Gebt mir Flächen, Rave, Bass, Aciiiid, House, Vocals, a bisserl Kitsch. Glagows finest Acid House Producers Stuart McMillan und Orde Meikle lassen den ganzen Stapel Clubglückseligkeit auf mich herab und baden mich in einer Art Nostalgie, die ich in dieser traditionsreichen Form nicht erwartet hätte.
WeiterlesenKategorie: Musik
Squarepusher: Go Plastic
Nach „Music is rotten one note“, dem 70-er Fusion Soundalike mit Kellerproduktion und Liveinstrumenten hatte ich Tom Jenkinson aus dem Auge verloren, erzählte mir jemand, das darauffolgende Album sei doch recht gewöhnlich und langsam und vielleicht gab es auch Spannenderes zu dem Zeitpunkt. Auf alle Fälle kann ich heute nicht mehr nachvollziehen, warum ich nach „Music is…“, die mit seiner Bitches Brew – Aura eine Art unpopulärsten Retro zelebrierte, nicht weiter für ihn interessierte.
WeiterlesenLucinda Williams: Essence
Hört man Lucinda Williams‘ Alben nur oberflächlich, könnte man ihre Songs als unspektakulär abtun. Wenn sie singt, hat es etwas von einer angezogenen Handbremse, die Songstrukturen wirken gleichförmig.
WeiterlesenLizard: Southern Steel
An manchen Tagen durchzucken mich böse Gedanken, bevor ich eine CD überhaupt gehört habe. So in der Art von „zum Abschuss freigegeben“. Lizard bringen aber auch wirklich alle Voraussetzungen mit: Eine deutsche Band spielt Southern Rock. Da denk‘ ich gleich an Schnauzbärte, Vokuhilas und total tolles Western-Equipment vom Versandhandel. Stilecht präsentiert beim Country-Club Maintal-Dörnigheim oder Lüdenscheid. Alles so authentisch wie Rothäute in John Wayne Filmen.
WeiterlesenPhat World (13)
… mit El Fudge, KRS-One, Afu-Ra, Hi-Tek, Jigmastas, Declaime, Bahlers Forver, Cappadonna, Mystic Brew, Ugly Duckling, DJ Krush, Redman, Azad, Masters Of Rap (M.O.R.), Clueso, Tefla & Jaleel, Style Liga und dem Shooting Star Nico Suave.
Innen…
Beginnen wir diesen Monat mit El Fudge, der bereits Ende 1997 mit der 12-Inch „Liquid“ auf Rawkus auf sich aufmerksam machte. Es folgten die EP „Three Sons“, der Superrappin-Beitrag „Dimmin The Life“, die Maxis „Love Letters“ und „The Final Word“, bevor die Zeit reif war für ein komplettes Soloalbum. Dieses kommt über England zu uns. Ein ungewöhnlicher Weg, den der New Yorker Rapper Elvin Rosario mit „Chronic Irresponsibility“ (Sureshot Entertainments / Groove Attack) eingeschlagen hat. Aber das ist eigentlich völlig nebensächlich. El Fudge, Rosarios Alter-Ego, ist im Untergrund verwurzelt und könnte in Kürze noch groß rauskommen. Das Potenzial dazu hat er allemal. Die Reime sind klasse (und humorvoll), die Beats satt produziert und originell, die Klischees dünn gesät. Damit sollte ihm die Unterstützung durch die HipHop-Headz sicher sein.
Von einem, der noch verhältnismäßig neu im Business ist, zu einen, der seit Jahren in Sachen „conscious hiphop“ Lehrstunden erteilt. Die Rede ist von Urgestein KRS-One, dem Mann der bereits mit Boogie Down Productions für Aufsehen sorgte. Der mittlerweile 35-jährige Lawrence Krisna Parker gehört zu denen wenigen Rappern, denen politisches Engagement nie fremd war und die sich weitestgehend einen Dreck um Trends geschert haben. Er hat nie den Faden verloren und immer an seinen politisch orientierten Werten festgehalten. Das lässt sich auch über „The Sneak Attack“ (Koch Records) sagen. Darauf erteilt er den jungen Schlabberhosenträgern eine Lektionen im richtigen Umgang mit der HipHop-Kultur. Es ist eine Wonne diesem Altgedienten zuzuhören, der auch nach Jahren im Geschäft keinen Deut Feuer verloren zu haben scheint. Würde es mehr von seiner Sorte geben, würde der amerikanische HipHop – bis auf wenige Ausnahmen – in einem weitaus besseren Licht dastehen.
