Ottens/Rubin: Klezmer-Musik

Das Ziel des Buches

Jiddische Klezmer-Musik kennt heute fast jeder. Allerdings weiß kaum jemand, wo sie herkommt und welche Bedeutung sie in der jüdischen Kultur hat. Damit sich das ändert, hat das Autorenpaar Joel Rubin und Rita Ottens ein Buch veröffentlicht, das sich auf populärwissenschaftlichem Wege des Themas annimmt.

Das Wort „Klezmer“

Das Wort „Klezmer“ kommt übrigens aus dem Hebräischen und heißt eigentlich „Musikinstrument“. Seit dem 16. Jahrhundert steht es in Osteuropa für den Musikanten, und heute bezeichnet es einen spezifischen Musikstil.

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Benjamin von Stuckrad-Barre: Remix

„An der Strassenecke zu stehen und auf keinen zu warten, das ist Power“
(Gregory Corso)

Der Autor scheint solcherlei Erfahrung schon gemacht zu haben, ich übrigens auch. Deshalb kann ich von Stuckrad-Barres Werk auch ansatzweise nachvollziehen – hoffe ich zumindest. Aus vier Jahren, von 1996 bis 1999, erzählt der Autor seine weitläufigen Erlebnisse, Erfahrungen und Entdeckungen, die er in diesem Zusammenhang gesammelt hat. Sie reichen von den Spice Girls, Harald Schmidts Gagschreibern, Mädchen im Bad bis hin zu dicken Prominenten. Besonders nett fand ich persönlich, da ich das Buch zur Weihnachtszeit in die Hände bekam, dass gleich das erste Kapitel von Sylvester handelt. Variationsreich, teils ironisch, teils mit recht bissigem Humor nimmt der Autor das Zeitgeschehen und seine Tücken entweder auf die Schippe oder, dann erst recht, ernst. Er zeigt keinerlei Scheu, sich auch an unantastbaren Themen zu vergreifen, und diese auf seine, ihm eigene Art und Weise darzustellen.

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Basement Jaxx: Jump n´ Shout

Sie heißen Basement Jaxx, und sie haben nur eine Mission: zu nerven. Das soll keine Kritik sein, sondern nur betonen, dass der Sound des Projekts halt etwas extrem ist. Nix für Geschmacks-Weicheier oder den Beliebigkeits-Autopiloten. Der würde hier sofort Alarm schlagen. „Progressive House“ nennt das Label das. Klingt mehr nach ´ner Verlegenheits-Schublade, spricht also für Basement Jaxx.

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Bruce Cockburn: Breakfast In New Orleans, Dinner In Timbuktu

Unter Zeitdruck könnte man das neue Werk des Kanadiers mit vier Worten rezensieren: Beide Daumen hoch – kaufen!! Ich weiß nicht, wie er es macht, aber Bruce Cockburn schreibt seit seinem Debütalbum von 1969 unermüdlich Songs allererster Güte. Leider haben das bislang die wenigsten Menschen außerhalb Kanadas bemerkt. Aber auch auf seinem neusten Album wechselt er leichtfüßig zwischen zarter Poesie und anklagenden Polit-Songs. Wobei diesmal die Poesie und ein dezent ironischer Unterton die Texte mehr bestimmen als politische Inhalte.

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Seesaw: Come back and stay

Naja, auch mit String-Synths, Geräusch-Mätzchen, Hardcore-Riffs und Verzerrern wird eine „Come back and stay“-Coverversion keine große Sache. Ich hab den Song damals gehaßt, aber jetzt muß ich ihn in Schutz nehmen, außerdem lebte er vor allem von der überirdischen Röhre Paul Youngs und der gruseligen Atmo, die ihm das Original-Arrangement verlieh. Die Melodie an sich ist so toll nicht, dass sie in einer spröden Rock-Fassung viel hermacht. Und dermaßen gleichmäßig runtergenudelt, resigniert auch noch das letzte Quentchen Spannung und die ganze Sache klingt einfach nur lahm. Mußte es zudem unbedingt die 80er-Jahre-Retro-Masche sein? Nein danke.

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Dietrich Schwanitz: Bildung

„Bildung. Alles, was man wissen muss“. Schon der Titel ist eine einzige Provokation! So kennt man Dietrich Schwanitz, den ehemaligen Professor für Anglistik aus Hamburg und Autor des Romans „Der Campus“. Nun also ein Sachbuch. Mit ihm will Schwanitz gegen die Krise des deutschen Lehrbetriebs anschreiben, und zwar auf zweierlei Weise. Zum einen mit einem Einleitungs-Pamphlet über den „Zustand der Schulen und des Bildungssystems“, gerichtet an die Adresse von Lehrern, Eltern und Politikern. Und zum andern mit einem blitzartigen Streifzug durch den Grundstock des humanistischen Bildungsguts, adressiert an alle Interessierten, an Gebildete wie Ungebildete gleichermaßen. Und dies ist nur der erste Teil des Buches, ein weiterer Abschnitt ist dem „Können“, also der Anwendung des „Wissens“, gewidmet und wäre durchaus eine eigene Publikation wert gewesen.

