The Handsome Family: Twilight

„Schickt tote Vögel oder Schokolade“ steht über der Adresse der Handsome Family im Booklet. Und genauso stellt man sich die beiden auch vor: verschroben, morbide, aber eigentlich doch ganz reizend.

Die Handsome Family, das sind Mr. und Mrs. Brett und Rennie Sparks. Und sie haben den Ruf von Freaks. Das liegt zum einen am Gerücht, sie hätten sich in der Psychiatrie kennengelernt. Und zum andern an der Stoik ihrer Musik.

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Antipop Consortium: The Ends Against The Middle

Wenn die experimentiersüchtigen Elektro-Experten von Warp Records schon in Richtung HipHop schielen, dann wird es sich sicherlich um eine schrille Blüte der Beats, Cuts & Rhymes-Landschaft handeln. Stimmt. Antipop Consortium sind clevere Tüftler, Maniacs, Weirdos, für die Rap respektive HipHop etwas komplett anderes bedeutet als man das seit der Einführung des Mainstream-Fernsehens und -Radios gewohnt ist.

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Ryan Adams: Gold

Dass der ex-Frontmann von Whiskeytown ein großer Songwriter ist, ist schon lange kein Geheimnis mehr. Auf seinem zweiten Solostreich „Gold“ hat er jetzt noch Schnelligkeit und Abwechslungsreichtum für sich entdeckt und liefert seine bisher reifste Leistung ab. Sage und schreibe 16 Titel ohne einen einzigen Ausfall, von Country geschwängertem Folk über Rock’n’Roll bis hin zu großen Balladen hat er alles drauf. Die Stimme inbrünstig, die Melodien wunderschön, ist dieses Album vom ersten bis zum letzten Ton eine Lust.

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Rollins Band: Audio Airstrike Consultants 1986-1988

Eine edel aufgemachte CD-Box bietet das Label Snapper Music den Fans der Rollins Band an. In der handlichen Klappbox sind vier Pappschuber-CDs und ein 20-seitiges Booklet mit erläuternden Worten und allen Songtexten der Hardcore- und Punk-Ikone Henry Rollins zu finden. Auf den Silberlingen wird die Frühphase der Rollins Band beleuchtet, das heißt der Hörer wird mit den Alben Werken „Hot Animal Machine“, „Life Time“, „Hard Volume“ sowie der „Drive By Shooting E.P.“ konfrontiert.

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Giant: III

Wühlt man alle Platten von Vinyl bis CD durch – die drei Mannen von Giant (Dan Huff, David Huff und Mike Brignardello) tauchen ständig irgendwo als Studiomusiker auf. Die Hartwurst-Fraktion wird sich vielleicht noch daran erinnern, dass Dan Huff Megadeth’s „Cryptic Writings“ als Produzent mit einem amtlichen Sound veredelt hat und die ganz Wilden erinnern sich vielleicht auch noch an „Last Of The Runaways“, das geniale Debüt von Giant. Das zweite Werk Anfang der 90er ging unter, und jetzt, nach vielen Jahren, haben sich Giant wieder zusammen getan (diesmal ohne Alan Pasqua an den Keyboards) und knüpfen an ihr Erstlingswerk an.

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Ashby: Power Ballads

Auch wenn der Albumtitel nach purer Kraftmeierei klingt – die „Power Ballads“ sind in Wirklichkeit locker-luftige Pop-Liedchen. Allerdings mit Ausnahme-Arrangements.

Ashby (Evelyn Pope und William Cowie, ein Duo aus Amerika) packen ihre Melodien in verspielte Lounge-Outfits bis hin zum lässigen Easy-Listening-Flair. Zarte Gitarren, Vibraphon, Glöckchen, blubbernde Elektronik, Flöten, Streicher und der gute, alte Moog. Alles leichtfüßig und transparent miteinander verwoben. Das Resultat klingt romantisch, edel und angenehm altmodisch.

