Judas Priest: Live In London

Seit Rob Halford nicht mehr dabei ist, müssen sich Judas Priest ständig anhören, dass nichts mehr so ist wie früher und Ripper Owens steht nach wie vor hart in der Kritik. Dass es dafür nicht wirklich einen Grund gibt, unterstreicht die Doppel-Live-CD „Live In London“. Bestens aufgelegt präsentiert die Band insgesamt 25 Kracher und klingt dabei immer noch frischer als so mancher dauergewellte Italiener.

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Eyes Adrift: Eyes Adrift

Curt Kirkwood (Meat Puppets), Krist Novoselic (Nirvana) und Bud Gaugh (Sublime) – was müssen die drei Jungs der Musikwelt noch beweisen? Allein die Namen ihrer Bands stehen für Qualität und teilweise schon ikonenhafte Verehrung. Als Eyes Adrift haben sie sich jetzt zusammengeschlossen und statt einem rauschenden Schlussplädoyer gibt es ein bescheidenes Statement: Ein guter Song ist ein guter Song und der Independent-Geist hat weiterhin keine Lust auszusterben.

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Robbie Williams: Escapology

Hoffentlich wird es nicht zur Gewohnheit, dass ich Nummer-Eins-Alben aus Neugier anhöre. Grönemeyer würde noch gehen, Springsteen auch, die Gerd-Show oder Wolfgang Petry würde mein Mitbewohner aber nicht ohne Kampf ins Haus lassen. Die Wahrheit ist, dass ich mich nie um aktuelle Hit-Platten gekümmert habe (mit einer Ausnahme: 1987, als ich sehr froh war, dass George Harrison die Charts noch mal eroberte – das waren noch Zeiten!).

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Blindside: Silence

Wenn eine Band kommerziell gesehen durch die Decke startet, spült das immer eine Hand voll Bands mit hoch, die im Dunstkreis der Künstler stehen. P.O.D-Sänger Sonny schwärmt vollmundig und hat die vier Schweden fleißig mit auf Tour genommen. Selbst wer P.O.D. nicht mag, sollte Blindside antesten. Die grundsätzliche Richtung ist zwar ähnlich, aber die das Quartett geht um einiges variabler und melodischer zu Werke. Ähnlich wie im vergangenen Jahr Liquid Gang überraschen Blindside mit einer ungehobelten Energie und gekonntem Songwriting in allen Facetten.

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Die Top Ten 2002

10 „Just more“ Wonderwall

Ganz schwerer Fall. Denn: Video wunderschön. Tolle Bonbonfarben, hübsche Requisiten, interessante Perspektiven – so, wie ein Popvideo eben sein soll. Aber der Song: unerträglich. Vor allem die kieksige Babystimme der Vorsängerin. Wär nett, wenn sie nicht ganz so auf „mädchenhaft“ getrimmt würde. Und überhaupt, der Song: hat den jemand noch im Ohr? Ich kannte den noch nicht mal. Was bitte macht er dann auf Platz 10 der Jahresbilanz?

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Chartskritik – Der 2002-Jahresrückblick

So´n Blick in die Jahrescharts sollte man regelmäßig tun – er könnte zu mehr Demut führen. Vielleicht auch einfach zu mehr Scham. Und zu tollen neuen Vorsätzen: Wir wollen nicht mehr so viele 80er-Jahre-Covers kaufen. Wir wollen keine Shakira mehr fördern. Wir werden auch die Finger lassen von schlechten Comedy-Songs. Und statt dessen kaufen wir 2003 viel mehr Sophie Ellis Bextor. Und mehr Zweiraumwohnung.

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Fatso Jetson: Cruel & Delicious

Auf dem Label von ex-Kyuss-Gitarrero Josh Homme erscheint das vierte Werk von Fasto Jetson. Wie Hommes aktuelle Band Queens Of The Stone Age verstehen es Fatso Jetson einen bunt gemischten Cocktail der Marke Stoner Rock’n’Roll zu reichen, der bei jedem Strohhalmzug anders mundet. Um es kurz zu machen: Wer ohne QOTSA und Masters Of Reality nicht leben kann, der braucht unbedingt auch diese Band zum Weiterleben.

(8 Fritten)

Fatso Jetson: Cruel & Delicious
(RekordsRekords/EFA)

Die Top Ten vom 23.12.2002

  1. „We’ve Got Tonight“ Ronan Keating & Jeanette

Im Gegensatz zur Kollegin kp kann ich schon mit Jeanette solo nichts anfangen…

  1. „Jenny on the block“ Jennifer Lopez

Ein Video, das richtiggehend peinlich um eine irgendwie geartete Form von credibility bemüht ist.

  1. „Abschied nehmen“ Xavier Naidoo

Von 0 auf 8. Wieso hat das so lange gedauert? Ich dachte, ich hätte den Song schon vor Wochen, ach: Monaten als Video gesehen.

  1. „Skin on skin” Sarah Connor

Sollten die ganzen Top100 Videos mit Strandszenen einfach eine Reaktion auf das kalte Wetter in unseren Breiten sein. Läßt sich so auch Las Ketchup erklären? Leider ist der Hinternet-Hauspsychologe schon zum Urlaub auf Lanzarote.

