Badly Drawn Boy: Once around the block

„Future Folk“ nennt die Plattenfirma das, was Badly Drawn Boy macht. Odyssee of the space farmer! Tatsache ist: der Einmann-Betrieb (Damon Gough) liefert wieder drei fröhliche Low-Fi-Kunstwerke ab. Und wenn man mag, kann man diesen Schrammel-Pop als „Folk“ bezeichnen.

„Once around the block“ ist clever gemachter Swing mit einem Hauch von Sixties. Der Anfang klingt ein bißchen wie das Intro von „Tanze Samba mit mir“. Dazu ein wenig Wah-Wah in der Gitarre, daß sie gerade so schmatzt. Obendrüber sprödes, aber munteres Sing-a-Long, denn Badly Drawn Boy will nie wirklich virtuos oder „schön“ klingen – tut es aber doch. Ätsch! Ein cool gezupfter Bass und kleine Vibra-Tupfer sorgen für den letzten Schliff.

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Tori Amos: To Venus And Back

„Venus Orbiting“ heißt die erste CD dieses Doppelpacks und liefert elf neue Studiosongs von Tori Amos. Die zweite CD trägt den Titel „Venus Live. Still Orbiting“ und beglückt den Fan mit elf Livestücken, die sie während ihrer Plugged World Tour ’98 mitschnitt sowie zwei weiteren Songs („Sugar“, „Purple People“), die während des Soundchecks aufgenommen wurden.

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Interview: Tindersticks

Ein Neuanfang?

Ich möchte nicht lange um den heißen Brei reden… Nicht jeder Kritiker scheint es zu mögen, das neue Album der britischen Band Tindersticks. Stagnation und Einfältigkeit wird ihr vorgeworfen. Vorwürfe, die ich überhaupt nicht teilen kann. Ich scheine einer der wenigen zu sein, der der Band weiterhin die Stange hält und die Melancholie und Düsternis ihrer Songs genießt. Doch, wie in meiner Rezension schon erwähnt, hat „Simple Pleasure“ auch einige fröhlichen Seiten zu bieten. Dickon Hinchcliffe, der seine Stimme, die zarten Klänge einer elektrischen Violine und eines Keyboards zum Gesamtsound beiträgt, stand uns für ein ausgiebiges Gespräch zur Verfügung.

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Today Is The Day: In The Eyes Of God

Vom zukunftsweisenden Noise Rock zum Satanismus. Das ist die teuflische Gradwanderung von Today Is The Day mit wenigen Worten ausgedrückt. Wer sie damals verehrte, wird kaum mehr der musikalischen Entwicklung von Mastermind Steve Austin folgen können/wollen. Der Grund für diese radikale Neuorientierung ist nicht bekannt. Wahrscheinlich war es der Austin immer schon angeborene Drang zum Extremen. Er wollte wohl mehr als nur einer der vielen kranken Noise Rocker sein und weitere Maßstäbe setzen.

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Junkie Xl: Big Sounds Of The Drags

Der Musikbastler Tom Holkenborg und sein Kompagnon Rudeboy (Urban Dance Squad) sorgten 1997 mit ihrem Erstschlag „Saturday Teenage Kick“ für mächtig Aufsehen. Der Erfolg stellte sich demnach schnell ein. Um allen zu zeigen, dass ihr Debüt keine Eintagsfliege war, sondern der Start für ein konkurrenzfähiges und innovatives Projekt, das durchaus Bandcharakter hat, steigern sie sich mit „Big Sounds Of The Drags“. Ein langes Jahr hat Tom in die Studioarbeit investiert, um das Album zu dem zu machen, was es letztendlich geworden ist: eine Ansammlung komplexer, tanzbarer Tracks, die ohne weiteres Vergleiche mit den Chemical Bros. standhalten.