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Puhdys – Rock’n’Roll Music

Cover: Puhdys – Rock'n' Roll Music (1976)

Fangen wir von Anfang an. Ich glaube an Gott. Es ist ja unvorstellbar, dass alles auf der Erde so schön ist, ohne dass es einen Schöpfer gibt, der es so schön geplant hat. Der Nichtgläubige würde hier sagen, dass es uns alles nur so schön vorkommt, weil wir keinen Vergleich haben, und wenn sich alles anderes entwickelt hätte, würden wir das auch schön finden. Quatsch. Glauben Sie es mir: wenn die Musik und die Frauen und die Blumen nicht so schön wären, würde ich zumindest das merken. Also: einen Gott gibt es. Aber eine richtige Religion? Lass mich überlegen….. ja, ich glaube Lemmy hat meine Religion am besten beschrieben: „Don’t you listen to a single word against rock’n’roll/the new religion/the electric church/the only way to go.“ Und ich weiß, dass es Millionen von Gläubigen gibt, für die der Rock’n’Roll die gleiche Rolle spielt, die ältere Religionen für Milliarden anderer Menschen spielen: Wir verlassen uns darauf, wenn die Fragen des Lebens zu groß und kompliziert werden.

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Kid Loco: Kill Your Darlings

Was natürlich als erstes ins Auge fällt, ist das erotische Artwork dieser Platte. Typisch für Kid Loco, der für sein Remixalbum „Jesus Life For Children Under 12 Inches“ schon eine Gruppe nackter Models ablichten ließ. Dieses Mal ist es eine kopflose Frau, deren Hand im Minirock verschwindet. Er muss ein Faible für Erotik haben. Kein Wunder, bei der Musik. Schon der Auftakt „Cocaine Diana“ lädt zum (Ver)Träumen ein. Kid Loco mimt den Singer/Songwriter, der nicht mit der Akustikgitarre arbeitet, sondern mit Beats und Loops.

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Calvin Russell – Rebel Radio

Das Unplugged-Live-Album „Crossroads“ war für Roots-Freunde aus allen Richtungen zugänglich, für das neueste Studiowerk von Calvin Russell muss man eine gewisse Liebe zum Country mitbringen. Wenn er alleine mit einer Gitarre auf einem Barhocker sitzt und singt, gefällt er mir besser, aber trotzdem sind auf „Rebel Radio“ ein paar nette Songs dabei. Immer dann, wenn er von den Country-Insignien abrückt und in den Blues-Rock überschwenkt wie bei „It Is What It Is“ und „I’ll Be Here In The Morning“, ist es recht kernig, was das Knautschgesicht hier abliefert.

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Ozzy Osbourne: Down To Earth

Ja, er rockt noch, der gute alte Fledermaus-Enthäupter. Aber essentiell ist das nicht, was der Black Sabbath-Frontmann 2001 seiner nicht kleiner werdenden Fangemeinde zum Fraß vorwirft. Ozzy hantiert mit den gleichen Mitteln wie in den Neunzigern. Ein paar gute Kracher und ein paar gut abgehangene Balladen runden ein Album ab, das man nicht schlecht, aber auch nicht klasse finden kann. Standard halt.

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4 Hero – Creating Patterns

Na bestens. Das neue Album der allseits beliebten 4 Hero ist da. 4 Hero, das sind Marc Mac und Dego. Beide sind für die Kompositionen zu gleichen Teilen verantwortlich. Der eine zieht Tasteninstrumente vor, der andere das Programmieren und den Bass. Und insbesondere der Bass brummt dank „Creating Patterns“ durch mein Arbeitszimmer. Beneidenswert, was das Duo da gezaubert hat. Funkiger, vom Jazz durchtriebener Drum & Bass mit TripHop- und weltmusikalischem Flair. Anspruchsvoll und trotzdem weit davon entfernt, kühle Kopfmusik zu sein.

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Seafood: When Do We Start Fighting

Um ihr zweites Album aufzunehmen, zogen Seafood von London nach New York. Vier Wochen lebten sie dort. „Wir haben sogar alle im gleichen Raum auf verfilzten Matratzen und in Begleitung der hausansässigen Kakerlaken geschlafen „, sagt David Line, Sänger und Gitarrist. Bevor es nach New York ging, werkelte das Quartett vier Monate in London an den Songs des „Surviving The Quiet“-Nachfolgers.

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Ronnie Wood: Not For Beginners

Was erwartet man von dem Alt-Stein Ronnie Wood? Richtig, Alte-Männer-Blues. Und wer dachte, dass der Albumtitel „Not For Beginners“ eine sarkastische Anspielung entgegen der Erwartungshaltung ist, liegt völlig daneben. Damit das mit dem Alte-Männer-Blues nicht ganz so auffällt, hat er ein paar junge Leute um sich geschart: Kelly Jones von Stereophonics, seine Tochter Leah und „junge Hüpfer“ wie Ian McLagan (The Faces) und Bob Dylan.

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