1992, als die meisten Menschen „Mittelalterrock“ noch für ein antikes Kleidungsstück hielten, fiel eine junge Band mit unaussprechlichem Namen ins Rampenlicht. The Inchtabokatables spielten Rock ohne Gitarren, getrieben von einem Cello und zwei Violinen. Als mittelalterliche Klänge dann in Mode kamen, hatten sich die Berliner schon experimentellen Industrialklängen zugewandt. Die Alben „Too Loud“ und „Quiet“ waren dann auch wilde Grenzgänge, die dem Hörer eine Menge abfordern. Ihren Majordeal haben sie zwar verloren, ihre Kreativität und der Mut zum Risiko sind anscheinend zurückgekehrt. Die Ziellosigkeit des vergangenen zwei Alben ist verschwunden. „Mitten im Krieg“ ist wild und klingt unheimlich befreit.
WeiterlesenKategorie: Musik
Prefuse 73: Vocal Studies & Uprock Narratives
Prefuse 73 setzt sich zwischen einige Stühle, die im Normalfall mitnichten unter einen Hut zu bringen sind. Hört man sich die 16 Tracks in Ruhe an, kann man Postrock, Elektronika und HipHop als Grundlagen dieses fast ausschließlich instrumentalen Albums ausmachen. Man könnte fast meinen, es mit einem dieser umtriebigen Musiker aus Chicago zu tun zu haben. Jedoch kommt Scott Herren, der Mann hinter Prefuse 73, aus Atlanta, Georgia.
WeiterlesenJohn Phillips: Pay, Pack & Follow
John Phillips war der Kopf der Mamas & Papas und ist Anfang diesen Jahres an Herzversagen gestorben. Das vorliegende Album ist 1977 bei einer Session mit Mick Jagger und Keith Richards entstanden und war mehr als zwei Jahrzehnte verschollen.
WeiterlesenDie Aeronauten – Bohème pas de problème
Sind das kleine Gamaschen, da an den Füßen der Aeronauten? Weiter oben ein Gehrock und ein Stöckchen? Ja doch. Geschmeidige Dandys sind sie geworden, mit elastischen Beinen und purem Sex im Blut.
WeiterlesenLive: Donnas / Sahara Hotnights
Köln Underground, 5.5.2001
Vor manchen Konzerten kriegt man ein Signal, dass alles- der Eintritt, die Hinfahrt, das Schwitzen- sich lohnen wird. Im Fall der Donnas war es die Set-Liste. Ich stand direkt vor der Bühne, dank der zahlreichen aggressiven Fotografen wie eine Sardine, als Gitarristin Donna R. kam, um ihre Set-Liste auf die Monitor-Box zu kleben. Mit Spannung habe ich meine Lieblings-Titel gesucht, aber wichtig waren nicht die Titel, sondern die Handschrift. Zuerst dachte ich, das ist doch Computer-Schrift. Die Zeilen waren aber viel zu krumm. In dem Moment hat das Image der Donnas sich als Realität erwiesen: sie sind wirklich Kaugummi-kauende Kinder-Frauen! Als Donna C. kurz danach ihr Schlagzeug aufbaute, lief „Addicted To Love“ von Robert Palmer über die Anlage und Donna C. hat mitgesungen und Kaugummi geknatscht! Aber ihr wollt das alles gar nicht hören, ihr wollt etwas über das Konzert lesen, gell?
WeiterlesenMXPX: The Renaissance EP
Langsam wird’s mir ein bisschen viel. MXPX sind zwar schon seit Jahren am Start, aber ein eigenes Profil haben sie für sich noch nicht erarbeitet. Melodic-Punk, wie ihn halt auch Green Day gemacht haben und Blink 182 machen. Wer’s mag, liegt mit der „Renaissance EP“ aber nicht falsch.
WeiterlesenDouble Trouble: Been A Long Time
Double Trouble – da müsste es eigentlich bei jedem Blues-Rock Fan klingeln. Genau, die Rhythmustruppe des 1990 verstorbenen Stevie Ray Vaughan. Zusammen mit einer wechselnden Allstar-Besetzung brennen Tommy Shannon (Bass) und Chris Layton (Drums) ein wahres Feuerwerk ab. Dr. John, Doyle Bramhall II, Jonny Lang, Kenny Wayne Shepherd, Charlie Sexton und Susan Tedeschi, um wirklich nur Einige zu nennen.
WeiterlesenHazeldine: Doubleback
Die Mädelsband (plus Drummer) ist inzwischen eine feste Institution in Sachen Americana geworden. Früher fand ich sie immer ein bisschen schlafmützig, aber die ersten vier Songs hauen mächtig in den Pudding.
WeiterlesenAutechre: Confield
Elektro ja, aber dafür bin ich noch nicht reif genug. Es knarxt, es scheppert, es fiept an allen Ecken und Enden. Darüber ein die Bassmembran in hohem Masse in Anspruch nehmender vertrackter Beat. Too much for me.
(3 Fritten)
Autechre: Confield
(Warp/Zomba)
Technique: Sun Is Shining
Das erste was ich von Alan McGhees (ex – Creation Labelboss) neuem Label zu hören bekomme ist britischer Radiopop im Kylie Minogue – Gewand. Das hätte ich mir von jemandem, der Oasis entdeckte und Bands wie My Bloody Valentine und Primal Scream rausbrachte, ein bisschen anders vorgestellt, aber in England ticken die Uhren mittlerweile anders.
WeiterlesenPunchy: Just My Type
Oh je, amerikanischer College Rock. Soll das der neueste Trend sein? Nee, oder? Laaaaaaaaaangweilig! And not my f type.