„Body Of The Life Force“ (Koch Records), das Album von Afu-Ra ist schon länger auf dem Markt. Mit Unterstützung von DJ Premier (Afu-Ra: „Premo ist wie ein Wahnsinniger. Er ist wie ein durchgeknallter Schneider wenn es um die Beats geht. Er baut die Beats so gut, dass du genau weißt, was zu tun ist.“), GZA, Masta Killa, M.O.P., DJ Muggs und Ky-Mani Marley, einer der Söhne von Reggae-Ikone Bob Marley, hat Afu-Ra ein schönes Album durch die Pipeline gejagt. Guter, durchdachter Ostküsten-HipHop von dem spirituell veranlagten Rapper, der 1994 auf Jeru The Damajas Debüt „The Sun Rises In The East“ seinen internationalen Einstand feiern konnte.
Jetzt zu Hi-Tek, der vielen als Produzent von Mos Def und Talib Kweli bekannt sein sollte. Er ist ein ganz gerissener Mann, der in den kommenden Jahren sicherlich noch oft genug für Aufsehen sorgen wird. Nach dem letztjährigen Geniestreich „Reflection Eternal – Train Of Thought“, von eben jenem Talib Kewli in Begleitung von DJ Hi-Tek, folgt endlich „Hi-Teknology“ (Rawkus / PIAS / Connected). Hi-Tek selbst hat sich auf seinem Album auf die Produktion konzentriert und griff lediglich zweimal selbst zum Mikrofon. Ansonsten treten eine Who-is-who-of-US-hiphop-Garde an, dem hoffnungsvollen Produzenten unter die Arme zu greifen: Talib Kweli, Mos Def, Common, Mood, Slum Village und Buckshot.
Wo wir schon mitten im Rawkus-Camp residieren, können wir auch gleich auf die Jigmastas zu sprechen können. DJ Spinna, den man von seinem Soloalbum „Heavy Beats“ und diversen Remix-Jobs her kennt, und MC Kriminul haben nach dem Ende von Tommy Boy Black ein neues Zuhause gefunden. Ihre Beat- und MC-Schau ist beste Independent-Qualität mitten aus Brooklyn. „Infectious“ (Beyond Real / Groove Attack) wird seinem Titel gerecht und ist besonders Freunden von Mos Def, Talib Kweli, Hi-Tek, Black Eyed Peas und Common empfohlen.
Declaime sagt über seine künstlerischen Output, es sei illmindmusic. Einen ersten Eindruck davon, kann man sich auf seinem Debüt „Andsoitisaid“ (Superrappin / Groove Attack) verschaffen. Das Album gleicht einem wirren Mixtape, auf dem jeder Stil seinen Platz hat. Gleich 30 Tracks hat er auf die Scheibe gepackt. Das ist viel Stoff für einen Einzelgänger. Daher gibt es Unterstützung von Madlib, Lootpack, Rasco, Quasimoto und anderen Crews. Declaime erinnert irgendwie – ich kann mir nicht helfen – an eine Underground-Ausgabe von Ol‘ Dirty Bastard. Anstrengend, aber hörenswert.
Jetzt zu einer weiteren Compilation mit dem Titel Bahlers Forver (BMG Modul), auf der Jay-Z, Notorious B.I.G., Ice-T, M.O.P. und Eminem exklusive Tracks preisgeben. Nett, aber wahrlich kein Muss.
Den englischsprachigen Teil dieser Welt schließt Cappadonna ab. Sein „The Yin & The Yang“-Album (Epic / Sony Music) ist nicht mehr das neueste. „Dieses Album reflektiert mein wahres Ich, das Gute und das Böse, das Sündige und das Geistige“, erklärt Cappa. Das Gute an „The Yin & The Yang“ sind das Duett mit Ghostface Killah („Super Model“), „War Rats“, der funkige Partytrack „Love Is The Message“ (mit Raekwon) und der Reggae-Joint „One Way 2 Zion“. Hätte er doch nur weitere hochkarätige Tracks wie diese an den Start gebracht, dieses Album wäre bald ein Klassiker.