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Mikolajewicz: Sven Die Gondeln Trauer Tragen

Trauer, Trauer, meine Damen und Herren. Nein, es geht nicht um unseren Willy Millowitsch, sondern um den für mich immer noch schmerzlichen Ausstieg von Sven Franzisko bei Fischmob, der deutschen Indie-Hoffnung überhaupt. Wie werden die Jungs die Trennung musikalisch verkraften? Welchen Weg werden sie zukünftig beschreiten? Fragen über Fragen, auf die keiner eine gute Antwort hat. Sven hingegen ist wohl schon über den Berg und hat nicht nur mit Lotte Ohm angebändelt (höre entsprechende Maxi: „Hinter Diesen Mauern“, erschienen bei WEA), sondern auch noch sein Soloprojekt Mikolajewicz reaktiviert. Erst hieß es im Jahre 1996 „Gleiche Höhe Ist Kein Abseits“, nun „Sven Die Gondeln Trauer Tragen“. In Sachen Albumbetitelung ist er halt stets für eine Überraschung zu haben.

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V.A.: Rise 13. Magick Rock Vol. 1

Wer in Sachen Stoner Rock auf dem Laufenden sein will, der fragt am, besten immer bei Lee Dorrian nach. Sein Ausstieg bei Napalm Death war der Startschuss für eine außergewöhnliche Karriere. Erst im ultraschnellen Grindcore verwurzelt, dann plötzlich im ultralahmen Doom abgetaucht. Irgendwann kam dann die Hippie-Begeisterung über ihn und auf einmal hatte er sogar sein eigenes Label gegründet.

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Chris Cornell: Euphoria Morning

Vielleicht ist es doch gut, dass Soundgarden das Handtuch geworfen haben. Zum einen waren sie auf dem Höhepunkt ihrer Karriere und hätten wohl nicht mehr erfolgreicher sein können; zum anderen liegt nunmehr das lang erwartete Soloalbum von Sänger Chris Cornell auf dem Tisch und entschädigt für so manche Durststrecke seit dem überraschenden Split im Jahre 1997. Dass er auch solo gut kann, das wissen eingefleischte Klanggärtner bereits seit dem „Singles“-Soundtrack und dem Weihnachtsliedchen „Ave Maria“, seinerzeit im Doppel mit Eleven. Jetzt ist er für ein ganzes Album in die Rolle des Singer/Songwriter geschlüpft (Ihr wisst schon, die depressiven Akustik-Klampfer mit der Pulle neben dem Schaukelstuhl auf der Veranda ihrer Farm klagend.).

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Bloodhound Gang: Hooray For Boobies

Der Erfolg der BLOODHOUND GANG ist vielen unbegreiflich. Nach ihrem Hit „Fire Water Burn“ wurde es erst einmal still um die Rasselbande. Dann kündigte sich ihre EP „Along Comes Mary“ an und plötzlich horchten alle auf. Der Song dudelt seitdem jeden Tag immer in der Disco, im Radio oder im TV; die EP schoss im Zuge dessen an die Spitze der deutschen Charts. Quo vadis, Vernunft und Sitte? In den Abgrund, das ist mal klar. Denn jeder, der sich mit „Hooray For Boobies“ eingehender befasst, wird feststellen, dass Harald Schmidt, Oliver Kalkofe und wie-sie-alle-heissen Schwachstecker sind.

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Days Of The New

Travis Meek ist Eigenbrötler, aber nicht seit jeher. Vor zwei Jahren stärkte noch eine komplette Band seinen Rücken (als das ebenfalls mit ‚Days Of The New‘ betitelte Debüt erschien), jetzt steht er völlig alleine da. Im Frieden soll man sich getrennt haben, denn Travis wollte seine „Vision ausleben und sah daher Days Of The New nicht mehr als eine kleine Rock’n’Roll-Band. Letztendlich war es so, dass es durchaus mit der Band hätte klappen können, wenn sie bereit gewesen wären, zu experimentieren.“

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The Tea Party: Triptych

Wäre da nicht eine große deutsche Ladenkette mit drei Buchstaben, die unbedingt dafür sorgen musste, dass dem deutschen Rockfan eine ganz besondere Perle nicht vorenthalten bleibt, „TRIPtych“ hätte noch etwas in den Lagerräumen der Plattenfirma geschlummert. Aber die Importabteilung von ‚WOM‘ wollte das neue Album der kanadischen Tea Party mit aller Macht einliefern, was in der Chefetage der deutschen Vertretung des Labels von Tea Party einen Stein ins Rollen brachte.

