Stephen Duffy & Lilac Time – Keep Going

Stephen Duffy? Genau: „Tin Tin“, früher Mitglied bei Duran Duran und mit „Kiss Me“ wahrscheinlich der einzige Hit. Die Schatten der Vergangenheit hat er hinter sich gelassen und präsentiert mit seiner Combo The Lilac Time ur-britische Songwriter-Kunst. Wer Roddy Frame oder Divine Comedy mag, kann mal sein Ohr für „Keep Going“ schon mal öffnen. Ganz große Nummern wie „So Far Away“ sind zwar etwas selten, aber Stephen Duffy überrascht mit einem zeitlosen, sympathischen Popalbum, das auf Dauer leider ein bisschen langweilig ausgefallen ist.

Death Cab For Cutie: Transatlanticism

Das Album „Transatlanticism“ ist ein „Grower“. Es wächst mit jedem Hören, es wächst über sich hinaus und es wächst dir ans Herz.
Auch, wenn es in jeder Kritik steht, es lässt sich vieles damit erklären: Marcus Wiebusch (Kettcar) und Thees Uhlmann (Tomte) sind die Köpfe des Hamburger Labels Grand Hotel van Cleef und wenn man weiß, dass Marcus mit seinem inzwischen stillgelegten Label B.A. Records die Weakerthans nach Deutschland holte, weiß man auch, warum Death Cab For Cutie auf GHVC willkommen waren.

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Boysnightout: Make Yourself Sick

Irgendwann haben sich alle Genres die Hörner abgestoßen, man hat seine Favoriten eingesammelt und wenn niemand die Schubladenkruste aufbricht, haben es Nachkömmlinge extrem schwer. Boysnightout aus Kanada surfen an den bekannten Emo-Größen vorbei und schaffen es relativ zielsicher, ihren Vorbildern ein bisschen Gischt in die Augen zu spritzen. Gute Songs sind schon da, wenn jetzt noch die Eigenständigkeit mit aufs Brett kommt, könnte für Boysnightout nach oben noch eine Menge drin sein.

(7 Fritten)

Boysnightout: Make Yourself Sick
(Ferret)

Harmful: Sanguine

Manchmal durchzuckt mich dieses musik-patriotische Gefühl, dass es seit einigen Jahren wieder zunehmend gute Musik aus Deutschland gibt. Speziell im Rocksektor haben die Musiker hierzulande extrem aufgeholt und müssen nicht mehr fürchten, international belächelt zu werden. Ganz aktuell haben Harmful mit ihrem fünften Longplayer „Sanguine“ diesen Quantensprung geschafft und reihen sich locker in die großen Namen des Alternative-Rock ein.

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Crowfish: Requiem For A Broken Heart

Der Pop-Punk der bulgarischen Band Crowfish hört sich mehr nach Progrock an als nach irgendetwas anderem. Die Jungs aus Varna haben beim Komponieren etwas zu sehr auf ihren Kopf denn ihren Bauch gehört. Zu kalt und künstlich sind die Songs. So als wollten Dream Theater eine beliebige Emo-Pop-Band covern. Es fällt daher schwer, mit „Requiem For A Broken Heart“ warm zu werden.

(4 Fritten)

Crowfish: Requiem For A Broken Heart
(Freecore/Alive AG)

The Fire Theft: s/t

Mit Jeremy Enigk, William Goldsmith plus Nate Mendel ist mit The Fire Theft der Kern von Sunny Day Real Estate zurückgekehrt. „The Fire Theft“ macht den Hörer fassungslos – die einen vor Entsetzen, die anderen vor Erstaunen. Die Argumente für oder gegen das Album sind die gleichen: große Emotionen, weit reichende Spannungsbögen, versponnene Instrumentalspielereien und ein unüberhörbarer Hang zum 70er Jahre Art-Rock.

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Rotes Haus: 73,29 minutes to save the world

Eine bunte Anzeigenkampagne weckte diesen Herbst Interesse am potenziellen „next big thing“: modern, international, hip und engagiert. „Rotes Haus“ enttäuschen diese Erwartungen. Der Hamburger Elektropoprock erinnert immer wieder stark an Chumbawamba und eine gewollte aber nicht gekonnte dünne Asian Dub Foundation-Kopie. Dazu kommt nicht besonders ausdrucksstarker Gesang, lethargischer Sprechgesang und ein paar eckig-holprige Raps.