Aus dem Hause Fat City erreichte mich der folgende Sampler: „Mystic Brew: For Play“ (Fat City / Groove Attack), so der Titel, ist der mittlerweile vierte Sampler des Labels aus Manchester. Querbeet heißt die Devise: Underground HipHop alter Schule mischt sich unter Soul, Funk, Disco und Dancehall. Neben Martin Brews „Drop The Beat“ und „It’ll All Come Around“ von der kanadischen Folk/Country-Sängerin Patsy Gallant und „Winterchild“ von Bamboo Soul, zählt auch „I’m Gonna Love You Just A Little Bit More“ von Richard McDonald zu den Stücken, die in guter Erinnerung bleiben.
Man hat es nicht anders von ihnen erwartet: Ugly Duckling enttäuschen auch auf ihrem Album nicht. „Journey To Anywhere“ (XL / Beggars Group / Connected), der Quasinachfolger ihrer ’99er-EP „Fresh Mode“, ist insbesondere eine Reise back to the roots – back to where the native tongue movement started. Und das von drei weißen Burschen, das grenzt an ein übernatürliches Wunder. Andy, Dizzy and Young Einstein haben den Dreh raus, den Esprit der alten Tage in die Moderne zu retten ohne zu altbacken und zu chartverdächtig zu klingen. Long Beach’s whities rocken das Hause, ladies and gentlemen. „Journey To Anywhere“, ein Album mit Herz, Verstand und nicht zu vergessen: Witz.
Von Long Beach eine kleinen Schwenk nach Asien, um dort unser Auge auf Tokios DJ Krush zu werfen. Auf „Zen“ (Columbia / Sony Music), seinem neuesten Output, vereint er verschiedene Einflüsse. Auf der eine Seite gibt er sich der Black Music, sprich HipHop und Soul, hin, auf der anderen seiner Vorliebe für Elektromusik. Vom Ansatz her eine gute Idee. Manchmal jedoch geht der Flow flöten und hält Verspieltes zu starken Einzug. Dann bereitet es nicht mehr so großen Spaß, seinen genreverbindenden Ideen zuzuhören.
Und zum Schluss der Reihe anglophiler HipHop-Headz, darf Method Mans Kollege Redman den Ring besteigen und uns mit „Malpractice“ (Def Jam / Mercury / Universal) die Freudentränen ins Gesicht treiben. Meth, Redman und Ol’Dirty Bastard sind mit die schiersten und irrsten des Biz. Um so verrückter sie sich geben, um so mehr muss man sie lieben. Mit unzähligen FreundInnen und KollegInnen im Schlepptau zaubert er anno 2001 ein Album aus dem Ärmel, das seinem Ruf mehr als gerecht wird. Dieses Werk passt in die Reihe „Blackout“ und „Oooh“. Verrückter Hardcore-Rap, von einem der besten Rapper jenseits des Atlantiks.
… und außen.
Frankfurt, schönste Stadt Deutschlands und spätestens seit D-Flames „Basstard“ wieder im HipHop-Kontext ein Begriff, schickt seinen Battlerhymer Azad ins Rennen. Auf „Leben“ (3p) wird der Scheiß gekickt und – wie sollte es für einen selbsternannten bösen Buben auch anders sein – barbarisch gerappt. Erbarmen, die Hessen kommen, sage ich nur. Denn prollige Raps kennen wir aus Amiland schon zur Genüge. Da braucht man Azad wirklich nicht, dessen Album wenig Erinnerungswürdiges abliefert.
Ein kurzer Sprung vom Main an die Spree. Dort gibt es die Masters Of Rap (M.O.R.), die Crew von King Kool Savas, der im Untergrund einen ausgezeichneten Ruf genießt. Auf Platten, auf denen Savas mitwirkt, warten die Kids nicht gerne lange und kriegen recht schnell feuchte Hände. Nun hat er seine Jungs, das sind Justus Jonas, FumanShu, Martin Bütow, Melbeatz, Fuat, Illo, Roland Mack Donnald und Jack Orsen, auf „N.L.P. (Neuro-Linguistische Programmierung)“ (Royal Bunker / Groove Attack) vereint. Wie schon Azad, sind M.O.R. waschechte Battlerhymer, die keine Gelegenheit auslassen, Gott und die Welt zu dissen. Sie sind die Besten, Stärksten und Unantastbarsten – zumindest glauben sie das. Sollen sie doch. Andere sind da völlig anderer Meinung. Was nützt es, schnell zu sein, wenn Flow und Content auf der Strecke bleiben?