(1 Fritte)
Punchy: Just My Type (Pinch Hit/Cargo)
Shantel: Greatdelay
Stefan Hantel ist Shantel, ein Frankfurter, den es nach Tel Aviv verschlagen hat. Dort erschuf er ein genreübergreifendes Album zwischen Elektronik (Drumcomputer, Keyboards) und Akustik (Streicher, Bläser), zwischen Orient und Okzident. „Greatdelay“ klingt dank der vielen verschiedenen Einflüsse leichtfüßig, interessant und erfrischend anders.
(7 Fritten)
Shantel: Greatdelay
(!K7/Zomba)
16 Horsepower: Hoarse

„…denn ihr selbst wisst genau, dass der Tag des Herrn kommen wird wie ein Dieb in der Nacht.“
(Th 5,2)
Bis es soweit ist, martern uns 16 Horsepower mit düsteren Vorahnungen und apokalyptischen Szenarien. Das aktuelle Live-Album wurde schon 1998 mitgeschnitten und gab es schonmal im kleinen Rahmen als Mailorder-Only-CD, daher fehlen Songs von „Secret South“ komplett. Schade, ändert aber nichts an der wahnsinnigen Ausstrahlung der Band.
WeiterlesenAt Vance: Dragonchaser
In schöner Regelmäßigkeit hat die deutsche Formation At Vance in drei Jahren drei Alben veröffentlicht. Dass Mastermind und Gitarrist Olaf Lenk jedesmal ein Klassikstück über’s Griffbrett jagt, ist absolut OK, aber welche Hardrock-Combo kommt auf die Idee, pro Album ein ABBA-Stück zu covern? Normalerweise wird sowas mit Agnetas Soloalben nicht unter 48 Stunden bestraft.
WeiterlesenEntwine: Gone
Ganz schlimm – schon wieder eine düstere Metal-Band aus Finnland, und schon wieder eine, die voll aufräumt. Entwine ist zwar die X-te Band, die klingt wie Sentenced, 69 Eyes oder (unvermeidlich) HIM. Dabei sind sie nicht so poppig wie Ville Valos Mannen oder so hart wie die Erstgenannten. Hinzu kommt, dass Mika Taurainen weder eine typische Gothic- noch eine Metalstimme hat.
WeiterlesenGigantor: Back To The Rockets
„Back To The Rockets“ ist das nunmehr fünfte Album der fünf Punkrocker Gigantor. Seit 1991 tatkräftig an vorderster Front aktiv und immer noch nicht müde oder berechenbar. Ganz im Gegenteil: Das Album „Back To The Rockets“ erschien bereits vor zwei Jahren in Japan und räumte dort mächtig ab. Ihre in japanisch gesungene Single „Asia No Jushin“ wurde sogar im ganzen Land in den Radios gespielt und somit verkaufte sich die CD dementsprechend rasant und oft. Nicht schlecht für eine Band aus dem Norden Deutschlands.
Jetzt sollen auch die hiesigen Fans in den Genuss des „neuen“ Albums kommen. 17 melodiöse Punkrock-Stücke und das Video zu „Asia No Jushin“ haben Gagu, Heiko Bendlin, Andreas Mertens, Jay Lansford und Jenzzz Gallmeyer anzubieten. Das sollte reichen, um auch hier etwas verloren geglaubten Boden im Nu wieder wettzumachen und an den Erfolg in Nippon anzuknüpfen. Denn was die Donots können, können Gigantor schon lange.
Gigantor: Back To The Rockets
(Steamhammer / SPV )
My Vitriol: Finelines
Die britische Musikszene hat es gut. Fast jede Woche taucht eine hochgradige Band aus dem Nichts auf und bewegt die Kritiker dazu, sie abzufeiern. So auch geschehen bei der Londoner Band My Vitriol. Das Quartett bestehend aus Som Wardener (Gesang), Seth Taylor (Gitarre), Carolyn Bannister (Bass) und Ravi Kesavaram (Schlagzeug) hat bereits vier Singles auf der Insel veröffentlicht und wartet jetzt mit ihrem Langspieler „Finelines“ auf.
WeiterlesenMarillion: Anoraknophobia
Marillion: Anoraknophobia
(Marillion / EMI)
Es gab vor Jahren eine Single von Gerd Knebel (damals Flatsch, heute Badesalz), die handelte auch von Anoraknophobia – da hieß es im Refrain: „Mama, ich bracúch‘ kein Anorak, ich will ’ne Bomberjack'“ (oder so ähnlich). Das aktuelle Album von Marillion mit dem bemerkenswerten Titel ist das 12. der Band und der „neue “ Sänger Steve Hogarth ist inzwischen auch schon 12 Jahre dabei. Ich selbst bin einer dieser Fish-Nachheuler, aber ganz nüchtern betrachtet kann Mr. Hogarth besser singen.
Of The Wand And The Moon: :Emptiness:Emptiness:Emptiness
Wie Honig auf warmem Toast breitet sich die Atmosphäre des Albums aus, Fast unmerklich, aber stetig stülpt sich die melodische Monotonie über den Hörer. Obwohl die einzelnen Instrumente auszumachen sind, besticht „:Emptiness:Emptiness:Emptiness“ durch klangliche Dichte. Die düstere Stimme von Kim Larsen tut ihr Übriges, dass man wohlig eingelullt wird.
Untitled
In Holland schicken sich derweil Heideroosjes an, ihrem Punkrock-Spektrum neue Ingredienzien beizumischen. Zum Beispiel S.O.D.-mäßiger Crossover („Nimby“), Folk („We’re All Fucked Up“) und Rap („Rechtsstaat“). Der Rest ist Vollgas-Punkrock.
(6 Fritten)
Heideroosjes: Fast Forward
(Epitaph/Connected)

