The Sea & Cake: Everybody

Chicago Revisited – Mach dein Ding! Die bereits im Jahre 1993 in der Bugwelle der so genannten Chicagoer-Post-Rock-Szene in Erscheinung getretene Band „The Sea & Cake“ macht auf ihrem nunmehr 7. Album „Everybody“ alles wie gewohnt „sophisticated“, nichts wie erwartet und gar nichts wie erhofft.

Die ersten 3 Alben von „The Sea & Cake“ zeichneten sich durch eine innovative, unangestrengt und entspannt klingende Ästhetisierung der Bezüge von Jazz und Folk auf Elemente und Klänge des konventionellen Rock aus (und damit im Sinne des Post Rock durch die Überwindung der traditionellen Rockkonventionen) – mit dahin gehauchtem Gesang und (teils) groovigen, afro-karibischen Gitarrensounds und Rhythmen. Ab Album Nummer 4 („The Fawn“) wurde dann ihr distinguiert-differenzierter Klang noch mit dem Zeitgeist entsprechenden elektronischen Texturen und Rhythmen erweitert, die den Sound über das Album „Oui“ bis zum letzten Album „One Bedroom“ im Wesentlichen prägten. Letztlich ließen jedoch die beiden vorgenannten Alben die erhoffte innovative musikalische Neuausrichtung vermissen, die man angesichts der musikalischen Sozialisierung und Historie der Bandmitglieder konsequenterweise erwartet und für möglich gehalten hätte. Sie mündeten doch zu sehr in (elektronisch verspielter) Gefälligkeit, als dass sie aufregende Spannung und Reibungspunkte zu erzeugen wussten.

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Biffy Clyro: Puzzle

Biffy Clyro wurden bisher in der breiten Öffentlichkeit in erster Linie als fleißige Handwerker wahrgenommen, die im Jahresrhythmus drei mehr als ordentliche Alben veröffentlicht haben, die von der Kritik sehr unterschiedlich aufgenommen wurden. Aber während viele andere Hype-Bands schon wieder verschwunden sind, stehen die drei Schotten immer noch voll im Saft und präsentieren mit ihrem vierten Album „Puzzle“ ihr vorläufiges Meisterwerk.

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Live: Mad Caddies

Köln, Live Music Hall, 31.5.2007.

Wenn ein Konzert ausverkauft ist, kann es schnell mal zur Qual werden. Es wird heiß, ist stickig, und unendlich eng. Heiß wurde es auch bei dem Mad Caddies-Gig in der Live Music Hall in Köln am 31. Mai. Doch eng und stickig? Nein, denn ganz hinten konnte man immer noch genüßlich Kölsch schlürfen und die Menge vor sich hüpfen sehen, wenn man denn wollte. Und ich wollte nicht, denn vorne drängelte, tanzte, sprang und schrie die Menge den Ska-Punk-Königen auf der Bühne entgegen, bei dieser Party musste man dabei sein!

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Mustasch: Latest Version Of The Truth

Latest Version of the Truth - Mustasch: Amazon.de: Musik

Knietief im Klischee — der dicke Deal mit Emi ist zwar weg, aber die dicke Hose bleibt. Nach wie vor auffallend ist der Mut der Schweden, ihren Schweinerock mit luftigen Instrumentals und neuerdings Streichern aufzureißen, aber mehr als ein bisschen Spaß kann man „The Latest Version Of The Truth“ nicht abgewinnen.


Knallige Songs, aber richtig uneingeschränkte Begeisterung will nicht mehr aufkommen. Gut gemacht, aber wenn’s mal wieder dicke Hose sein soll, lieber auf die neue Queens Of The Stone Age warten.

Das letzte Blumfeld-Konzert

„Superstarfighter“. Das ist er also. Der letzte Song, den Blumfeld in ihrer Karriere gespielt haben. Aber das passt, wie so vieles an Jochen Distelmeyers Band: „Und ich sagte: ‚Bitte hilf mir! Vergiss die Lieder, die ich spiel, die hatten nie etwas zu tun mit Dir, die sind so hohl wie ich´ und darauf Du: Und davon handeln wir.“

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Chuck Ragan: Los Feliz

Nachdem der Großteil von Hot Water Music seine Bestimmung in The Draft fand, versucht es der übrig gebliebene Chuck Ragan jetzt allein. Bevor das geplante Studiodebüt erscheint, veröffentlicht er mit „Los Feliz“ ein erdiges Livealbum mit zwölf Songs, energisch und kraftvoll zur akustischen Gitarre vorgetragen.

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Sioen: A Potion

Da Belgien nicht von einer atemberaubenden Nationalmannschaft verwöhnt wird, nutzen wir die bunte Fußballsprache zur Beschreibung der Musik: Stellt euch eine Mannschaft vor, die Teamgeist mit spielerischer Raffinesse verbindet und ihre technische Überlegenheit nur so beiläufig ausspielt, dass die Gegner gar nicht genau wissen, warum sie haushoch verlieren. Dabei geschieht das ganze so wenig großkotzig, dass die Sympathiewerte mindestens auf der Höhe von Mainz 05 liegen.

