Goldfrapp: Felt Mountain

Wenn die Sängerin von Goldfrapp auf der Bühne steht – mit Brianna-Corrigan-Gedächtnis-Frisur und Wallekleid -, dann sieht sie aus, als wäre sie gerade aus dem Orchester von André Rieu geflohen. Brianna Corrigan war übrigens die Sängerin der Beautiful South. Ihr Lockenköpchen sah aus wie das von kleinen Plastikpüppchen, die nach Erdbeer riechen. Und es könnte zum Insignum guter Popmusik werden.

Denn auch Goldfrapp machen das, was von allen Menschen der Welt wohl am besten die Briten können: aus den berühmten 8 Tönen kleine Melodien so zu drapieren, dass sie wie der Schlüssel zu einer verzauberten, besseren Welt klingen.

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Veranda Music: Leblon

„Art Rock“, würde man gern sagen, wenn es nicht die pure Beleidigung wäre. Aber was „Veranda Music“ da mit ihrem zweiten Longplay auf die Beine gestellt haben, hat schon etwas ungemein Kunstvolles -ohne dabei je maniriert zu wirken. Stattdessen: Melodienseligkeit, schwelgerisch-spröde Riff-Ritte, Psychedelic, Leichtigkeit, Lounge und LowFi – und mitunter sogar hemdsärmeliger Rock mit Verzerrern. Aber eben auch Virtuosität, Transparenz, Chromatik, filigrane Latin-Harmonien (Leblon ist ein Stadtteil von Rio de Janiero), angejazzte Percussions, Hammond, Vibes und eine traumwandlerisch stilsichere Poesie nach Noten.

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Bananafishbones: My private rainbow

Da schien es schon, als seien Bananafishbones die hyperaktiven Nervtöter aus der letzten Bank… Und tatsächlich: sollte der Off-Beat je olympisch werden, ist das Trio ganz vorn mit dabei. Aber so schlimm, wie es die Vorab-Single „Glam“ vermuten ließ, wurde es nun doch nicht. Im Gegenteil, „My private Rainbow“ hält überraschend groovigen Americana parat – mal so pur, dass sich auch Son Volt und Co. warm anziehen müssen, bevorzugt aber immer noch als Plattform für Mätzchen à la Guerilla-TexMex: höher, schneller, weiter…

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Nightmares On Wax: DJ-Kicks

Die mittlerweile etablierte DJ-Kicks-Serie aus dem Berliner Hause Stud!o K7 hat nach Kruder & Dorfmeister, Kemistry & Storm, Stereo MC’s und Kid Loco ein weiteres Highlight anzubieten. Dieses Mal wurden Nightmares On Wax an die Plattenteller und Mischpulte gebeten, um die Remixkunst unter Beweis zu stellen. George Evelyn, der Nightmares On Wax-Mastermind, kam diesem Wunsch gerne nach. Der bei Warp unter Vertrag stehende DJ und Produzent aus Leeds hat mit den Alben „A Word Of Science: The 1st And Final Chapter“, „Smoker’s Delight“ und „Carboot Soul“ drei Klassiker des Elektrogenre komponiert, denen jede(r) globaldenkende Musikbegeisterte(r) wohl schon in der ein oder anderen Form begegnet sein dürfte/sollte.

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Sparks: The Angels

Die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn liegt in L.A., der Heimat der Mael-Brüder. Und „The Angels“ liegt musikalisch irgendwo zwischen Münchener Freiheit und üppigem Synthie-Geplucker, das seine New Wave-Wurzeln noch nicht ganz aus den Augen verloren hat. Aber was heiß schon „New Wave“ bei den Sparks? Einer bestimmten Stilrichtung waren sie eh nie zuzuordnen, machten einfach nur guten, manchmal schrillen Pop und grinsten mit irrem Blick von ihren Plattencovern.

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Leona Naess: Comatised

Warum Leona Naess nicht bald auf dem kommerziellen Niveau einer Sarah McLachlan oder Sheryl Crow sein sollte, ist nicht einzusehen. Sie sieht gut aus, orientiert sich am erfolgreichen Rezept, ihre für akustische Klampfe konzipierten Songs mit moderatem Rock und monotonen Drums aufzumöbeln – ja, und singen kann sie auch ganz nach Bedarf: mal fordernd, mal flehend, mal femme fatal, mal Familienmami.

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David Poe: David Poe

Wer seine Songs 1997 aufnimmt, sie erst drei Jahre später veröffentlicht und immer noch frisch wie eine Sommerbrise klingt, der verdient das Prädikat „zeitlos“. David Poe kommt aus New York, ist als Singer/Songwriter bei Sony in Ungnade gefallen und wird uns jetzt von Ulftone näher gebracht. Unter Regie von Produzenten-Ass T Bone Burnett sind elf introvertierte Songs entstanden, die jeden glücklich machen, der auf einfallsreiche Arrangement und überraschende Wendungen steht.

