Katja Werker: Leave That Thing Behind

Seit ihrem atemberaubenden Debüt „Contact Myself“ (2000) hat Katja Werker scheinbar ihren zweiten Vornamen verloren und auch im Booklet der neuen CD ist durchgängig nur von ‚Mrs. Werker‘ die Rede. Wenn das in der Geschwindigkeit weitergeht, ist beim vierten Album vom Namen nichts mehr übrig und zurück bliebe ihre fragile Musik, die über jede Art von Namen erhaben ist.

Weiterlesen

Rezensionsstau

Das gibt’s. Vier gelesene Bücher, die der Rezension harren. Alle in irgendeiner Weise beispielhaft, drei empfehlenswert, eins naja. Ob ich für jedes eine längere Besprechung hinkriege? Kommt ja immer wieder was dazu. Und bunkern für schlechte Zeiten? Mal sehen. Hier die vier Titel mit kurzer Bewertung.

Weiterlesen

Carmen Korn: Der Fall der Engel

eisenbahn.jpg

[Warum ich morgens so gerne Zug fahre: Man wird hellwach dabei. Wenn ein Fähnlein Schüler sich des Abteils bemächtigt, ein Ausguck voraus, der nach freien Plätzen sucht und, wenn gefunden, „Los, schnell, hin, frei!“ schreit. Und dann wieseln sie an einem vorbei, und wenn man nicht aufpasst und zum Gang hin sitzt, wischen sie einem mit den Tornistern übers Gesicht. Stimmung. Das ist was los.]

Weiterlesen

Klasse

In den Unterklasse-Quartieren greift ein rabiater Sozialdarwinismus nach dem Vorbild des Gangsta-Rap. Wo keine Politik, keine Gewerkschaft und keine (christliche) Kirche mehr Strukturen aufrechterhält, die die Konkurrenz um prekäre Jobs und lukrative Deals abfedert oder reguliert, da gehört das Erniedrigen & Beleidigen deines Nächsten zum guten Ton.

Klaus Walter in der taz über Beleidigungen und Laudatios im Pop (und warum Bohlen auch Polizisten duzen darf)
→ Ey, du Scheißopfer!

Weiterlesen

Jacques Berndorf: Requiem für einen Henker

Die Eifel. Der Krimi. Berndorf. Und dazwischen immer mal wieder ein Abstecher in die hohe Politik (das unfassbar schwache „Eine Reise nach Genf“ um den Barschel-Fall) und den Dreck der Geheimdienste. Nun bin ich weder ein „Fan“ von Eifel-Berndorf (obwohl er einer der erträglichsten Schreiber von Regionalkrimis ist) noch generell von Polit-Spionage-Thrillern. Der Verriss von „Requiem für einen Henker“ scheint also vorprogrammiert.

Weiterlesen

Bruno Bozzetto

Anobella → zeigt sich begeistert von einem Flashfilmchen, das uns zeigt, wie die Italiener Auto fahren. Als Zusatzinfo weisen wir gerne darauf hin, dass die Animation von Bruno Bozzetto stammt und dass Bruno Bozzetto natürlich toll ist, denn Bruno Bozzetto war in früheren Tagen mal der Schöpfer von Herrn Rossi. Der Herr Rossi, der immer auf der Suche nach dem Glück war (Hinternet-Rezension → hier) und heute seine Rente als Werbefigur für die Glücksspirale aufbessern muss.

Weiterlesen

Die Kriminalerzählung -1-

Ja, da braut sich wieder etwas zusammen. Da kann wieder einer nicht das Erreichte genießen, sondern muss gleich blindlings auf das nächste Ziel losgehen. Blindlings? Nein, nicht doch. Er macht sich so seine Gedanken. Sie ranken sich um die Kriminalerzählung und werden hier in nächster Zeit dem verehrten Publikum zur gefälligen Kenntnis gebracht. Teilweise noch ungeordnet. Und was steht am Ende? Natürlich ein neues Projekt. Man kennt es von diesem Menschen ja gar nicht anders.

Weiterlesen

Ali Farka Touré (1939-2006)

Gewissermaßen aus heiterem Himmel tauchte in Europa im Herbst 1988 ein Musiker auf, der nicht dem Ethno-Folk-Image jener Zeit entsprach, keine wallenden Klamotten eines westafrikanischen Griots trug und auch nicht das für den Sahel typische Instrument, die Kora (eine sog. Bogenharfe), spielte. Gleichwohl verstand sich auch Ali Farka Touré als Geschichtenerzähler und Geschichtenbewahrer. Sein bevorzugtes Instrument war die Gitarre.
Weiterlesen

Superlative

Jetzt habe ich’s zum zwanzigsten Mal gehört: das Fernsehereignis des Jahres war: „Dresden“ (ZDF). Sagen alle. Alle beim ZDF zumindest. Muß also stimmen.

Ich selbst hätte ja auf die Fußballweltmeisterschaft als Jahres-TV-Ereignis getippt. Hab‘ aber „Dresden“ (ZDF) auch gar nicht erst gesehen. Genau wie Oma Zapp (Jahrgang ’29). Ihre Begründung: „Ich hatte schon genug Krieg“.

Blogtipp

Ich habe ihn jetzt lange genug beobachtet, den Herrn Linder. Und seine → Blogaktivitäten aufmerksam und schweigend verfolgt. Aber jetzt reichts! Jetzt muss es mal gesagt werden: Da kann man wirklich hingehen und was lernen und seinen Spaß haben. Herr Linder macht das viel wissenschaftlicher als wir Profanblogger. Er beobachtet den Buchmarkt, schaut auf die Justiz und zurück in die Vergangenheit, befasst sich mit Geständnissen und anderen krimiaffinen Dingen, sogar die Dienstwagenfrage bei Norbert Horst weiß er zu behandeln. Tja, tut mir leid: muss ich wohl empfehlen.

Rezensentenbelehrung

Webseiten von Autoren sind Werbeseiten. In Ordnung. Man hat ein Buch geschrieben und preist es an, man verweist stolz auf die Lobeshymnen der Rezensenten – und verschweigt im Allgemeinen ihre Verrisse. Auch in Ordnung. Das nennt man Kosmetik, das nennt man Werbung, das nimmt kein Mensch ernst, der seine fünf Groschen noch beisammen hat.

Weiterlesen