Willi Voss bloggt

Der Kollege vom „Krimiblog“, der ja nichts besseres zu tun hat, als durch die Blogosphäre zu segeln, wusste es natürlich als erster: Willi Voss →bloggt. Willi Voss? Die Altvorderen kennen und schätzen ihn als Autor veritabler Thriller, die Newbies seien dringend auf ihn hingewiesen. Hat nicht unser Lehrling Jochen… doch, hat er. →Hier.

Vor- und Rückschau

Und was erwartet uns nächste Woche in diesem Blog? Wir beginnen am Montag mit einer hochspekulativen Szene aus dem Jahr 2401. Es geht um Krimis und ihren Wirklichkeitsgehalt und wir erfahren endlich, wozu ein Krimi aus der Gegenwart auch in 300 Jahren noch gut sein kann. Am Dienstag überrascht uns Bernd mit einer neuen Rezension und am Mittwoch wird wieder volksgebloggt. Die größte Sensation der Woche haben wir uns für den Donnerstag aufgehoben…

Weiterlesen

Rooney: Calling The World

Mit „Calling The World“ verhält es sich wie mit hochdosierten Medikamenten: Die Platte ist nur mit Vorsicht zu genießen. Rooney geizen nicht mit der Dosierung und schmeißen in die 13 Songs alles, was ihnen aus den 60ern, 70ern und 80ern in die Finger fällt. Speziell die ersten fünf Songs des Albums sind ein Spaß und gefallen in ihrer gutgelaunten Melodieseeligkeit.

Weiterlesen

Deon Meyer: Der Atem des Jägers

Warum ist Deon Meyers „Der Atem des Jägers“ ein gelungener Kriminalroman? Betrachten wir uns die „Eckdaten“, könnte es genauso gut ein grottenschlechter, ganz und gar von den Konventionen des Genres in die Bedeutungslosigkeit gezogener Krimi sein. Uns begegnen: eine Hure mit Herz, ein Polizist mit einem Alkohol- und Beziehungsproblem, ein sympathischer Killer. Dazu kolumbianische Drogenbarone, korrupte Bullen, missbrauchte Kinder. Legen wir das Buch nach der Lektüre des Klappentextes also resignierend aus der Hand? Sollten wir nicht tun.

Weiterlesen

Volksbloggen -2-

volksbloggen.jpg

Und wieder ist unser basisdemokratischer Tag. Heute darf sich hier jeder zu jedem beliebigen Krimithema ausbreiten, Lob und Tadel spenden, auf Bücher hinweisen, von ihnen abraten, sich etwas gaaaanz feste wünschen etc. Ran an die Kommentarfunktion!

David Olney – One Tough Town

Nein, es ist nicht der Zwillingsbruder von Van Morrison, sondern natürlich der aus New Hampshire stammende Singer/Songwriter, der Covervor- und Rückseite ziert. Dabei gilt Olney als ähnlich (öffentlichkeits)scheu und introvertiert. In regelmäßigen Abständen bringt er – bei wechselnden Labels – ein Album auf den Markt, das sich stets jeglichen Trends versagt.

Weiterlesen

Bruce Springsteen: Magic

Die Zeiten ändern sich. Vor einem Monat habe ich etwas gemacht, das ich mir noch vor zwei Jahren nicht hätte vorstellen können: ein Hörbuch angehört (auf Deutsch!) – „31 Songs“ von Nick Hornby. Na ja, um ehrlich zu sein, bin ich beim Buchhören genau so faul wie beim Buchlesen. Aber ich habe es versucht und zwei Kapitel ganz gehört, immerhin. Erst das Kapitel über J. Geils´ Live-Version von „First I Look at the Purse“ (ich glaube, dass der Text falsch zitiert wird, das ist jedoch eine andere Geschichte) und dann das über Bruce Springsteens „Thunder Road“. Ich will Hornby hier nicht zitieren (ich würde wahrscheinlich eh falsch machen) aber er bringt es auf den Punkt, warum man sich – ob Amerikaner wie ich oder nicht – mit Springsteen identifizieren kann.