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Boxhamster: Saugschmerle

Kult – wenn irgend etwas so -sagen wir- seltsam ist, dass man es nicht beschreiben kann, wird daraus ganz schnell „Kult“. Nicht richtig schlecht, aber auch nicht wirklich gut, aber halt kultig. So schwärmt auch der Vertrieb: „Mein Gott, diese Band hat Leben gerettet! Es gibt sie seit Äonen und das letzte Album liegt mittlerweile fünf Jahre zurück. Leben gerettet? Von wem? Wo? In Oberhessen? Weltweit? Hab‘ ich wieder irgendwas nicht mitbekommen? Zurück zum Kult.

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Blue Haze – Songs Of Jimi Hendrix

Jetzt gibt’s Nachhilfe für alle Gitarristen. Die meisten, die ich kenne, sprechen von Jimi Hendrix als die Inspirationsquelle und bringen mit Mühe und Not fünf Songs von ihm zusammen. Jetzt ist Nachsitzen angesagt: Die Lehrer sind u.a. Walter Trout, Taj Mahal, Eric Burdon und Alvin Youngblood Heart. Die sechzehn Unterrichtsstunden behandeln so bekannte Themen wie „Hey Joe“ oder „All Along The Watchtower“.

Ganz im Ernst, gerade dieser Gassenhauer wird von Taj Mahal & The Hula Blues Band lustvoll zerpflückt und mittels Ukulele und Hawaiian Steel Guitar komplett neu interpretiert und geographisch verlegt. Walter Trout bleibt mit „Hey Joe“ nah am Original, während Eric Bibb „Angel“ kurzerhand zur Pianoballade umgestrickt hat. Fast alle Songs wurden erst in diesem Jahr aufgenommen und dienen nur einem Zweck: Der vorbehaltlosen Hendrix-Huldigung 30 Jahre nach seinem Tod am 18. September. Da sich hier nur gestandene Musiker oder junge Talente versammelt haben, die in der selben Tradition stehen, ist das Tribute-Album eine feine Sache. Bluesrock von den Großmeistern des Genres gespielt – von brillanten Gitarristen wie eben Walter Trout, Aynsley Lister oder Vernon Reid (ex-Living Colour).

Aufgrund der beteiligten Musiker und der emotionalen Interpretationen für Hendrix-Fans genauso interessant wie für die „Nachsitzer“.

V.A.: Blue Haze - Songs Of Jimi Hendrix
(Ruf Records)

The Go-Betweens: The Friends of Rachel Worth

„Melancholisch, romantisch und aus der Zeit gefallen“ schreibt der Kollege im Rolling Stone über das neue Go-Betweens-Album. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen. Zarte Gitarrenpop-Seide haben sie gesponnen, die beiden Australier. Grant McLennan und Robert Forster sind Anfang und Ende (?) der Go-Betweens: zu zweit fingen sie 1978 an, und zu zweit machen sie nun nach 11 Jahren Pause weiter. Der Kreis schließt sich. Und fast ebenso gleichmäßig und formvollendet, wie der Kreis an sich, klingt auch ihre Musik. Ohne dabei je steril zu wirken, bewahre. Leicht, federnd, intensiv und bittersüß – perfekteren Pop findet man kaum, allerdings auch kaum dezenteren. Go-Betweens-Songs knallen nicht. Höchstens, dass sie im Refrain plötzlich euphorische Ohrwurmqualitäten an den Tag legen. Ansonsten aber muss man sie schon einige Male hören, bis sie sich festbeißen.

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Charming Boys: Superchase

Die Idee ist nicht unbedingt so verkehrt, alte Blaxploitation-Tunes neu aufzulegen. Doch sie gerade mit Bigbeat zu kombinieren, halte ich für keine originelle Idee. Schließlich zählt Bigbeat im wahrsten Sinne des Wortes zu den schnelllebigsten Genres der letzten Jahre. Der Vorteil ist, die Musik geht schnell ins Ohr. Der Nachteil ist, sie ist ebenso flott wieder draußen und ward noch rasanter vergessen.

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DJ Koze: Music Is Okay

Stefan Kozalla ist Sänger, Gitarrist und natürlich DJ. Was in der heutigen Zeit kein Wunder ist. Bekannt wurde er als Mitglied der Hamburger Allroundtalente Fischmob, deren Zukunft seit der Trennung von Sven Francisco ungewiss ist. Koze, so nennt sich Stefan Kozalla, seit einigen Jahren, ist als DJ schon länger aktiv und hat letztes wie dieses Jahr auf der Popkomm live sein Können unter Beweis stellen dürfen.

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David Wilcox: What You Whispered

Gute Geschichten müssen gut erzählt werden. Auf das Tempo kommt es an, die Pausen und die Phrasierungen. „What You Whispered“ ist ein Storyteller-Album. Leise, mit tiefer, fast monotoner Stimme singt David Wilcox von seinem Leben. Mit leichtem Country-Einschlag pendelt er zwischen Bruce Cockburn und James Taylor. Zu deren Reife und Präzision fehlt zwar noch ein bisschen, aber man kann die musikalische Verwandtschaft deutlich hören.

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