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Lovatux: Stop hanging around

Schrammel-Pop aus England mit Ohrwurm-Melodien. Lässig, cool und romantisch. Mit hübschen Gitarren-Soli, wie man sie lang nicht mehr gehört hat. Brit-Pop? Nö, nicht in erster Linie. Dafür ist das Line Up zu gitarrenlastig. Keyboards haben hier nur unmerklich im Hintergrund was verloren. Aber das britische Pop-Gütesiegel klebt schon drauf. Eben das, was die Engländer den Amis in Sachen „Pop“ voraus haben: die Kunst zart-spröder, lässig-romantischer Gitarren-Arrangements. Pop-Appeal halt. Mit melancholisch-süßen, flotten Melodien, kunstvoll-simpel komponiert.

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Willard Grant Conspiracy: Mojave

Trali, trala, der Herbst ist da. Jetzt kriechen sie wieder aus ihren Löchern, diese herrlich modrigen Akustik-Klampfer mit dem ganzen Resonanzkörper voll Weltschmerz. Naja, nicht wirklich, aber die Musik von Willard Grant Conspiracy passt schon gut zur Saison. Mit ihrem 16-Mann-Line-Up sprengen sie die Singer-Songwriter-Schublade, obwohl sie genau danach klingen. Irgendwo zwischen Folk und Country, immer mehr mit viel Hall, nah dran an den Walkabouts, deren Support-Act sie längst waren, und beheimatet in Boston, an der amerikanischen Ostküste also. Ihr Name stammt übrigens von der Willard Grant Street ab, in der sie ihr erstes Album eingespielt haben.

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Wheat: Hope and Adams

Manchmal sind Bands, die sich nicht entscheiden können, die interessantesten. So wie Wheat, ein Trio aus Taunton, Massachussets. „Machen wir nun niedlichen, aber spröden Pop mit Synthies und Geschrammel, Low-Fi-Lounge, Noise oder ein bißchen Folk?“ mögen sich die drei gefragt haben. Gut, dass sie sich selbst keine Antwort geben konnten. Low-Fi und lazy klingt jedenfalls alles, was sie abliefern. Gut abgehangen, kratzig und dezent melancholisch mit viel Understatement. Aber auch mal mit halb-symphonischen Streichern, kombiniert mit absichtsvoll dilettantischer Melodika und betont gelangweiltem Genöle. Princes in rags…

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HipHop-Lexikon

Eins vorweg: Ich habe natürlich nicht alle Einträge in diesem Lexikon nachgeschlagen und auf ihre Richtigkeit überprüft. Dazu fehlt mir derzeit die Muse und vor allem die Zeit. Ich hoffe, ihr habt Verständnis dafür und akzeptiert trotzdem mein nicht zu voreilig gefälltes Urteil. Statt dessen habe ich die Tauglichkeit des Lexikons im Rahmen meiner täglichen Arbeit getestet. Ich habe nämlich mittels dieses Buches Artikel verfaßt und konnte so einige interessante wie auch wichtige Fakten in selbigem recherchieren.

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Brendan Perry: Eye Of The Hunter

Alle Gänsehäute in Hab-Acht-Stellung, hier kommt die ultimative Mischung aus Frank Sinatra, Nick Cave und Chris Isaak! Der perfekte Entertainer, geklont aus einer Hälfte des Goth-Duos „Dead can dance“. Muß man sich mal vorstellen! Drei Jahre nach dem letzten „Dead can dance“-Album jetzt also das erste Solo-Album von Brendan Perry. Und was für eines! Düstere Balladen mit viel Hall, süßlichen Melodien und spartanischer Instrumentierung. Verhuschte Synthies und dunkle Bläser, zartes Akustik-Gezupfe, jede Menge Pedal Steel Guitar, ein paar Streicher und ein jazziger Off-Beat-Rhythmus. Perry ist nunmal ein melancholischer Kaltblüter. Schneller als in Zeitlupe geht hier gar nichts. In seiner Ernsthaftigkeit und der ausgefeilten Produktion fast schon ein Singer-Songwriter-Werk oder ein hypersensibles Folk-Album. Wären da nicht der Hall, die Pedal Steel Guitar, die Synthies, die Bläser…

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Studio Grande: Studio Grande

