Die lachenden Detektive

Lustig geht es manchmal zu beim Krimiblog von Hinternet. Ein Kasten Bier auf dem Tisch, Chef Walter wirft ein Stück Konfetti in die Luft und befiehlt „Stimmung!“. Die herausragendsten Ergebnisse solcher Orgien der Lustigkeit findet man nun hier aufgelistet. Ab sofort auch als permanenten Link in der rechten Leiste der Krimilinks von „watching the detectives“.

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Lektoren

Unter dem Titel „Diener zweier Herren? Verlagslektoren und ihre Arbeit“ lief vorgestern eine → Sendung beim Deutschlandradio über Arbeit und Wesen, Glanz und Elend der Lektoren. Darin auch O-Töne von Pieke Biermann und Thomas Wörtche. Manuskript kann als Papier oder Audiodatei heruntergeladen werden. Interessant. Wenn Sie immer schon einmal wissen wollten, welcher Herausgeber einen Lektor verprügelt hat. Mich überrascht das nicht… (Danke an Frau Anobella für diesen Hinweis!)

Mailingliste

Ach ja, der Vollständigkeit halber: Ich stelle gerade eine Mailingliste für alte-krimis.de zusammen. Alle, die da draufstehen, erhalten in unregelmäßigen Abständen Informationen über den neuesten Stand des Projekts, die Planungen, dazu Leseproben und andere Annehmlichkeiten. Alles völ-lig un-ver-bind-lich. Wer drauf möchte, schicke eine kurze (oder lange) Mail an mich.

Früher war alles besser

Ich will ja dem Herrn → Linder, der gerade das frühe 20. Kriminaljahrhundert unterm kritischen Auge hat, nicht ins Handwerk pfuschen. Aber das hier ist einfach zu schön und so wahr, als dass ich daran vorbeigehen könnte. Eine Kriminalparodie aus dem Jahr 1920 von Baron G. de S. Heinrich Lautensack, und schon der Titel ist eine Kurzgeschichte: „Leben, Taten und Meinungen (kurz zusammengefaßt) des sehr berühmten russischen Detektivs Maximow, Beamter zu besonderen Aufträgen im Ministerium des Innern zu St. Petersburg“. Allein die Vorrede war die Investition wert…

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Jim Fusilli: Tribeca Blues

Terry Orr hat vor fünf Jahren seine Frau und ein Kind durch ein Gewaltverbrechen verloren. Er kennt den Täter: Raymond Montgomery Weisz, ein ehemaliges Wunderkind des Klaviers, zerbrochen an den Ansprüchen seiner Mutter, seit vielen Jahren durch die Strasse New Yorks wildernd, von Terry Orr als Wolfsmann bezeichnet. Terry Orr will sich rächen: Raymond Montgomery Weisz ist seine Obsession.
Terry Orr hat aber auch eine Tochter zu erziehen. Er musste lernen seine Obsession zu kontrollieren. Und er trägt schwer daran. Wenn auch über weite Strecken des Buches die Beziehung zwischen der selbstständigen Tochter und dem Vater freundlich ist, spürt der Leser, dass die Tochter gerne mehr von ihrem Vater hätte.

„Tribeca Blues“ ist das dritte Buch des italoamerikanischen Autors Jim Fusilli, und entwickelt die Geschichte Terry Orrs fort. Es ist zum einen eine Reise zurück zum Tod von Frau und Kind und eine Geschichte über das Zerplatzen einer Obsession. Plötzlich stellt sich alles ganz anders dar und am Ende wird Terry Orr versuchen, das Leben Raymond Montgomery Weisz’ zu retten. Es ist aber auch ein klassischer PI-Roman („Private Investigator“). Denn einer der beiden letzten Wünsche eines toten Freundes war, dass ein gemeinsamer Freund seine verwaiste Kneipe übernimmt und der andere Wunsch war, dass Terry Orr verhindern möge, dass seine frühere Frau selber von der Kneipe Besitz ergreift.

Diese Art von Krimi ist in den USA recht verbreitet: Gut gemacht, entwickeln sich mehrere Erzählstränge nebeneinander, um am Ende eine unauflösbare Einheit darzustellen. Dazu ein Detektiv mit einer persönlichen Konfliktsituation und schon ist es fertig, das amerikanische Krimipendant zu einem internationalen, barrique -ausgebauten Rotwein (1).

So wie beim Wein das Etikett, so dienen bei diesen Krimis die Atmosphäre, die Umgebung und die Stilistik als Möglichkeit, sich individuell in Szene zu setzen. „Tribeca Blues“ spielt hauptsächlich in einem engumschriebenen Gebiet New Yorks, in dem auch „Ground Zero“ liegt. Terry Orrs Frau war Italienerin und die Haushälterin der Familie versucht die Werte der italienischen Küche hochzuhalten. Das fügt sich zu einem Buch mit individueller Note, aber keineswegs zu einem Regionalkrimi.

Sprachlich ist dem Autor nichts vorzuwerfen. „Tribeca Blues“ ist ein von leichter Hand geschriebenes, sich furios entwickelndes Buch, dominiert von der Obsession Terry Orrs. Die Sprache ist knapp. Zur Zeichnung der glaubwürdig entwickelten Personen enthält die Story allerdings manchmal etwas viel Speck. Der Aufbau ist wohl durchdacht. Dabei schafft es Fusilli immer wieder, im rechten Moment durch eine überraschende Wendung an der Schraube zu drehen. Wenn es auch vielleicht nicht ganz die „beklemmende“ Emotionalität oder die scheinbare Ausweglosigkeit der allerersten Garde hat, so ist es ein ausgesprochen gutes Buch. Alleine: Ab und zu ermüden diese etwas uniform wirkenden Werke des gehobenen Niveaus etwas.

(1) Hierbei handelt es sich bekanntlich um Rotweine, die mitunter sehr teuer sind, qualitativ unangreifbar wirken, aber auf hohen Niveau austauschbar schmecken und ihre Wurzeln häufig nicht mehr erkennen lassen.

Jim Fusilli: Tribeca Blues. 
Berkley Prime Crime 2004. 294 Seiten, z.Zt. nur gebraucht erhältlich
(keine deutsche Übersetzung)

Nachtgedanken -1-

1929 war alles vorbei. Der Kriminalroman als leichte Erschütterung der Wirklichkeitskruste, unter der das Magma des Triebhaften brodelte, der Kriminalroman, der solche Erschütterungen nutzte, um einen Spalt zum Inferno zu öffnen – und sogleich wieder zu verschließen, der Kriminalroman, der darob einen Schrecken einjagte und wieder vertrieb, die Katharsis als Schlafmittel. Vorbei.

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