6 . „Ketchup song” Las Ketchup

The song that wouldn’t die.

  1. „Dilemma” Nelly feat. Kelly Rowland

Der Song bewegt sich zumindest ein bisschen. Und glücklicherweise nach unten.

  1. „Mundian to Bach Ke“ Panjabi MC

Keine Ahnung, worum es geht, keine Ahnung, was diesen Titel in die Charts (und jetzt sogar wieder 5 Plätze nach oben) treibt. Und mit weihnachtlicher Besinnlichkeit hat das auch nix am Hut. Danke!

  1. „Feel” Robbie Williams

Kollege Mike liebt das neue RW-Album und hat die Theorie, dass die besten Stücke nie zu Beginn ausgekoppelt werden. Das läßt den Chartskritiker für 2003 hoffen.

  1. „Lose yourself” Eminem

Das Teil rockt, das Einzige, was mich nervt ist der ständige Hinweis auf „8 Mile“, den Film mit Eminem.

  1. „Steuersong” Die Gerd Show

In launiger Runde gebe ich neuerdings den Elmar Brandt-Imitator. Genauer gesagt imitiere ich Elmar Brandt wie er die Lache unseres Bundeskanzlers nachmacht. Harr-harr-harr! So sorge ich dafür, dass der Steuersong irgendwann aus den Charts herausfallen wird. Harr-harr-harr!

Curly: Natural

Bei einer Casting-Combo nicht genommen worden zu sein, ist ja eher ein Kompliment als ein Misserfolg. Curly wäre beinah ein Nicht Engel geworden und hat das knapp verpasste Ziel und den Popularitätsschub genutzt, um jetzt ihr erstes Soloalbum auf den Markt zu bringen. Althase Leslie Mandoki hat sie unter seine Fittiche genommen und ihr zwölf Popsongs zur stimmlichen Veredelung vorgesetzt.

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Chartskritik 23.12.2002

Da unsere etatmäßige Chartskritikerin noch zu sehr mit dem Schmücken der Hinternetweihnachstbäume beschäftigt ist, ist mir die ehrenvolle und vor allem unerwartete Aufgabe zuteil geworden, die letzten Vorweihnachtscharts zu verarbeiten. Au weia. So finde ich mich also am Sonntagmorgen um 10.00Uhr statt vor einem Frühstücksei vor einem Fernseher wieder, um mich von Mola durch Vivas Top 100 begleiten zu lassen.

Um das gleich vorwegzunehmen: Herr Mola bestätigt wieder alle in ihn gesetzten Hoffnungen mit albernen Anmoderationen, alberner Mütze und falschen Aussprachen. Aber zumindest seine Eingangsfrage ist mehr als berechtigt: „Wieviel Weihnachtssingles kann ein Top100-Zuschauer ohne Hirnschaden ertragen?“ Bitte bleiben Sie dran, schalten Sie nicht um, vielleicht tut sich noch ‚was im Laufe dieser Kolumne.

Platz 99 (Faboulos feat. P. Diddy) und Platz 96 (Fat Joe feat. Ginuwine) zeigen verdammt viele Ähnlichkeiten: jeweils Rap mit leidlich smoothem Soul-Gesinge gemischt, im Video jede Menge gutaussehender Mädels (nicht wirklich eine Überraschung, oder?) und mindestens eine (im Fall des fetten Joes allerdings ziemlich künstlich aussehende) Paar-am-Strand-Szene. In der Schule wurde dann immer gefragt: „Wer hat von wem abgeschrieben?“

In der Hinternet-Redaktion gibt es für bestimmte Musik den feststehenden Begriff „Mark Oh-Scheiß“. Apollo, mit „Dance“ auf Platz 92, ist ein klarer Fall von „Son of Mark Oh-Scheiß“ und das Video ein noch klarerer von „Son of Mark Oh-Video-Scheiß“. Kann da nicht mal der Kinderschutzbund eingreifen und die Kinder davor schützen in solch albernen Videos auftreten zu müssen. Oder wenigstens uns vor der Ausstrahlung dieser Videos.

Weihnachtswahn frißt’s Hirn mir an, part1: Loonas „Colors“ ist wieder eine dieser langsamen Balladen, die wie fürs Weihnachtsgeschäft gezimmert scheinen. Auf Platz 79 eingestiegen liegt der Verdacht aber nahe, dass das Timing nicht optimal war. Um mit dem alten Musikkritiker Rilke zu sprchen: „Wer jetzt keinen Top10-Platz hat, der schafft es nimmermehr“.

Schade, dass Missy Elliott mit ihrem „Work it“ weiter auf dem Weg nach unten ist, denn das Stück hat Pep und das Video Witz: über das Hinternwackeln von Missy E. und ihrer Tanztruppe mußte ich schon heftig schmunzeln. Eine schöne Parodie auf die ganzen Arsch- und Tittenvideos ihrer HipHop-Kollegen.

