The Faint: Wet From Birth

Dieses Album hat eine Geschichte und die geht so: Fünf Musiker mieteten vor etwa einen Jahr in Omaha ein Lagerhaus an, das vollgestopft mit defekten Wäschetrocknern und Waschmaschinen war, und von der Band fortan für Parties und Proben genutzt wurde.Sie tauften es „The Orifice“. Ein Begriff aus der Anatomie, der so viel bedeutet wie Öffnung oder Mündung. Waren mir ihre ersten Veröffentlichung noch etwas zu schräg und unausgewogen, überzeugt das neue Material. Es ist rockiger und tanzbarer zugleich.

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Musikbücher XI

Bis Butler James wieder über’s Tigerfell stolpert, sind es noch etliche Wochen hin, in denen viel passieren kann: Vielleicht wird endlich die Deutschquote im Radio eingeführt und wir dürfen nicht nur angloamerikanischen, sondern auch deutschen Hitparadenschrott genießen. Oder, who knows, HINTERNET startet einen neuen, spannenden Fortsetzungskrimi. Mag da kommen was will, eines steht jetzt schon fest: Mein nicht nur Musik-Lieblingsbuch 2004 heißt „Please kill me. Die unzensierte Geschichte des Punk.“

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Battlefield Band: Out For The Night

Die Tage werden kürzer, die dunkle(re) Jahreszeit macht sich langsam breit, eine gewisse Schwermut greift um sich. Da empfiehlt es sich, etwas „abzuhängen“, ohne sich gleich „hängen zu lassen“: sich bequem zurücklehnen, vielleicht bei einem Scotch? Den passenden Soundtrack könnten Jackie Leven, Nick Drake oder Michael Weston King bieten. Aber das würde mir dann doch etwas zu melancholisch geraten.
Ich lege da lieber eine Platte auf, die mich auch noch zum Füße wippen animiert: z. B. was von der unverwüstlichen Battlefield Band (BB) aus Glasgow. Zugegeben, die machen seit rund 35 Jahren (!) – in wechselnder Besetzung – mehr oder weniger traditionellen, minimal elektrifizierten Scottish Folk, aber das nach wie vor mit viel Verve, Seele und handwerklichem Können.

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Steve Marriott: All Too Beautiful…

Zu schön wär’s in der Tat gewesen, wenn Steve Marriott zu Lebzeiten noch mitbekommen hätte, wie seine Art des Songwritings und der Performance – melodisch und schnörkellos, direkt und energiegeladen – von „nachgewachsenen“ Rockmusikern unterschiedlichster stilistischer Ausrichtung geschätzt und teilweise adaptiert wurde. Gewiss, schon zu Punkrock-/New Wave-Zeiten bekannten Mitglieder der SEX PISTOLS, von THE CLASH und THE JAM, dass der „magic midget“ sie beeindruckt hatte, und selbst Hardrock- und Metal-Bands wie QUIET RIOT oder KEEL erwiesen ihm die Ehre. Das freute ihn, und hin und wieder jammte Marriott denn auch, z. B. mit Johnny Thunders oder Ted Nugent.

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Branded Women: Velvet Hours – Stolen Moments

Wow, starker Anfang. „Still In Me“ ist ein wunderbar morbider Opener zwischen Folk und Rock, präsentiert von einem Mädelsquartett mit einem Quotenmann an den Drums. Was danach kommt ist nicht wirklich schlechter, aber da die Songs nicht mehr so richtig zünden wollen, versandet die gute Grundausrichtung mit zunehmender Spielzeit. Interessant, aber noch nicht 100% alltagstauglich.

(5 Fritten)

Branded Women: Velvet Hours – Stolen Moments
Ranch/Spinefarm

The Good Sons – Cosmic Fireworks

Das war längst überfällig: eine Werkschau der angeblich „amerikanischsten“ Band Englands.Im Mittelpunkt des in Preston/Manchester beheimateten Quartetts
stand Michael Weston King, der sich inzwischen als Singer/Songwriter einen Namen hat machen können. Mit seiner alten Truppe hatte er jedenfalls vier recht unterschiedliche Alben abgeliefert, die man im weitesten Sinne dem „Americana“-Genre zurechnen könnte. Die Doppel-CD im Digipack ist hübsch aufgemacht, die Stücke-Auswahl einigermaßen repräsentativ (u. a. mit Townes Van Zandt als Gastsänger bei „Riding The Range“); leider sind nur drei Bonustracks drauf – darunter eine starke Version des CCR-Songs „Someday Never Comes“.

(8 Fritten)

The Good Sons
Cosmic Fireworks - The Best Of The Good Sons 1994-2001
Phantasmagoria/Twah!
VÖ: 27.9.2004

Finkenauer – Völlig egal

Pascal Finkenauer ist ein Teil des Duos The Black Cherries, das man ohne Übertreibung als die deutsche Antwort auf den New Yorker Garage-Sound der Strokes bezeichnen kann. Solo indes schlägt die Melancholie, der Pop, das Träumerische, das Zarte und das Lyrische in Finkenauer durch. Es geht ihm in seiner Musik um Momente, „in denen sich Poesie zu Wort meldet, schon fast unhöflich wird. Ich möchte meine Ängstlichkeit vor sich selbst und vor den anderen untergraben“.

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Brand Nubian: Fire In The Hole

Neben dem überzeugenden Debüt von Sharkey, wartet das Label Babygrande beziehungsweise deren Deutschlandvertretung CNR Records mit einem weiteren HipHop-Leckerbissen auf: ein neues Album der legendären Band Brand Nubian.1995 hatten sich die New Yorker um Lord Jamar und Sadat X aufgelöst. Der großartige Grand Puba (siehe auch die Kritik zum Sharkeys Album) war schon 1992 von Bord gegangen, um solo Erfolge zu feiern. Ende der Neunziger dann das Comeback mit der Veröffentlichung des Albums „Foundation“, von der Kritiker- und Fangemeinde hoch umjubelt. Jetzt Schlag zwei seit dem Neuanfang: „Fire In The Hole“.

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Nosliw: Mittendrin

Sieht man sich in den Plattenläden um, so stellt man fest, dass die Reggae- und Dancehall-Abteilungen größer und größer werden. Die Nachfrage an dem Sound aus Jamaika wächst stetig. Selbst in Deutschland ist ein einheimischer Reggae/Dancehall-Künstler keine Seltenheit mehr. Es sei an Seeed, Gentleman, Patrice, die Sam Ragga Band und D-Flame erinnert. Ein Neuling in diesem erlesenen Kreise ist Nosliw.

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Live: Bernd Begemann und die Befreiung

Bielefeld, JZ Kamp, 21.09.2004

Bernd Begemann singt und tanzt, die Befreiung rockt und jazzt, alle zusammen haben eine gute Zeit. Das Konzept Bernd & Band funktioniert inzwischen sehr gut, so dass es nichts zu meckern gibt. Die meisten Songs funktionieren, es gibt Raum für Instrumental-Improvisationen und kleine Scherze am Rande. Das ist solide Unterhaltung, nicht mehr, aber auch nicht weniger – und etwas anderes will es ja auch gar nicht sein.

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