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Muff Potter: Steady Fremdkörper

Für Bands, die sich in einem klar abgesteckten musikalischen Umfeld bewegen und schon großartige Alben veröffentlicht haben, wird es mit der Zeit immer komplizierter. Nach den rauen „Bordsteinkantengeschichten“ (2000) folgte bei Muff Potter der große Schritt zu „Heute wird gewonnen, bitte“ (2003), bevor „Von Wegen“ (2005) den Status der Band nachhaltig zementierte. Unter diesen Vorzeichen ist „Steady Fremdkörper“ in den ersten Durchläufen eine milde Enttäuschung.

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CD-Neuheiten KW 20/2007

Stöhn! So viele neue CDs.
Unter den Preziosen dieser Woche findet sich auch eine neue Band namens Von Südenfed, die sich bei nähererem Hinsehen als Kooperation der zwei Mouse on Mars-Musiker mit The Fall-Frontmann Mark E. Smith herausstellt. Vielleicht hat Smith aber auch nur sämtliche in England in Frage kommenden Musiker schon gefeuert…

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Christopher Hjort: Strange Brew

Der norwegische Rockhistoriker hat wieder zugeschlagen. Nach seinem superben, 2000 erschienenen Handbuch zu Jeff Becks Karriere „Jeff’s Book: A Chronology of Jeff Beck’s Career, 1965-1980: From the Yardbirds to Jazz-Rock’ legt er nun mit einer weiteren Chronik nach. Dieses Mal widmet er sich dem „British Blues Boom“, der zwar mit Alexis Korner und John Mayall schon Anfang der 1960er Jahre startete, aber seine Blütezeit zwischen 1965 und 1970 hatte. Auf diesen Zeitraum konzentriert sich denn auch Hjorts opulenter, mit vielen Fotos und Faksimiles ausgestatteter Band.

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Karl Lagerfeld: Les Musiques Que J’Aime

Tolerance Records also. Da sind wir ja schon beim Thema. Man mag sich diesen extrem dünnen Modezar eigentlich gar nicht anschauen, wie er da breitbeinig und ernstem Blick auf dem Cover abgebildet ist – so als wolle er gleich den Colt ziehen und jeden Ungläubigen über den Haufen schießen. Dass ausgerechnet er jetzt eine CD zusammengestellt hat, das können sicherlich nicht viele gut heißen oder tolerieren.

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Wilco: Blue Sky

Jeff Tweedy hat es seiner Band und den Zuhörern nie leicht gemacht. Mit „Yankee Hotel Foxtrot“ (2002) und „A Ghost Is Born“ (2004) hat er Wilco bis an die Grenzen getrieben, um mit dem famosen Livealbum „Kicking Television — Live In Chicago“ (2005) das Bild einer tight rockenden Band zu zelebrieren. Selbst wenn er trocken singt „I survived, that’s good enough for now…“ ist „Blue Sky“ so viel mehr als das nackte Überleben.

Wilco bedienen sich in all ihren Schaffensphasen und wollen scheinbar nichts mehr beweisen. Außer vielleicht, dass Tweedy immer noch zu den besten Songwritern überhaupt zählt. „Blue Sky“ ist durch und durch traditionell und strahlt eine hippieske Grundstimmung aus, die sich an manchen Stellen auch in den Songs niederschlägt: In „Impossible Germany“ duellieren sich die Gitarren, während andere Songs gegen Ende die Revolution proben. Ansonsten gediegenes Handwerk, das — sollten Menschen in hundert Jahren unsere Kultur analysieren — bestimmt niemand dem immer noch neuen Jahrtausend zuordnen würde. Kurz: Zeitlos!

Wilco: Blue Sky
Nonesuch/Warner
www.wilcoworld.net
VÖ: 11.11.2007

CD-Neuheiten KW19/2007

Stöhn! So viele neue CDs.
Über 300 CDs wirft die Phonoindustrie allein am heutigen Freitag auf den Markt. Hauptattraktion unserer kleinen Vorauswahl ist „Sky Blue Sky“, die neue Wilco. Daneben gibt´s mit Musik aus Dänemark, Spanien, Österreich, Deutschland, Schweden und den Niederlanden einen überdurchschnittlich hohen Anteil Kontinentaleuropa:

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A Tribute To Joni Mitchell

Normalerweise stehen auf Kinoplakaten oder Festivalbillings die ‚Big Names‘ immer ganz groß, ganz oben. Für „A Tribute To Joni Mitchell“ werden die Namen der Beteiligten nüchtern alphabetisch aufgelistet. Wie soll man auch eine sinnvolle Reihenfolge in Namen wie Björk, Brad Mehldau, Elvis Costello, Prince oder Cassandra Wilson reinbringen? Endlich ein Tribute, auf dem sich nicht eine Horde zweitklassiger Bands an unerreichbaren Vorbildern versucht und zum Glück eine Erfüllung der daraus resultierenden Erwartungen.

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