Einspruch: Gibt ja keine Wirklichkeit. Einspruch: Es gibt eine Wirklichkeit, die offizielle, die unserem Bewusstsein unterschobene, die aus den vielen, vielen Wirklichkeiten künstlich destillierte. Die Wirklichkeit als Roman, nach Genregesetzen konstruiert, die Wirklichkeit, wie sie als Krimi auf ganzer Linie misslingt.

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Makro-scoop

Nein, die Routine des Bloggens macht mir immer noch Spaß. Aber die Routine ist ein Feind der Versuchung, die Versuchung aber immer Vorstufe des Versuchs, der Versuch Vorstufe des Neuen, das Neue eine potentielle Tür zum bisher Unbekannten. Unklare Worte. Also konkret: Es wird eine deutsche Krimizeitschrift geben. Sie heißt makro-scoop, erscheint quartalsweise, ist ein Experiment, hat mindestens 16, höchstens 32 Seiten und einen einzigen Autor. Die kleinste Krimizeitschrift der Welt?

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Das Dumme an Krimis

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Entschuldigung, dass ich so lange nix hab von mir hören lassen. Aber hier im Finanzamt geht um diese Jahreszeit die Post ab. Einkommenssteuererklärung. Jeden Tag sitzen zwanzig Leutchen auf dem (natürlich ungepolsterten) Besucherstuhl, reichen mir ihre Formulare und wollen – so-fort bitte! – wissen, mit welcher Rückerstattung Sie rechnen dürfen. Unangenehm, dieser Publikumsverkehr. Aber dabei ist mir etwas ganz Seltsames aufgefallen…

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Gewinnerin Anobella

„Hurra!“ jubelt Redaktionsfee Anobella in ihrem →Tagebuch, „ich hab den zweiten Preis in →Stockstadt gewonnen!“ Na, dann Sekt aus dem Kühlschrank und hoch die Tassen, jubelt der versammelte Redaktionsrest. Und rätselt. Denn Anobella hat ihren Beitrag unter Pseudonym beim Literaturpreis der Kulturstiftung der Kreissparkasse Stockstadt ins Rennen geschickt. Als „Inka Kleinke-Bialy (46) aus Zell“ wusste sie in „Erdbeben mit Schluckauf“ „interessante und überzeugende Personen in einer halb-traurigen Geschichte mit mundartlichen Elementen“ zu skizzieren. Na ja. Inka Kleinke-Bialy, einfallsloser gings wohl nicht. Und sich dann auch noch zehn Jahre älter machen…

Cover, Cover

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Fleißig rotieren sie in den Druckereien, spätestens Anfang April auf den Schreibtischen der LeserInnen: Einmal Krimijahrbuch 2007, einmal Paprotta-Studie. Die Subskriptionsfrist für das Jahrbuch wurde, wie mir der Verleger mitteilt, bis zum 31. März verlängert, das Werk kann hier für 16 € (statt später 20 €) vorbestellt werden. Das Paprotta-Bändchen lässt sich ebenfalls hier ordern und kostet 12 €.

Pieke überwacht

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Endlich mal ein Thema, bei dem auch Chef Walter mitreden kann! Über „Drogen am Lenker“ informiert die neue Kriminalreportage von Pieke „höchstens mal’n Eierlikörchen“ Biermann am Sonnabend, 17.März 2007 in DER TAGESSPIEGEL und auf RBBinfoRADIO 93,1 um 11:45 Uhr (um diese Tageszeit Zugedröhnte hören die Wiederholungen um 19:45 und in der folgenden Nacht um 0:45 und 05:45 Uhr; Podcaster klicken →hier.). „Ich brauch keinen Führerschein, ich hab auch so genug Alkohol im Blut!“ schwadroniert der Chef und lässt lässig seinen Autoschlüssel kreisen, während er Piekes Inhaltsangabe studiert.