Weiterlesen

Robert Ward: Four Kinds of Rain

Dr. Bob Wells ist Psychotherapeut und ein richtig guter Mensch: Für wenig Geld behandelt er die Psychopathen und Gestrandeten von Downtown Baltimore. Während Freunde und Bekannte aus Studententagen und aus der Zeit des politischern Aktivismus mittlerweile längst mit Frau und Kindern in die Vororte gezogen sind, bleibt er sich treu und lebt immer noch mitten drin in der Stadt.
Glücklich ist er aber längst nicht mehr. 52 Jahre alt, die Frau zu einem Kollegen abgehauen und seiner Praxis geht es schlecht: Das Leben, so scheint es, hat Wells nur noch wenig zu bieten.

Weiterlesen

Messebeute

Neulich in FFM: Lore Kleinert (Radio Bremen, Bestenliste-Jurorin) im Gespräch mit Astrid Paprotta und Arne Dahl, 40 Minuten zum Mitlauschen. Hören Sie →hier, was ap auf die Frage, wie sie zum Krimi gekommen sei, NICHT antwortet: „Weil meine Geschirrspülmaschine kaputt war.“

R.E.M. Live

R.E.M. sind in einem undankbaren Stadium angekommen: Fast jeder wurde von ihren alten Hits irgendwann tief berührt und trotzdem wird man das Gefühl nicht los, dass man sie vielleicht inzwischen zu oft gehört hat. Dass die vergangenen Alben nicht gerade von Kreativität durchzogen waren, ist auch kein Geheimnis und so startet man mit gemischten Gefühlen in das erste Livealbum, das die Band je veröffentlicht hat.

Weiterlesen

Sybil Volks: Café Größenwahn

(Auch für die folgende Arbeit unseres Rezensenten-Azubis Jochen übernehmen wir, wie immer, keinerlei Verantwortung. Erzürnte und kommentarmäßig enthemmte LeserInnen mögen bitte berücksichtigen, dass hier ein noch junger und unreifer Mensch seine ersten Schritte auf das glatte Parkett der kritischen Analyse setzt. Dabei sind schon ganz andere auf die Schnauze gefallen, wir nennen jetzt aber keine Namen.)

Weiterlesen

Messebericht 2007

„Den Kaffee bezahle diesmal ICH!“

Mein diesjähriger Besuch der Frankfurter Buchmesse beginnt mit einer faustdicken Überraschung. Krimischaffende Astrid Paprotta, die mich zum traditionellen Hintergrundgespräch geladen hat, ist gewillt, den Löwenanteil ihrer Tantiemen für „Feuertod“ in völlig überteuertes heißes und schwarzes Wasser zu investieren. Wir zapfen die Getränke („Selbstbedienung“) und ziehen uns zum Gedankenaustausch zurück.

Fünf Minuten rühren wir versonnen im Gebräu, bevor ap mit ausdrucksloser Stimme sagt:

„Meine Geschirrspülmaschine ist kaputt.“

Es überläuft mich. Am Stand des Dortmunder Grafit Verlages droht ein Buch umzufallen. Wir rühren weiter im Kaffee. Noch einmal fünf Minuten.

„Bei defekter Geschirrspülmaschine kann ich nicht schreiben.“

Natürlich nicht. Ich nicke mitfühlend und sammle erste Eindrücke der heurigen Modetrends bei den Verlagsmädels. Stiefel. Stiefel in allen Variationen. Röcke. Meist mittellang. Das Buch bei Grafit steht noch. Die Zeit (fünf Minuten) vergeht.

„Kein Mensch kann Krimis schreiben, wenn die Geschirrspülmaschine defekt ist“, klärt mich ap auf. Ich nicke auch diese Weisheit ab. Wir starren auf den von keinem Lüftchen bewegten, starren schwarzen See in unseren Tassen. Fünf Minuten ziehen ins Land.