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Stoppok: Bla-Bla Nonstop

Ich geb’s zu – ich musste Stefan Stoppok erst live sehen, um mich mit seinem Werk nochmal intensiver zu beschäftigen. Ich hab‘ ihn irgendwann mal in die Schublade „Ruhrpott-Knödler“ gelegt und ihn dort fälschlicherweise nicht mehr raus gelassen. Asche auf mein Haupt, zuerst hat mich sein akustischer Auftritt bei den Acoustic Stories II überzeugt, danach sein vor kurzem erschienenes Album „Bla-Bla Nonstop“.

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Billy Talent: Billy Talent

Was ist das? Eine Band, die ganz gewöhnlichen Rock spielt und die man definitiv in keine Schublade stecken kann? Man ringt nach Einflüssen, sucht nach Parallelen und kommt nur zu dem Schluss, dass das alles schonmal da war, aber eben nicht in dieser Form. Das Quartett Billy Talent hat sich mehr als zehn Jahre den Hintern abgespielt, um jetzt mit seinem Debütalbum vom Stand weg den großen Wurf zu landen.

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Pennywise: From The Ashes

Wenn es eine Band gibt, von der man keine Innovation erwarten darf, dann ist das sicherlich Pennywise. Die alten Recken prügeln auch auf „From The Ashes“ in munterer Punkmanier ihre Hymnen unters Volk. Dass man ihnen die Stagnation nicht übel nimmt, liegt zum einen daran, dass sie immer noch riesige Nummern schreiben („Falling Down“, „Judgement Day“), zum anderen aber auch an der Ambition, mit der das Quartett nachdrücklich am Hirn des Hörer rüttelt.

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Chartskritik 29.9.2003

Mh, wo fang ich denn heut mal an? Also gut, bei den Damen. Was ist das denn für ein Fummel, Evanescence-Sängerin Amy, bitteschön, den sie da tragen? Irgendwas Weinrotes mit ganz vielen Ledergürteln, bis unter die Achseln. Bei Dee Snider ausgeliehen? Bei Osbournes ausm Kleiderschrank geklaut? Ach bitte, der ganze Leder- und Schlaufenscheißdreck bei den Metal-Bands war doch in den 80ern schon peinlich. Aber ansonsten: „Going under“ (Platz 20) ist natürlich super!

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Favez: Bellefontaine Avenue

Die fleißigen Schweizer haben auf ihrem vierten Album die Zügel selbst in die Hand genommen und „Bellefontaine Avenue“ komplett in Eigenregie eingespielt und produziert. Zierte das zweite und dritte Werk noch der große Name von John Agnello, kann man das Fazit ziehen, dass die Sympathen aus Lausanne dem Herrn fleißig auf die Finger geschaut haben. Das Album klingt frisch und unverbraucht und pendelt auf angenehme Weise zwischen jugendlichem Heißsporn und Erfahrung.

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Jill Parr: Orbit

Jill Parr ist so eine Art rothaarige Vanessa Amorosi, von der man ein bisschen Pop-Appeal abziehen kann und übrig bleibt eine wahrlich beeindruckende Stimme. Das macht zwar „Orbit“ nicht wirklich spektakulär, aber wenn ihr auch eine Partnerin habt, die das Autoradio bei Leann Rimes lauter dreht, könntet ihr mit Jill Parr einen Überraschungserfolg landen.

(6 Fritten)

Jill Parr: Orbit
(Butterfly/Gerth)

Kju: The Pices Fit

Ein merkwürdiger Bandname, eine umso bessere Band aus dem bundeskanzlerischen Hannover. Emorock, der nicht vom Fliessband kommt, und insbesondere durch Sänger Tobias Hartwig eine ganz eigene Note aufgedrückt bekommt. Lebendig, kraftvoll, bewegend, treibend und zum Moshen animierend. Ach ja. Guido Lucas hat produziert, dass heißt mal wieder: Der Sound ist vom Feinsten.

(8 Fritten)

Kju: The Pices Fit
(Swellcreek/Soulfood)