Vom Main ganz schnell gen Süden und zwar nach Stuttgart, wo Clueso sein lange erwartetes Debütalbum bei den Fanta-Jungs veröffentlicht. Der Wahlkölner Thomas Hübner ist jung (gerade mal 20 Jahre alt) und unverbraucht und schlägt auf seinem Debüt „Text Und Ton“ (Four Music / Sony Music) ruhige Töne an, die er mit besonnenen Texten garniert hat. Eine ansprechende Abwechslung zu oben erwähntem Um-die-Wette-dissen. Er richtet sich lieber an Herz und Seele des Hörers und klingt dabei gar nicht grün hinter den Ohren. Eher abgeklärt und verdammt selbstbewusst. Musikalisch mischt er melodiösen HipHop mit Reggae/Ragga- und Soul-Elementen – ganz ähnlich wie zuvor bereits der Freundeskreis. Wie singt er so schön: „Ich beschreibe, was ich sehe um zu sehen. (…) Ich verstehe nicht jeden Text, aber ich spüre, was man sagt“.
Gut geworden ist erwartungsgemäß das Werk von Tefla & Jaleel. Obwohl ich mit deren Stil weniger anfangen kann, als viele andere, kann ich immerhin verstehen, warum man die beiden MCs mag. Ihr Konzeptalbum „Interview“ (Phlatline / Wea) setzt sich intensiv mit der Thematik deutscher HipHop und politischen Thematiken auseinander. Mir sind die Texte oft zu ichbezogen und zu einfältig: Ich der Rapper, den andere in den Dreck ziehen und der schon ewig dabei ist und die Weisheit mit Löffeln gefressen hat. Insofern muss sich das Chemnitzer Duo einen für deutschen HipHop leider typischen beschränkten Horizont attestieren lassen. Musik gut, Lyrics okay, d.h. Daumen schräg nach oben, schließlich sind auf „Interview“ einige Burner, zum Beispiel „Sachsenring“ (feat. Mythos) und „Chemnitz“ (feat. Youdon).
Die Reise geht weiter nach Hamburg City, genauer gesagt mitten ins Herzen von Eimsbush. Dort haben sich altbekannte wie neue Eimsbush-Sympathisanten zu der Compilation Style Liga Vol. 1 (Eimsbush / Groove Attack) zusammen gefunden. In dieser Liga spielen insgesamt 13 deutsche HipHop-Künstler, egal ob mit oder ohne Deal, mit. Hier können sie nach Belieben Tracks, egal ob exklusiv oder nicht, an den Start bringen. Das fing vor zwei Jahren als 12″-Serie an und erscheint nun in ausgedehnter Form zum ersten Male auch auf Silber. Viele von ihnen agieren anonym bzw. unter Pseudonymen, um den Hype so gering wie möglich zu halten. Es heißt daher: „The names have been changed to protect the guilty“. Aufmerksame Hörer werden feststellen, dass Jan Delay, Ferris MC, Samy Deluxe, Denyo und Falk zu den Schuldigen gehören. Und was soll man zu diesem Output schon anderes sagen, als: Eimsbush rockt weiterhin das Haus (mit einem weiten Blick über den Tellerrand hinaus) und kämpft erfolgreich gegen den Hype und die damit verbundene Veröffentlichungswelle unterdurchschnittlicher Ware an. Weiter so!!!
Neben Clueso der größte deutsche Lichtblick in dieser Ausgabe von Phat World ist Herr Nico Suave, der spätestens seit seiner Single „Vergesslich“ in aller Munde ist. Sein Debüt heißt schlicht „Suave“ (Island / Mercury / Universal). Jung und verheißungsvoll sage ich nur. Suave mit DJ Sparc und Produzent I.L.L. Will ist wie Dendemann ein ausgezeichneter MC, der mit dem Battle-Mist, der derzeit die deutschen Clubs heimsucht nichts gemein hat. Er schreibt einfach interessante und lustige Reime, die sich gut rappen und erst recht gut anhören lassen. Dass die Beats und all das Musikalische von oberster Kategorie sind, versteht sich natürlich von selbst. Weiter so.
Phat World XIV erscheint mit absoluter Sicherheit auf www.hinternet.de. Wort drauf!