„Höchstens Oliver Bottini.“

Äh…ich habe den Faden verloren. Bottini? Macht nichts. Es ist wieder an der Zeit, im Kaffee zu rühren. Vier Minuten? Nein. Fünf.

„Nein, der auch nicht.“

Wer? Was? Unwichtig. Der Kaffee ist kalt, das Buch am Grafitstand in bedenklicher Schieflage.

„Ich muss jetzt zum nächsten Termin. War schön, mal wieder mit dir zu sprechen“, gibt ap das Zeichen zum Aufbruch.

„Und grüße Anobella von mir. Ich mag sie sehr.“

„Werd ich ausrichten“, lüge ich. Interessantes Gespräch.

Auf dem Weg zu meinem nächsten Termin mit Krimiexperte Thomas Wörtche Vertiefung der bisherigen modischen Eindrücke. Ja, Stiefel. Ich mag keine Stiefel. Und Röcke. Ich mag Röcke. Dazu bisweilen recht nachlässig geknöpfte Blusen. Sehr schön.

Ex-metro-Herausgeber Wörtche wartet mit einer Sensation auf: Er hat sich das Rauchen angewöhnt. „40 Jahre Nichtraucher – ich muss ein vollständiger Idiot gewesen sein“, bekennt er hustend. Wie er es geschafft habe, mit alten Gewohnheiten so radikal zu brechen? Stolz streckt sich Wörtche zu voller Körpergröße und bekennt: „Es war nicht leicht. Am Anfang hat es einfach scheiße geschmeckt. Heute auch noch. Aber seit ich rauche, habe ich viel mehr Erfolg bei Frauen.“ Er zieht ein schwarzes Feuerzeug aus der Jackentasche und überreicht es mir. „Statt Visitenkarte“. Ich lese den Aufdruck. „Even non-smokers get the Blues“. „Vierzig Jahre! Ich fass es nicht!“

Sprichts, entsorgt seine CAMEL LIGHT nonchalant auf dem Teppichboden und verabschiedet sich auf den Spuren einer viel zu jungen Verlagsmitarbeiterin. „Grüß Anobella von mir, ich liebe sie“, sind seine letzten Worte. Ich vergesse sie sofort wieder.

Inzwischen ist es Nachmittag geworden, das Büchergemensch drückt sich durch die Flure, an Atmen ist nicht mehr zu denken. Meine nächsten Gesprächpartner, Christina Bacher und Ulrich Noller, erwarten mich in einem der zahlreichen – und natürlich überfüllten – INDOOR COFFEE SHOPS. Thema: Krimijahrbuch. Läuft alles? Noller: „Jo.“ Bacher: „Aber immer“. DPR: „Dann hätten wir uns nichts mehr zu sagen.“ Noller: „Nö.“ Bacher: „So siehts aus.“ Wir trennen uns als Freunde. Schöne Grüße soll ich ausrichten. An wen? Die LeserInnen ahnen es.

Auf dem Weg zum Höhepunkt meines Messebesuchs passiere ich den Stand des Dortmunder Grafit Verlages, als dort just jenes schon mehrmals erwähnte Buch umfällt. Es handelt sich um Horst Eckerts „Königsallee“. Ein Mann springt sofort auf, bückt sich und sorgt für die ordnungsgemäße Platzierung des Werkes. Der Mann ist kein anderer als Horst Eckert selbst, wie ich vorbeieilend im linken Augenwinkel erkenne. Schade, hätte gerne ein paar Takte mit ihm gesprochen. Aber Anobella, die im Cafe der Verlage auf mich wartet, gilt als Pünktlichkeitsfanatikerin, ich muss mich beeilen.

14.30: Ich habe es pünktlich geschafft. Keine Spur von Anobella. 14.31: Eine atemberaubende rothaarige Schönheit (also nicht Anobella) geht an mir vorbei. Ganz in Schwarz. High Heels. Schlagartig vergesse ich, warum ich hier bin.