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Three Fish: The Quiet Table

Es ist mehr als ein Nebenprojekt, was Jeff Ament, Robbi Robb und Richard Stuverud vor ein paar Jahren ins Leben gerufen haben. Ihr Zusammenspiel könnte man fast magisch nennen. Wer weiß, dass hier Pearl Jam (Jeff) auf Tribe After Tribe (Robbi) trifft, der wird mit zustimmen. Das Trio, das sich schon auf Reisen nach Asien und Afrika inspirieren ließ, hat ein melancholisches, nachdenklich stimmendes Feuer entfacht, das auf den Namen „The Quiet Table“ hört.

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Fu Manchu: King Of The Road

Eins ist klar: Fu Manchu sind einer der ganz dicken Fische im Stoner Rock-Teich. Sie haben den Dreh raus, den Hörer zu fesseln. Ihre Gitarren-Riffs sind mörderisch. Sie kommen aus den Boxen geschossen und bohren sich in dein Gehirn und das fressen sie dann ganz geruhsam von innen heraus auf. Ohrwürmer halt. Dagegen ist kein Kraut gewachsen. Warum auch? Wollen wir ja so und nicht anders.

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Fink – Mondscheiner

Mondscheiner heißt eigentlich moonshine und ist ins Deutsche übersetzt illegal gebrannter Whisky. Die amerikanische Regierung macht je gerade mächtig Front gegen das illegale Schnapsbrennen, hebt Lager aus, zerstört den Fusel und verhaftet die Schwarzbrenner. Einige dieser Fusel sollen gar lebensgefährlich sein. Fink sind das nicht. Trotz aller Melancholie und schwarzem Humor in ihren Texten ist ihnen die Freude am Leben geblieben. Auch der Weggang zweier Musiker konnte die nunmehr wieder zum Quartett angewachsene Gruppe nicht erschüttern geschweige denn in den Tod treiben. Wer ein richtiger Cowboy ist, der kennt doch keinen Schmerz. Da heißt es Augen-zu-und-durch und schon ist die Welt wieder in Ordnung. Wäre auch blöd gewesen einfach die Flinte ins Korn zu werfen und den Sattel für alle Ewigkeit an den Nagel zu hängen. Ich hätte sie vermisst, die Musik von Fink.

1998 auf der Popkomm schleifte mich Kollege Keimel mit auf ihr Konzert und plötzlich ging mir ein Licht auf. Country ist verdammt cool und sexy. Hundertprozentig Country ist das nicht unbedingt, was uns mit „Mondscheiner“ in die Stube flattert. Auch Pop und Indie Rock erfüllen den Raum. Jedenfalls ist der Hang zur berittenen Musik unüberhörbar. Die dazugehörigen Texte sind teilweise sehr abstrakt und bizarr und immer wieder wunderschön und wunderbar zum Zuhören geeignet. Nils Koppruch hat nicht nur eine gute Stimme, er hat zudem Charisma und beneidenswerte lyrische und (mit seinen Kollegen) musikalische Ergüsse zutage gebracht.

Fink
Mondscheiner
(L’Age d’Or/Indigo)

In Extremo: Verehrt und angespien

Jeder kennt Kleinanzeigen wie „Rockband sucht dynamischen Drummer“. Wer als Musiker mit dem Begriff „Dynamik“ bisher nicht zurecht kam, sollte sich das neue Werk von In Extremo durch die Ohren pfeifen lassen. Drei dynamische Dudelsackspieler gepowert von einer dynamischen Rock-Band, gekrönt von einem frechen Sänger legen mit „Verehrt und angespien“ ein Album voller Kraft und Spielfreude vor. Ob wuchtige Riff-Bretter (In Extremo) oder Klänge der Spielleute (Herr Mannelig) – dieses Album kickt!

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Interview: Misfits

Vorbildlich

1976 gründeten Jerry Only (Bass) und Glenn Danzig (Gesang) die legendären MISFITS, von denen es weit mehr Bootlegs und Compilations denn reguläre Alben gibt. Dank der Mithilfe von Gitarrist Bobby Steele fand die Band schnell zu ihrem Punk-Sound. Einer erfolgreichen Karriere stand eigentlich nichts im Wege, doch erst nachdem sie 1983, als Glenn Danzig ausstieg, um SAMHAIN und später DANZIG zu formieren, abtauchten, wurde ihr Schaffen honoriert.

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