M. A. Numminen: Dägä Dägä Finnwelten
„Neorustikal“ nennt Mauri Antero Numminen seine Musik. Ein Begriff, der von der finnischen Gastronomie und Textilindustrie dankbar adaptiert wurde…
In Finnland ist M.A. Numminen (Jahrgang 1940) Kult. Und Universalgenie. Der studierte Philosoph und Soziologe hat als Filmemacher, Kinderbuch- und Romanautor gearbeitet. Sowie als Entertainer, Komponist, Sänger und Bandleader. Neben Marx, Marcuse und Wittgenstein (gut ein Drittel der Songs ist deutschsprachig) gehört Numminens Leidenschaft dem Tango.
WeiterlesenFuture Pilot AKA: Tiny Waves, Mighty Sea
Er wird hoffentlich nicht nur kleine Wellen schlagen, der Multiinstrumentalist Sushil K. Dade aus Glasgow. Innerhalb von drei Tagen (17. bis 19. Februar 2000) spielte er in einer umgebauten Mühle, dem Studio von Teenage Fanclub am Ufer des Clyde River, seine Songcollagen ein. Dabei gingen ihm u.a. Musiker von Belle & Sebastian, Teenage Fanclub, The Pastels, The Delgados und Bill Wells Octet zur Seite.
WeiterlesenBardo Pond: Dilate

Einen passenderen Support hätten Mogwai für ihre gerade beendete Europatournee nicht einladen können. Die amerikanische Formation, die meines Wissens nach schon einige Alben unters Volk gebracht hat, versteht sich bestens mit den Soundtüftlern aus Glasgow und zelebriert auf ihrem neuen Album eine ähnlich tranceartigen Klanglava.
WeiterlesenPopshopping Vol.1
Na, können Sie damit noch ´was anfangen: Strahlerküsse, Minikillers, Moulinex, Fa, Ford Taunus und Opel Rekord? Lange her, schon klar. Zwischen 1960 und 1975, als „Easy Listening“ noch keine Retro-Mode, sondern hochangesagt war. Auf den Plattentellern und in der Werbung. Die Kreuzung aus beidem hieß „Schallfolie“. Eine biegsame, bunte Folie mit Abspielrillen. Ein give-away eben. Und das, was drauf war, war Kunst. Gutbezahlte, strikt funktionale Auftragskunst. Klang gewordene Brotjobs, die neben den strengen Vorgaben der Marketing-Etagen trotzdem noch Platz ließen für die Genialität ihrer Schöpfer. Zwischen 1960 und 1975: als die Werbekomponisten noch Klaus Doldinger, Christian Bruhn, Gert Wilden, Klaus Wüsthoff, Johnny Teupen und Luigi Pelliccioni hießen.
WeiterlesenCowboy Junkies: Open
Rockmusik im neuen Jahrtausend. Das ist also das, was rüber gerettet wurde: kraftvolle Rhythmen, kernige Gitarren. Na wenn’s so einfach ist, warum ist gute Rockmusik dann so selten geworden? Weil sich wenige Bands so im Zaum haben wie die Cowboy Junkies. Sie beherrschen ihr Metier, können richtige Melodien schreiben und haben mit Margo Timmins eine zauberhafte Sängerin. Sie könnten also leicht verdaulichen Folkrock in der Art machen, dass sie eine ernste Konkurrenz für R.E.M. wären, aber sie wollen lieber ihre Hörer fordern. Das zeigt sich schon daran, dass sie ihre Musik vermeintlich schlecht abmischen.
WeiterlesenWaldeck: The Night Garden
Nachts im Garten (am besten barfuss) ist wie mit geschlossenen Augen Massive Attack zu hören oder mit beleibtem Körper im hochprozentigen Salzwasserbad zu treiben. Getragen von der Melodie entschwebt man in Gedanken dem Alltag, begleitet von Erinnerungen an „Mezzazine“.
(6 Fritten)
Waldeck: The Night Garden (Modul/BMG Ariola)
Seventh Key: Seventh Key
Hinter dem Bandnamen verbirgt sich Billy Greer, sonst in Lohn und Brot bei den Rock-Dinos Kansas. Wer jetzt ähnliche Klänge erwartet, kann gleich wieder weghören. Während Kansas im vergangenen Jahr mit „Somewhere To Elsewhere“ eine appetitliche Scheiblette kredenzt haben, setzt ihr Bassist auf melodischen Hardrock.