Schrammelrock kann man nölig und betroffen schlenzen lassen (das nennt sich dann „Grunge“), man kann ihn aber auch ordentlich und stramm festsurren – und ab geht die Post (das machen Studio Grande)! Lange ist mir nicht mehr ein solch minimalistisches Line up untergekommen: Gitarre-Baß-Schlagzeug, und der Gitarrist ist zugleich noch der Sänger. Die meiste Zeit lassen Studio Grande es richtig krachen und bewegen sich irgendwo zwischen Independent und Punk, mitunter ufert die ganze Sache auch ein bißchen aus (das nennt sich dann „Noise“), aber zum Ausgleich gibt´s dafür auch einige langsamere Stücke, sogar eine wunderschön triefige Ballade („Manchmal“) – naja, wunderschön bis auf den Text, aber auf die Lyrics komm ich später noch zu sprechen, die haben´s verdient…

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Gus Gus: This is normal

Darauf habe ich nicht erst seit dem umwerfenden 4AD-Event auf der Popkomm gewartet, sicherlich eines DER Konzerte, das ich im Leben nie und nimmer missen möchte. Was dieses audiovisuelle Klangkollektiv an Performance darbietet, ist wohl mit einem normalen Bandformat nicht zu vergleichen. Der Sänger, von grünem Licht diabolisch angestrahlt, wirkte mit einer ungewöhnlichen, dafür umso markanteren Stimme wie aus einer anderen Dimension. Die tanzende Sängerin, oder besser gesagt, singende Tänzerin nahm mit ihrer björkhaften Manier nicht nur die Männerwelt in ihren Bann.

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Hardknox: Hardknox

Wenn Ihr Eure Anlage mal so richtig aufmischen wollt, dann legt Hardknox ein! Das klingt reißerisch, entspricht aber lediglich dem monsterhaften Sound des Big-Beat-Duos. Prodigy sehen arm dagegen aus, naja, sie sind zumindest melodischer verglichen mit Hardknox und machen im Gegensatz zu diesen regelrecht „Popsongs“. Hardknox-Songs sind stets akustische Massaker, selbst noch im Downtempo: grimmig, bedrohlich und laut. Das besorgen die Verzerrer, ohne die keiner ihrer Takes auskommt. Und schön phatt kommen sie daher, mindestens so phatt wie Propellerhead, die dagegen allerdings wie zahme Dandys wirken. Nur um nochmal das aggressive Potential von Hardknox zu unterstreichen, aber das steckt ja schon im Namen…

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Das Weeth Experience: Aural scenic drive

Läßt sich Trip Hop auch auf Gitarren spielen? Ja! Fragt „Das Weeth Experience“. Die machen´s euch vor. Spielen herrlich melancholischen Americana-Rock im Zeitlupen-Tempo, verlieren sich in endlosen Feedback-Schleifen, brechen mittendrin ab, fangen wieder an, lassen ihre Verzerrer krachen, die Stromgitarren heulen und geben der Lead-Klampfe für ein Solo „frei“. Pedal Steel Guitar und Vibraphon sind auch dabei. Manchmal zumindest. Kritiker schrieben einst: „Als wolle Neil Young Tortoise remixen“. Und das triffts.

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Kloster, Kölsch und Kaffee

Ein Gespräch mit Nick Laird-Clowes alias Trashmonk

Laird Clowes war in den 80ern Chef der Dream Academy, als Teenie – nachdem er mit 13 von zu Hause auriß, um zum Isle of Wight Festival zu kommen – Dauergast bei John Lennon (in dessen Haus er seinen ersten Sex hatte), später Mitbewohner von Paul Simon, Backing Vocals auf dem letzten T. Rex-Album, Mitarbeit an Pink Floyds „Division Bell“, von Brian Wilson als Genie bezeichnet und und und…

Nach neun Jahren meldet sich der Engländer jetzt mit eigenem Album zurück („Mona Lisa Overdrive„), das zurückhaltend und leicht verschroben klingt, wunderschöne lyrische Folksongs und beatle-esque Ethno-Elektronik-Fusion enthält und den gesammelten Weltreisen des Typs Rechnung trägt. Es ist sein erster Deutschlandbesuch, aber die Basics hat er schon drauf: „Ein Kolsch bitte“. Etwas sei noch vorausgeschickt: „amazing“ ist eines seiner Lieblingworte: amazing, isn´t it? It is.

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Console: 14 Zero Zero

80er-Jahre Synthie-Pop mit altmodischem Casio-Rhythmus und futuristischer Computer-Stimme, das ist die Basis von „14 Zero Zero“. Martin Gretschmann, der Sound-o-nat von The Notwist und der Mann hinter „Console“, ist allerdings kein Fast-Food-Stümper, sondern ein Tüftler vor dem Herrn, und so hat er einen netten kleinen, verschachtelten und mit allerlei Geräusch-Mätzchen gespickten Elektronik-Ohrwurm zusammengefriemelt, der sich fröhlich und luftig durch seine 3´45 min swingt!

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