14.35: Anobella weckt mich aus meinen Tagträumen. „He! Da bin ich! Pünktlich wie immer!“ – Ich verkneife mir den Widerspruch und überlasse mich der Sprachlosigkeit, welche mich beim Anblick der Wiesbadener Krimischaffenden gepackt hat. Sie trägt entgegen des skizzierten modischen Trends eine über den Knien unsachgemäß abgeschnittene Jeans, dazu gelbe Lackstiefel, die unter den Knien enden. Die dadurch unbedeckt bleibenden Kniescheiben wollen als erotisches Moment nicht so recht überzeugen. Gleiches gilt für das pinkfarbene T-Shirt am Oberkörper der bekennenden Hessin. „What you read is what you eat“ steht dort in grellblauen Buchstaben.

Anobella zieht mich – mir stockt der Atem – zum Tisch der rothaarigen Schönen. „Das ist Henrike Heiland!“, stellt sie vor. Wir geben uns die Hand. Fünf Minuten lang.

„Können wir jetzt was trinken?“ unterbricht Anobella, leicht gereizt, die Höflichkeitszeremonie. Können wir. Theoretisch. Doch im Cafe der Verlage gibt es Kaffee nur für Verlage. Wir schauen uns an. Wir sind Krimischaffende, keine Verlage. Die Verlage leben von uns, aber sie verweigern uns die Getränke. Verbittert ziehen wir weiter. Nach odyseeischen Wanderungen erreichen wir ein Cafe, das auch an NormalautorInnen Getränke ausschenkt.

„Ein Mineralwasser“, bestellt Henrike Heiland, „aber bitte laktosefrei.“

Anobella schaut mich an. Gereizt.

„Du mit deinem Wasser!“, zischt sie der vielversprechenden Nachwuchsautorin (euphorische Besprechungen ihrer Werke auf diesem Blog folgen!) zu und bestellt selbst „Kaffee! Und Kuchen! Ich zahl heute alles!“ Der Berichterstatter schließt sich an.

Austausch erster Floskeln. Natürlich habe ich ALLES von Henrike Heiland gelesen (stimmt nicht), natürlich ist alles wunderbar (stimmt natürlich!), natürlich finde ich es toll, das mit dem laktosefreien Wasser, natürlich ist es auch toll Kaffee zu trinken (Anobella lockert den Griff um meinen Hals).

„Geh mal eine rauchen, wir müssen jetzt über Frauenthemen sprechen“, fordert mich Anobella rüde auf, eine rauchen zu gehen. Ich gehe eine rauchen. Als ich zurückkomme, ist Ano“ich zahle alles“bella beim zweiten Kaffee und dem dritten Stück Kuchen. Der Blick, den sie mir entgegenwirft, kann nur als finster bezeichnet werden.

„Du riechst nach Rauch“, faltet sie mich zusammen, „wir mögen das nicht. Müsstest du nicht längst am Bahnhof sein?“

Ja, wenn ich es mir recht überlege… Ich verabschiede mich von Henrike Heiland, gebe ihr wieder die Hand (fünf Minuten), verabschiede mich auch von Anobella („Tschüs. Man sieht sich.“). Die drückt mir die Rechnung in die Hand. „Bezahl das mal da vorne an der Kasse. Ich glaub, ich hab meinen Geldbeutel vergessen.“

Seufzend opfere ich einen Zwanziger und quäle mich durch die Massen. Nächstes Jahr werde ich wieder dabei sein. Es hat sich gelohnt.

Weiterlesen

Volksbloggen -1-

Heute gebe ich mal kein Thema vor. IHR seid dran! Ran an die Kommentarfunktion und geschrieben, was euch zum Thema Krimi auf der Zunge oder am Herzen liegt. Empfehlungen, Abräte, Wünsche an den Blogger, Anregungen, Rezensionen, Polemiken, Kritik in allen Formen. Oder hemmungslose Eigenwerbung (aber, bitte, nicht unter Pseudonym!). Und niemanden beleidigen. Nicht einmal die Bielefelder.