WeiterlesenLucyfire: This Dollar Saved My Life At Whitehorse
Schaltet das Gehirn aus und aktiviert das SD+R-Zentrum. Gruftkopf Johann Edlund -sonst Vorsteher der Düsterband Tiamat- hat mit Lucyfire ein zweites Projekt am Start und hier lautet die Devise „Spaß“. Breit grinsend schwingt er die Klischeekeule und covert ZZ Top („Sharp Dressed Man“), reimt lustige Verse („I want Sex, Drugs & Rock’n’Roll – give it to me baby ‚til I loose control“) und freut sich diebisch, dass er im Opener die Zeile „Baby, come on“ singt.
Ian McNabb: Ian McNabb
Ian McNabb war früher bei Icicle Works und ich hab‘ das erste Mal von ihm Notiz genommen, als er 1993 im Vorprogramm von Big Country spielte. Das Debüt „Truth And Beauty“ konnte die Live-Vorschusslorbeeren zwar nicht ernten, aber die beiden nachfolgenden Alben waren trotz gewisser Längen OK. Nach sehr amerikanischen Klängen (auf „Head Like A Rock“) wendet er sich auf seinem selbstbetitelten Werk wieder melodischem Pop mit unüberhörbar britischer Prägung zu.
WeiterlesenShadow Gallery: Legacy
Obwohl ich einen ausgeprägten Hang zu Prog-Rock/Metal habe, sind Shadow Gallery bisher komplett an mir vorbeigerauscht. Dabei ist „Legacy“ schon ihr viertes Album. Schande über mich – Ruhm und Ehre über die Band. Auffallend ist, wie melodisch und strukturiert die sechs Mannen aus Pennsylvania an ihre mörderlangen Epen herangehen.
WeiterlesenNo Means No: Generic Shame
Sex is politics, politics is sex. Sex is philosophy, philosophy is sex. Das ist nur ein Auszug aus dem, was No Means No auf ihrer neuen EP vermitteln möchten. Anlässlich ihrer für Mai angesetzten Deutschlandtour erscheint nun dieser Bonus, der die Band in bekannt unnachahmlicher Form präsentiert.
Weiterlesen35007: Sea Of Tranquillity
Der Scherz ist keiner mehr und dürfte bekannt sein. 35007 heißt Loose. Zahlen auf den Kopp und schon ist das Rätsel, das kein großes ist, gelöst. Die Jungs waren in den vergangenen Monaten nicht von Glück verfolgt. Während ihrer letzten Tour wurde ihnen in Rom das gesamte Equipment gestohlen. Dann stieg auch noch Sänger Euwout aus und zog von Holland nach Australien um. Seitdem sind Loose (bis auf weiteres) ohne Gesangspart unterwegs und trotz der dummen Ärgernisse nicht klein zu kriegen.
WeiterlesenThe Inchtabokatables: Mitten im Krieg
1992, als die meisten Menschen „Mittelalterrock“ noch für ein antikes Kleidungsstück hielten, fiel eine junge Band mit unaussprechlichem Namen ins Rampenlicht. The Inchtabokatables spielten Rock ohne Gitarren, getrieben von einem Cello und zwei Violinen. Als mittelalterliche Klänge dann in Mode kamen, hatten sich die Berliner schon experimentellen Industrialklängen zugewandt. Die Alben „Too Loud“ und „Quiet“ waren dann auch wilde Grenzgänge, die dem Hörer eine Menge abfordern. Ihren Majordeal haben sie zwar verloren, ihre Kreativität und der Mut zum Risiko sind anscheinend zurückgekehrt. Die Ziellosigkeit des vergangenen zwei Alben ist verschwunden. „Mitten im Krieg“ ist wild und klingt unheimlich befreit.
WeiterlesenPrefuse 73: Vocal Studies & Uprock Narratives
Prefuse 73 setzt sich zwischen einige Stühle, die im Normalfall mitnichten unter einen Hut zu bringen sind. Hört man sich die 16 Tracks in Ruhe an, kann man Postrock, Elektronika und HipHop als Grundlagen dieses fast ausschließlich instrumentalen Albums ausmachen. Man könnte fast meinen, es mit einem dieser umtriebigen Musiker aus Chicago zu tun zu haben. Jedoch kommt Scott Herren, der Mann hinter Prefuse 73, aus Atlanta, Georgia.
WeiterlesenJohn Phillips: Pay, Pack & Follow
John Phillips war der Kopf der Mamas & Papas und ist Anfang diesen Jahres an Herzversagen gestorben. Das vorliegende Album ist 1977 bei einer Session mit Mick Jagger und Keith Richards entstanden und war mehr als zwei Jahrzehnte verschollen.
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