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Unkritische Ausgabe

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Krimi und Germanistik, das ist schon eine traurige Beziehung. Zu sagen haben sich die beiden Partner wenig. Spricht der Krimi, versteht ihn die Germanistik nicht, kommt die Germanistik ins Plaudern, hält sich der Krimi entsetzt die Ohren zu. Ganz schlimm wird es, wenn die Germanistik ihre ehelichen Pflichten zu erfüllen trachtet. Denn auch Krimis sind Literatur, sorry, und ab und an sollte man sie schon in der Missionarsstellung beglücken. Mit Fruchtbarkeit ist eh kaum zu rechnen, wie das Winterheft 2006/07 der „Kritischen Ausgabe“ mit dem Schwerpunkt „Verbrechen“ abschreckend zeigt.

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Das Brett

Lieber ein Brett im Blog als eins vorm Kopf. Hier, liebe Leserschaft, kannst du dich so richtig austoben. Kritik üben. Die Arbeit der Blogger preisen. Vorschläge machen, Hinweise geben, inspirieren, konspirieren. Du darfst fordern und dir was wünschen, wir schauen uns das genau an und reagieren prompt. Wie auch immer. Also los!

Michael Gruber: Das Totenfeld

Großartiges Buch. Wohl hat man es während der Lektüre mehrmals gegen die Wand geworfen. Ist aber immer wieder reumütig aufgestanden, hat es aufgehoben, abgestaubt und weitergelesen.
Tatort Miami. Der sudanesische Erdölhändler Jassir al-Muwalid stürzt aus dem Fenster eines Hotels in die Eisenspitzen eines Zauns. Im Zimmer des Toten findet Ermittler Jimmy Paz die junge Emmylou Dideroff vor, vieles deutet auf sie als Täterin hin, doch sie selbst scheint geistig verwirrt und hat Heiligenerscheinungen. Auch die Psychologin Lorna Wise, die Emmylous Geisteszustand untersuchen soll, wird mehr in den Fall verwickelt, als ihr lieb ist. Während Paz allmählich an der Schuld Dideroffs zweifelt, geheimdienstlichen Aktivitäten auf die Spur kommt und selbst ins Visier höherer Mächte gerät, schreibt die komische Heilige Emmylou ihren ebenso ausführlichen wie bizarren Lebenslauf.

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Pionier Menke

13.3.2007, 10 Uhr 04: In einem Kommentar bei Marktführer „watching the detectives“ weist Nischenblogger Ludger die Installierung eines „schwarzen Bretts“ kategorisch von sich: „Blogs sind ja eigentlich die Schwarzen Bretter ihrer Autoren, auf denen die Besucher lesen und kommentieren können“.

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Schwarzes Brett

Als kunden- und serviceorientiertes Unternehmen der krimiverarbeitenden Industrie haben wir stets ein Ohr an unseren Lesern, insbesondere natürlich Leserinnen, vor allem, wenn sie dreißigjährige Badeanzüge tragen. So ist der Hilfeschrei unserer Power-Userin Anobella aus dem nicht-SPD-regierten Wiesbaden nicht ungehört verhallt. „ist das doch echt noch ein manko von weblogs, dass sie nicht ein plätzchen für die leser haben – ein kleines schwarzes brett – an das sie ihre fragen, anregungen etc. heften können“.

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Helga Riedel: Einer muß tot

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Man kann den deutschen sogenannten Soziokrimi als eine notwendige Sondierung der Genremöglichkeiten historisch einordnen, initiiert von den schwedischen Vorbildern Sjöwall / Wahlöö, Reflex auch des allgemeinen Zeitgeistes (links, gesellschaftskritisch, an Soziologie interessiert), spannungsmäßig im Nanobereich, sprachlich von einer bisweilen kaum noch zu ertragenden Hölzern-, ja Albernheit. Auf den ersten Blick passt Helga Riedels Debütkrimi von 1983 perfekt in dieses Muster. Auf den zweiten offenbart er sich als die Zerstörung dieses Musters mit seinen eigenen Mitteln.

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