Womit wir eigentlich schon auf Platz 48 bei Ja Rule feat. Bobby Brown wären. Und der Frage wieviele Variationen dieser Art von Video es eigentlich schon gibt? Gemeint sind Videos, die aus nicht anderem bestehen als aus einem oder mehreren rappenden Schwarzen, einem Auto (gefüllt mit einem oder mehreren rappenden Schwarzen) und vielen Mädels, ebenso gut gebaut wie spärlich bekleidet. Der Regisseur von „Thug‘ Lovin'“ hat sich immerhin noch einen Gag einfallen lassen und stellt in einer Szene die Hüpfmenge einfach vor einen – wunderbar unmotivierten – Helikopter.

Man soll ja das Positive nicht vergessen in diesen Dauermäkelzeiten. Also: André Vidors „Don’t Go“ freut mich, denn dieses nervige Yazoo-Cover bedeutet immerhin Tantiemen für Vince Clarke (und dem gönnen wir das mehr als allen Mark Ohs dieser Welt). Die Macher dieses Sakrilegs hatten aber wohl selbst ein schlechtes Gewissen und deshalb laufen Musik und Video wie im Schnellvorlauf. „Schnell durch damit, vielleicht merkt keiner, was für einen Scheiß wir uns hier erlauben.“ Ha! Mit uns nicht!

Weihnachtswahn frißt’s Hirn mir an, part2: Ostern ist doch eigentlich das Fest der Wiederauferstehung, wieso kommen dann all die Leichen und Zombies zu Weihnachten wieder in die Charts??? Chris Rea, Melanie Thornton und Wham! alle auf dem Weg nach oben. Oder sind das nur die schädlichen Nebenwirkungen von all der Weihnachtsbimmelei in den Kaufhäusern?

Absoluter Aufreger für Euren zartbesaiteten Aushilfschartskritiker ist E Nomine: apokalyptischer Mummenschanz für den sich bedauerlicherweise Christian „The Voice“ Brückner als Schmierendeklamateur verpflichten ließ. Das einzig Gute an dem Stück: danach kommt einem sogar Phil Collins wie eine Wohltat vor.

Die Top Ten:

  1. Die Gerd Show
    Der Steuer-Song
  2. Eminem
    Lose yourself
  3. Robbie Williams
    Feel
  4. Panjabi MC
    Mundian to Bach Ke
  5. Nelly feat. Kelly Rowland
    Dilemma
  6. Las Ketchup
    The Ketchup Song (Asereje)
  7. Sarah Connor
    Skin on skin
  8. Xavier naidoo
    Abschied nehmen
  9. Jennifer Lopez
    Jenny from the block
  10. Ronan Keating & Jeanette
    We’ve Got Tonight

==> zur Einzelkritik <==

Chartskritik 16.12.2002

Weihnachten ist die Pest für Leute, die´s gern flott mögen. Denn da sind die Charts verseucht mit Balladen, die noch langsamer als langsam sind!!! Celine Dion sitzt im Video zu „Goodbye´s“ auf ihrem Bett, guckt pathetisch in die Luft und bringt die nackten Beine in Positur, als würde sie gleich zum Damenrasierer greifen. Ihr Gesicht ist noch leerer als das einer Schaufensterpuppe. Aber nicht ganz so teigig wie das von Enrique Iglesias… Der kann dafür mindestens genauso pathetisch gucken wie die Dion, so dass man das Schmalz gleich eimerweise auffangen möchte. Der Clip ist kompletter Müll: ein Konzertvideo, in das völlig wahllos irgendwelche Sequenzen reingeschnitten sind, die nicht mal mit viel gutem Willen irgendeinen Zusammenhang ergeben. Als hätte das Management gesagt, wir hätten da noch ne gute Weihnachtsschnulze, leider ist der Video-Etat schon leer – na, mal sehen, was wir da machen können…

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Boards Of Canada: Twoism

Zum ersten Mal gibt es dieses famose Mini-Album der schottischen Elektro-Frickler auf CD. Bis dato nur für Vinyl-Junkies und spendable Sammler (da seinerzeit auf mickrige 100 Exemplare limitiert) zu erstehen, komplettiert diese 1995 auf Music70 erschienene EP die Diskographie. Elektro-Easy Listening vom Feinsten. Und einmal mehr ein Indiz für die Genialität des Duos.

(8 Fritten)

Boards Of Canada: Twoism
(Warp/Zomba)

Chartskritik 9.12.2002

Es gibt so Phänomene, die kapiert man nicht. Da dümpelt ein Super-Song – nämlich „Dy-na-mi-tee“ von Ms. Dynamite – am unteren Ende der Charts rum und kommt einfach nicht viel höher als Platz 81. Dafür ist ein total doofes Teil wie Khias „My neck, my back“ auf Platz 37. Wie geht das? Ich kann doch nicht einen solch exklusiven Geschmack haben, dass nur mir Ms. Dynamite gefällt! Mensch Leute, das ist momentan einer der besten Songs, die überhaupt in den Top 100 sind. Der gehört mindestens unter die ersten zehn!!!

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