Krimiwelt-Bestenliste Juli 2008 – und offene Fragen

Die – inhaltlich unverächtliche – Juli-Bestenliste habe, so →Initiator Gohlis, „die Grenzen ausgelotet“. Nun – nicht ganz. Auf eine noch nicht eindeutig gezogene Grenze macht →jener Kollege hier aufmerksam (bei dem man auch die aktuelle Liste betrachten kann), wenn er zu bedenken gibt, dass die Praxis, keine WIEDERveröffentlichungen zu berücksichtigen, im Falle des Neueinsteigers Rex Miller („Fettsack“) nicht beachtet wurde. Das Werk ist 1987 schon einmal erschienen und jetzt in einer „vollständigen Neuübersetzung“ zum zweiten Mal. Okay.

Das allerdings ist eine eindeutige Benachteiligung von deutschsprachigen Krimis, die ja in der Regel nicht übersetzt werden müssen, dieses Hintertürchen also verschlossen finden. Oder genügt in Zukunft ein Hinweis wie „Endlich vernünftig lektoriert“ oder „Jetzt auch mit korrekten Konjunktiven!“, um einst ignorierte Deutschkrimiprodukte doch noch in die Charts zu hieven? Die Nichtberücksichtigung deutschsprachiger Titel in der aktuellen Bestenliste hat aber nichts mit diesem Handicap zu tun. Sie geht völlig in Ordnung, denn das erste Halbjahr war aus Sicht einheimischer Schaffender eher ein Trauerhalbjahr.

Spannender wird eine zweite Grenze. Berücksichtigt die Bestenliste lediglich „Krimis“ oder schürft sie auf dem weiteren Feld der Kriminal-Literatur? Dort also, wo nicht nur belletristische Fiktion entsteht? Und heißt „Erstveröffentlichung“, dass etwas zum ersten Mal in BUCHFORM vorliegen muss, aber durchaus schon z.B. in Zeitungen abgedruckt gewesen sein kann – oder im Radio zu hören? Oder gelten solche erstmals zwischen zwei Buchdeckel gepressten Arbeiten automatisch als „Wiederveröffentlichung“ und müssen folglich draußen bleiben? Das ist neuerdings keine theoretische Frage mehr, wie aufmerksame LeserInnen dieses Blogs wissen. Mal sehen, wie sie in praxi beantwortet wird.

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wtd – die Zeitschrift. Juni 2008

Da ist sie: die erste Ausgabe von „watching the detectives“, der Krimizeitschrift im PDF-Format und – auf besonderen Wunsch – als geschütztes WORD-Dokument. Mit Aufsätzen über tödliches Lesen und die wahren Verbrechen, Rezensionen neuer Krimis von Matti Rönkä, Pieke Biermann, Jean-Cristophe Grangé und Wolfgang Kaes und einer ersten Verlagsanzeige. Noch schreibt dpr das Ganze ganz allein. Aber das wird sich ändern. Wenn sich zukünftig mehr Verlage breitschlagen lassen, in wtd eine Anzeige zum absoluten Tiefstpreis zu schalten. Auch deshalb danke ich dem Grafit Verlag und seinem Verleger für die Pionierleistung der ersten Annonce. Um fleißige Kritik wird gebeten.

wtd 1: PDF
wtd 1: WORD

Neue Arbeit

Die Schlussarbeiten an der ersten Ausgabe von „watching the detectives – die Zeitschrift“ sind in vollem Gange. Unter anderem vier Rezensionen wird es geben, zweimal plus, zweimal minus, zweimal deutschsprachig, zweimal Übersetztes aus Finnland und Frankreich. Derweil das Material für die nächste Ausgabe tagtäglich eintrifft. Einige Hightlights…

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Pieke gibt den Takt vor

pieke.gif

„Menschen – Orte – Kriminalität“: diesmal mit Musik. Musik kann aggressiv machen – oder das Gegenteil bewirken. Doris Zielatkiewicz, Lehrerin an einer Berliner Grundschule, setzt Musikmachen als Kriminalprävention ein. Ob das funktioniert, erfährt man im RBB-Inforadio 93,1 am 20. Juni 2008 um 10:27 und 13:27 Uhr. Wie immer aus dem Mund von Pieke Biermann, wie immer auch, wenn man aufs Radio klickt.

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Tannöd? Anders?

Wenn man 70 Seiten Krimi gelesen und nicht ein einziges Mal dabei gelacht hat, ist eines ganz klar: Das kann kein österreichischer Krimi sein. Ist es aber. Hans Lebert, „Die Wolfshaut“, 1960 erstveröffentlicht, jetzt mit seinen 557 Seiten bei „Neuer Europa Verlag“ wieder erschienen. Krimi? Kritischer Heimatroman? Die voluminöse Version von „Tannöd“? All das wird zu klären sein. Wir lesen gespannt weiter. Schön die Erzählperspektive: Es redet das Dorf selbst, wenn es „wir“ sagt. Für Elfriede Jelinek jedenfalls war „Die Wolfshaut“ „eines der größten Leseerlebnisse“.